Eine Frau sitzt mit einer Tasse in der Hand am heimischen Schreibtisch und schaut auf ihren Laptop, ihre Katze hockt am Fenster
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Homeoffice von der Steuer absetzen: So gibt’s vom Finanzamt Geld zurück

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 26.01.2021

Kein Arbeitsweg, keine Kolleg*innen in der Küche, dafür die Katze auf dem Schoß: Wer dauerhaft von zu Hause arbeitet, gehörte bis vor Kurzem noch zu den Exoten. Und für steuerliche Vergünstigungen musste er oder sie strenge Auflagen erfüllen. Nachdem die Coronapandemie die Angestellten 2020 scharenweise ins Homeoffice getrieben hat, hat die Bundesregierung jedoch gesetzlich nachgebessert. Nun ist es deutlich leichter, die Arbeit im heimischen Büro steuerlich geltend zu machen. Wie viel dabei herausspringt, steht auf einem anderen Blatt.

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Was ist neu im Steuerjahr 2020?

Wenn Sie im vergangenen Jahr von zu Hause gearbeitet haben, dürfen Sie in Ihrer Steuererklärung für jeden Homeoffice-Tag 5 Euro von der Steuer absetzen. Das gilt unabhängig davon, ob Sie sich eine richtige Arbeitsecke eingerichtet oder lediglich den Küchentisch freigeräumt haben. Auch gelegentliches Homeoffice zählt. Das heißt, Sie müssen nicht Wochen oder gar Monate am Stück dem eigentlichen Arbeitsplatz ferngeblieben sein.

Die Voraussetzung ist allerdings, dass Sie jeweils Ihren gesamten Arbeitstag in den eigenen vier Wänden verbracht haben. Waren Sie beispielsweise zwischendurch zu einer Besprechung im Büro, zählt dieser Tag nicht. Außerdem werden maximal 120 Tage im Jahr angerechnet. Sie können auf diesem Weg also höchstens 600 Euro bei der Steuer geltend machen.

Fürs Erste hat die Bundesregierung diese Regelung für die Steuerjahre 2020 und 2021 beschlossen. Wie es danach weitergeht, hängt sicherlich von der Entwicklung der Gesamtlage ab. Nachweisen müssen Sie Ihre Arbeit im Homeoffice nicht. Das bedeutet, Sie benötigen keine schriftliche Bestätigung durch Ihren Arbeitgeber. 

Ein Mann in Jeans und T-Shirt schaut in seiner neuen Wohnung lächelnd in einen Umzugskarton
© istock/luza studios/2018  Zusammen mit anderen Werbungskosten – etwa durch einen Umzug – kann sich die Homeoffice-Pauschale lohnen.

Wann lohnt sich die Homeoffice-Pauschale?

Ein Plus von 600 Euro klingt erst einmal sehr gut. Die Sache hat aber einen Haken: Die Homeoffice-Pauschale wird den Werbungskosten zugerechnet. Für diese rechnet das Finanzamt allen Steuerzahler*innen ohnehin pauschal 1.000 Euro an. Die neue Homeoffice-Pauschale allein bringt Ihnen also noch keine höhere Steuerrückzahlung ein. Erst wenn Sie zusammen mit weiteren berufsbedingten Ausgaben die 1.000 Euro Werbungskosten überschreiten, macht sich dies auf Ihrem Konto bemerkbar.

Wenn Sie beispielsweise berufsbedingt umgezogen sind oder eine teure Fortbildung gemacht haben, kommen Sie wahrscheinlich zusammen mit der Homeoffice-Pauschale über den Grenzbetrag. Weiterhin können Sie berufsbedingte Anschaffungen unter den Werbungskosten angeben, sofern Ihr Arbeitgeber diese nicht trägt. Dazu gehören:

  • Computer
  • Schreibtisch
  • Bürostuhl
  • Drucker
  • Arbeitsmaterial aller Art

Hier können Sie jeweils den Anteil absetzen, der Ihrer beruflichen Nutzung entspricht. Drucken Sie beispielsweise vorrangig Ihre Vereinszeitschrift und nur gelegentlich ein Firmendokument, veranschlagen Sie vielleicht 15 Prozent. Ist das Verhältnis umgekehrt, dürfen Sie aber auch 85 Prozent angeben. Besonders teure Anschaffungen müssen Sie über mehrere Jahre gestaffelt absetzen. Die Grenze liegt hier bei 952 Euro brutto in der ersten Jahreshälfte 2020, von Juli bis Dezember sind es wegen der geringeren Mehrwertsteuer 928 Euro. 

Auch Ihren privaten Telefon- und Internetanschluss können Sie anteilig von der Steuer absetzen, wenn Sie ihn im Homeoffice dienstlich nutzen. Einen Anteil von 20 Prozent erkennt das Finanzamt meist problemlos an, möchten Sie mehr absetzen, müssen Sie dies unter Umständen mit einem Verbindungsprotokoll belegen. Nachteile ergeben sich unter den neuen Bedingungen für viele ehemalige Pendler*innen: Ab etwa 17 Kilometern Arbeitsweg mit dem Auto würde ihnen die Pendlerpauschale eine größere Rückzahlung einbringen als die neue Homeoffice-Regelung.

Eine junge Frau liegt entspannt auf dem Bauch auf dem Sofa und schaut auf ihren Laptop
© istock/undefined undefined/2020  Auch wenn es bequem ist: Eine Schlafcouch gehört für das Finanzamt nicht ins Arbeitszimmer.

Wann und wie lässt sich ein Arbeitszimmer von der Steuer absetzen?

Neben den gesetzlichen Neuerungen haben auch die alten Regelungen weiterhin Bestand: Wenn Sie ein echtes Arbeitszimmer haben, also einen eigenständigen Raum, den Sie fast ausschließlich beruflich nutzen, können Sie diesen samt Einrichtung und Betriebskosten in größerem Umfang von der Steuer absetzen. Hier nimmt es das Finanzamt aber wirklich genau: Sie dürfen den Raum nur zu weniger als 10 Prozent privat nutzen. Bereits eine Schlafcouch oder ein Kleiderschrank können dazu führen, dass er nicht mehr als Arbeitszimmer gilt.

Die Voraussetzungen sind bei Ihnen erfüllt? Dann tragen Sie die Kosten für das Homeoffice bei der Steuererklärung in die Anlage N unter „Werbungskosten“ ein. In welchem Umfang Sie Ihr Arbeitszimmer von der Steuer absetzen können, hängt davon ab, in welcher Form Sie es nutzen.

Kein Arbeitsplatz im Unternehmen

Wenn der Schwerpunkt Ihrer beruflichen Tätigkeit außerhalb der eigenen vier Wände liegt, Ihr Arbeitgeber Ihnen aber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, dann können Sie Kosten bis zu 1.250 Euro geltend machen. Diese Regelung greift beispielsweise bei vielen Handelsvertreter*innen und Lehrer*innen, die oft zu Hause ihre Arbeit vor- oder nachbereiten müssen. Sie kann nach einem Urteil von 2014 aber auch dann angewendet werden, wenn sich Angestellte einen Arbeitsplatz teilen müssen und nicht sichergestellt ist, dass sie ihn bei Bedarf nutzen können.

Der Maximalbetrag von 1.250 Euro ist personenbezogen. Sollten Sie sich also an verschiedenen Orten ein Arbeitszimmer eingerichtet haben, können Sie dennoch nicht mehr steuerlich absetzen. Umgekehrt heißt das aber auch: Nutzen Sie das Arbeitszimmer gemeinsam mit Ihrem*Ihrer Partner*in, können Sie beide jeweils bis zu 1.250 Euro geltend machen.

Homeoffice als Mittelpunkt der Tätigkeit

Üben Sie Ihre Tätigkeit hauptsächlich zu Hause aus, können Sie Ihre Kosten in voller Höhe von der Steuer absetzen. Dafür müssen Sie an mindestens drei von fünf Tagen in der Woche im Homeoffice arbeiten.

Wenn Sie während der Coronapandemie über längere Zeit zu Hause arbeiten mussten, dann können Sie Ihre Kosten ebenfalls voll von der Steuer absetzen – sofern Ihr Arbeitszimmer der Definition des Finanzamtes genügt. Waren es bis zu drei von fünf Tagen in der Woche, gilt der Höchstsatz von 1.250 Euro. Waren Sie häufiger im Homeoffice, sind es die vollen Kosten. Bedingung ist jedoch, dass Ihre Führungskraft die Arbeit von zu Hause angeordnet und nicht bloß empfohlen hat.

Eine junge Frau betrachtet im Möbelladen das Preisschild einer Schreibtischlampe
© istock/Oleksandra Polishchuk/2020  Eine neue Schreibtischlampe können Sie – wie andere Büroausstattung – von der Steuer absetzen.

Welche Kosten können fürs Arbeitszimmer geltend gemacht werden?

Direkte Kosten im Zusammenhang mit dem Arbeitszimmer können Sie in voller Höhe bei der Steuer angeben. Dabei kann es sich um Ausstattung wie Regale, Lampen oder den Schreibtisch handeln, aber auch um Renovierungskosten.

Miete beziehungsweise (wenn Sie eine Immobilie besitzen) Abschreibungen und Betriebskosten wie Strom, Heizung, Wasser, Hausratversicherung und Müllabfuhr können Sie anteilig absetzen. Das bedeutet: Rechnen Sie aus, wie viel das Arbeitszimmer an der Gesamtwohnfläche ausmacht. Zum Beispiel ist Ihre Wohnung insgesamt 80 Quadratmeter groß, Ihr Arbeitszimmer 16 Quadratmeter? Dann beträgt der Anteil des Arbeitszimmers 20 Prozent der Gesamtmiete. So viel dürfen Sie bei der Steuer angeben.

In jedem Fall gilt: Sie dürfen nur Kosten absetzen, die Ihnen auch tatsächlich entstanden sind – und müssen diese in der Regel belegen. Wenn Ihr Arbeitgeber beziehungsweise Auftraggeber die Kosten erstattet, haben sie in der Steuererklärung nichts mehr zu suchen.

Zukunftsmodell? Arbeitszimmer an den Arbeitgeber vermieten

Zukunftsmodell? Arbeitszimmer an den Arbeitgeber vermieten

Immer mehr Angestellte finden Gefallen am Homeoffice, immer mehr Unternehmen möchten Bürofläche einsparen. Das könnte aus diesem Spezialfall einen Hit machen: Als Arbeitnehmer*in können Sie Ihr häusliches Arbeitszimmer an Ihren Arbeitgeber vermieten.

Bei der Steuer kommt es dann darauf an, ob das auf Ihren Wunsch zurückgeht oder ob Sie mehr im Interesse des Unternehmens handeln. Sind Sie die treibende Kraft, versteuern Sie die Einnahmen wie Arbeitslohn. Steckt Ihr Arbeitgeber hinter dem Plan, geben Sie das Geld bei der Steuer als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung an.

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