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Freistellungsauftrag: So stoppen Sie die Steuern für Zinsen und Dividenden

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 17.08.2019

Ihr angespartes Geld liegt auf der Bank? Oder Sie haben sich davon ein paar Aktien gekauft? Prima. Dann sollte das hoffentlich ordentlich Gewinn abwerfen. Nur schade, dass Ihnen nicht die gesamten Erträge gehören. Denn das Finanzamt will schließlich auch noch seinen Teil haben. Oder Sie ziehen rechtzeitig die Notbremse. Die heißt: Freistellungsauftrag.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Für Kapitalerträge gibt es einen steuerlichen Freibetrag von 801 Euro pro Jahr (Einzelperson) beziehungsweise 1.602 Euro (Eheleute).
  • Ohne Freistellungsauftrag führt das Kreditinstitut auch unter diesem Limit Steuern ab.
  • Für mehrere Konten und Depots bei demselben Kreditinstitut genügt ein einziger Freistellungsauftrag.
  • Wer Anlagen bei mehreren Kreditinstituten hat, kann den Freibetrag auf mehrere Freistellungsaufträge verteilen.

Das ist der Freistellungsauftrag

Im Grunde ist es ganz einfach: Auf jeden Cent, der in Deutschland auf irgendeine Weise verdient wird, müssen Steuern gezahlt werden. Das gilt bei Gewinnen aus einem Handel genauso wie beim Gehalt. Und auch bei sogenannten Kapitalerträgen, also dem Gewinn, den Ihr angelegtes Geld abwirft. Zu diesen Kapitalerträgen gehören zum Beispiel:

  • Zinsen für Festgeld, Tagesgeld, Bausparvertrag, Sparbrief und alle anderen Geldeinlagen
  • Dividenden für Aktien
  • Gewinne aus Aktienverkäufen, Fondsanteilen und Ähnlichem
  • Ausschüttungen von Anlagefonds, etwa Rentenfonds, Immobilienfonds u. a. 

Auf Kapitalerträge werden 25 Prozent Steuern fällig, das ist die sogenannte Abgeltungssteuer. Hinzu kommen Solidaritätszuschlag sowie – wenn Sie in der Kirche sind – auch noch Kirchensteuer. Normalerweise wird der Betrag direkt von Ihrer Bank oder Sparkasse an das Finanzamt abgeführt.

Doch es gibt einen Freibetrag. Das bedeutet, dass Sie Ihre Gewinne bis zu einem festgelegten Höchstbetrag nicht versteuern müssen. Dieser Höchstbetrag wird auch „Sparerpauschbetrag” genannt. Er beträgt 801 Euro für Einzelpersonen beziehungsweise 1.602 Euro für Verheiratete (Stand: Juli 2019). Auf diese Summe werden also keine Steuern fällig. 

Aber: Damit Sie die Steuern für die ersten 801 Euro beziehungsweise 1.602 Euro aus Ihren Kapitalerträgen sparen, müssen Sie der Bank oder Sparkasse einen Freistellungsauftrag erteilen. Nur dann bleibt das Geld auf Ihrem Konto, statt ans Finanzamt zu wandern. Für Kapitalerträge über den Sparerpauschbetrag hinaus werden dann aber die 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig.

Ein Pärchen sitzt an einem Tisch in einer Bank, der Mann unterschreibt das Formular eines Freistellungsauftrags
© istock/djiledesign/2017  Wenn Sie den Freistellungsauftrag unbefristet erteilen, müssen Sie sich von da an keine Gedanken mehr über die Gewinnbesteuerung machen.

So erteilen Sie einen Freistellungsauftrag

Am besten erteilen Sie den Freistellungsauftrag direkt, wenn Sie ein neues Depot oder ein neues Konto eröffnen. Das Formular können Sie dann direkt vor Ort ausfüllen und unterschreiben.

Aber natürlich geht das auch noch später. Ein Formular für einen Freistellungsantrag bekommen Sie auf verschiedenen Wegen:

  • Sie laden sich den Antrag von der Webseite Ihrer Bank oder Sparkasse herunter.
  • Sie besorgen sich den Antrag in der Bank oder Sparkasse.
  • Sie prüfen, ob Sie den Freistellungsauftrag über Ihr Online Banking erteilen können.

Einen Freistellungsauftrag müssen Sie übrigens nicht für jedes einzelne Konto oder jedes einzelne Depot erteilen. Sondern nur einen pro Kreditinstitut.

Tipp: Erteilen Sie den Freistellungsauftrag unbefristet. Sonst gilt er nur für das Kalenderjahr, in dem der Auftrag eingereicht wird. Für das laufende Jahr gibt jedes Kreditinstitut in der Regel einen Tag vor, bis zu dem Sie den Auftrag erteilt haben müssen. Meistens liegt dieser Tag im Dezember.

Wichtig: Für den Freistellungsauftrag benötigen Sie Ihre Steueridentifikationsnummer. Diese Steuer-ID finden Sie zum Beispiel auf Ihrem Steuerbescheid oder Sie können sie beim Finanzamt erfragen. Ohne Steueridentifikationsnummer ist der Freistellungsauftrag ungültig.

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Für Bausparverträge gilt dasselbe wie für alle anderen Kapitalerträge: Ohne Freistellungsauftrag müssen Sie die Zinsen voll versteuern. Aber Sie erhalten zusätzlich noch Wohnungsbauprämie oder Arbeitnehmersparzulage? Diesen Extra-Bonus dürfen Sie komplett behalten, er ist steuerfrei – auch ohne Freistellungsauftrag.

Tipp: Teilen Sie den Freibetrag auf

Sie haben mehrere Geldanlagen bei verschiedenen Kreditinstituten? Doch bei keiner fällt so viel Gewinn ab, dass der Freibetrag von 801 Euro erreicht wird? Dann teilen Sie ihn doch auf, um überall das Maximale herauszuholen.

Und das geht so: Sie erteilen nicht dem einen Kreditinstitut einen Freistellungsauftrag über die vollen 801 Euro, sondern zum Beispiel nur über 400 Euro. Das zweite Kreditinstitut, das eine andere Kapitalanlage von Ihnen verwaltet, bekommt dann einen Freistellungsauftrag über 401 Euro. Wenn die Kapitalerträge jeweils unter diesen Grenzen bleiben, geht kein Geld verloren.

Aber Achtung: Alle Freistellungsaufträge zusammen dürfen auf keinen Fall den Gesamtbetrag von 801 Euro beziehungsweise 1.602 Euro überschreiten. Denn die Banken melden dem Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), wie viele Kapitalerträge Sie tatsächlich von der Steuer freigestellt haben. Ist es insgesamt mehr als der erlaubte Betrag, kann es Ärger geben – bis hin zu einer Ordnungsstrafe.

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