Finanzberater erklärt älterem Paar Finanzunterlagen
Vorsorgen

Finanzberatung: Muss guter Rat teuer sein oder geht’s auch kostenlos?

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 29.07.2021

Was waren das noch Zeiten, als man für sein Geld auf dem Sparbuch Zinsen bekam! Heutzutage stehen Sie mit Erspartem schon fast vor einem Problem: Bei vielen Kreditinstituten müssen Sie sogar dafür bezahlen, wenn Sie viel Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen haben. Wohin also mit dem mühsam angesparten Notgroschen? Professioneller Rat wäre gut. Doch woher nehmen? Und was kostet es eigentlich, eine*n Finanzberater*in aufzusuchen? Wir erklären Ihnen, wie Sie seriöse von unseriösen Beratenden unterscheiden und warum „kostenlos” nicht heißt, dass Sie für die Beratung nichts bezahlen.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Auch Finanzberater*innen arbeiten nicht umsonst. Tatsächlich kostenlos ist ihre Dienstleistung deshalb grundsätzlich nie.
  • Wenn Sie kein Honorar bezahlen, werden die Kosten an anderer Stelle wieder reingeholt.
  • Neutrale Finanzberatung bekommen Sie auch bei Verbraucherschutzorganisationen. Komfortabler ist die Geldanlage aber über unabhängige Beratende, die sich auch um den Abschluss kümmern.
  • Unseriöse Angebote lassen sich mithilfe von ein paar Grundregeln oft leicht erkennen.

Provision oder Honorar – das ist die Frage

Eine kostenlose Finanzberatung gibt es nicht. Punkt. Wenn Ihnen jemand etwas anderes erzählt, ist das vermutlich nur ein Teil der Wahrheit. Und es ist auch nachvollziehbar und nicht verwerflich, dass Finanzberater*innen für ihre Arbeit bezahlt werden möchten. Das wollen Sie schließlich auch. Entscheidend bei der Finanzberatung ist: Wer bezahlt wofür? Und wie viel?

Provision

Noch immer weit verbreitet sind Provisionszahlungen für Finanzberatende. Für Verbraucher*innen bedeutet das: Sie zahlen – vorgeblich – nichts für die Beratung. Damit werben die Anbieter*innen solcher Provisionsberatungen. Typisches Beispiel: „Für Sie als Kund*in ist unsere Beratung kostenlos.” Prinzipiell ist diese Aussage auch nicht falsch: Sie bezahlen erst einmal nichts für das Beratungsgespräch. Der*die Berater*in erhält die Vergütung von der anderen Seite. Also von der Versicherungsgesellschaft oder der Bank, deren Produkte er*sie verkauft. Das klingt vielleicht erst einmal gut, hat aber gleich mehrere Haken.

  1. Anbieter von Finanzprodukten zahlen die Provisionen nicht aus Nettigkeit und auch nicht aus der Portokasse. Sie rechnen diese Ausgaben bei der Kalkulation des Produktpreises oder der Beiträge direkt mit ein. Auf diesem Weg zahlen letzten Endes doch die Kund*innen für die Beratung – nur sehen sie es nicht direkt.
    Beispiel: Für den Abschluss einer lang laufenden Kapitallebensversicherung erhalten Vermittler*innen in der Regel zwischen drei und fünf Prozent der Beitragssumme an Provision. Sie können es sich selbst ausrechnen: Wenn Sie über 30 Jahre monatlich 100 Euro in diese Lebensversicherung einzahlen, summiert sich das auf insgesamt 36.000 Euro. Davon bekommt Ihr*e Berater*in dementsprechend zwischen 1.080 und 1.800 Euro für die Vermittlung. Dieses Geld fließt also gar nicht in die eigentliche Versicherung und wird gewinnbringend für Sie angelegt, sondern geht für Gebühren drauf.
  2. Der zweite Haken dieses Modells liegt auf der Hand: Beratende sind womöglich versucht, Ihnen eher ein Produkt zu verkaufen, an dem sie selbst gut verdienen. Und nicht unbedingt die Geldanlage, die am besten zu Ihren persönlichen Vorstellungen und Wünschen passt. Komplett unabhängig kann so eine Finanzberatung also kaum sein.

Honorar

Anders sieht es bei einer Honorarberatung aus. Da ist von vornherein klar, dass Sie bezahlen. Selbst dann, wenn am Ende herauskommt, dass es keine Geldanlage gibt, die komplett zu Ihren Wünschen und Vorstellungen passt. In der Regel zahlen Sie für die Zeit, die ein*e Finanzberater*in für Sie aufwendet: Abgerechnet wird pro Stunde. Dafür arbeitet diese Person dann aber auch ausschließlich für Sie und in Ihrem Interesse. Sie ist nicht an bestimmte Anbieter gebunden. Provisionen anzunehmen ist Honoraberater*innen nämlich ausdrücklich verboten. Das heißt, sie können auf die gesamte Angebotspalette verschiedener Anbieter und Produkte zurückgreifen, um eine für Sie ideale Geldanlage zusammenzustellen.

Finanzberater begrüßt einen Kunden mit Handschlag und frisch gebrühtem Kaffee.
© istock/skynesher/2019  Bei der Honoraberatung bezahlen Sie für die Zeit, die der*die Beratende Ihnen und Ihren Finanzen widmet.

Wie viel Honorar kostet eine unabhängige Finanzberatung?

Für Honorarberatende gelten keine festgelegten Gebühren. Es kann daher deutliche Unterschiede bei den Stundensätzen geben. Sie bewegen sich meist im Bereich zwischen 100 und 250 Euro pro Stunde. Viele unabhängige Finanzberatende orientieren sich an den Honoraren für Anwält*innen und rufen um die 150 Euro pro Stunde auf. Wie viel Sie letztendlich bezahlen, hängt natürlich davon ab, wie umfangreich die Beratung ist. In relativ einfachen Fällen steht Ihre Anlageempfehlung womöglich schon nach ein paar Stunden Arbeit. Aber die Kosten für eine umfassende Finanzberatung und -planung können auch in den vierstelligen Bereich gehen.

Auch Verbraucherzentralen bieten Finanzberatungen an. Hier kommen Sie möglicherweise günstiger weg als bei Honorarberatenden. Dafür müssen Sie sich dann allerdings selbst darum kümmern, die empfohlenen Geldanlagen herauszusuchen und abzuschließen. Denn Produkte vermitteln dürfen die Verbraucherschützer nicht. Als Richtwert für die Kosten: Die Verbraucherzentrale Hamburg berechnet zum Beispiel für eine persönliche Beratung zum Thema Geldanlage und Altersvorsorge 160 Euro für 90 Minuten. 

So erkennen Sie eine seriöse Finanzberatung

Zugegeben: Es ist nicht immer leicht zu erkennen, ob ein*e Beratende*r mehr am eigenen Vermögen interessiert als an Ihrem. Ein unkomplizierter erster Schritte bei der Suche ist es, sich im privaten Umfeld nach Empfehlungen umzuhören. Blind verlassen sollten Sie sich auf die Empfehlungen aus dem Freundes- und Familienkreis jedoch nicht. Schließlich können sich auf persönliche Kontakte schlechter Beratung auf den Leim gegangen sein, ohne es bislang bemerkt zu haben. Haken Sie deshalb immer genau nach, warum jemand eine Lösung empfiehlt.

Eine Auswahl unabhängige Beratender zu verschiedenen Themengebieten wie Kapitalanlagen, Versicherungen oder Bau- und Immobilienfinanzierungen finden Sie zum Beispiel beim Bundesverband Finanzplaner e. V. Ähnliches bieten der Verband Deutscher Honorarberater und die Bundesweite Finanzberatung.

Wenn Sie eine*n Finanzberater*in gefunden haben, ist auch ein Blick ins Vermittlerregister des Deutschen Industrie- und Handelskammertags zu empfehlen. Denn Versicherungsvermittler*innen, Versicherungsberater*innen, Finanzanlagenvermittler*innen, Honorar-Finanzanlageberater*innen und Immobiliardarlehensvermittler*innen benötigen eine Zulassung der zuständigen Behörde. Dazu müssen sie neben der persönlichen Zuverlässigkeit und den persönlichen geordneten Vermögensverhältnissen auch eine Berufshaftpflichtversicherung und eine gewisse Sachkunde nachweisen. Registrierte Finanzberater*innen bieten immerhin ein Mindestmaß an Seriosität.

Finanzberaterin erklärt einem Kunden die Unterlagen zu einem Anlageprodukt
© istock/VioletaStoimenova/2019  Eine gute Finanzberatung geht auf Ihre Fragen ein und erklärt angebotene Produkte genau.

Im Beratungsgespräch gibt es einige Punkte, an denen Sie erkennen können, ob Ihr Gegenüber Sie gut berät.

Seriöse Finanzberater*innen ...

  • stellen Ihnen vor einem Angebot viele Fragen zu Ihren persönlichen (Vermögens-)Verhältnissen. Sie informieren sich über Ihre familiäre Situation, Ihre Anlageziele, die gewünscht Anlagedauer, Ihre Risikobereitschaft und vieles mehr. Es geht ihnen darum, Sie und Ihre Wünsche kennenzulernen. Konkrete Produkte spielen erst einmal keine Rolle.
  • erstellen erst nach dieser Bestandsaufnahme ein Angebot auf Basis Ihrer persönlichen Wünsche und Ziele.
  • greifen auf eine breite Palette unterschiedlicher Produkte von verschiedenen Anbietern zurück, um Ihnen ein passgenaues Angebot unterbreiten zu können.
  • klären Sie unaufgefordert über die Kosten von angebotenen Produkten auf.
  • drängen Sie nicht zu einer Unterschrift, sondern lassen Ihnen genügend Zeit, das Angebot in Ruhe zu studieren und zu verstehen.
  • sind immer bereit, ihre Aussagen zu Renditen, Risiken, Laufzeiten und Ausstiegsmöglichkeiten etc. schriftlich festzuhalten und Ihnen diese Unterlagen auszuhändigen.
  • machen Sie von sich aus darauf aufmerksam, dass Sie den Vertrag innerhalb von 14 Tagen widerrufen können.

Tipp: Zur Vorbereitung auf ein Finanzberatungs-Gespräch bietet die Verbraucherzentrale eine Checkliste an. Damit können Sie sich schon im Vorfeld in Ruhe mit den Fragen auseinandersetzen, die Ihnen ein seriöser Anbieter im Beratungsgespräch stellt. Außerdem hilft sie Ihnen, sich über vieles im Vorhinein klar zu werden. Der Fragebogen erleichtert zudem Ihrer*m Finanzberatenden die Auswahl der passenden Anlagestrategie.

7 Praxistipps zum Schutz vor unseriösen Angeboten

  1. Auf Finanzberatende, die unaufgefordert Kontakt zu Ihnen aufnehmen – sei es per Telefon, per Mail oder direkt an der Wohnungstür – sollten Sie sich grundsätzlich nicht einlassen. Egal wie gerufen Ihnen das Beratungsangebot gerade kommt. Vor allem dann nicht, wenn diese dabei versuchen, mit Lockbegriffen wie „Altersvorsorge optimieren” oder „risikolose Geldanlage” Ihr Interesse zu wecken.
  2. Das gilt auch, wenn der*die Beratende sich auf Freunde oder Bekannte von Ihnen beruft. Typisches Beispiel: „Ein Kollege/Freund/Verwandter hat mir Ihre Kontaktdaten gegeben, weil er denkt, dass diese Geldanlage auch für Sie interessant sein könnte.” Selbst wenn konkrete Namen genannt werden, bedeutet das nicht, dass es sich um ein seriöses Angebot handelt.
  3. Lassen Sie sich immer alles schriftlich geben. Vor allem bei Aussagen zu Renditen, Risiko, Laufzeiten und Ausstiegsmöglichkeiten sollten Sie sich nicht mit mündlichen Versprechungen zufriedengeben. Bestehen Sie auf Aushändigung von Verkaufsprospekten vor Vertragsunterzeichnung.
  4. Fragen Sie ausdrücklich nach den Kosten für Vertrieb, Prospekterstellung, Verwaltung und Vermittlung der empfohlenen Produkte. Und bestehen Sie darauf, dass Ihr Gegenüber Ihnen diese Fragen beantwortet. Lassen Sie sich nicht mit einem Hinweis abspeisen, dass Sie dies im Verkaufsprospekt oder den überreichten Unterlagen nachlesen können.
  5. Lassen Sie sich niemals zu einer schnellen Unterschrift drängen. Auch wenn man Ihnen etwas anderes weismachen möchte: Morgen gibt es ganz sicher noch ähnlich gute Angebote.
  6. Kaufen Sie kein Produkt, das Sie nicht verstehen!
  7. Grundsätzlich gilt bei der Geldanlage: Je höher die mögliche Rendite ist, desto größer ist auch das Risiko. Das ist leider so. Wer Ihnen hohe Renditen ohne Risiko und womöglich noch kurzfristige Verfügbarkeit Ihres Geldes verspricht, lügt vermutlich.

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