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Künstliche Intelligenz: Kann mir ChatGPT bei meinen Finanzen helfen?

Anna Ramm
von Anna Ramm, 07.01.2026

Künstliche Intelligenz ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken. KI-Chatbots wie ChatGPT, Gemini & Co. beantworten dir Fragen zu allen nur erdenklichen Themen, liefern Rezepte zum Kochen, erstellen E-Mails oder können dein Instagram-Profil analysieren. Doch kann ChatGPT dir auch bei Finanzfragen wie Geldanlage, Steuern oder Versicherungen helfen? Wir haben die kostenlose Version ausprobiert und sagen dir, worauf du unbedingt achten solltest.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt: Künstliche Intelligenz und Finanzen

  • ChatGPT kann bei Finanzfragen eine erste Orientierung bieten.
  • Du solltest dich nicht auf die Antworten verlassen, weil die künstliche Intelligenz (KI) oft Fehler macht. 
  • ChatGPT eignet sich nicht als Haushaltsbuch, weil das Eintragen umständlich ist und spezialisierte Apps besser funktionieren. 
  • ChatGPT kann dir einen Überblick über Kreditarten geben, aber du solltest Angebote und Konditionen immer selbst überprüfen.  
  • Triff keine Anlageentscheidungen allein auf Basis von KI-Antworten. 

Kann ChatGPT Finanzthemen verständlich erklären?

Beim Thema Finanzen tauchen immer wieder Begriffe und Fragen auf, die du vielleicht nicht verstehst – und auf die du gerne eine Antwort hättest, zum Beispiel:

  • Was versteht man etwa unter einer Dividendenrendite?
  • Brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
  • Und was genau ist eigentlich ein Freistellungsauftrag? 

Solche Fragen oder auch Aufforderungen – sogenannte Prompts – landen heutzutage häufig bei ChatGPT, etwa: „Erkläre mir in verständlicher Sprache, was Dividenden sind.“ Die Antworten kommen schnell und sind meist auch so verständlich, dass man sie auch ohne BWL-Studium versteht. Aber sind die Antworten auch immer richtig? Nicht unbedingt (siehe Infobox).

Zum Thema Freistellungsauftrag schreibt ChatGPT in unserem Test, dass man keinen brauche, „wenn deine Kapitalerträge sowieso über dem Freibetrag liegen.“ Das ist schlicht falsch und würde dich bares Geld kosten. Denn ohne Freistellungsauftrag werden alle Kapitalerträge versteuert – auch jene unter dem Freibetrag von 1.000 Euro – dem sogenannten Sparerpauschbetrag.  

Übrigens: Was du über den Freistellungsauftrag wissen musst, erfährst du in unserem Ratgeber „Freistellungsauftrag: So stoppst du die Steuern für Zinsen und Dividenden“.

Wieso gibt ChatGPT manchmal falsche Antworten?

Wenn du eine Frage in ChatGPT eingibst, greift das System auf dessen Trainingsdaten zu und berücksichtigt meistens auch Inhalte aus dem Internet. Daraus entsteht eine Antwort, die statistisch am wahrscheinlichsten passt.  

Bei einfachen Fragen funktioniert das oft gut. Fragt man zum Beispiel nach der Hauptstadt von Deutschland, liefern fast alle Quellen die gleiche Antwort. Die Wahrscheinlichkeit für eine richtige Antwort ist dann sehr hoch.  

Schwieriger wird es bei komplexen Themen, etwa beim Freistellungsauftrag im deutschen Steuerrecht. Hier sind die Informationen oft unvollständig, unterschiedlich oder veraltet. ChatGPT versucht trotzdem, eine passende Antwort zu formulieren – und liegt dabei manchmal zum Teil oder auch voll daneben.  

Wie hoch ist die Fehlerquote? Dazu gibt es unterschiedliche Untersuchungen – manche finden in bis zu 80 Prozent der Antworten Fehler.

Wichtig: Dieses Statistik-Vorgehen startet bei jeder Anfrage neu. Deswegen wirst du höchstwahrscheinlich andere Antworten erhalten als wir in unserem Test – auch, wenn du exakt die gleiche Frage eingibst.  

Kann ChatGPT ein Haushaltsbuch führen?

Wo ist eigentlich das ganze Geld am Monatsende geblieben? Vielleicht fragst du dich das beim Blick auf deinen Kontostand auch hin und wieder. Mit einem Haushaltsbuch behältst du den Überblick über deine monatlichen Ausgaben, kannst Sparpotentiale identifizieren und verschaffst dir Klarheit über dein Budget. Ob sich ChatGPT hier als gutes Buchhaltungstool erweist?

Mit einfachen Prompts wie „Kannst du mir ein Haushaltsbuch erstellen und dieses führen?“ kommst du jedenfalls nicht weiter. Zwar liefert dir der Chatbot eine Excel-Tabelle; die ist jedoch mehr als dürftig. Außerdem musst du deine Ausgaben einzeln eintragen, was ziemlich mühselig sein kann. Wirklich praxistauglich und zufriedenstellend ist das alles nicht – zumal der Chatbot in der kostenlosen Version regelmäßig die Arbeit verweigerte, sobald er umfangreichere Dokumente generieren sollte.  

Besser geeignet und unkomplizierter sind da spezielle Haushaltsbuch-Apps, die es je nach Funktionen kostenlos oder im Abo gibt. Viele dieser Apps ermöglichen sogar die automatische Verknüpfung mit deinem Bankkonto, analysieren alle Einnahmen und Ausgaben in Echtzeit und bieten zusätzliche Features wie detaillierte Analysen und KI-gestützte Finanzberatung.

Wichtig: Füttere einen Chatbot wie ChatGPT niemals unbedacht mit sensiblen persönlichen Daten, wie Kontonummern, deinem Klarnamen oder Ähnlichem. Auch mit Daten wie deinem Monatsgehalt solltest du vorsichtig umgehen.

Ein junges Paar bereitet frisches Essen zu und füllt es in Behälter ab
© istock/golero/2024  Praktischer Tipp von ChatGPT: Meal Prep –frisches Essen für mehrere Tage vorkochen und dabei Geld sparen.

Kann ChatGPT gute Geldspar-Tipps geben?

Stichwort Ausgaben: Spartipps sollten für ChatGPT eine der leichtesten Übungen sein. Das testen wir und tippen ein: „Gib mir Tipps, wie ich am besten Geld sparen kann.“ Die erfreuliche Antwort: Anstatt einer ellenlangen Liste mit bloßen Spartipps à la „Leitungswasser statt Mineralwasser trinken“ geht der Chatbot strukturiert vor. Heißt: Zunächst empfiehlt ChatGPT, sich einen Überblick über alle Ausgaben (und Einnahmen) zu verschaffen – besonders über die Fixkosten, also die regelmäßigen Ausgaben wie Miete, Strom und Abos. 

In der Regel schlägt ChatGPT am Ende einer Antwort vor, was als Nächstes erstellt oder beantwortet werden könnte. In unserem Fall bat der Chatbot darum, konkrete Sparziele zu nennen, um präzisere Tipps zu liefern. Wir haben angegeben, dass wir Schulden abbauen und einen Notgroschen aufbauen wollen.  

Daraufhin gab ChatGPT konkrete Vorschläge: praktische Apps, eine Excel-Tabelle und ein einfaches 3-Konten-Modell. Letzteres basiert auf einem Girokonto für Fixkosten, einem Sparkonto – etwa Tagesgeldkonto oder Fondssparplan – sowie einem Spaßkonto für Freizeitausgaben. Das 3-Konten-Modell wird unter anderem auch von Banken empfohlen. 

Das klingt schon mal alles sehr durchdacht, zumal ChatGPT auch ein persönliches Sparsystem vorschlägt. Sollten wir uns für die Excel-Tabelle entscheiden, wird außerdem erklärt, wie man diese nutzt und pflegt, damit sie sich monatlich automatisch aktualisiert. Doch auch hier gilt wieder: Man muss sich mit dem Thema schon beschäftigen, von allein läuft nichts.

Schließlich erhalten wir auch gute und strukturierte Spartipps, untergliedert in verschiedene Kategorien wie „Haushalt und Energie“, „Mobilität“ oder „Alltag und Einkaufen“. So wird bei Letzterer etwa auf den Trend „Meal Prep“ (kurz für „Meal Preparation“) hingewiesen, also dem Vorkochen von Mahlzeiten für mehrere Tage. Dadurch isst man meistens nicht nur gesünder und hat weniger Stress, sondern gibt auch weniger Geld aus, zum Beispiel für Lieferdienste. 

Kann künstliche Intelligenz bei der Kreditsuche helfen?

Es gibt Situationen, in denen du vielleicht einen Kredit brauchst – zum Beispiel für eine teure Autoreparatur oder wenn dein Konto überzogen ist und du die Rechnungen nicht mehr bezahlen kannst. Kann KI hierzu Tipps geben und helfen, ein passendes Angebot zu finden? 

Probieren wir’s aus: Der Chatbot nennt nicht nur die aktuellen Konditionen, zu denen Kredite derzeit von Banken vergeben werden und wovon diese abhängen (zum Beispiel von deiner Bonität); er berechnet auch verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Laufzeiten und sagt, wo die Vor- und Nachteile liegen. Zum Beispiel, dass kürzere Laufzeiten zwar höhere Monatsraten bedeuten, der Kredit dafür aber schneller abbezahlt und insgesamt günstiger ist, weil weniger Zinsen anfallen. 

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Als nützliche Orientierungshilfe erweist sich auch der Dialog mit ChatGPT. Fragen wie „Wieviel Kredit kann ich mir überhaupt leisten?“ oder „Was hältst du von Anbietern, die Kredite auch ohne gute Bonität vergeben?“ werden mit konkreten Summen beantwortet – vorausgesetzt, man hat zuvor einige Eckdaten wie Einnahmen und Ausgaben eingegeben.  

Außerdem weist die KI auf Risiken und Fallstricke hin, zum Beispiel darauf, dass Angebote wie „Kredite ohne Schufa“ oder „trotz schlechter Bonität“ oft unseriös sind und hohe Zinskosten sowie bedenkliche Vertragsbedingungen haben. 

Manchmal nennt der Chatbot keine konkreten Kreditangebote, sondern verweist auf einschlägige Vergleichsportale, um passende Angebote für die individuelle finanzielle Situation einzuholen – eine sinnvolle Vorgehensweise.  

Wichtig: Auch wenn die Konditionen verlockend aussehen und ein Link zu einer bekannten Bank angegeben ist, heißt das nicht, dass alles korrekt ist. KI kann sogar ganze Websites oder Informationen erfinden. Prüfe daher unbedingt auf den offiziellen Seiten der Banken die Konditionen – auch das Kleingedruckte – bevor du einen Kredit aufnimmst. 

Aktienchart auf einem Handy-Display
© istock/oatawa/2023  Geldanlage per Handy? Besondere Vorsicht ist bei Aktientipps per KI geboten.

Kann KI sinnvolle Anlagetipps geben?

Und jetzt ans Eingemachte: Wenn ich Chatbots schon alles fragen kann, dann doch sicher auch, mit welcher Geldanlage ich am schnellsten reich werde? Oder anders ausgedrückt: Taugen ChatGPT & Co. auch für die Anlageberatung? Um es kurz zu machen: Auch die KI ist kein Orakel, das dir Aktientipps oder andere Anlagen nennt, die morgen das Hundertfache wert sind. Aber sie kann dir Denkanstöße geben und einen Überblick über die Möglichkeiten verschaffen.

Dabei kommt es stark darauf an, welche Fragen du stellst. Statt „Wie werde ich reich?“ sollte der Prompt konkret und präzise formuliert sein, zum Beispiel: „Ich bin 30 Jahre alt und möchte 2000 Euro anlegen. Nenne mir Möglichkeiten, wie ich mein Geld in den nächsten fünf Jahren vermehren kann. Bitte berücksichtige aktuelle Zinssätze sowie sichere und risikoreiche Anlageformen.“ Auf dieser Basis schlägt die KI verschiedene Optionen vor.  

Wichtig: Betrachte die Antworten nur als erste Orientierung. Sie sollten niemals die alleinige Basis für deine Entscheidung sein! Denn wie bereits erwähnt: Die KI macht Fehler und hat zudem keine Ahnung von deiner persönlichen finanziellen Situation, was eine wichtige Rolle beim Thema Geldanlage spielt. Bevor du möglicherweise dein Erspartes verlierst, solltest du immer auch zusätzliche Informationen einholen.  

Übrigens: Mit KI Geld anlegen ist nicht neu – sogenannte Robo-Advisors bieten automatisierte Anlagestrategien an.  

Jede*r Zehnte informiert sich bei KI zu Finanzfragen

Ob Geldanlage, Altersvorsorge oder Depotangelegenheiten: Jede*r Zehnte in Deutschland befragt zu Finanzthemen mittlerweile Chatbots wie ChatGPT & Co. Das ergab eine Umfrage von YouGov. Bei jüngeren Erwachsenen zwischen 25 bis 34 Jahren setzt sogar fast jede*r Fünfte auf die digitale Hilfe (18 Prozent).

ChatGPT bei Finanzfragen richtig nutzen: Das solltest du beachten

Chatbots wie ChatGPT können bei Finanzfragen durchaus eine erste Orientierungshilfe bieten, vor allem bei allgemeinen Themen wie Spartipps. Den Antworten der KI solltest du jedoch niemals einfach so vertrauen, sondern immer hinterfragen. Das gilt besonders bei konkreten finanziellen Entscheidungen wie Krediten oder Geldanlagen. Selbst wenn Links angegeben werden: Die KI kann Quellen falsch interpretieren oder sie sogar komplett erfinden.  

Um bessere Antworten zu erhalten und dich vor Missbrauch zu schützen, solltest du ChatGPT richtig nutzen und einige Tipps und Tricks beherzigen: 

  • Präzise Fragen stellen: Je konkreter dein Prompt, desto hilfreicher die Antwort. 
  • Keine sensiblen Daten eingeben: Keine Kontonummern, Passwörter, Adressen oder ähnliches. 
  • In den Dialog treten: Frage nach Vor- und Nachteilen, lass dir Alternativen nennen oder lasse dir Aussagen näher erklären. 
  • Quellen prüfen: Frage nach den Quellen der Antworten und überprüfe sie selbst. Vertrauenswürdige Quellen sind zum Beispiel Banken, Finanz- oder Verbrauchermagazine. Verlasse dich nicht darauf, dass die KI die Quellen korrekt wiedergibt. 

So entspannt kann Geldanlage sein

Lege Geld beiseite für den Fall der Fälle – sicher und zu attraktiven Konditionen. Mit den Angeboten der Hanseatic Bank. Zum Beispiel beim TagesGeld: Jährlich (variable) Zinsen kassieren bei voller Flexibilität. Oder beim SparBrief: Hier gibt es je nach Anlagezeitraum noch mehr obendrauf. Eröffnung und Kontoführung sind natürlich kostenlos.

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FAQ: Häufige Fragen und Antworten

Beantwortet ChatGPT Finanzfragen zuverlässig?   

Nein. ChatGPT kann eine erste Orientierungshilfe bieten, zum Beispiel bei generellen Themen wie Spartipps, kann aber auch falsche oder veraltete Informationen liefern, insbesondere bei komplizierteren Themen. Antworten sollten immer überprüft werden.

Kann ChatGPT ein Haushaltsbuch für mich führen?   

Nur sehr eingeschränkt. ChatGPT kann einfache Tabellen erstellen, ist aber nicht praxistauglich für die laufende Buchführung. Spezielle Haushaltsbuch-Apps sind deutlich praktischer.  

Kann ich ChatGPT meine Finanzdaten geben?   

Nein. Sensible Daten wie Kontonummern, Klarnamen oder Zugangsdaten solltest du nicht in einen Chatbot eingeben. Auch Finanzdaten wie dein Monatsgehalt solltest du lieber für dich behalten.

Hilft ChatGPT bei der Kreditsuche?   

Jein. ChatGPT kann erklären, wie Kredite funktionieren, Szenarien berechnen und auf Risiken hinweisen. Konkrete Angebote, Zinssätze oder Links solltest du jedoch immer direkt bei Banken oder Vergleichsportalen prüfen.

Taugt ChatGPT für Anlageberatung?   

Jein. Die KI kann eine erste Orientierung bieten, Anlageformen erklären, Unterschiede aufzeigen und Denkanstöße bieten. Du solltest allerdings nie eine Anlageentscheidung nur auf KI-Grundlage treffen, denn ChatGPT kennt weder deine Risikobereitschaft noch deine finanzielle Gesamtsituation. Entscheidungen sollten immer auf mehreren verlässlichen Quellen beruhen. 

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