Geschützt und gespart: Diese Versicherungen kann man von der Steuer absetzen
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Geschützt und gespart: Diese Versicherungen kann man von der Steuer absetzen

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 11.03.2021

Der Jahresanfang bringt so manches Durchschnitts-Girokonto ins Schleudern: Weihnachten gerade vorbei und dann die Jahresbeiträge für die ganzen Versicherungen! Wussten Sie, dass bei vielen Versicherungen der Staat einen Teil der Beiträge übernimmt? Na ja, nicht direkt. Aber: Sie können zumindest einen Teil der Beiträge vom Finanzamt zurückbekommen. Welche Versicherungen man von der Steuer absetzen kann, erklären wir hier.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Versicherungen für Gesundheitsfürsorge und Einkommenssicherung können abgesetzt werden.
  • Sachversicherungen werden nicht anerkannt.

Welche Versicherungen kann man von der Steuer absetzen?

Alle Versicherungen erkennt das Finanzamt leider nicht an. Sondern nur solche, die entweder der Gesundheitsvorsorge dienen sowie diejenigen, die im Notfall Ihr Einkommen absichern. Außerdem noch diejenigen, die beruflich erforderlich sind. Konkret heißt das:

  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • (berufliche) Unfallversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung 
  • Versicherungen für Beruf und Ausbildung, zum Beispiel Berufshaft-, Diensthaftpflicht oder Teile der
  • Rechtsschutzversicherung

„Von der Steuer absetzen“ heißt ...

„Von der Steuer absetzen“ heißt ...

… dass Sie die Kosten (zum Beispiel für die Versicherung) in Ihrer Steuererklärung angeben. Dann werden sie von Ihrem Einkommen abgezogen. Entsprechend weniger Einkommen bleibt übrig, und umso weniger Steuern müssen Sie bezahlen.

Voraussetzung ist natürlich, dass es erlaubt ist, diese Kosten abzusetzen. Außerdem gibt es häufig Höchstbeträge. In diesem Fall werden eventuell nicht alle Kosten vom Einkommen abgezogen, sondern nur die bis zu einer festgelegten Höhe.

Welche Versicherungen kann man NICHT von der Steuer absetzen?

Dagegen lässt das Finanzamt bei reinen Sachversicherungen nicht mit sich reden. Dazu gehören zum Beispiel Hausratversicherungen, Gebäudeversicherungen, Reiseversicherungen oder auch die Kfz-Kaskoversicherung bei Angestellten, Beamt*innen und Rentner*innen. Und zwar, weil sie weder der Einkommensabsicherung noch der Gesundheitsfürsorge dienen.

Ausgebrannte Küche in einem Privathaus
© istock/Michael Blann/2007  Auch wenn Sie damit vor den finanziellen Folgen eines Feuers geschützt sind: Beiträge für eine Hausratversicherung erkennt das Finanzamt nicht an.

Wie kann man Versicherungen von der Steuer absetzen?

Je nach Art der Versicherung können Sie die Beiträge als Sonderausgaben oder Werbungskosten steuerlich geltend machen. Selbstständige können Versicherungen auch über die Betriebskosten absetzen.

Sonderausgaben

Als Sonderausgaben zählen die Versicherungen, die der Vorsorge dienen. Und zwar sowohl der Gesundheitsvorsorge wie auch der Einkommensabsicherung. Dazu gehören:

  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Risikolebensversicherung
  • Haftpflichtversicherung
  • Unfallversicherung
  • Kfz-Haftpflichtversicherung

Eine Sonderrolle spielt die Rentenversicherung (mehr dazu im nächsten Kapitel). Für alle anderen Versicherungen gilt: Das Finanzamt erkennt die Beiträge dafür nur bis zu einer gewissen Höchstgrenze an. Die beträgt derzeit 1.900 Euro für Angestellte, Beamt*innen und Rentner*innen (für gemeinsam veranlagte Ehepaare 3.800 Euro), beziehungsweise 2.8000 Euro für Selbstständige. Nur bis zu dieser Höhe werden Ihnen die Beiträge vom Einkommen abgezogen. Alles, was für diese Versicherungen darüber hinausgeht, ist sozusagen Ihr Privatvergnügen.

Ausnahme: Bei gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen akzeptiert das Finanzamt Ihre Beiträge zur Basisversicherung in voller Höhe. Also auch über die Höchstgrenze hinaus. Und soweit vorhanden, sogar zusätzlich die Beiträge für Kinder und Ehepartner. Anders bei Privatversicherten; die können zwar ebenfalls den Basistarif vollständig geltend machen, aber eben nur für sich selbst, nicht für Familienangehörige.

Was über die Basisversorgung hinausgeht – zum Beispiel Zahnzusatz- oder Auslandsreisekrankenversicherungen – können Sie nur dann absetzen, wenn Sie den Höchstbetrag noch nicht erreicht haben. 

Im Grunde bedeutet das: Abgesehen von den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung können Sie wenig bis nichts steuerlich geltend machen. Denn schon bei einem monatlichen Bruttoeinkommen von 2.000 Euro liegen die Kosten für Ihre Kranken- und Pflegeversicherung je nach Krankenkasse bei rund 180 Euro monatlich, also 2.160 Euro jährlich. Die dürfen Sie also vollständig absetzen, sind damit aber schon über die Höchstgrenze hinaus. Alle anderen oben aufgeführten Versicherungen können Sie dann nicht mehr geltend machen.

Älteres Paar unterhält sich angeregt in einem Café
© istock/laflor/2017  Altersvorsorgeaufwendungen sind als Sonderausgaben von der Steuer absetzbar.

Sonderausgaben Altersvorsorgeaufwendungen

Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zur Rürup-Rente und zu berufsständischen Versorgungswerken zählen zu den Altersvorsorgeaufwendungen. Das heißt, auch sie gelten als Sonderausgaben. Trotzdem fallen sie nicht unter die Höchstgrenze von 1.900 Euro.

 Stattdessen gibt es für sie eigene Höchstbeträge:

  • 25.046 Euro für Alleinstehende
  • 50.092 Euro für Verheiratete/Verpartnerte

Stand: 2020

Davon wirkt sich allerdings nur ein Teil steuermindernd aus. Das heißt: Nicht der gesamte Betrag wird von der Steuer abgezogen, sondern nur ein Teil. Für 2020 waren das 90 Prozent, also 22.541 Euro (Alleinstehende) beziehungsweise 45.082 Euro (Verheiratete/Verpartnerte). Dieser Anteil steigt jedes Jahr um zwei Prozent, 2025 können dann 100 Prozent geltend gemacht werden.

Werbungskosten

Versicherungen gegen berufliche Gefahren können Sie in der Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen. Dazu zählen diese Versicherungen:

  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Unfallversicherung, soweit sie beruflich bedingte Unfälle abdeckt
  • Rechtsschutzversicherung, soweit sie arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen abdeckt
  • Versicherung für ausschließlich beruflich genutzte Ausstattung, beispielsweise eine Kameraversicherung für Kameraleute oder Fotograf*innen 

Manchmal decken Versicherungen den beruflichen und den privaten Bereich ab, zum Beispiel Rechtsschutzversicherungen, bei denen der Arbeitsrechtsschutz mitversichert ist. Oder bei Unfallversicherungen, die private und berufliche Risiken abdeckt. In solchen Fällen verteilen Sie die Beiträge anteilmäßig auf Werbungskosten und Sonderausgaben. Lassen Sie sich dafür von Ihrer Versicherung bescheinigen, welcher Anteil der Prämie jeweils auf den privaten und beruflichen Bereich entfällt.

Das ist wichtig, denn im Gegensatz zu den Sonderausgaben sind die Werbungskosten nicht gedeckelt. Sie können also die Beiträge für diese Versicherungen vollständig absetzen. Aber womöglich ist es die Mühe gar nicht wert, alles haarklein aufzuführen. Denn das Finanzamt berücksichtigt automatisch eine Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro. Das heißt, 1.000 werden Ihnen immer und von selbst vom Einkommen abgezogen – auch ohne Nachweise. Die lohnen sich also erst, wenn Ihre gesamten Werbungskosten über diesem Betrag liegen.

Zwei junge Männer besehen sich den Schaden nach einem Auffahrunfall
© istock/monkeybusinessimages/2013  Die Kfz-Kaskoversicherung kann nicht von der Steuer abgesetzt werden, die Haftpflicht schon.

Sonderfall Kfz-Versicherung

Die Kfz-Kaskoversicherung ist für Angestellte, Beamt*innen und Rentner*innen nicht absetzbar: Sie gilt als Sachversicherung, da sie keine persönlichen Lebensrisiken abdeckt. Ganz anders bei der Kfz-Haftpflichtversicherung. Die können Nicht-Selbstständige sogar auf mehreren Wegen steuerlich geltend machen. Sie ist vor allem deshalb ein Sonderfall, weil Sie sie sogar doppelt – als Sonderausgabe und gleichzeitig als Werbungskosten – absetzen können.

Wer sein Auto für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz nutzt, kann eine Pendlerpauschale von 30 Cent pro Kilometer und 35 Cent ab dem 21. Kilometer als Werbungskosten geltend machen. Die Pendlerpauschale beinhaltet auch einen anteiligen Kfz-Haftpflichtversicherungsbeitrag.

Trotzdem darf jeder, der die Pendlerpauschale nutzt, zusätzlich seine Kfz-Haftpflichtversicherung auch noch in voller Höhe als Sonderausgaben eintragen, sie also gewissermaßen zweimal geltend machen. Das klingt allerdings großzügiger, als es ist, denn wie oben beschrieben akzeptiert das Finanzamt Sonderausgaben nur bis zu einer Höhe von 1.900 Euro jährlich. Und die werden eben meist schon von den Beiträgen für Kranken- und Pflegeversicherung belegt.

Alternativ zur Pendlerpauschale (offiziell heißt sie übrigens Entfernungspauschale) können Sie auch Ihre tatsächlichen Fahrtkosten zum Arbeitsplatz angeben. In dem Fall ist auch die Kaskoversicherung für den beruflich bedingten Anteil als Werbungskosten absetzbar. Vorteil: Bei Werbungskosten gibt es keinen Höchstbetrag. Das heißt, die beruflich bedingten Kosten für die Kfz-Haftpflicht werden tatsächlich in voller Höhe berücksichtigt.

Für Selbstständige stellt sich die Sache anders dar: Sofern sie ihr Auto beruflich nutzen, können sie Haftpflicht und Kaskoversicherung als Betriebsausgaben in ihrer Steuererklärung geltend machen.

So berechnet das Finanzamt die Entfernungspauschale

So berechnet das Finanzamt die Entfernungspauschale

 

  • Unter die Entfernungspauschale fällt nur der Hinweg zur Arbeit, nicht der Rückweg.
  • Angerechnet wird nur der kürzeste Weg; Umwege nur dann, wenn sie nachweislich schneller sind.
  • Zur Anrechnung kommen nur die tatsächlichen Arbeitstage; Urlaubs- und Krankheitstage werden abgezogen. In der Regel erkennt das Finanzamt bei einer Fünf-Tage-Woche pauschal 230 Tage an.

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