Junges Paar freut sich über den Gehaltszettel nach Eintrag einer Lohnsteuerermäßigung
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Antrag auf Lohnsteuerermäßigung: So gibt es mehr Netto vom Brutto

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 20.05.2021

Sicher haben Sie sich beim Blick auf Ihre monatliche Gehaltsabrechnung auch schon mal geärgert. Ist ja auch frustrierend, dieser Unterschied zwischen Brutto und Netto! Kann man nichts machen. Oder doch? Vielleicht beschert Ihnen ja ein Antrag auf Lohnsteuerermäßigung jeden Monat mehr Geld auf dem Konto. Wann das für Sie infrage kommt und wie Sie vorgehen müssen, erklären wir hier.

Themen in diesem Artikel

Was bringt ein Antrag auf Lohnsteuerermäßigung?

Ihre Lohnsteuer überweist Ihr Arbeitgeber direkt an das zuständige Finanzamt. Wie hoch dieser Betrag ist,  hängt von Ihrem Bruttolohn und Ihrer Steuerklasse ab. Bestimmte pauschale Freibeträge (Pauschbeträge) werden dabei automatisch berücksichtigt. Womit wir auch schon mitten im Thema sind.

Denn was ist, wenn diese Pauschalen Ihre betreffenden Ausgaben (mehr dazu im nächsten Kapitel) nicht decken? Also, Ihre Kosten höher sind als die diesbezüglichen Freibeträge? Zieht Ihnen dann der Fiskus zu viel Lohnsteuer ab? Ja, das kann schon sein. Ist das der Fall, haben Sie in der Regel zwei Möglichkeiten. Entweder Sie holen sich Ihr Geld über Ihre Steuererklärung zurück. Oder – und darum soll es hier gehen – Sie stellen einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung.

Ist das Finanzamt damit einverstanden, erhöht es Ihre Freibeträge. Damit fällt Ihr zu versteuerndes Einkommen geringer aus und entsprechend auch Ihre Steuerlast. Der Effekt: Ihr monatliches Nettoeinkommen steigt sofort an.

Wofür kann ein Freibetrag beantragt werden?

Eine Lohnsteuerermäßigung können Sie beantragen für:

  • Werbungskosten
  • Sonderausgaben
  • außergewöhnliche Belastungen
  • Pauschbeträge für Behinderte oder Hinterbliebene
  • Aufwendungen für eine Haushaltshilfe, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen
  • Aufwendungen für energetische Maßnahmen

Werbungskosten

Werbungskosten sind alles, was Sie im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit bezahlen. Für eine Lohnsteuerermäßigung kommen vor allem infrage:

  • Hohe Fahrtkosten für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsplatz
  • Kosten für ein Arbeitszimmer
  • Doppelte Haushaltsführung
  • Fortbildungskosten
  • Reisekosten, die nicht vom Arbeitgeber erstattet werden
  • Kosten für Arbeitsmittel wie Berufskleidung, Werkzeuge, Fachliteratur

Sonderausgaben

Für einige private Zwecke können Sie sich Freibeträge als Sonderausgaben eintragen lassen. Das sind zum Beispiel Kosten für:

  • Kinderbetreuung
  • Schulgeld
  • Unterhaltsleistungen für geschiedene oder dauerhaft getrennt lebende Ehe- oder Lebenspartner*innen
  • Ihre Berufsausbildung oder Ihr Erststudium
Eine Gruppe Kindergartenkinder strahlt auf dem Bauch liegend in die Kamera
© istock/FatCamera/2019  Kinderbetreuung ist oft teuer. Ein Freibetrag bei den Sonderausgaben kann helfen.

Außergewöhnliche Belastungen

Zu diesen Posten gehören:

  • Freibeträge für die Berufsausbildung eines volljährigen Kindes, das auswärts wohnt
  • Krankheits- und Pflegekosten
  • Unterhaltsleistungen an berechtigte Personen

Wichtig: Bei erhöhten Werbungskosten und Sonderausgaben sowie außergewöhnlichen Belastungen gibt es eine sogenannte Antragsgrenze von 600 Euro. Das bedeutet, dass alle Ihre abziehbaren Beträge zusammengezählt diesen Betrag überschreiten müssen. Dabei darf von den Werbungskosten nur berücksichtigt werden, was über 1.000 Euro liegt. Denn bis zu dieser Höhe steht sowieso jedem automatisch ein Freibetrag zu. Anders ausgedrückt: Wenn Sie ausschließlich Werbungskosten geltend machen wollen, müssen dafür mindestens 1.600 Euro aufgelaufen sein.

Pauschbeträge für Behinderte oder Hinterbliebene

Keine Antragsgrenze gilt beim Pauschbetrag für Behinderte. Grundlage für die Höhe ist der beim Finanzamt gespeicherte Grad der Behinderung. Der wird für eine gewisse Dauer automatisch in der Gehaltsabrechnung berücksichtigt. Einen neuen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung wegen Schwerbehinderung brauchen Sie deshalb nur zu stellen, wenn …

  • der Gültigkeitszeitraum abgelaufen ist oder
  • sich Ihr Behinderungsgrad geändert hat.

Tipp: Den Pauschbetrag für Behinderte gibt es lediglich für die Hilfe im „normalen“ täglichen Leben. Außer der Reihe anfallende behinderungsbedingte Kosten zum Beispiel für Arzneien, Kuren und so weiter, können Sie zusätzlich als außergewöhnliche Belastungen geltend machen.

Der Pauschbetrag für Hinterbliebene beträgt im Jahr 370 Euro. Ihn bekommen Menschen mit Anspruch auf laufende Hinterbliebenenbezüge.

Haushaltshilfen, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen

Für Haushaltshilfen, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Handwerkerleistungen gilt ebenfalls keine Antragsgrenze. Arbeitskosten im Privathaushalt werden für die Berechnung des Freibetrages also vom ersten Euro an berücksichtigt. Allerdings nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen.

Bei geringfügig Beschäftigten liegt diese bei 510 Euro jährlich. Bei sozialversicherungspflichtigen haushaltsnahen Beschäftigten – und dazu zählen auch Pflege- und Betreuungsleistungen – bis zu 4.000 Euro jährlich. Und bei Handwerkerleistungen beträgt die maximale Steuerermäßigung 1.200 Euro.

Energetische Maßnahmen

Seit 2020 gibt es unter bestimmten Bedingungen auch Freibeträge für energetische Sanierungsmaßnahmen an selbstgenutztem Wohneigentum. Und zwar bis zu 20 Prozent der Aufwendungen, höchstens 40.000 Euro.

Gärtner schneidet Pflanzen im Garten in Form
© istock/welcomia/2019  Auch für die Hilfe bei der Gartenarbeit können Sie Freibeträge beantragen.

Wo und wie muss ich den Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen?

Den Antrag müssen Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt stellen. Er besteht aus dem Hauptvordruck und den Anlagen Kinder, Sonderausgaben/außergewöhnlichen Belastungen, Werbungskosten und Haushaltsnahe Aufwendungen/Energetische Maßnahmen. Die notwendigen Vordrucke bekommen sie unter anderem online beim Bundesfinanzministerium im Formular-Management-System (FMS). Dort finden Sie auch eine Anleitung zum Ausfüllen.

Sie können die Unterlagen blanko herunterladen oder direkt am Bildschirm ausfüllen. In jedem Fall müssen Sie die Formulare unterschreiben und in Papierform beim Finanzamt abgeben!

Sobald Ihr Antrag durch ist, werden die Freibeträge elektronisch als sogenannte Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELSTAM) gespeichert und Ihrem Arbeitgeber übermittelt. Der berücksichtigt die Lohnsteuerermäßigung dann in Ihrer Lohnabrechnung.

Wann kann ich einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen?

Grundsätzlich können Sie Ihren Antrag auf Lohnsteuerermäßigung jederzeit stellen. Er wirkt dann ab dem Folgemonat. Ausnahme: Wenn Sie den Antrag bis Ende Januar einreichen, wird der Freibetrag bereits für Januar berücksichtigt. Um noch für das laufende Jahr etwas von den Freibeträgen zu haben, müssen Sie Ihren Antrag bis Ende November stellen. Mehr dazu im übernächsten Kapitel.

Wie lange gilt ein gewährter Freibetrag?

Im Regelfall gilt ein Freibetrag für ein Jahr. Allerdings können Sie im Vordruck auch gleich eine zweijährige Gültigkeit beantragen und sich so Arbeit ersparen.

Achtung: Zeichnet sich ab, dass Ihre Kosten niedriger als angeben ausfallen, müssen Sie das dem Finanzamt melden!

Kein vereinfachter Antrag auf Lohnsteuerermäßigung mehr

Kein vereinfachter Antrag auf Lohnsteuerermäßigung mehr

Seit 2018 gibt es den vereinfachten Antrag auf Lohnsteuerermäßigung nicht mehr als separates Formular. Er gehört jetzt zum Antrag auf Lohnsteuerermäßigung.

Wann wird der Freibetrag abgezogen?

Der Freibetrag wird als Jahresbetrag gewährt und auf die dem Antrag folgenden Monate verteilt. Wie bereits erwähnt: Um davon noch im laufenden Jahr zu profitieren, müssen Sie den Antrag bis spätestens Ende November stellen.

Beispiel:

Der Freibetrag beträgt 1.800 Euro und wird beantragt am

  • 30. Januar: Jeden Monat 150 Euro (auch rückwirkend für Januar)
  • 30. Oktober: November und Dezember jeweils 900 Euro
  • 30. November: Dezember 1.800 Euro

Tipp: Wenn Sie zu den Glücklich zählen, die Weihnachtsgeld bekommen, sollten Sie Ihren Antrag bis spätestens Ende Oktober einreichen. Denn das zusätzliche Gehalt kommt meist im November und der Freibetrag wirkt sich dann besonders vorteilhaft aus. 

Beantragen Sie den Freibetrag gleich für zwei Jahre, werden in dem Beispiel im Folgejahr monatlich 150 Euro berücksichtigt.

Ein Mädchen im Rollstuhl umfasst die Hand eines Erwachsenen
© istock/StockPlanets/2018  Ein Behindertenpauschbetrag wird automatisch gewährt und muss nur bei Veränderungen neu beantragt werden.

Muss ich mit Lohnsteuerermäßigung eine Steuererklärung machen?

Ja, im Normalfall schon. Schließlich möchte das Finanzamt überprüfen, ob Ihre Angaben auch alle korrekt waren. Haben Sie einen zu hohen Freibetrag beantragt, müssen Sie demnach mit einer Nachforderung rechnen.

Allerdings gibt es Ausnahmen von dieser Verpflichtung:

  • Nur die Anzahl Ihrer Kinderfreibeträge hat sich geändert 
  • Ihr Lohn/Gehalt für 2020 ist geringer als 11.900 Euro (Verheiratete/Verpartnerte 22.600 Euro)
  • Sie haben den Behinderten- oder Hinterbliebenenpauschbetrag beantragt

Nicht mehr Geld, aber früher

Um es klarzustellen: Nach einem erfolgreichen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung gibt es unterm Strich und übers Jahr gesehen nicht wirklich mehr Netto. Denn das Geld, was Sie durch die Freibeträge jeden Monat zusätzlich haben, würden Sie auch über Ihrer Steuererklärung zurückbekommen. Der Vorteil aber ist: Sie erhalten es früher und haben damit Monat für Monat mehr Geld.

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