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Wie funktionieren Aktien?

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 01.12.2022

Wer ein bisschen Geld zur Seite legen und dabei möglichst noch etwas Gewinn einfahren möchte, trifft immer wieder auf denselben Tipp: Am besten ist ein ausgewogener Mix. Ein Teil Festgeld soll es sein, ein Teil Immobilien und unbedingt Aktien – wegen der Rendite. Denn diese bietet gerade in Niedrigzinsphasen kein Sparbuch. Aktien dagegen sind in der Regel langfristig eine lohnende Geldanlage. Du willst wissen, wie Aktien funktionieren? Wir erklären dir die Grundlagen.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Aktien sind Anteilscheine an einem Unternehmen.
  • Mit Aktien beschaffen sich Unternehmen Eigenkapital.
  • Aktien bieten Chancen und Risiken.
  • Aktionär*innen profitieren von Dividenden und Kursgewinnen.
  • Aktienkurse werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst.
  • Um Aktien zu kaufen, benötigst du ein Wertpapierdepot. 

Chancen und Risiken

Beim ertragreichen Sparen kommen Anleger*innen um Aktien kaum herum. Denn wer viele Aktien von verschiedenen Unternehmen besitzt, macht in der Regel auf lange Sicht Gewinn – das belegen Studien. Einerseits. Bevor sich Anfänger*innen aber an eine Geldanlage mit Aktien wagen, sollten sie zumindest ein gewisses Grundwissen über Aktien besitzen. Denn andererseits gilt: Aktien bieten nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Und Aktienkurse schwanken teils stark. Das kann eine*n schon mal nervös machen. Und Anleger*innen schlimmstenfalls sogar teuer zu stehen kommen, wenn Aktien weniger wert sind als der Kaufbetrag. 

Was ist eine Aktie?

Große Unternehmen gehören häufig nicht einer einzigen Person, sondern sind sogenannte Aktiengesellschaften. Solche Gesellschaften teilen ihr Grundkapital auf in eine Vielzahl von Anteilen, die sie verkaufen. Diese Anteile heißen Aktien. Über den Verkauf beschaffen sich die Unternehmen Eigenkapital (dazu später mehr in diesem Kapitel). Die Käufer*innen erhalten also Aktien dafür, dass sie dem Unternehmen Geld zur Verfügung stellen.

Wer Aktien besitzt, wird als Aktionär*in bezeichnet. Alle Aktionär*innen gemeinsam sind Eigentümer*innen der Aktiengesellschaft. Schon mit einer Aktie gehört dir also ein kleines Stück einer großen Gesellschaft wie zum Beispiel Daimler. Als Miteigentümer*in bist du unmittelbar am Erfolg oder Misserfolg der Firma beteiligt.

Versammlung vieler Menschen vor einem Redner, ein Zuhörer meldet sich zu Wort
© istock/skynesher/2019  Auf der jährlichen Hauptversammlung haben Aktionär*innen ein Mitspracherecht.

Welche Rechte haben Aktionär*innen?

Als Aktionär*in bist du Miteigentümer*in eines Unternehmens. Und damit stehen dir auch Rechte zu. Die wichtigsten sind: 

  • Recht zur Teilnahme an der Hauptversammlung, die mindestens einmal jährlich stattfindet.
  • Stimmrecht: Du kannst auf der Hauptversammlung zum Beispiel mitentscheiden, ob der Unternehmensgewinn an die Aktionär*innen fließen oder investiert werden soll. Oder ob du der Arbeit des Vorstands zustimmst (ihn „entlastest“). Wie groß dein Einfluss ist, hängt ab von der Anzahl deiner Aktien.
  • Auskunftsrecht: Du kannst vom Vorstand Informationen über die Wirtschaftslage „deines“ Unternehmens verlangen.
  • Recht auf Gewinnbeteiligung: Wenn das Unternehmen Gewinne ausschüttet, hast du Anspruch auf einen Anteil – gemäß der Anzahl deiner Aktien.
  • Bezugsrecht: Wenn das Unternehmen mehr Kapital benötigt und dazu neue Aktien herausgibt, haben die Altaktionär*innen ein Vorkaufsrecht.

Warum geben Unternehmen Aktien aus?

Klare Antwort: Weil sie Geld brauchen. Zum Beispiel, um einen Konkurrenten zu übernehmen. Oder um in ein neues Geschäftsfeld zu investieren.

Das nötige Kapital können sich die Unternehmen auf zwei Wegen beschaffen: Entweder sie nehmen einen Kredit auf. Dafür müssen sie Zinsen zahlen und das geliehene Kapital irgendwann auch zurückzahlen. Oder sie besorgen sich eigenes Geld, indem sie Unternehmensanteile in Form von Aktien an der Börse zum Kauf anbieten. Das eingenommene Geld ist Eigenkapital, das im Unternehmen bleibt und weder verzinst noch zurückgezahlt werden muss. Zwar erwarten die Aktionär*innen eine Gewinnbeteiligung, aber die wird eben nur gezahlt, wenn auch wirklich Gewinn gemacht wird.

Wie kann ich mit Aktien Geld verdienen?

Als Aktionär*in bekommst du keine Zinsen und auch keine garantierte Rendite. Trotzdem bringen Aktien dir Geld ein, und zwar auf zweierlei Weise:

  • mit Dividenden. So nennt man die Gewinnausschüttungen einer Aktiengesellschaft.
  • mit Kursgewinnen. Die fallen dann an, wenn du Aktien billig ein- und teurer verkaufen kannst. Das klingt allerdings sehr viel einfacher, als es tatsächlich ist.

Wie wird der Preis von Aktien gebildet?

Aktien sind Wertpapiere, die Investor*innen an der Börse jederzeit kaufen und auch wieder verkauft können. Dort wird der Preis einer Aktie – der Aktienkurs – gebildet, und zwar abhängig von Angebot und Nachfrage. 

An der Wertpapierbörse werden Aktien laufend gehandelt. Wenn viele Anleger*innen eine bestimmte Aktie kaufen wollen, steigt der Preis dafür. Aktien von einem erfolgreichen Unternehmen wollen natürlich viele haben. Andersherum: Gibt es viele, die Aktien verkaufen wollen, aber nur wenige interessierte Käufer*innen, werden die entsprechenden Aktien billiger. Solche Ausschläge nach oben und unten können gerade Aktien-Einsteiger*innen beunruhigen, sind aber normal.

Kleine Gruppe von Ingenieuren diskutiert ein neu entwickeltes Modell
© istock/gorodenkoff/2018  Neue zukunftsweisende Entwicklungen lassen den Aktienkurs eines Unternehmens steigen.

Wie kommt es zu Schwankungen an der Börse?

Wie viele eine Aktie kaufen wollen, hängt nicht nur vom aktuellen Erfolg eines Unternehmens ab. Denn Aktionär*innen wollen ja langfristig Dividenden einfahren und am Ende die Aktien sogar noch teuer verkaufen.

Also versuchen Börsianer*innen, die künftige Entwicklung abzuschätzen. Wie entwickelt sich die Wirtschaftslage insgesamt? Wie sind die Aussichten der Branche? Welchen Einfluss haben politische Entscheidungen? Was für eine Geldpolitik verfolgt die Europäische Zentralbank?

Und bezüglich einzelner Unternehmen: Arbeitet vielleicht eines an einem neuen Produkt, das hohe Gewinne verspricht – zum Beispiel wie es Biontech mit seinem Impfstoff gegen Corona gelungen ist? Oder drohen einer Aktiengesellschaft teure Rechtsstreitigkeiten – wie VW, das bei den Abgaswerten seiner Autos trickste? 

Viele Faktoren, ja sogar Gerüchte können die Börse in Aufregung versetzen und für starke Kursschwankungen sorgen. 

Was ist ein Aktienindex?

In einem Aktienindex wird die Wertentwicklung verschiedener Aktien eines bestimmten Marktes zusammengefasst. Beispiel: Im Deutschen Aktienindex, kurz DAX, sind es die 40 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen. Deren Aktien werden oft auch als Blue Chips bezeichnet. Der DAX spiegelt die Entwicklung dieser Unternehmen in einer einzigen Zahl wider – je höher die Kurse der einzelnen Unternehmen, desto höher der Wert des Index. Wenn aber die Mehrheit der Kurse der Unternehmen fällt, fällt auch der Index. Damit zeichnet der DAX ein gutes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland insgesamt.

Entsprechende Aktienindizes gibt es auch für andere Länder oder mehrere Länder aus der ganzen Welt – wie zum Beispiel der Aktienindex MSCI World. Manche Indizes wiederum zeigen die Entwicklungen der Unternehmen in bestimmten Regionen oder aus speziellen Branchen, beispielsweise dem Technologie-Bereich.

Junge Bankangestellte zeigt einer Kundin, wo sie unterschreiben muss
© istock/damircudic/2018  Ein Wertpapierdepot kannst du bei jeder Bank vor Ort eröffnen – oder online bei Direktbanken.

Wie kann ich Aktien kaufen?

Um Aktien kaufen zu können, benötigst du ein Wertpapierdepot. Ein solches kannst du bei deiner Hausbank oder jeder anderen Bank eröffnen, aber auch bei Direktbanken im Internet, die meist kostengünstiger sind. Darüber wickelst du dann deine An- und Verkäufe ab. 

Tipp: Leg dein Aktiendepot möglichst breit an. Kauf also Aktien von mehreren Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, anstatt das Geld nur in Aktien eines einzigen Unternehmens zu stecken. Warum? Weil du damit das Risiko reduzierst. Denn dass alle Aktien gleichzeitig einbrechen, ist eher unwahrscheinlich. 

Oder du beginnst als Aktien-Einsteiger*in mit Aktienfonds statt mit Einzelaktien. Ein Fonds sammelt Geld bei Anleger*innen ein und investiert es an der Börse. Mit einem Aktienfonds bekommst du also sofort einen ganzen Korb unterschiedlicher Aktien. Welche Aktien in den Korb kommen, das bestimmen professionelle Fondsmanager*innen.  

Andere Möglichkeit: Du entscheidest dich für ETFs (Exchange Traded Funds). Das sind sogenannte Indexfonds, weil sie möglichst präzise einen bestimmten Aktienindex wie den DAX „nachbauen“. Sprich: Sie kaufen genau die Aktien, die auch in einem Index vertreten sind. Solche ETFs sind kostengünstiger, weil sie keine teuer bezahlten Fondsmanager*innen benötigen. 

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