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Steuerprogression: Was bedeutet das – kinderleicht erklärt

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 05.12.2022

Der Staat braucht Steuern, um davon Kindergärten und Schulen einzurichten, Straßen zu bauen und zu erhalten, Polizist*innen, Richter*innen und Lehrer*innen zu bezahlen. So weit, so nachvollziehbar. Trotzdem zahlt kaum jemand gern Steuern. Dabei bemüht sich unser Steuersystem um Gerechtigkeit, und zwar durch die Steuerprogression. Was sich dahinter verbirgt und wie sie funktioniert, erklären wir hier.

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Steuerprogression heißt: Wer mehr verdient, zahlt mehr

Steuerprogression bedeutet einfach ausgedrückt: Wer wenig verdient, zahlt niedrige oder sogar gar keine Steuern. Wer mehr verdient, zahlt mehr Steuern. Und wer richtig viel verdient, muss einen noch höheren Anteil seines Einkommens an den Staat abgeben. Dieses Prinzip „Mehr Einkommen = höhere Steuern“ nennt man Steuerprogression (das Wort Progression stammt vom lateinischen progressio = Fortschritt).  

Der Grundgedanke ist einfach: Zur Finanzierung der Staatsausgaben soll jede*r so viel beitragen, wie er*sie kann. Das soll die Besteuerung möglichst gerecht machen. 

Die Besteuerung läuft in Stufen

Wie funktioniert das mit der ansteigenden Besteuerung in der Praxis? Gibt es einen Steuersatz X für niedrige Einkommen und einen Steuersatz Y für hohe? Ganz so einfach ist es nicht. Rechnerisch wird nämlich nicht das ganze Einkommen auf einmal versteuert. Stattdessen wird es aufgeteilt in mehrere Stufen. Für jede Stufe, also für verschiedene Teile Ihres Einkommens, wird dir eine eigene Einkommensteuer berechnet. Die Steuerstufen hat der Gesetzgeber in fünf Tarifzonen zusammengefasst. Am Ende werden alle diese einzelnen Steuersummen zusammengerechnet – fertig ist dein Steuerbescheid. 

Natürlich gibt es heute Computerprogramme, in denen gespeichert ist, wie viel Einkommensteuer am Ende fällig wird. Aber welche Rechnung steckt dahinter? Sehen wir es uns an.

Höhere Stufe = höherer Steuersatz

Zunächst zieht dir das Finanzamt alle möglichen Freibeträge von deinem Bruttoeinkommen ab, zum Beispiel Kinderfreibeträge, Sonderausgaben und Werbungskosten. Was übrig bleibt, ist das zu versteuernde Einkommen. Das wird nun stufenweise wie folgt besteuert:

Einkommen bis 10.908 Euro

Für die Berechnung der Steuern wird immer das Jahreseinkommen betrachtet. Zunächst berücksichtigen die Steuerberechnungsprogramme die ersten 10.908 Euro, die du im entsprechenden Jahr verdient hast. So hoch ist der sogenannte Grundfreibetrag (Stand: 2023), auch steuerfreies Existenzminimum genannt. Für diesen Teil Ihres Einkommens musst du überhaupt keine Steuern bezahlen.

Der Grundfreibetrag gilt immer und für alle. Das heißt: Selbst wer im Jahr eine Million Euro verdient, zahlt für 10.908 Euro davon nicht einen Cent Steuern.

Vater sitzt mit Kleinkind an einem Tisch und blickt in Steuerunterlagen
© istock/MartinPrescott/2016  Wer wenig verdient oder zum Beispiel durch Kinderfreibeträge unter dem Grundfreibetrag liegt, zahlt gar keine Einkommensteuer.

Einkommen über 10.908 Euro

Dein zu versteuerndes Einkommen liegt über 10.908 Euro? Dann zahlst du für dein Einkommen in dieser Stufe den Eingangssteuersatz von 14 Prozent (auch Einstiegssteuersatz genannt). Wichtig: Diese 14 Prozent werden nur auf die Summe fällig, die über dem Grundfreibetrag liegt. 

Beispiel: Du hast ein zu versteuerndes Einkommen von jährlich 10.909 Euro. Damit liegst du genau einen Euro über der Grenze des Grundfreibetrages. Nur für diesen einen Euro zahlst du den Eingangssteuersatz von 14 Prozent, denn die anderen 10.908 Euro sind ja steuerfrei. Deine Einkommensteuer beträgt in diesem Fall also 14 Prozent von 1 Euro = 14 Cent. 

Achtung: Dieses ist nur eine Beispielrechnung, um das Prinzip der Steuerprogression besser zu verstehen. Es gibt nämlich noch weitere Faktoren wie zum Beispiel den „Werbungskostenpauschbetrag“, die dazu führen, dass du auch bei einem Einkommen von 10.909 Euro in aller Regel (noch) keine Einkommensteuer zahlst. 

Höhere Einkommen

Wann immer dein Einkommen die nächste Stufe überschreitet, wird der Betrag über dieser Stufengrenze einzeln versteuert. Der Steuersatz steigt dabei kontinuierlich an. Stufe für Stufe wächst so die Summe, die du als Einkommensteuer ans Finanzamt abführen musst (siehe Grafik). 

Der Steuersatz steigt nicht unendlich. Auf alles ab einem jährlichen Einkommen von 62.810 Euro wird der Spitzensteuersatz von 42 Prozent fällig. 

Höher ist dann nur noch der Steuersatz in der „Proportionalzone II“. Das ist die sogenannte Reichensteuer: 45 Prozent auf alles ab einem Jahreseinkommen von 277.826 Euro (Stand jeweils: 2023). 

Um deine persönliche Steuerhöhe zu berechnen, kannst du den Lohn- und Einkommensteuerrechner des Bundesfinanzministeriums nutzen, den du hier findest. 

Einkommensteuertarif: Die fünf Tarifzonen

Das System mit den Steuerstufen ist in § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt. Hier sind die einzelnen Stufen in fünf Tarifzonen eingeteilt.

  1. Tarifzone 1: Das ist der Grundfreibetrag mit 0 Prozent Steuern, auch Nullzone genannt.
  2. Tarifzone 2: Die gilt für ein zu versteuerndes Einkommen von 10.909 Euro bis 15.786 Euro (Stand jeweils: 2023). In dieser Zone steigt der Steuersatz stufenweise vom Einstiegssteuersatz 14 Prozent auf 23,97 Prozent. Diese Zone nennen Steuerfachleute auch „Progressionszone I“ oder „untere Progressionszone“.
  3. Tarifzone 3: Hier finden sich die Steuersätze für das zu versteuernde Einkommen zwischen 15.757 Euro bis 62.809 Euro. Sie liegen in dieser Zone zwischen 23,97 und 42 Prozent. In der Fachsprache ist es die „Progressionszone II“ oder „obere Progressionszone“.
  4. Tarifzone 4: Sie gilt für alle Einkommen zwischen 62.810 Euro und 277.825 Euro. In dieser Tarifzone steigt der Steuersatz nicht mehr an, sondern liegt konstant bei 42 Prozent. Aus der steigenden Kurve (der Progression) wird also eine waagerechte Linie. Deswegen wird die Zone mit dem Spitzensteuersatz auch „Proportionalzone I“ genannt.
  5. Tarifzone 5: Sie betrifft alle Einkommen ab 277.826 Euro. Hierfür zahlt man den Spitzensteuersatz konstant 45 Prozent („Reichensteuer“). Das ist die „Proportionalzone II“.

(Stand: 2022)

Lehrer erklärt etwas vor einer Schulklasse
© istock/Ridofranz/2020  Durch die Steuerprogression sollen Reiche mehr für Lehrkräfte, Polizei, Verwaltung und andere Staatsausgaben bezahlen.

Durchschnittssteuersatz und Grenzsteuersatz: Was ist was?

Die Frage „Wie hoch sind meine Steuern?“ ist durch die Steuerprogression etwas knifflig. Denn wegen der stufenweisen Besteuerung gibt es nicht „den einen” Prozentsatz bei der Einkommensteuer. Trotzdem kann man die Frage nach deiner persönlichen Steuerlast beantworten, und zwar mithilfe von Durchschnittssteuersatz und Grenzsteuersatz. 

Durchschnittssteuersatz: Er ist meistens gemeint, wenn man über seine Einkommensteuer spricht. Denn am Ende aller Rechnerei mit den verschiedenen Stufen steht eine Gesamtsumme, die du ans Finanzamt abführen sollst. Wie viel macht das von deinem zu versteuernden Jahreseinkommen aus? Diese Prozentzahl ist der Durchschnittssteuersatz. 

Grenzsteuersatz: Das ist der Steuersatz der höchsten Stufe, die du mit deinem Einkommen erreichst. Wenn du also eine Lohnerhöhung erhältst, ist klar, dass dieses Zusatzgeld mit diesem Steuersatz besteuert wird. Es sei denn, dein Einkommen erklimmt durch die Lohnerhöhung die nächste Stufe. Dann wird der Anteil, der über der Grenze liegt, mit dem nächsthöheren Prozentsatz besteuert – und der ist dann dein Grenzsteuersatz. 

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