Junge Frau liegt zwischen mehreren Blumenkübeln mit selbst angebauten Pflanzen
Vorsorgen

Private Altersvorsorge: Diese Möglichkeiten lassen Sie entspannter Richtung Rente blicken

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 28.01.2021

Ein Eis, ein Besuch im Kino – sicher, solange man im Berufsleben steht und Geld verdient, ist das immer mal drin. Doch ob das im Alter auch noch so ist? Schließlich fällt die gesetzliche Rente meistens alles andere als üppig aus. Da kann es dann schon einmal knapp werden mit dem einen oder anderen Extrawunsch. Wie gut, wenn Sie dann rechtzeitig ein paar Euro zur Seite gelegt haben. Für eine solche private Altersvorsorge gibt es verschiedene Möglichkeiten. Hier ein Überblick.

Themen in diesem Artikel

Staatlich gefördert: Riester- und Rürup-Rente

Riester- und Rürup-Rente wurden vom Staat eingeführt, um den Bürger*innen beim Aufbau einer privaten Zusatzrente zu helfen. Deshalb werden beide Modelle vom Staat gefördert.

Wie funktioniert das?

  • Bei einer Riester-Rente zahlen Sie regelmäßig in einen Rentenvertrag ein. Das müssen mindestens 4 Prozent Ihres Bruttoeinkommens vom Vorjahr sein.
  • Der Staat schießt dann 175 Euro pro Jahr hinzu. Außerdem gibt es Zulagen pro Kind – je nach dessen Alter sind es 185 oder 300 Euro. Bis zu 2.100 angesparte Euro pro Jahr (inklusive der Zulagen) können Sie von der Steuer absetzen.
  • Das angesparte Kapital darf nicht gepfändet werden und wird auch nicht bei Hartz IV berücksichtigt.
  • Die angesparte Summe (plus eventueller Zinsgewinne) bekommen Sie im Alter in Form einer monatlichen Rente ausgezahlt.
  • Es gibt auch Riester-Verträge, bei denen das Geld zum Teil in Aktienfonds angelegt wird.
  • Eine Rürup-Rente funktioniert ähnlich, allerdings gibt es hier keine Zulagen. Stattdessen können Sie Beiträge bis zu 25.046 Euro pro Jahr (Stand: 2020) von der Steuer absetzen. Allerdings nicht zu 100 Prozent, das geht erst ab 2025.

Für wen ist das gedacht?

  • Die Riester-Rente richtet sich an Arbeitnehmer*innen, die gesetzlich rentenversichert sind, sowie an deren Ehepartner*innen. Auch Beamt*innen dürfen einen Riester-Vertrag abschließen. Selbstständige können nur dann „riestern“, wenn sie rentenversicherungspflichtig sind. Besonders lohnt es sich für diejenigen, die ein mittleres Einkommen beziehen und/oder viele Kinder haben.
  • Die Rürup-Rente ist für Selbstständige gedacht, die keine Riester-Förderung erhalten. Auch wer angestellt ist, kann eine Rürup-Rente abschließen. Das lohnt sich allerdings nur bei einem sehr hohen Einkommen, sonst ist die Riester-Rente attraktiver.

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Mehr zur Riester-Rente lesen Sie im Artikel
„‚Riestern? Ich?’” Für wen die Riester-Rente sinnvoll ist – und für wen nicht“.

Mehr zur Rürup-Rente lesen Sie im Artikel
„Basisrente für Selbstständige: Wann ist die Rürup-Rente sinnvoll?“.

Männliche Hand füllt eine Steuererklärung aus, daneben liegen ein Taschenrechner und ein Ordner
© istock/filmfoto/2014  Eine Riester-Rente lohnt sich vor allem wegen der staatlichen Zulagen, eine Rürup-Rente wegen der Steuererleichterungen.

Für Angestellte: Betriebliche Altersvorsorge

Laut Gesetz müssen Unternehmen ihre Angestellten bei der Altersvorsorge unterstützen. Das Ziel ist eine „Betriebsrente“ aus der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Die erhält man dann im Alter auf die gesetzliche Rente obendrauf. Für die Ansparphase gibt es verschiedene Modelle. Mal steuern allein die Unternehmen das nötige Kapital bei. Bei anderen Modellen sind die Angestellten mit im Boot.

Wie funktioniert das?

  • Welches bAV-Modell ein Unternehmen anbietet, bestimmt Ihr Arbeitgeber. Wenn er keine bAV anbietet, muss er eine sogenannte Entgeltumwandlung ermöglichen.
  • „Entgeltumwandlung“ heißt: Ihr Arbeitgeber behält einen Teil Ihres Bruttogehalts ein und führt ihn direkt an ein Versicherungsunternehmen ab.
  • Das Versicherungsunternehmen legt die Beiträge an und zahlt später die Betriebsrente aus.
  • Für bis zu 552 zurückgelegte Euro pro Monat müssen Sie keine Steuern zahlen. Für 276 Euro auch keine Sozialabgaben (Stand: jeweils 2020).
  • Der Arbeitgeber muss 15 Prozent auf Ihre Sparbeiträge obendrauf legen (zumindest bei bAV-Verträgen nach 2019, ab 2022 auch bei älteren Verträgen). Viele Unternehmen zahlen freiwillig auch mehr.
  • Das angesparte Kapital kann weder gepfändet noch bei Hartz IV berücksichtigt werden.
  • Mit Rentenbeginn erhalten Sie dann neben der gesetzlichen Rente die Betriebsrente – und das lebenslang.

Für wen ist das gedacht?

Die betriebliche Altersvorsorge richtet sich vor allem an Arbeitnehmer*innen, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Es gibt aber auch Modelle für Geschäftsführer*innen oder für die Eigentümer*innen von Unternehmen.

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Mehr zur bAV lesen Sie im Artikel
„Betriebliche Altersvorsorge: Wann ist sie sinnvoll?“.

Der Klassiker für Familien: Kapital-Lebensversicherung

Die Kapital-Lebensversicherung ist eine Kombination aus Altersvorsorge und Hinterbliebenenschutz. Noch bis zum Jahr 2000 wählten drei von vier Deutschen dieses Modell für eine private Altersvorsorge. Mittlerweile ist es nicht einmal mehr jeder dritte. Die Kapital-Lebensversicherung wurde von anderen privaten Rentenversicherungen (siehe nachfolgendes Kapitel) überholt.

Wie funktioniert das?

  • Bei der klassischen Kapital-Lebensversicherung zahlen Sie regelmäßig Beiträge von Ihrem Nettoeinkommen an Ihren Versicherer. Wie hoch die sind, bestimmen Sie.
  • Für den Vertragsabschluss ist in der Regel eine Gesundheitsprüfung notwendig.
  • Der Versicherer legt das Geld möglichst gewinnbringend und sicher an. Auf Ihr angesammeltes Kapital erhalten Sie einen Garantiezins von 0,9 Prozent (Stand: 2020).
  • Wenn neben dem Garantiezins noch weitere Gewinne erwirtschaftet werden, kommen die zu Ihrem Sparguthaben hinzu.
  • Die angesparte Summe plus Zinsen und dem möglichen Gewinn aus der Geldanlage wird Ihnen dann zu einem festgelegten Zeitpunkt ausbezahlt.
  • Bei Verträgen ab 2005 müssen Sie den Ertrag (also alles, was über Ihre eingezahlten Beiträge hinausgeht) versteuern.

Für wen ist das gedacht?

Eine Kapital-Lebensversicherung ist vor allem geeignet für Arbeitnehmer*innen mit Familie. Denn falls der oder die Versicherte vor der Auszahlung stirbt, erhalten die Hinterbliebenen die angesparte Summe. Allerdings ist die Rendite mittlerweile vergleichsweise gering. Für die Vorsorge plus Hinterbliebenenschutz können sich deshalb auch Rürup-Verträge oder eine Kombination aus Risiko-Lebensversicherung (die nur im Todesfall ausgezahlt wird) und Riester-Vertrag lohnen.

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Mehr zur Lebensversicherung lesen Sie im Artikel
Lebensversicherung: Wie viel Steuer wird bei der Auszahlung fällig?“.

Mann berät ein junges Paar und zeigt ihm die Dokumente einer Lebensversicherung
© istock/Drazen Zigic/2019  Lebensversicherungen sichern im Ernstfall die Hinterbliebenen ab, bringen aber nur geringe Erträge.

Die Nummer sicher: Private Rentenversicherung

Bei einer privaten Rentenversicherung sparen Sie selbst eine Summe fürs Alter an – wie bei einer Kapital-Lebensversicherung. Allerdings gibt es hier keinen automatischen Hinterbliebenenschutz.

Wie funktioniert das?

  • Bei der privaten Rentenversicherung zahlen Sie regelmäßig Beiträge von Ihrem Nettoeinkommen an Ihren Versicherer. Wie hoch die sind, bestimmen Sie.
  • Der Versicherer legt das Geld möglichst gewinnbringend und sicher an. Auf Ihr angesammeltes Kapital erhalten Sie einen Garantiezins von 0,9 Prozent (Stand: 2020).
  • Das angesparte Kapital (inklusive Zinsen und möglicher Zusatzerträge) erhalten Sie in Form einer monatlichen Rente.
    Die Rente gibt es bis zum Lebensende – auch dann, wenn Sie sehr lange leben und unterm Strich mehr bekommen als das angesparte Kapital.
  • Ein Hinterbliebenenschutz kann individuell vertraglich festgelegt werden. Zum Beispiel mit einer Rentengarantiezeit. Wenn Sie früher versterben, erhält eine festgelegte Person die Rente für den Rest der Garantiezeit. Bei einem anderen Modell erhält die Person eine Rente bis zu deren Tod.
  • Bei Verträgen ab 2005 müssen Sie den Ertrag (also alles, was Sie über Ihre eingezahlten Beiträge hinaus ausbezahlt bekommen) versteuern.

Für wen ist das gedacht?

Private Rentenversicherer wenden sich an alle, die im Alter eine regelmäßige Zusatzrente erhalten wollen. Vor allem für Selbstständige ohne gesetzliche Rente ist die private Rentenversicherung attraktiv, weil sie dort je nach Geschäftserfolg ganz flexibel mal höhere, mal niedrigere Beiträge einzahlen können. Für Angestellte stehen mit der Riester-Rente und der betrieblichen Altersvorsorge Konkurrenzmodelle parat, die neben den Zinsen auch noch staatliche Zulagen und/oder Steuervorteile bieten.

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Mehr über die private Altersvorsorge als dritte Säule des deutschen Rentensystems lesen Sie im Artikel
„‚Die Rente ist sicher!’ Wie Altersvorsorge in Deutschland (noch) funktioniert“.

Zusatzzahlungen in die gesetzliche Rente

Zusatzzahlungen in die gesetzliche Rente

Statt für eine private Zusatzrente zu sparen, können Sie auch Ihre gesetzliche Rente aufbessern. Durch freiwillige Beiträge. Wer nicht pflichtversichert ist, kann das jederzeit. Für alle Pflichtversicherten ist das ab einem Alter von 50 Jahren möglich.

Die Kontaktdaten für eine Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung finden Sie auf dieser Webseite.

Zielt auf Rendite: Fondsgebundene Rentenversicherung

Nach Kapital-Lebensversicherung und klassischer privater Rentenversicherung ist die fondsgebundene Rentenversicherung das dritte Modell einer privaten Altersvorsorge, das unabhängig vom Staat oder dem Arbeitgeber funktioniert. Während die beiden anderen vor allem auf Sicherheit ausgelegt sind, wird hier eine möglichst hohe Rendite angestrebt.

Wie funktioniert das?

  • Bei der fondsgebundenen Rentenversicherung zahlen Sie regelmäßig Beiträge von Ihrem Nettoeinkommen an Ihren Versicherer. Wie hoch die sind, bestimmen Sie.
  • Der Versicherer legt das Geld in einem oder mehreren Investmentfonds an.
  • Einen Garantiezins gibt es bei fondsgebundenen Rentenversicherungen in der Regel nicht. Theoretisch sind sogar Verluste – bis hin zum Totalverlust – möglich. Bei der Wahl des Anbieters beziehungsweise des Vertrags müssen Sie deshalb entscheiden, wie viel Risiko Sie eingehen wollen. Mehr Sicherheit (etwa durch höhere Investitionen in Rentenfonds und Staatsanleihen) bedeuten weniger Renditechancen. Höhere Renditechancen (zum Beispiel durch vermehrte Investitionen in Aktienfonds) bedeuten weniger Sicherheit.
  • Nach dem Ende der Ansparphase können Sie wählen: Das gesammelte Kapital plus Gewinne gibt es entweder als Einmalzahlung oder in Form einer monatlichen, lebenslangen Rente.
    Das Kapital, das Sie über Ihre eingezahlten Beträge hinaus hinzugewonnen haben, müssen Sie versteuern.
  • Die fondsgebundene Rentenversicherung kann mit einem Hinterbliebenenschutz ergänzt werden.

Für wen ist das gedacht?

Fondsgebundene Rentenversicherungen sind vor allem für junge, risikofreudige Anleger*innen geeignet. Denn die Kosten für die Versicherung fallen meistens zu Beginn an. Es kann also einige Jahre dauern, bis Sie mindestens wieder so viel Geld im Topf haben, wie Sie an Beiträgen gezahlt haben. Außerdem unterliegen die Investments oft starken Schwankungen. Erst über die Jahre ist Ihre Anlage meistens mehr wert, als Sie eingezahlt haben. Für ältere Arbeitnehmer*innen lohnt sich die Versicherung also in der Regel nicht.

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Was Sie über die Versteuerung der Gewinne wissen sollten, zeigt der Artikel
„Freistellungsauftrag: So stoppen Sie die Steuern für Zinsen und Dividenden“.

Seniorin sitzt auf der Terrasse auf einer Gartenbank und trinkt einen Kaffee, neben ihr auf der Bank sitzt ein Hund
© istock/Halfpoint/2019  Mit einer eigenen Immobilie sparen Sie sich im Alter die Miete oder haben zusätzliche Einnahmen.

Miete sparen statt Zusatzgeld: Immobilien

Ganz ohne Versicherer kommen Sie aus, wenn Sie in Immobilien investieren. Die eigenen vier Wände sind in Deutschland allerdings noch recht ungewohnt. Etwa jede*r Zweite wohnt hierzulande zur Miete. In Spanien leben hingegen drei von vier Personen im Eigenheim, in Rumänien und Ungarn liegt die Quote sogar über 90 Prozent.

Wie funktioniert das?

  • Sie nehmen einen Kredit auf und kaufen mit dem geliehenen Geld ein Haus, eine Wohnung oder sogar ein Mehrfamilienhaus. Statt regelmäßiger Beiträge an eine Versicherung zahlen Sie die Raten für den Kredit.
  • Im Alter können Sie die Immobilie selbst bewohnen und sparen sich damit Ihre Miete. Sie können sie aber auch verkaufen oder vermieten. Dadurch haben Sie ein paar Zusatzeinnahmen.

Für wen ist das gedacht?

Immobilien als Wertanlage lohnen sich vor allem für diejenigen, die über ausreichend Eigenkapital für einen Kredit verfügen. Man sollte außerdem nicht vergessen, dass mit einer Immobilie auch etwas Aufwand verbunden ist. Wenn sie vermietet ist, muss man sich um die Verwaltung kümmern. Zudem muss sie „in Schuss“ gehalten werden, was nicht nur Arbeit, sondern auch Extrakosten bedeutet.

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Mehr zur Anlage in Immobilien lesen Sie im Artikel
„Wie viel Haus können Sie sich leisten? So kriegen Sie es raus“.

Börsenhändler zwischen vielen Monitoren, die Zahlen und Grafiken zeigen
© istock/gorodenkoff/2017  Aktien versprechen höhere Renditen als andere Anlageformen, bedeuten aber auch ein höheres Risiko.

Für Börsen-Neulinge: ETF-Sparplan

An der Börse sind hohe Gewinne möglich – aber genauso Verluste. Wer das Risiko nicht scheut, kann auf Aktien setzen und auf eine ordentliche Rendite hoffen. Aber wie geht das, wenn Sie sich an der Börse nicht so gut auskennen? Dann sind ETFs eine Möglichkeit. Die Abkürzung steht für „Exchange Traded Fund“, also „an der Börse gehandelter Fonds“. In so einem Fonds befinden sich nur Aktien eines bestimmten Börsenindex. Das könnte zum Beispiel heißen: Die Fondsmanager*innen kaufen nur die Aktien der Unternehmen, die im DAX gelistet sind. Dadurch sind die Kosten bei einem ETF in aller Regel deutlich geringer als bei einem Fonds, bei dem Fondsmanager*innen ständig den Aktienbestand bewerten und gegebenenfalls neu zusammenstellen.

Wie funktioniert das?

  • Sie vereinbaren einen „ETF-Sparplan“. Bei dem zahlen Sie regelmäßig einen festen Betrag ein und erhalten dafür immer mehr Fondsanteile. Wenn Sie eine größere Summe zur Verfügung haben, können Sie natürlich auch gleich einen größeren Anteil am ETF kaufen.
  • Die Betreiber*innen des ETFs kaufen die Aktien des Börsenindex, auf den sich der ETF spezialisiert hat.
  • Ihre Fondsanteile können Sie jederzeit wieder verkaufen, zum Beispiel zum Rentenbeginn. Bedenken Sie aber: Je nach Wertentwicklung können Sie auch weniger herausbekommen, als Sie eingezahlt haben.

Für wen ist das gedacht?

ETFs sind interessant für Anleger*innen, die das Auf und Ab an der Börse in Kauf nehmen und nicht nur auf ein Pferd setzen wollen. So ist der Erfolg eines ETF nicht vom Geschick der Börsenmakler*innen abhängig, die mal bessere, mal schlechtere Aktien auswählen. Denn welche Aktien gekauft werden, steht fest. Das heißt aber auch: Wenn eine bestimmte Aktie den ETF nach unten zieht, gibt es keinen, der sie abstößt.

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Mehr zu den Chancen und Risiken an der Börse erfahren Sie im Artikel
„Sichere Geldanlage in schwierigen Zeiten: Welche Renditen und welche Risiken gibt es?“.

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