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Nachhaltige Geldanlagen: Was macht „grüne” Investments aus?

Bianca Sellnow
von Bianca Sellnow, 23.03.2021

Sie spielen mit dem Gedanken, nachhaltig zu investieren? Oder fragen sich einfach, was es mit „grünen” Investments auf sich hat? Hier finden Sie den KlarMacher-Guide zu nachhaltigen Geldanlagen. Wir erklären etwa, wann Geldanlagen als nachhaltig gelten, ob sie Vorteile gegenüber anderen Investments haben und worauf Sie achten können, um ethisch und ökologisch korrekt zu investieren.

Themen in diesem Artikel

Wann gilt eine Geldanlage als nachhaltig?

Eine allgemeingültige Definition für nachhaltige Geldanlagen gibt es nicht. Häufig werden Investments jedoch anhand bestimmter Merkmale bewertet, um festzulegen, ob und inwiefern sie als nachhaltig bezeichnet werden können. Das sind die sogenannten ESG-Kriterien, wobei ESG für Environment, Social, Governance steht. Ins Deutsche übersetzt in etwa Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. 

Wichtig zu wissen ist dabei: Bewertet wird nicht die Geldanlage selbst, sondern der Anbieter, der dahinter steht. Das ist der sogenannte Emittent. Dabei handelt es sich häufig um Unternehmen, die Aktien und Wertpapiere ausgeben. Aber es können beispielsweise auch Versicherungen oder sogar Staaten sein. Eine Geldanlage gilt demnach als nachhaltig, wenn ihr Emittent die ESG-Kriterien erfüllt.

Wie die Bewertung nach ESG oder auch anderen Kriterien abläuft und welche Aspekte darin genau einfließen, hängt stark davon ab, wer die Beurteilung vornimmt. Eine objektive Bewertung ist zudem oft schwierig. Denn meist müssen sich die prüfenden Stellen dabei auf die Angaben der jeweiligen Emittenten verlassen. Die folgende Grafik zeigt einige Beispiele für typische allgemeine Punkte, die in eine Bewertung anhand von ESG-Kriterien einfließen können.

grafik esg-kriterien

Um nach ESG-Kriterien als nachhaltiges Investment zu gelten, müssen in der Regel in allen Bereichen bestimmte Mindestanforderungen erfüllt werden. Häufig legt der Anbieter der Geldanlagen selbst diese Anforderungen fest – also beispielsweise die Bank oder Kapitalverwaltungsgesellschaft. Dadurch kann die Nachhaltigkeitsbewertung sehr subjektiv ausfallen. Wer sich auf diese individuelle Einstufung nicht gänzlich verlassen möchte, kann auch selbst Kriterien bestimmen, die die eigene Geldanlage erfüllen soll – siehe dazu auch die unterschiedlichen Anlagestrategien im Abschnitt „Welche Arten von nachhaltigen Geldanlagen gibt es?”. Eine weitere Alternative bieten Siegel von unabhängigen Organisationen, die Geldanlagen auf ihre Nachhaltigkeit hin prüfen.

Unabhängige Siegel bringen mehr Transparenz in der Bewertung

Um standardisierte und damit besser vergleichbare Bewertungen zu ermöglichen, gibt es bereits einige Siegel, wie das vom Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. (FNG). Das Siegel bezieht sich auf Fonds und basiert auf Bewertungen diverser Nachhaltigkeitskriterien. 

Erfüllen die von dem Fachverband geprüften Geldanlagen dessen eigene ESG-Kriterien, werden sie mit dem Siegel ausgezeichnet. Zusätzlich können die Fonds bis zu drei Sterne erhalten, wenn sie sich durch besonderes Engagement hervorheben. Diese Sterne werden dann auf dem Siegel mit abgebildet. Von jeglicher Auszeichnung ausgeschlossen sind Investments in bestimmten Branchen, wie etwa Rüstung, Fracking oder Atomkraft. Mehr dazu lesen Sie hier: FNG-Siegel.

Welche Arten von nachhaltigen Geldanlagen gibt es?

Gilt ein Investment als nachhaltig, erfüllt der dahinterstehende Emittent zwar gewisse Grundstandards, was Umwelt, Soziales und Unternehmensführung angeht. Dennoch setzt sich jeder unterschiedlich stark für die drei Bereiche ein. Die eine Firma hat etwa ein besonders ausgefeiltes Umweltmanagement, eine andere glänzt dagegen durch herausragendes soziales Engagement. Wer bewusst entscheiden möchte, in was genau er investiert, sollte sich deshalb die Frage stellen: Wie finde ich unter den Investments für mich die passende nachhaltige Geldanlage?

Dabei können – zusätzlich zu anderen nachhaltigen Kriterien oder als Alternative – unterschiedliche Anlagestrategien für nachhaltiges Investieren helfen. Hier einige der wichtigsten im Überblick, die sich unter Umständen auch kombinieren lassen:

Ausschluss- oder Negativkriterien

Hierbei legen Anleger*innen von vornherein fest, dass sie nicht in Unternehmen investieren möchten, die bestimmte Eigenschaften haben. Häufig schließen sie etwa Firmen aus, die

  • in der Tabak- oder Waffenindustrie tätig sind, 
  • Kernenergie erzeugen , 
  • Tierversuche durchführen,
  • Glücksspiel oder Pornografie anbieten,
    unter menschen- und arbeitsrechtlich fragwürdigen Bedingungen produzieren, etwa indem sie Kinderarbeit tolerieren.

Best in Class:

Bei den „Best in Class” handelt es sich um Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche oder auch Anlageklasse am nachhaltigsten sind – also beispielsweise die strengsten ESG-Kriterien erfüllen. Angenommen Anleger*innen möchten in den Energiesektor investieren. Dann können sie mit dieser Anlagestrategie erreichen, dass ihr Geld bei den Unternehmen angelegt wird, die am nachhaltigsten Strom oder Wärme produzieren.

Eine Frau füllt Haferflocken ab in einem Unverpackt-Laden
© istock/monkeybusinessimage/2019  Mit nachhaltigen Geldanlagen können Sie in Firmen investieren, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Gesellschaft haben.

Impact Investing

Hierbei handelt es sich um Investments in Unternehmen, die eine messbare nachhaltige Wirkung erzielen. So kann das Geschäftsmodell etwa das Ziel haben, Abfälle zu reduzieren, erneuerbare Energien zu produzieren oder auch Armut zu bekämpfen.

Normbasiertes Screening

Nach dieser Strategie kommen nur Investments in Unternehmen infrage, die sich an gewisse Richtlinien halten, was etwa den Umweltschutz oder auch die Arbeitsbedingungen angeht. Maßstab können hier beispielsweise die Leitsätze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sein oder auch der United Nations (UN) Global Compact. Beide gehören zu den weltweit wichtigsten Instrumenten, die sich für verantwortungsvolle Unternehmensführung einsetzen.

Stimmrechtsausübung

Diese ausgesuchten Geldanlagen ermöglichen es Aktionären, ein Stimmrecht auszuüben, um die Geschäftstätigkeiten des jeweiligen Unternehmens zu beeinflussen. Die Stimmrechtsausübung bezieht sich in der Regel auf Entscheidungen, über die bei Hauptversammlungen abgestimmt wird.

Engagement

Bei dieser Strategie können Investoren noch stärker als bei der Stimmrechtsausübung die Nachhaltigkeit eines Unternehmens beeinflussen. Sie bringen etwa im direkten Dialog eigene Vorstellungen ein, inwiefern sich das Unternehmen weiterentwickeln soll. Allerdings bestehen die Investoren hier meist nicht aus einzelnen Privatanlegern, sondern aus Fondsmanagern. Sie kaufen – beispielsweise im Auftrag von Banken – Wertpapiere von Unternehmen und stellen daraus Fonds zusammen. Diese bieten sie dann den Kunden als Geldanlage an. Die Anlagestrategie Engagement können Privatanleger also in der Regel nur indirekt verfolgen, indem sie ihr Geld in entsprechende Fonds investieren.

Grafik Nachhaltige Geldanlagen Auswahlkriterien

Rendite vs. Risiko: Wie vorteilhaft sind nachhaltige Geldanlagen?

Im Grunde gibt es bei nachhaltigen Geldanlagen nicht mehr oder weniger Risiken als bei anderen Investments. Wie risikoreich sie sind, hängt maßgeblich von ihrer Anlageklasse ab. Also von der Art des Investments. Denn ob nachhaltig oder nicht: Einzelaktien eines Unternehmens zu kaufen ist immer riskanter als in einen breit gefächerten Fonds zu investieren. Denn ein Fonds besteht aus mehreren Wertpapieren, beispielsweise Aktien oder Anleihen. Stürzt eines der Wertpapiere ab, können Gewinne der anderen das unter Umständen ausgleichen. Bei Einzelaktien sinkt mit dem Kurs auch immer der Wert Ihrer Geldanlage. Ein gewisses Risiko, bis hin zum Totalverlust, bleibt dennoch auch beim Fonds.

Innerhalb derselben Anlageklasse kann eine nachhaltige Geldanlage sicherer sein, allerdings nur unter ganz bestimmten Umständen. Zum Beispiel, wenn das klassische Investment sich auf eine Branche bezieht, die wenig Zukunft hat oder ein Unternehmen für besonders riskantes Wirtschaften bekannt ist. Bei nachhaltigen Geldanlagen gilt daher derselbe Grundsatz wie auch sonst beim Investieren: Wägen Sie im Vorfeld das Risiko gründlich ab. Gerade als Einsteiger sollten Sie sich dazu unbedingt professionell beraten lassen.

Auch bei der Rendite unterscheiden sich nachhaltige Geldanlagen ebenfalls meist nicht herausragend von ihrem klassischen Gegenstück. Wer auf grüne Investments setzt, kann also nicht unbedingt von einem höheren Gewinn ausgehen. Anders herum müssen Sie mit einer nachhaltigen Geldanlage auch keine niedrigere Rendite befürchten. Die Performance hängt letztendlich immer vom Einzelfall ab.

Grafik Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland Volumen

Wie können Sie in nachhaltige Geldanlagen investieren?

Sie möchten gern in nachhaltige Geldanlagen investieren, aber wo anfangen? Sie können sich im ersten Schritt an Ihre Bank wenden. Unter Umständen finden Sie durch die Beratung dort bereits die passenden Produkte für sich. Oder Sie gehen selbst auf die Suche nach der richtigen Anlage, zum Beispiel mithilfe der FNG-Fondsliste. Sie zeigt alle Geldanlagen, die zuletzt mit dem Siegel ausgezeichnet wurden (Stand: 2020). Möglicherweise können Sie sogar über Ihre Hausbank in das gewünschte Anlageprodukt investieren, ansonsten suchen Sie sich einen entsprechenden Anbieter.

Bevor Sie Ihr Geld anlegen, sollten Sie sich in jedem Fall ausführlich informieren und beraten lassen. Denn Geldanlagen, die an der Börse gehandelt werden, können sehr risikoreich sein.

Ein Mann zeigt mit einem Kugelschreiber auf ein Diagramm mit grünen Balken
© istock/anyaberkut/2013  Ein nachhaltiges Investment kann eine genauso hohe Rendite einbringen wie vergleichbare klassische Geldanlagen.

Der Markt wächst: Nachhaltige Geldanlagen sind immer beliebter

Noch ist die Zahl der Privatanleger*innen, die in ethische Investment, Ökofonds und Co. ihr Geld nachhaltig anlegen, relativ gering. Laut FNG machten sie 2019 lediglich 11 Prozent aus. Hauptsächlich waren es mit 89 Prozent institutionelle Investoren, die ihr Kapital in nachhaltige Geldanlagen steckten. Dazu gehören etwa kirchliche Institutionen oder auch Versicherungen.

Aber es zeigt sich eine Entwicklung: Die Geldmenge, die privaten Anleger*innen in nachhaltige Geldanlagen investieren, hat in den letzten Jahren bereits deutlich zugenommen. Im Jahr 2018 waren es insgesamt nur rund 9,4 Milliarden Euro, 2019 bereits 18,3 Milliarden Euro.

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