Junges Paar sitzt nachdenklich vorm Laptop mit Papieren in der Hand
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Steuer: Was kann ich absetzen?

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 08.04.2021

Glauben Sie auch, der Aufwand für eine Steuererklärung lohnt sich nicht? Sie bekommen ja doch nichts zurück? Damit verschenken Sie möglicherweise eine beachtliche Summe Geld! Denn tatsächlich können Sie eine ganze Reihe von Kosten geltend machen, die Ihr Einkommen schmälern. Und weniger Einkommen heißt: weniger Steuern. Oder eben schon gezahlte zurückbekommen. Ein bisschen wie Weihnachten. Aber welche von Ihren Ausgaben zählen und welche nicht? Das erklären wir hier.

Themen in diesem Artikel

Kosten für die Arbeit

Alle Aufwendungen, die Sie im Zusammenhang mit Ihrer Arbeit haben, können Sie in der Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen. Natürlich nur, wenn Sie die auch selbst getragen haben. Sobald Ihr Arbeitgeber die Kosten ganz oder teilweise übernimmt, können Sie diesen Teil nicht mehr absetzen.

Und noch etwas gilt es zu beachten: Das Finanzamt zieht allen Steuerzahlern im Jahr automatisch 1.000 Euro pauschal für Werbungskosten vom Einkommen ab. Also auch dann, wenn Sie nichts oder weniger als 1.000 Euro als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung angegeben haben. Das bedeutet, nur wenn Sie höhere Ausgaben haben, macht sich das überhaupt in einer Steuererstattung bemerkbar. Die Werbungskosten tragen Sie in der Anlage N der Steuererklärung ein. Wichtig: Bewahren Sie die Quittungen und Rechnungen der Ausgaben gut auf. Das Finanzamt kann die Belege anfordern, um zu prüfen, ob alle Ihre Angaben korrekt sind.

Grundsätzlich erkennt das Finanzamt solche Ausgaben an:

Arbeitsmittel

Unter Arbeitsmittel fällt alles, was Sie anschaffen, um Ihren Beruf ordnungsgemäß auszuüben. Zum Beispiel Fachliteratur, Büromöbel, Tablet, Drucker und Smartphone. Kosten für teure Arbeitsmittel wie zum Beispiel einen Computer können Sie allerdings nur bis zu 800 Euro auf einmal von der Steuer absetzen. Höhere Kosten müssen Sie über mehrere Jahre verteilen.

Arbeitszimmer

Wenn Ihr häusliches Arbeitszimmer den Mittelpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit bildet und es bestimmten steuerrechtlichen Anforderungen genügt (siehe nachfolgenden Kasten), dann können Sie die kompletten Kosten (zum Beispiel anteilige Miete) beim Finanzamt geltend machen.

Wenn Sie nur teilweise zu Hause arbeiten, Ihnen aber kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (Beispiel: Lehrer*innen), können Sie nur höchstens 1.250 Euro absetzen.

Neu in Corona-Zeiten ist die Homeoffice-Pauschale: Sie erhalten für jeden Arbeitstag zu Hause 5 Euro, maximal 600 Euro jährlich. Und zwar auch dann, wenn Sie kein steuerlich anerkanntes Arbeitszimmer haben, sondern mit dem Laptop am Küchentisch arbeiten. Derzeit gibt es diese Pauschale nur für die Jahre 2020 und 2021.

Mehr dazu finden Sie im Ratgeber „Homeoffice von der Steuer absetzen: So gibt’s vom Finanzamt Geld zurück“.

Steuerliche Anforderungen Arbeitszimmer

Steuerliche Anforderungen Arbeitszimmer

Um überhaupt als Arbeitszimmer anerkannt zu werden, muss ein Raum folgende Bedingungen erfüllen:

  • Eigener Raum: kein Durchgangszimmer, auch eine Arbeitsecke in anderem Zimmer wird nicht akzeptiert
  • Büromäßige Ausstattung: Schreibtisch, Bürostuhl, Regale/Aktenschränke, PC, Drucker etc.
  • Nahezu ausschließlich berufliche Nutzung, das heißt: keine Gästecouch, kein Fernseher, kein Sportgerät, keine sonstige private Nutzung
Mutter mit zwei Töchtern arbeitet im Homeoffice am Wohnzimmertisch
© istock/golero/2020  In Corona-Zeiten erkennt das Finanzamt auch den Wohnzimmertisch als „Arbeitszimmer“ an.

Telefon- und Internetkosten

Wenn Sie Ihr Telefon und/oder Smartphone auch beruflich nutzen, akzeptiert das Finanzamt eine Telefonkostenpauschale von maximal 20 Prozent der Kosten. Der Vorteil: Sie müssen keine Aufzeichnungen führen, sondern können bis zu 20 Euro monatlich geltend machen, also 240 Euro im Jahr. Wenn Sie allerdings höhere berufliche Telefonkosten haben, müssen Sie die einzeln erfassen und ausrechnen.

Pendlerpauschale

Die Pendlerpauschale ersetzt alle Kfz-Kosten für den Weg zur Arbeit. Sie beinhaltet neben Benzin und Öl auch Parkgebühren und sogar die Kfz-Steuer. Für jeden Kilometer zwischen Ihrem Wohnort und der Arbeitsstelle werden 30 Cent anerkannt, seit 2021 ab dem 20. Kilometer sogar 35 Cent. Allerdings nur die einfache Entfernung (also nicht Hin- UND Rückfahrt) und auch nur für die Tage, an denen Sie tatsächlich fahren. Urlaubs- oder Krankentage werden abgezogen. Und: Anerkannt wird nur der kürzeste Weg zur Arbeit. Längere Wege gelten nur, wenn sie nachweislich schneller sind.

Tipp: Die Pauschale können Sie auch nutzen, wenn Sie zu Fuß gehen oder andere Verkehrsmittel nutzen.

Mehr Infos finden Sie im Ratgeber „Pendlerpauschale berechnen: Wie viel Geld liegt auf der Straße?“.

Fortbildungskosten

Unter Fortbildungen versteht das Finanzamt alle Aufwendungen, die Ihnen erlauben, in Ihrem ausgeübten Beruf auf dem Laufenden zu bleiben, also zum Beispiel Fachmagazine. Fortbildungen etc. Akzeptiert werden auch Kosten für eine Qualifizierung nach Wiedereinstieg in den Beruf, etwa nach Elternzeit oder längerer Krankheit. Ansetzen können Sie dann alle Kosten, die im Rahmen der besuchten Veranstaltung anfallen.

Verpflegungsmehraufwand

Im Falle von Dienstreisen können Sie die Kosten für Essen und Trinken steuerlich geltend machen. Dafür hat der Gesetzgeber ebenfalls Pauschalen festgelegt. Was darüber hinausgeht, ist Ihr Privatvergnügen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass Sie länger als acht Stunden unterwegs waren. Dann können Sie für jeden Arbeitstag, den Sie unterwegs waren, 14 Euro ansetzen. Bei Abwesenheit von mehr als 24 Stunden sind es 28 Euro. Für An- und Abreisetage jeweils 14 Euro.

„Steuerlich geltend machen“ – was heißt das?

„Steuerlich geltend machen“ – was heißt das?

Wenn Sie etwas steuerlich geltend machen, heißt das: Sie geben die Ausgaben in Ihrer Steuererklärung an. Wenn das Finanzamt diese Kosten anerkennt, wird die Summe von Ihren Einkünften abgezogen. Nur auf die Restsumme müssen Sie Steuern zahlen. Umso geringer fällt Ihre Steuerlast aus.

Doppelte Haushaltsführung

Sie arbeiten in einer weiter entfernten Stadt und unterhalten dort während der Woche eine Zweitwohnung? Wenn das aus beruflichen Gründen so ist, haben Sie steuerlich betrachtet zwei Möglichkeiten:

  • Sie können die Aufwendungen für die zweite Wohnung als Werbungskosten geltend machen.
  • Alternativ können Sie aber auch die Fahrtkosten zwischen Ihrem Hauptwohnort und Ihrer Arbeitsstelle ansetzen, wenn diese höher sind.

Tipp: Ihre Wahl ist nicht dauerhaft gültig; Sie können sich jedes Jahr wieder umentscheiden.

Übrigens: GEZ-Gebühren können Sie zwar in aller Regel nicht steuerlich absetzen. Aber wenn das Finanzamt Ihre doppelte Haushaltsführung anerkennt, können Sie die GEZ-Gebühren für die Zweitwohnung in der Steuererklärung als Werbungskosten angeben.

Bewerbungskosten

Kosten für Bewerbungen können Sie in voller Höhe ansetzen, ob erfolgreich oder nicht. Dazu gehören auch Kosten für Bewerbungskurse, Fahrtkosten zu Bewerbungsgesprächen und Ausgaben für Bewerbungsmappen. Ohne Nachweis werden pro elektronischer Bewerbung 2,50 Euro akzeptiert, für mit der Post versandte Unterlagen 8,50 Euro.

Reinigungskosten für Berufskleidung

Die Kosten für die Reinigung von Berufskleidung können Sie voll absetzen. Achten Sie bei einer professionellen Reinigung darauf, dass auf dem Beleg der Vermerk „Berufskleidung“ steht. Wenn Sie das Waschen selbst übernehmen, setzen Sie 48 Cent pro Kilo Buntwäsche an. 

Umzugskosten bei beruflich bedingtem Umzug

Neuer Job in einer anderen Stadt? Sobald ein Umzug berufsbedingt ist, beteiligt sich das Finanzamt an den Kosten. Dazu gehören neben dem eigentlichen Umzug auch Maklergebühren und unter Umständen sogar doppelte Miete. Und für den ganzen „Kleinkram“ gibt es ohne Nachweis eine Umzugskostenpauschale, die abhängig von Umzugstermin bis zu 1.639 Euro betragen kann.

Kosten für ein Masterstudium

Kosten für Ihr Masterstudium können Sie in voller Höhe absetzen. Dazu zählen Arbeitsmittel, Semestergebühren, Fahrtkosten, Zinsen für Studienkredite, aber auch Studienreisen. Natürlich nur, wenn Sie sie auch selbst bezahlt haben – und nicht etwa im Rahmen einer staatlichen Förderung erstattet bekommen.

Junge Frau inmitten von Umzugskartons in einer neuen Wohnung
© istock/South_agency/2019  Die Kosten für einen beruflich bedingten Umzug akzeptiert das Finanzamt als Werbungskosten.

Private Ausgaben

Neben den beruflich bedingten Ausgaben lassen sich auch bestimmte private Ausgaben steuersparend absetzen, und zwar als Sonderausgaben. Dafür gibt es eine eigene Anlage in der Steuererklärung.

Kosten für die eigene Vorsorge

Dazu gehören

  • Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung
  • Beiträge zur Rentenversicherung
  • Beiträge zur Riester-Rente
  • andere Versicherungen wie Haftpflicht-, Berufsunfähigkeit-, berufliche Unfallversicherung

Welche Steuern Sie wie absetzen können, lesen Sie in unserem Beitrag „Geschützt und gespart: Diese Versicherungen kann man von der Steuer absetzen“.

Kosten für besondere private Umstände

Dazu gehören

  • Spenden
  • Kirchensteuer
  • Unterhalt für Ex-Eheleute bis zu 13.085 Euro. Voraussetzung: Die/der Unterhaltsempfänger*in versteuert die Zahlungen.
  • Kinderbetreuungskosten für Kinder bis 14 Jahre, und zwar zwei Drittel der Kosten, maximal 4.000 Euro pro Kind
  • Kosten für die eigene Erstausbildung beziehungsweise das Erststudium bis zu 6.000 Euro

Genauso wie bei den Werbungskosten gibt es auch bei den Sonderausgaben eine Pauschale, die das Finanzamt automatisch vom Einkommen abzieht. Sie beträgt 36 Euro pro Person und Jahr.

Ausgaben rund um Ihr Zuhause

Mutter hat ihr Kind bei der Tagesmutter abgegeben und winkt zum Abschied
© istock/SolStock/2018  Die Kosten für eine Tagesmutter können Sie zu einem großen Teil von der Steuer absetzen.

Damit sind die Kosten für Handwerkerleistungen und sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen in Ihrem Privathaushalt gemeint. Solche Aufwendungen müssen Sie mit den entsprechenden Rechnungen belegen.

  • Bei Handwerkerleistungen werden 20 Prozent der bezahlten Arbeitsleistungen anerkannt. Allerdings nicht unendlich: Maximal werden Ihnen 1.200 Euro vom Jahreseinkommen abgezogen.
  • Bei haushaltsnahen Dienstleistungen – zum Beispiel ein*e Gärtner*in oder eine Haushaltshilfe – werden ebenfalls 20 Prozent der Rechnungssumme anerkannt. In diesem Fall sogar sind bis zu 4.000 Euro Abzug vom Jahreseinkommen drin.

Achtung: Die Kosten werden nur anerkannt, wenn Sie das Geld dafür nachweisbar überweisen. Barzahlungen werden nicht akzeptiert.

Außergewöhnliche Belastungen

Auch bei den außergewöhnlichen Belastungen handelt es sich um private Aufwendungen. Aber eben solche, die nicht regelmäßig auftauchen, sondern nur unter besonderen – außergewöhnlichen – Umständen.

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen zum Beispiel Aufwendungen für

  • Medikamente oder medizinische Hilfsmittel (zum Beispiel Brillen), ärztliche Behandlungen
  • Kosten für den krankheitsbedingten Umbau einer Wohnung
  • Krankenhausaufenthalte oder Kuren
  • Beerdigungskosten, sofern sie nicht aus dem Nachlass bezahlt werden können
  • Unterhaltszahlungen, zum Beispiel für studierende Kinder, für die es kein Kindergeld mehr gibt
  • Kosten für ein Pflegeheim

Das Finanzamt berechnet in solchen Fällen, wie viel von den Kosten Ihnen aufgrund Ihres Einkommens zugemutet werden kann. Nur was darüber liegt, können Sie absetzen. Mit diesem Rechner können Sie schnell berechnen, wie hoch Ihr Eigenanteil ausfällt.

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