Frau und Hund sitzen auf dem Boden vor einem Haufen Rechnungen
Sparen

Steuerfreibeträge: Was ist das und welche gibt es?

Anna Ostrowska
von Anna Ostrowska, 26.11.2021

Frei- und Pauschbeträge machen Ihnen das Leben einfacher: Sie reduzieren Ihre Steuern! Und ersparen dem Finanzamt viel Papierkram. Aber was genau sind Pausch- und Freibeträge überhaupt? Welche gibt es? Worin unterscheiden sie sich? Wir machen klar, was Sie wissen über die Steuerfreibeträge wissen müssen.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Frei- und Pauschbeträge vereinfachen die Bearbeitung der Steuererklärung.
  • Zusätzlich gibt es Freigrenzen und Nichtbeanstandungsgrenzen. 
  • Freibeträge sind Grenzen, bis zu denen Ihr Einkommen und weitere Einkünfte steuerfrei bleiben. Erst auf den Anteil, der über diesen Betrag hinausgeht, fallen Steuern an. Gilt zum Beispiel ein Freibetrag von 500 Euro, müssen von 600 Euro nur 100 Euro versteuert werden.
  • Die Pauschbeträge sind Summen, die Sie steuerlich absetzen können. Sie brauchen dafür keine Rechnungen zu sammeln.
  • Freigrenzen sind Limits, ab denen ein Betrag voll versteuert werden muss. Liegt eine Freigrenze beispielsweise bei 500 Euro und Sie haben Einnahmen von 600 Euro, fallen auf gesamten 600 Euro Steuern an. 
  • Nichtbeanstandungsgrenzen gelten für kleinere Beträge, deren Überprüfung sich für das Finanzamt nicht lohnt.
Grafik Grenzen Steuerentlastung

Darum gibt es Steuerfreibeträge

Die Freibeträge und Pauschalen sollen die Steuerzahler*innen und Finanzämter entlasten. Wie das geht? So: 

Sie als Steuerzahler*in müssen nicht auf Ihr gesamtes Einkommen Steuern zahlen. Ein paar Ausgaben dürfen Sie steuerlich absetzen. Die zählen dann für die Besteuerung nicht mit (siehe Kasten). Aber müssen Sie dafür jede kleine Ausgabe nachweisen? Berge an Quittungen, Rechnungen und Kaufverträgen sammeln? Nein. Das Finanzamt setzt gewisse Ausgaben voraus. Zum Beispiel, dass Eltern immer Kosten für ihre Kinder haben. Deswegen bekommen Eltern einen Kinderfreibetrag. Das Finanzamt spart dadurch viel Zeit bei der Berechnung Ihrer Steuern. 

Manche Frei- und Pauschbeträge verrechnet das Finanzamt automatisch mit ihrem Lohn. Andere müssen Sie beantragen. Es gibt noch zwei weitere Sonderformen: die Freigrenzen und Nichtbeanstandungsgrenzen.

Was heißt „steuerlich absetzen”?

Was heißt „steuerlich absetzen”?

Von ihrem Einkommen wird ein Teil an das Finanzamt überwiesen. Das ist Ihre Steuerlast. Sie können sich einen Teil davon zurückholen ‒ wenn Sie bestimmte Ausgaben haben, die Ihre Steuerschuld reduzieren. Diese Kosten geben Sie in der Steuererklärung an. Je nach Situation bekommen Sie dann direkt mehr Nettolohn oder eine Erstattung vom Finanzamt.

Das sind die Unterschiede zwischen Steuerfreibeträgen und Freigrenzen

Das Steuerrecht kennt verschiedene Pauschalen und Grenzen. Warum? Weil es verschiedene Ausgaben und Einkünfte gibt, die Sie in der Steuererklärung angeben können. Manche sind unvermeidbar, manche treffen nur auf bestimmte Gruppen zu. Je nach Fall gilt eine andere Pauschale oder Grenze. Sehen wir uns die einzelnen Pauschalen genauer an.

Freibetrag: Manche Einkünfte – wie zum Beispiel eine Erbschaft und die Rente – sind bis zu einem bestimmten Betrag steuerfrei. Erst was Sie über diese Summe hinaus bekommen, wird versteuert. Der unversteuerte Teil ist der Freibetrag. Manche Freibeträge sind eine festgelegte Summe, andere richten sich nach Ihrem Einkommen und anderen Faktoren.

Pauschbeträge: Der Begriff ist eine Zusammenführung von „Pauschaler Betrag”. Gemeint sind bestimmte Ausgaben, die Sie pauschal von der Steuer absetzen können ‒ in der Regel ohne Nachweise. Dazu gehört zum Beispiel die Pendlerpauschale. 

Ihre Ausgaben liegen über dem jeweiligen Pauschbetrag? Dann geben Sie die Gesamtkosten in der Steuererklärung an. Die Quittungen, Rechnungen oder Kaufverträgen, die den Mehraufwand belegen, müssen Sie nicht mitschicken. Allerdings kann das Finanzamt sie zur Kontrolle anfordern. Deswegen heben Sie ihre Belege auf. 

Der wesentliche Unterschied zwischen Freibeträgen und Pauschalen ist also: Freibeträge markieren eine Betragsgrenze, bis zu der Ihr Einkommen und verschiedene Einnahmen steuerfrei bleiben. Bei Pauschbeträgen ist es egal, welche Kosten Sie tatsächlich hatten, sie werden als pauschale Summe vom Einkommen abgezogen. Dadurch sinken Ihre Einnahmen und somit auch Ihre Steuerlast.

Eine Gruppe von Menschen tüfteln etwas zusammen am Tisch aus
© istock/golero/2018  Für manche Werbungskosten brauchen Sie eine Rechnung, für andere nicht.

Ein Beispiel für Pauschbeträge sind die sogenannten Werbungskosten. Das sind alle Kosten für Ihren Job wie Laptop, Fahrtkosten, Fortbildung, Werkzeug und so weiter. Aber: Sie sparen nur Steuern, wenn Sie die Job-Ausgaben selber bezahlt haben. Solange Ihr Arbeitgeber die Kosten übernimmt, dürfen Sie diese nicht steuerlich absetzen.

Es gibt auch Werbungskosten, die streng genommen nicht zu den Pauschalen gehören. Für diese gibt es sogenannte Nichtbeanstandungsgrenzen.

Nichtbeanstandungsgrenzen: Das sind Geldsummen, die das Finanzamt in der Regel „nicht beanstandet”. Das heißt: Es handelt sich um so kleine Beträge, dass es sich nicht lohnt, diese zu überprüfen. Aber im Zweifelsfall darf das Finanzamt Nachweise verlangen. Solche Ausgaben sind (Stand: jeweils 2021): 

  • Kontoführungsgebühren: 16 Euro pro Jahr
  • Arbeitsmittel: 110 Euro pro Jahr
  • Bewerbungskosten: 2,50 Euro pro Onlinebewerbung und 8,50 Euro pro Print-Bewerbung
  • Dienstreisen: 250 Euro pro Jahr
  • Reinigungskosten für Berufskleidung: bis zu 88 Cent pro Waschgang, bis zu 55 Cent pro Trockengang und 7 Cent pro Bügeln

Ihre Ausgaben liegen über der Nichtbeanstandungsgrenze? Dann können Sie diese trotzdem absetzen – dann verlangt das Finanzamt aber in der Regel die Nachweise.

Freigrenzen: Hier ist es ein wenig komplizierter als bei den Freibeträgen, Pauschbeträgen und Nichtbeanstandungsgrenzen – bei denen bestimmte Beträge bis zur jeweiligen Grenze steuerfrei bleiben. Alles darüber muss dann versteuert werden. Anders bei der Freigrenze: Wenn die Einnahmen beziehungsweise die absetzbaren Kosten diese Grenze überschreiten, muss der komplette Betrag versteuert werden. 

Beispiel: Sie haben auf dem Flohmarkt oder bei Ebay etwas verkauft? Solange Sie nicht mehr als 599,99 Euro eingenommen haben, müssen Sie es nicht versteuern. So hoch ist die Freigrenze für solche sogenannten privaten Veräußerungsgeschäfte. Sobald Sie 600 Euro oder mehr einnehmen, müssen sie alles versteuern.

Weitere Freigrenzen gibt es zum Beispiel für den Grunderwerb (2.500 Euro) oder für Sachbezüge vom Arbeitgeber (50 Euro im Monat). 

Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Steuer: Was kann ich absetzen?”

Das sind die wichtigsten Freibeträge und Pauschbeträge

Freigrenzen und Pauschbeträge gibt es für alle möglichen Gruppen und Zwecke. Sehen wir uns die wichtigsten an.

Welche Freibeträge gibt es?

Der wichtigste steuerliche Freibetrag ist der sogenannte Grundfreibetrag. Dieser Betrag ist steuerfrei, damit jede*r das Nötigste zum Leben bezahlen kann, etwa Essen und Unterkunft. Deswegen passt der Gesetzgeber den Freibetrag auch jährlich an die aktuellen Lebenshaltungskosten an (siehe Tabelle). Sie zahlen 2022 für alle Einnahmen bis zu 9.984 Euro keine Steuern. Das sind 832 Euro pro Monat. Alles, was Sie über diese Summe hinaus verdienen, ist steuerpflichtig. Den Grundfreibetrag berücksichtigt das Finanzamt automatisch bei der Berechnung Ihrer Steuerschuld.

202020212022
9.408 Euro9.744 Euro9.984 Euro
 +336 Euro ggü. 2020+240 Euro ggü. 2021
  +576 Euro ggü. 2020

Weitere Freibeträge sind (Stand: jeweils 2021):

  • Kinderfreibetrag: Dieser wird jährlich wie der Grundfreibetrag an die Lebenshaltungskosten angepasst.
  • Betreuungsfreibetrag (BEA-Freibetrag): Dieser Posten deckt die Kosten für Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf ab. Eltern erhalten diese beiden Freibeträge, wenn die Steuerersparnis größer ist als die Gesamtsumme des Kindergeldes. Die Berechnung, was günstiger für Sie ist, übernimmt das Finanzamt. Mehr über steuerliche Vorteile für Eltern lesen Sie im Artikel „Staatliche Zuschüsse für Eltern“.
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende: Nur der Grundbetrag von 4.008 Euro wird vom Finanzamt immer berechnet. Wenn Sie weitere Kinder haben, müssen Sie den zusätzlichen Freibetrag von 240 Euro beantragen. 
  • (Zweit-)Ausbildungsfreibetrag: Sie können Ihre Sonderkosten für Ihre zweite Ausbildung (Beispiel Masterstudium) bis zu einer Höhe von 6.000 Euro im Jahr von Ihrer Steuer absetzen, eventuelle Werbungskosten (Hochschulgeld, Wohnkosten Zweitwohnsitz) sogar in unbegrenzter Höhe.
  • Der Altersentlastungsbetrag betrifft Sie nur, wenn Sie außer der Rente weitere Einnahmen haben. Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Berechnung des Altersentlastungsbetrags“
  • Wie hoch der Rentenfreibetrag ist, hängt von Ihrem Renteneintrittsjahr ab. Wenn Sie zum Beispiel seit 2020 Ihre Rente erhalten, sind davon 20 Prozent steuerfrei. Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Steuern auf die Rente: Bleibt noch genug für eine Extrarunde?”
  • Der Freibetrag für die Erbschaftssteuer und Schenkungen liegt zwischen 20.000 und 500.000 Euro. Der Freibetrag hängt von der Höhe der Erbe oder Schenkung, dem Verwandtschaftsgrad und der jeweiligen Steuerklasse ab. Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Erbschaftsteuer: Was zahlt man für Omas Erspartes ‒ und den ganzen Rest?”
  • Sparerfreibetrag: Sie haben Einkünfte aus Kapitalanlagen wie Wertpapiere, Aktien, Zinseszins & Co.? Diese müssen nur versteuern, wenn sie höher als 801 Euro sind. Für alles, was Sie darüber hinaus verdienen, zahlen Sie 25 Prozent Abgeltungssteuern. Wichtig zu wissen: Sie müssen bei Ihrer Bank eine Freistellung beauftragen, um keine Steuern für den Freibetrag von 801 Euro zu zahlen. Mehr dazu lesen Sie in den Artikeln „Freistellungsauftrag: So stoppen sie die Steuern für Zinsen und Dividenden“ und „Nachhaltige Geldanlagen”
  • Freibetrag für außergewöhnliche Belastungen: Zusätzliche Ausgaben wie Medikamente, Kuraufenthalte, Unterhalt, Hörgeräte, Krücken oder Bestattungen, sind steuerlich absetzbar. Zumindest dann, wenn die Gesamtkosten höher sind als die Summe, die Ihnen laut Gesetz „zumutbar“ ist. Wie hoch dieser sogenannte zumutbare Eigenanteil ist, hängt unter anderem von Ihren Einnahmen und der Anzahl Ihrer Kinder ab.
Jemand setzt einer Frau ein Hörgerät ein
© istock/peakSTOCK/2020  Hörgeräte, Brille & Co. können Sie steuerlich absetzen, wenn die Kosten den zumutbaren Eigenanteil übersteigen.

Welche Pauschbeträge gibt es?

Die bekannteste Pauschale ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag. Die Pauschale von 1.000 Euro deckt alle Ihre Werbungskosten wie zum Beispiel Druckerkosten ab. Und dabei ist es egal, wie viele Monate Sie angestellt waren und wie hoch Ihre beruflichen Ausgaben tatsächlich waren. Das Finanzamt zieht diesen Pauschbetrag immer von Ihrem zu versteuernden Einkommen ab. Sie müssen diese Pauschale nicht beantragen und auch keine Belege sammeln ‒ es sei denn, Sie wollen Werbungskosten von mehr als 1.000 Euro absetzen.

Von dem Teil Ihrer Rente, den Sie versteuern müssen, zieht das Finanzamt ebenfalls eine Pauschale für Werbungskosten ab: 102 Euro

Sie sind derzeit arbeitssuchend? Auch dann können Sie die Kosten, die für Ihre Arbeitssuche anfallen – wie etwa Büromaterial und Fahrten zu Bewerbungsgesprächen – steuerlich geltend machen. Aber nur, wenn Sie Einkünfte haben, also zum Beispiel Arbeitslosengeld erhalten.
Weitere Pauschbeträge sind: 

Fuß- und Fahrradweg auf einer Brücke
© istock/JANIFEST/2017  Auch Fußgänger und Fahrradfahrer können die Pendlerpauschale steuerlich absetzen.
  • Verpflegungs- und Übernachtungspauschale: Sind Sie beruflich länger als acht oder 24 Stunden unterwegs, können Sie pauschal 14-28 Euro für die Verpflegung wie Essen und Getränke absetzen.
  • LKW-Fahrer*innen können pauschal 8 Euro pro Übernachtung im LKW abrechnen. Zusätzlich zur Verpflegungspauschale. 
  • Sonderausgaben-Pauschbetrag: Das Finanzamt zieht Ihnen pauschal 36 Euro pro Jahr für Sonderausgaben ab. Aber nur, sofern Sie keine weiteren in der Steuererklärung geltend machen, wie zum Beispiel für die private Altersvorsorge (Rürup-Rente & Co.) oder Spenden
  • Arbeitszimmer: Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Steuer: Was kann ich absetzen?”
  • Berufliche Versicherungen: Speziell für Ihren Job abgeschlossene Versicherungen wie die Berufsrechtsschutzversicherung oder Betriebshaftpflicht können Sie steuerlich absetzen.
  • Homeoffice-Pauschale: Wegen der Corona-Pandemie gilt – vorerst begrenzt auf die Steuerjahre 2020 bis 2022 – eine Sonderregelung für Arbeitnehmer, die von zu Hause aus arbeiten: Pro Tag im Homeoffice können sie pauschal fünf Euro pro Tag absetzen. Maximal allerdings nur 600 Euro pro Jahr. Das geht auch, wenn Sie kein steuerlich absetzbares Arbeitszimmer haben. Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Homeoffice von der Steuer absetzen: So gibt's vom Finanzamt Geld zurück.”
  • Telefonkosten: Sie nutzen Ihr Telefon auch beruflich? Dann können Sie bis zu 20 Prozent der monatlichen Rechnung ‒ maximal 20 Euro ‒ in der Steuererklärung angeben.
  • Umzugskostenpauschale: Wenn Sie aus beruflichen Gründen umziehen, können Sie 870 Euro der Kosten pauschal absetzen. Plus 580 Euro je Umzugsteilnehmer*in, wie Angehörige oder Ehepartner*innen (bei Umzügen ab April 2022: 886 + 590 Euro). Ist es bereits Ihr zweiter Umzug innerhalb von fünf Jahren, erhöht sich die Pauschale um 50 Prozent. 
  • Pflegepauschbetrag: Sie kümmern sich um jemanden bei Ihnen zu Hause oder bei der pflegebedürftigen Person? Seit 2021 können Sie 600 bis 1.800 Euro absetzen. 
  • Hinterbliebenen-Pauschbetrag: Dieser Betrag von 370 Euro steht allen zu, die wegen des Todes einer*eines Angehörigen Anspruch darauf haben.
  • Behindertenpauschbetrag: Der Pauschbetrag ist abhängig vom Merkzeichen (siehe Tabelle). Und vom Grad der Behinderung (GdB), der im Schwerbehindertenausweis steht. Der Betrag hat ab 2021 eine Höhe zwischen 620 Euro und 7.400 Euro. Zusätzlich gibt es eine Fahrtkostenpauschale.
Was bedeuten die Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis? 
Merkzeichen:Bedeutung: 
Gerhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit
BBerechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson
aGaußergewöhnliche Gehbehinderung 
GIGehörlosigkeit
HHilflosigkeit
BIBlindheit 
RFErmäßigung von der Rundfunkgebühr

 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

7

Das könnte Sie auch interessieren: