Börsenhändler sitzen vor einer Bildschirmwand und beobachten Kursentwicklungen, während sie gleichzeitig telefonieren
Wissen

Wie funktionieren Aktien?

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 26.10.2021

Wer ein bisschen Geld zur Seite legen und dabei möglichst noch etwas Gewinn einfahren möchte, trifft immer wieder auf denselben Tipp: am besten ist ein ausgewogener Mix. Ein Teil Festgeld soll es sein, ein Teil Immobilien und unbedingt Aktien – wegen der Rendite. Denn diese bietet gerade in der derzeitigen Niedrigzinsphase kein Sparbuch. Aktien dagegen sind langfristig eine lohnende Geldanlage, wenn man ein paar Regeln beachtet. Sie wollen wissen, wie Aktien funktionieren? Wir erklären Ihnen die Grundlagen.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Aktien sind Anteilscheine an einem Unternehmen.
  • Mit Aktien beschaffen sich Unternehmen Eigenkapital.
  • Aktien bieten Chancen und Risiken.
  • Aktionär*innen profitieren von Dividenden und Kursgewinnen.
  • Aktienkurse werden von zahlreichen Faktoren beeinflusst.
  • Um Aktien zu kaufen, benötigen Sie ein Wertpapierdepot.

Chancen und Risiken

Beim Sparen kommen Anleger*innen um Aktien kaum herum. Denn wer viele Aktien von verschiedenen Unternehmen besitzt, macht in der Regel auf lange Sicht Gewinn – das belegen zahlreiche Studien. Einerseits. Bevor sich Anfänger*innen aber an eine Geldanlage mit Aktien wagen, sollten sie zumindest ein gewisses Grundwissen über Aktien besitzen. Denn andererseits gilt: Aktien bieten nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Und Aktienkurse schwanken teils stark. Das kann einen schon mal nervös machen. Und Anleger*innen schlimmstenfalls sogar teuer zu stehen kommen, wenn Aktien weniger wert sind als der Betrag, für die man sie gekauft hat. 

Was ist eine Aktie?

Große Unternehmen gehören häufig nicht einer einzigen Person. Sondern sie sind sogenannte Aktiengesellschaften. Solche Gesellschaften teilen ihr Grundkapital auf in eine Vielzahl von Anteilen, die sie verkaufen. Diese Anteile nennt man Aktien. Über den Verkauf beschaffen sich die Unternehmen Eigenkapital (dazu später mehr in diesem Kapitel). Die Käufer*innen erhalten also Aktien dafür, dass sie dem Unternehmen Geld zur Verfügung stellen.

Wer Aktien besitzt, wird als Aktionärin beziehungsweise Aktionär bezeichnet. Alle Aktionär*innen gemeinsam sind Eigentümer*innen der Aktiengesellschaft. Schon mit einer Aktie gehört Ihnen also ein kleines Stück einer großen Gesellschaft wie zum Beispiel Daimler. Als Miteigentümer*in sind Sie unmittelbar am Erfolg oder Misserfolg der Firma beteiligt.

Versammlung vieler Menschen vor einem Redner, ein Zuhörer meldet sich zu Wort
© istock/skynesher/2019  Auf der jährlichen Hauptversammlung haben Aktionäre ein Mitspracherecht.

Welche Rechte haben Aktionärinnen und Aktionäre?

Als Aktionär*in sind Sie Miteigentümer*in eines Unternehmens. Und damit stehen Ihnen auch Rechte zu. Die wichtigsten sind:

  • Recht zur Teilnahme an der Hauptversammlung, die mindestens einmal jährlich stattfindet.
  • Stimmrecht: Sie können auf der Hauptversammlung zum Beispiel mitentscheiden, ob der Unternehmensgewinn an die Aktionär*innen fließen oder investiert werden soll. Oder ob Sie der Arbeit des Vorstands zustimmen (ihn „entlasten“). Wie groß Ihr Einfluss ist, hängt ab von der Anzahl Ihrer Aktien.
  • Auskunftsrecht: Sie können vom Vorstand Informationen über die Wirtschaftslage „Ihres“ Unternehmens verlangen.
  • Recht auf Gewinnbeteiligung: Wenn das Unternehmen Gewinne ausschüttet, haben Sie Anspruch auf einen Anteil – gemäß der Anzahl Ihrer Aktien. 
  • Bezugsrecht: Wenn das Unternehmen mehr Kapital benötigt und dazu neue Aktien herausgibt, haben die Altaktionär*innen ein Vorkaufsrecht.

Warum geben Unternehmen Aktien aus?

Klare Antwort: Weil sie Geld brauchen. Zum Beispiel, um einen Konkurrenten zu übernehmen. Oder um in ein neues Geschäftsfeld zu investieren.

Das nötige Kapital können sich die Unternehmen auf zwei Wegen beschaffen: Entweder sie nehmen einen Kredit auf. Dafür müssen sie Zinsen zahlen und das geliehene Kapital irgendwann auch zurückzahlen. Oder sie besorgen sich eigenes Geld, indem sie Unternehmensanteile in Form von Aktien an der Börse zum Kauf anbieten. Das eingenommene Geld ist Eigenkapital, das im Unternehmen bleibt und weder verzinst noch zurückgezahlt werden muss. Zwar erwarten die Aktionär*innen eine Gewinnbeteiligung, aber die wird eben nur gezahlt, wenn auch wirklich Gewinn gemacht wird.

Wie kann man mit Aktien Geld verdienen?

Als Aktionär*in bekommen Sie keine Zinsen und auch keine garantierte Rendite. Trotzdem bringen Aktien Ihnen Geld ein, und zwar auf zweierlei Weise:

  • mit Dividenden. So nennt man die Gewinnausschüttungen einer Aktiengesellschaft.
  • mit Kursgewinnen. Die fallen dann an, wenn Sie Aktien billig ein- und teurer verkaufen können. Das klingt allerdings sehr viel einfacher, als es tatsächlich ist.

Wie wird der Preis von Aktien gebildet?

Aktien sind Wertpapiere, die an der Börse jederzeit gekauft und auch wieder verkauft werden können. Dort wird der Preis einer Aktie – der Aktienkurs – gebildet, und zwar abhängig von Angebot und Nachfrage

An der Wertpapierbörse werden Aktien laufend gehandelt. Wenn viele Anleger*innen eine bestimmte Aktie kaufen wollen, steigt der Preis dafür. Aktien von einem erfolgreichen Unternehmen wollen natürlich viele haben. Andersherum: Gibt es viele, die Aktien verkaufen wollen, aber nur wenige interessierte Käufer*innen, werden die entsprechenden Aktien billiger. Solche Ausschläge nach oben und unten können gerade Aktien-Einsteiger*innen beunruhigen, sind aber normal.

Kleine Gruppe von Ingenieuren diskutiert ein neu entwickeltes Modell
© istock/gorodenkoff/2018  Neue zukunftsweisende Entwicklungen lassen den Aktienkurs eines Unternehmens steigen.

Wie kommt es zu Schwankungen an der Börse?

Wie viele eine Aktie kaufen wollen, hängt nicht nur vom aktuellen Erfolg eines Unternehmens ab. Denn Aktionär*innen wollen ja langfristig Dividende einfahren und am Ende die Aktien sogar noch teuer verkaufen.

Also versuchen Börsianer*innen, die künftige Entwicklung abzuschätzen. Wie entwickelt sich die Wirtschaftslage insgesamt? Wie sind die Aussichten der Branche? Welchen Einfluss haben politische Entscheidungen? Was für eine Geldpolitik verfolgt die Europäische Zentralbank?

Und bezüglich einzelner Unternehmen: Arbeitet vielleicht eines an einem neuen Produkt, das hohe Gewinne verspricht – zum Beispiel wie es Biontech mit seinem Impfstoff gegen Corona gelungen ist? Oder drohen einer Aktiengesellschaft teure Rechtsstreitigkeiten – wie VW, das bei den Abgaswerten seiner Autos trickste? 

Viele Faktoren, ja sogar Gerüchte können die Börse in Aufregung versetzen und für starke Kursschwankungen sorgen. 

Was ist ein Aktienindex?

In einem Aktienindex wird die Wertentwicklung verschiedener Aktien eines bestimmten Marktes zusammengefasst. Beispiel: Im Deutschen Aktienindex, kurz DAX, sind es die 40 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen. Deren Aktien werden oft auch als Blue Chips bezeichnet. Der DAX spiegelt die Entwicklung dieser Unternehmen in einer einzigen Zahl wider – je höher die Kurse der einzelnen Unternehmen, desto höher der Wert des Index. Wenn aber die Mehrheit der Kurse der Unternehmen fällt, fällt auch der Index. Damit zeichnet der DAX ein gutes Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland insgesamt.

Entsprechende Aktienindizes gibt es auch für andere Länder. Manche Indizes wiederum zeigen die Entwicklungen der Unternehmen in bestimmten Regionen oder aus speziellen Branchen, beispielsweise dem Technologie-Bereich.

Junge Bankangestellte zeigt einer Kundin, wo sie unterschreiben muss
© istock/damircudic/2018  Ein Wertpapierdepot können Sie bei jeder Bank vor Ort eröffnen – oder online bei Direktbanken.

 

Wie kann ich Aktien kaufen?

Um Aktien kaufen zu können, benötigen Sie ein Wertpapierdepot. Ein solches können Sie bei Ihrer Hausbank oder jeder anderen Bank eröffnen, aber auch bei Direktbanken im Internet, die meist kostengünstiger sind. Darüber können Sie dann Ihre An- und Verkäufe abwickeln.

Tipp: Legen Sie Ihr Aktiendepot möglichst breit an, sprich: Kaufen Sie Aktien von mehreren Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, anstatt das Geld nur in Aktien eines einzigen Unternehmens zu stecken. Warum? Weil Sie damit das Risiko reduzieren. Denn dass alle Aktien gleichzeitig einbrechen, ist eher unwahrscheinlich.

Oder Sie beginnen als Aktien-Einsteiger*in mit Aktienfonds statt mit Einzelaktien. Ein Fonds sammelt Geld an der Börse ein und investiert es in verschiedene Anlagen. Mit einem Aktienfonds bekommen Sie also sofort einen ganzen Korb unterschiedlicher Aktien. Welche Aktien in den Korb kommen, darüber entscheiden professionelle Fondsmanager*innen. Andere Möglichkeit: Sie entscheiden sich für ETFs (Exchange Traded Funds). Das sind sogenannte Indexfonds, weil sie möglichst präzise einen bestimmten Aktienindex wie den DAX „nachbauen“. Sprich: Sie kaufen genau die Aktien, die auch in einem Index vertreten sind. Solche ETFs sind kostengünstiger, weil sie keine teuer bezahlten Fondsmanager*innen benötigen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

10

Das könnte Sie auch interessieren: