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Freistellungsauftrag: So stoppst du die Steuern für Zinsen und Dividenden

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 23.01.2023

Dein angespartes Geld liegt auf der Bank? Oder du hast dir davon ein paar Aktien gekauft? Prima. Dann sollte das hoffentlich ordentlich Gewinn abwerfen. Nur schade, dass dir nicht die gesamten Erträge gehören. Denn das Finanzamt will schließlich auch noch seinen Teil haben. Es sei denn, du ziehst rechtzeitig die Notbremse. Die heißt: Freistellungsauftrag.

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Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Für Kapitalerträge gibt es einen steuerlichen Freibetrag von 1.000 Euro (bis 2022: 801 Euro) pro Jahr für Einzelpersonen beziehungsweise 2.000 Euro für Eheleute oder eingetragene Lebenspartner*innen.
  • Ohne Freistellungsauftrag führt das Kreditinstitut auch unter diesem Limit Steuern ab.
  • Für mehrere Konten und Depots bei demselben Kreditinstitut genügt ein einziger Freistellungsauftrag.
  • Wer Anlagen bei mehreren Kreditinstituten hat, kann den Freibetrag auf mehrere Freistellungsaufträge verteilen.

Das ist der Freistellungsauftrag

Im Grunde ist es ganz einfach: Auf fast jeden Cent, der in Deutschland auf irgendeine Weise verdient wird, müssen Steuern gezahlt werden. Das gilt bei Gewinnen aus einem Handel genauso wie beim Gehalt. Und auch bei sogenannten Kapitalerträgen, also dem Gewinn, den dein angelegtes Geld abwirft. Zu diesen Kapitalerträgen gehören zum Beispiel:

  • Zinsen für Festgeld, Tagesgeld, Bausparvertrag, Sparbrief und alle anderen Geldeinlagen
  • Dividenden für Aktien
  • Gewinne aus Aktienverkäufen, Fondsanteilen und Ähnlichem
  • Ausschüttungen von Anlagefonds, etwa Rentenfonds, Immobilienfonds

Auf Kapitalerträge werden 25 Prozent Steuern fällig, das ist die sogenannte Abgeltungssteuer. Hinzu kommen eventuell Solidaritätszuschlag sowie – wenn du in der Kirche bist – auch noch Kirchensteuer. Normalerweise wird der Betrag direkt von deiner Bank oder Sparkasse an das Finanzamt abgeführt. 

Doch es gibt einen Freibetrag. Das bedeutet, dass du deine Gewinne bis zu einem festgelegten Höchstbetrag nicht zu versteuern brauchst. Dieser Höchstbetrag wird auch „Sparerpauschbetrag” genannt. Er beträgt 1.000 Euro für Einzelpersonen beziehungsweise 2.000 Euro für Verheiratete. Auf diese Summe fallen also keine Steuern an.  

Aber: Damit du die Steuern für die ersten 1.000 Euro beziehungsweise 2.000 Euro aus deinen Kapitalerträgen sparst, musst du der Bank oder Sparkasse einen Freistellungsauftrag erteilen. Nur dann bleibt das Geld auf deinem Konto, statt ans Finanzamt zu wandern. Für Kapitalerträge über den Sparerpauschbetrag hinaus werden dann aber 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig. 

Ein Pärchen sitzt an einem Tisch in einer Bank, der Mann unterschreibt das Formular eines Freistellungsauftrags
© istock/djiledesign/2017  Wenn du den Freistellungsauftrag unbefristet erteilst, brauchst du dir von da an keine Gedanken mehr über eine jährliche Verlängerung zu machen.

So erteilst du einen Freistellungsauftrag

Am besten erteilst du den Freistellungsauftrag direkt, wenn du ein neues Depot oder ein neues Konto eröffnest. Das Formular kannst du dann direkt vor Ort ausfüllen und unterschreiben. 

Aber natürlich geht das auch noch später. Ein Formular für einen Freistellungsantrag bekommst du auf verschiedenen Wegen: 

  • Du lädst dir den Antrag von der Webseite deiner Bank oder Sparkasse herunter.
  • Du besorgst dir den Antrag in der Bank oder Sparkasse.
  • Du prüfst, ob du den Freistellungsauftrag über dein Online Banking erteilen kannst.

Einen Freistellungsauftrag musst du nicht für jedes einzelne Konto oder jedes einzelne Depot erteilen. Sondern nur einen pro Kreditinstitut. 

Tipp: Am besten erteilst du einen unbefristeten Freistellungsauftrag. Sonst gilt er nur für das Kalenderjahr, in dem der Auftrag eingereicht wird. Für das laufende Jahr gibt jedes Kreditinstitut in der Regel einen Tag vor, bis zu dem du den Auftrag erteilt haben musst. Meistens liegt dieser Tag im Dezember.

Wichtig: Für den Freistellungsauftrag benötigst du deine Steueridentifikationsnummer. Diese Steuer-ID findest du zum Beispiel auf deinem Steuerbescheid oder du erfragst sie beim Finanzamt. Ohne Steueridentifikationsnummer ist der Freistellungsauftrag ungültig.

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Für Bausparverträge gilt dasselbe wie für alle anderen Kapitalerträge: Ohne Freistellungsauftrag musst du die Zinsen voll versteuern. Aber du erhältst zusätzlich noch Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage? Diesen Extra-Bonus darfst du komplett behalten, er ist steuerfrei – auch ohne Freistellungsauftrag.

Tipp: Teilen Sie den Freibetrag auf

Du hast Geldanlagen bei mehreren Kreditinstituten? Doch bei keiner fällt so viel Gewinn ab, dass der Freibetrag von 1.000 Euro erreicht wird? Dann teil ihn doch auf, um überall das Maximale herauszuholen.

Und das geht so: Du erteilst nicht dem einen Kreditinstitut einen Freistellungsauftrag über die vollen 1.000 Euro, sondern zum Beispiel nur über 500 Euro. Das zweite Kreditinstitut, das eine andere Kapitalanlage von dir verwaltet, bekommt dann einen Freistellungsauftrag über 500 Euro. Wenn die Kapitalerträge jeweils unter diesen Grenzen bleiben, geht kein Geld verloren.

Aber Achtung: Alle Freistellungsaufträge zusammen dürfen auf keinen Fall den Gesamtbetrag von 1.000 Euro beziehungsweise 2.000 Euro überschreiten. Denn die Banken melden dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), wie viele Kapitalerträge du tatsächlich von der Steuer freigestellt hast. Ist es insgesamt mehr als der erlaubte Betrag, kann es Ärger geben – bis hin zu einer Ordnungsstrafe.

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