Kindergartenkinder sitzen um einen Tisch und machen Faxen
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Steuerprogression kinderleicht erklärt

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 27.12.2019

Der Staat braucht Steuern, um davon Kindergärten und Schulen einzurichten, Straßen zu bauen und zu unterhalten, Polizisten, Richter und Lehrer zu bezahlen. So weit, so nachvollziehbar. Trotzdem zahlt kaum jemand gern Steuern. Dabei bemüht sich unser Steuersystem um Gerechtigkeit, durch die Steuerprogression. Was sich dahinter verbirgt und wie sie funktioniert, erklären wir hier.

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Grafik So funktioniert die Steuerprogression

Wer mehr verdient, zahlt mehr

Steuerprogression bedeutet einfach ausgedrückt: Wer wenig verdient, zahlt niedrige oder sogar gar keine Steuern. Wer mehr verdient, zahlt mehr Steuern. Und wer richtig viel verdient, muss einen noch höheren Anteil seines Einkommens an den Staat abgeben.

Der Grundgedanke ist einfach: Zur Finanzierung der Staatsausgaben soll jeder so viel beitragen, wie er kann. Das soll die Besteuerung möglichst gerecht machen.

Die Besteuerung läuft in Stufen

Wie funktioniert das mit der ansteigenden Besteuerung in der Praxis? Gibt es einen Steuersatz X für niedrige Einkommen und einen Steuersatz Y für hohe? Ganz so einfach ist es nicht. Rechnerisch wird nämlich nicht das ganze Einkommen auf einmal versteuert. Stattdessen wird es aufgeteilt in mehrere Stufen. Für jede Stufe, also für verschiedene Teile Ihres Einkommens, wird Ihnen eine eigene Einkommensteuer berechnet. Die Steuerstufen hat der Gesetzgeber in fünf Tarifzonen zusammengefasst. Am Ende werden alle diese einzelnen Steuersummen zusammengerechnet – fertig ist Ihr Steuerbescheid.

Natürlich gibt es heute Computerprogramme, in denen gespeichert ist, wie viel Einkommensteuer am Ende fällig wird. Aber welche Rechnung steckt dahinter? Sehen wir es uns an.

Höhere Stufe = höherer Steuersatz

Zunächst zieht Ihnen das Finanzamt alle möglichen Freibeträge von Ihrem Bruttoeinkommen ab, zum Beispiel Kinderfreibeträge, Sonderausgaben und Werbungskosten. Was übrig bleibt, nennt man das zu versteuernde Einkommen. Das wird nun stufenweise wie folgt besteuert:

Einkommen bis 9.408 Euro:

Für die Berechnung der Steuern wird immer das Jahreseinkommen betrachtet. Zunächst berücksichtigen die Steuerberechnungsprogramme die ersten 9.408 Euro, die Sie im entsprechenden Jahr verdient haben. So hoch ist der sogenannte Grundfreibetrag (Stand: 2020), auch steuerfreies Existenzminimum genannt. Für diesen Teil Ihres Einkommens müssen Sie überhaupt keine Steuern bezahlen.

Der Grundfreibetrag gilt immer und für alle. Das heißt: Selbst wer im Jahr eine Million Euro verdient, zahlt für 9.408 Euro davon nicht einen Cent Steuern.

Vater sitzt mit Kleinkind an einem Tisch und blickt in Steuerunterlagen
© istock/MartinPrescott/2016  Wer wenig verdient oder zum Beispiel durch Kinderfreibeträge unter dem Grundfreibetrag liegt, zahlt gar keine Einkommensteuer.

Einkommen über 9.408 Euro

Ihr zu versteuerndes Einkommen liegt über 9.408 Euro? Dann zahlen Sie in der nächsten Stufe den Einstiegssteuersatz von 14 Prozent. Wichtig: Diese 14 Prozent werden nur auf die Summe fällig, die über dem Grundfreibetrag und unter der nächsthöheren Stufe liegt. Beispiel: Sie haben ein zu versteuerndes Einkommen von jährlich 9.409 Euro. Damit liegen Sie genau einen Euro über der Grenze des Grundfreibetrages. Nur für diesen einen Euro zahlen Sie den Einstiegssteuersatz von 14 Prozent, denn die anderen 9.408 Euro sind ja steuerfrei. Ihre Einkommensteuer beträgt in diesem Fall also 14 Prozent von 1 Euro = 14 Cent.

Höhere Einkommen

Wann immer Ihr Einkommen die nächste Stufe überschreitet, wird der Betrag über dieser Stufengrenze einzeln versteuert. Der Steuersatz steigt dabei kontinuierlich an. Stufe für Stufe wächst so die Summe, die Sie als Einkommensteuer ans Finanzamt abführen müssen (siehe Grafik).

Der Steuersatz steigt nicht unendlich. Auf alles über einem Einkommen von jährlich 57.052 Euro wird der Spitzensteuersatz von 42 Prozent fällig. Höher ist dann nur noch die sogenannte Reichensteuer: 45 Prozent auf alles, was über einem Jahreseinkommen von 270.501 Euro liegt (Stand jeweils: 2020)

Um Ihre persönliche Steuerhöhe zu berechnen, können Sie den Lohn- und Einkommensteuerrechner des Bundesfinanzministeriums nutzen, den Sie hier finden.

Einkommensteuertarif: Die fünf Tarifzonen

Das System mit den Steuerstufen ist in § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt. Hier stehen allerdings nicht die einzelnen Stufen, sondern fünf Tarifzonen.

  1. Tarifzone 1: Das ist der Grundfreibetrag mit 0 Prozent Steuern, auch Nullzone genannt.
  2. Tarifzone 2: Die gilt für ein zu versteuerndes Einkommen von 9.408 Euro bis 14.533 Euro (Stand jeweils: 2020). In dieser Zone steigt der Steuersatz stufenweise von 14 auf 23,97 Prozent.
  3. Tarifzone 3: Hier finden sich die Steuersätze für das zu versteuernde Einkommen zwischen 14.534 Euro und 57.501 Euro. Die Steuersätze liegen in dieser Zone zwischen 23,97 und 42 Prozent.
  4. Tarifzone 4: Sie gilt für alle Einkommen zwischen 57.052 Euro und 270.501 Euro. In dieser Tarifzone steigt der Steuersatz nicht mehr an, sondern liegt konstant bei 42 Prozent.
  5. Tarifzone 5: Sie betrifft alle Einkommen ab 270.502 Euro. Hier beträgt der Steuersatz konstant 45 Prozent.

Durchschnittssteuersatz: Was ist das?

Durchschnittssteuersatz: Was ist das?

Wegen der stufenweisen Besteuerung gibt es nicht „den einen” Steuersatz bei der Einkommensteuer. Am Ende aller Rechnerei steht eine Gesamtsumme, die Sie ans Finanzamt abführen sollen. Wie viel Prozent macht das von Ihrem Gesamteinkommen aus? Diese Prozentzahl nennt man den Durchschnittssteuersatz. Davon ist normalerweise auch die Rede, wenn man über seine Einkommensteuer spricht.

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