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Sichere Geldanlage in schwierigen Zeiten: Welche Renditen und welche Risiken gibt es?

Tanja Viebrock
von Tanja Viebrock, 30.06.2020

Klar: Wer sein Geld anlegt, will damit möglichst hohe Renditen erzielen. Sonst könnte man es ja genauso gut unter der Matratze bunkern oder ins Sparschwein stecken. Gleichzeitig schwingt spätestens seit der weltweiten Banken- und Finanzkrise bei vielen Anlegern oft die Sorge mit, ob ihre Geldanlage wirklich sicher ist. Aber wo kann man seine Ersparnisse gewinnbringend anlegen, wo drohen Verluste? Die KlarMacher zeigen das Wechselspiel zwischen Chance und Risiko.

Themen in diesem Artikel

Entweder-oder: Sicherheit vs. Rendite

Die eine, universelle, beste Geldanlage gibt es nicht. Welche Anlageform sich für Sie am besten eignet, kommt immer auf Ihre ganz persönlichen Umstände an. Wie viel Geld wollen Sie anlegen und für wie lange? Können Sie schlimmstenfalls Verluste verschmerzen?

Die schlechte Nachricht gleich vorweg: Es gibt keine Geldanlage, die überdurchschnittlich hohe Gewinne bringt und gleichzeitig sicher vor Verlusten ist. Höhere Renditen gehen immer mit einem höheren Risiko einher. Mit Aktien oder Kryptowährungen lassen sich zwar höhere Gewinne erzielen als mit dem Geld auf der Bank. Dafür besteht aber immer auch das Risiko, dass Sie stattdessen mit weniger Geld rausgehen als Sie investiert haben, weil die Kurse gefallen sind. Sie müssen sich also entscheiden: Überschaubare, aber sichere Zinsen – oder hohe Renditechancen inklusive Verlustrisiko.

Wichtige Grundregeln für die Geldanlage

Bevor es um verschiedene Anlagemöglichkeiten für Ihr Geld geht, sollten Sie einige grundlegende Regeln bei der Geldanlage kennen. Das hilft Ihnen dabei herauszufinden, welche Geldanlage die beste für Ihre Bedürfnisse ist.

  1. Schulden tilgen hat Priorität: Eine gewinnbringende Geldanlage ist sinnvoll, keine Frage. Noch wichtiger ist es aber, schuldenfrei zu sein. Bevor Sie Geld anlegen, sollten Sie deshalb genau prüfen, ob Sie noch irgendwo in der Kreide stehen. Wenn Sie derzeit noch einen Kredit oder eine Baufinanzierung zurückzahlen, ist es in der Regel die beste Geldanlage, hier Sonderzahlungen zu leisten. Das gilt auch für den Dispo beim Girokonto. Denn die Gewinne, die eine Geldanlage abwirft, fallen in der Regel niedriger aus als Zinsen, die Sie für laufende Kredite zahlen. Deshalb profitieren Sie mehr, wenn Sie erst einmal Ihre Schulden loswerden.
  2. Notgroschen behalten: „Viel hilft viel.” In Sachen Geldanlage stimmt diese alte Weisheit. Je mehr Geld Sie anlegen, desto größer fällt die Rendite aus (der Verlust übrigens auch, wenn Sie auf riskante Anlageformen setzen). Trotzdem sollten Sie nie all Ihre Ersparnisse langfristig anlegen. Behalten Sie grundsätzlich eine Reserve für Notfälle zurück, an die Sie jederzeit herankommen. Sonst müssen Sie womöglich einen Kredit aufnehmen, wenn beispielsweise das Auto streikt und schnell Ersatz parat stehen muss.
  3. Länger ist besser: Je länger die Laufzeit, desto höher sind üblicherweise die Zinsen bei Sparbriefen und Festgeld. Und auch bei der Investition in Wertpapiere, beispielsweise in Fonds, ist eine langfristige Anlage sinnvoll. Denn mit längerer Laufzeit sinkt das Risiko von Verlusten. Klingt unlogisch? Ist aber so: Die Geschichte zeigt, dass sich Aktienkurse auf lange Sicht immer nach oben entwickeln, auch nach Kurseinbrüchen. Allerdings können schon mal einige Jahre ins Land ziehen, bis der Kurs wieder den Stand erreicht, den er vor dem Absturz hatte. Deshalb werden Aktieninvestments auch nur dann empfohlen, wenn man wirklich lange auf das angelegte Kapital verzichten kann.
  4. Nicht alles auf eine Karte setzen: Finanzexperten raten bei der Geldanlage zu breiter Streuung, manchmal auch Diversifikation genannt. Das bedeutet letztendlich einfach nur, dass man nicht sein gesamtes Geld in eine einzige Geldanlage stecken, sondern es über mehrere Anlageformen verteilen soll. Wer zum Beispiel in Aktien investiert, sollte demzufolge auch einen Teil seines Geldes in sichere Anlagen wie Anleihen stecken. So können Verluste durch sinkende Kurse mit den Renditen der sicheren Anlagen zumindest teilweise ausgeglichen werden. „Das ist doch nur ein Luxusproblem von Wohlhabenden”, denken Sie jetzt womöglich. Doch auch wenn man nicht viel Geld zum Anlegen übrig hat und nicht in Aktien investiert, kann eine Verteilung sinnvoll sein. Zum Beispiel auf Sparbriefe mit unterschiedlichen Laufzeiten. Warum, erfahren Sie weiter unten.
  5. Auf die Kosten achten: Gerade wenn die Rendite überschaubar ist, sollte die Geldanlage möglichst wenig kosten. Teilweise fallen nämlich so hohe Gebühren an, dass sie die Gewinne direkt auffressen. Vor allem bei Aktienfonds kann das leicht passieren. Bei fest verzinsten Anlageformen wie Festgeld fallen hingegen oft keine oder nur geringe Gebühren an.

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Frustriertes Paar überprüft Rechnungen zu Hause mit Laptop
© istock/EmirMemedovski/2019  Auf der Bank ist ihr Geld dank gesetzlicher Einlagensicherung gut geschützt.

Sichere Bank: Festgeld und Sparbrief

Beim Festgeld und Sparbrief legen Sie Ihr Geld für eine bestimmte Zeit fest an. Die Verzinsung wird beim Vertragsabschluss festgeschrieben. In der derzeitigen Niedrigzinsphase sind die Zinsen leider überschaubar, dafür wissen Sie aber schon vorher, wie viel am Ende dabei herausspringt. Wie schon erwähnt, lassen sich mit längeren Laufzeiten etwas höhere Zinsen herausschlagen. Trotzdem kann es sinnvoll sein, die Ersparnisse aufzuteilen und einen Teil mit längerer Laufzeit anzulegen und einen Teil kürzerer. Sollten die Zinsen zwischenzeitlich steigen, können Sie dann einen Teil des Geldes schon zu besseren Konditionen anlegen. Außerdem sind Sie schneller wieder flüssig, wenn größere Ausgaben anstehen.

Der Zinssatz fällt bei Sparbriefen und Festgeld etwa gleich aus und auch sonst sind sich diese beiden Anlagearten sehr ähnlich. Wo genau die Unterschiede liegen, lesen Sie in diesem KlarMacher-Artikel.

Mit einer Geldanlage bei Banken in Deutschland und anderen EU-Ländern müssen sich Otto-Normalsparer keine Sorgen um Verluste machen. Selbst wenn eine Bank pleitegehen sollte, sind Geldanlagen von Privatpersonen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro pro Kopf versichert.
Viele deutsche Finanzinstitute, darunter auch die Hanseatic Bank, bieten sogar noch einen weiterreichenden Schutz an. Sie garantieren eine Erstattung von mindestens von mindestens einer Million Euro, teils auch weit darüber hinaus. Wie genau das funktioniert, lesen Sie im KlarMacher-Artikel „Einlagensicherung für Sparer: Weiche Landung bei Bankenpleiten”.

Anzeige eines Kursentwicklungs-Charts auf einem Tablet
© istock/primeimages/2019  Höhere Gewinne, aber auch deutliche Kursverluste – an der Börse ist beides möglich.

Keine Garantie: Aktien und Fonds

Zugegeben: Üppig sind die Zinsen bei sicheren Geldanlagen wie Festgeld und Sparbrief derzeit nicht. Dagegen fallen die Rendite-Beispiele, die beispielsweise in Produktinformationen für Aktienfonds angegeben werden, teilweise deutlich höher aus. Aber: Dabei handelt es sich um die bisherige Wertentwicklung. Eine Garantie, dass die Rendite in Zukunft ähnlich ausfällt wie in den letzten Jahren, gibt es nicht – selbst bei als risikoarm klassifizierten Fonds nicht. Denn niemand kann zuverlässig voraussehen, wie sich der Markt in Zukunft entwickeln wird. Es ist durchaus möglich, dass Kurse auch nach vielen erfolgreichen Jahren abstürzen.

Noch deutlicher können Verluste ausfallen, wenn man statt in Fonds in sogenannte Einzeltitel, also Aktien eines einzelnen Unternehmens investiert. Bei einem Fonds fällt es weniger deutlich ins Gewicht, wenn der Kurs einer enthaltenen Aktie fällt, weil sie nur ein Wertpapier unter mehreren ist.

Beispiel gefällig? Besitzer von Adidas-Aktien konnten sich seit 2015 über einen guten Kurs freuen. Im Jahr 2019 gehörte die Aktie des Sportartikelherstellers zu den erfolgreichsten Wertpapieren im Dax: Wer die Aktie Anfang des Jahres für rund 200 Euro kaufte, konnte sie zum Jahresende für über 270 Euro verkaufen, also mit einer Rendite von rund 35 Prozent. Im Januar 2020 lag der Kurs zeitweise bei über 310 Euro. Nur zwei Monate später, mitten in der Corona-Pandemie, fiel er auf einen Tiefstand von unter 170 Euro. Aktionäre mussten in dieser Zeit also einen Wertverlust von 45 Prozent hinnehmen. Natürlich sind das die Extremstände, doch es ist nicht absehbar, ob und wann die Aktie wieder zu alter Form aufläuft.

Kursschwankungen gibt es bei Wertpapieren immer – nach oben, aber auch nach unten. Deshalb besteht bei dieser Geldanlage immer das Risiko, dass am Ende weniger Geld herauskommt als man investiert hat.

Detailansicht kleiner Gold- und Silberbarren
© istock/claffra/2016  Gold und Silber gelten als krisensichere Währungen; zu einer guten Geldanlage macht sie das nicht automatisch.

Krisenwährung als Geldanlage? Gold und Silber

In unsicheren Zeiten überlegen plötzlich auffallend viele Menschen, Edelmetalle – vor allem Gold und auch Silber – zu kaufen, statt ihr Geld der Bank anzuvertrauen oder es in Wertpapiere zu investieren. Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Damit hat man im wahrsten Sinne des Wortes einen handfesten Wert. Selbst wenn das Geld plötzlich nicht mal mehr das Papier wert ist, auf dem es gedruckt ist (wie es zum Beispiel bei der Hyperinflation 1922/23 der Fall war), Banken pleitegehen oder Aktienkurse abstürzen: Ein Goldbarren in der Hand hat immer noch einen Wert. Deshalb war Gold zum Beispiel während der Finanzkrise sehr gefragt.

 Aber wie sicher sind Gold und Silber als Geldanlage tatsächlich? Klar ist: Komplett mit leeren Händen steht man niemals da, denn Edelmetalle sind selten und kostbar. Aber auch sie unterliegen Kursschwankungen und bergen deshalb ein gewisses Risiko. Wenn man Gold oder Silber zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu Geld machen muss, können Verluste möglich sein.

Außerdem gibt es einen weiteren Haken: Gold, Silber und andere Edelmetalle wie Palladium und Platin werfen nur beim Verkauf Gewinne ab – und das auch nur dann, wenn ihr Kurs seit dem Kauf gestiegen ist. Bis dahin liegen sie einfach nur im Tresor oder Bankschließfach herum und bringen zwischendurch keine Zinsen oder Dividenden. Deshalb sind sie als Geldanlage nicht unbedingt geeignet.

Checkliste für eine sichere Geldanlage

Checkliste für eine sichere Geldanlage

  • Absicherung gegen Verlust: Fällt die Geldanlage unter den Schutz der Einlagensicherung, haben Normalsparer auch bei Krisen die Sicherheit, ihr angelegtes Kapital zurückzubekommen.
  • Stabile Währung: Wer sein Geld in einer anderen Währung anlegt, kann durch Wechselkursschwankungen Verluste machen. Das kann bei Festgeld im Ausland wichtig werden.
  • Seriosität und Bonität des Anbieters: Erkundigen Sie sich vor einem Investment über die Vertrauenswürdigkeit und Zahlungsfähigkeit des Anbieters.
  • Wenig bis keine Kursschwankungen: Wertschwankungen bergen immer das Risiko von Verlusten. Mehr Sicherheit bieten Geldanlagen, die nicht wie Aktien oder Edelmetalle an der Börse gehandelt werden.

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