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Wenn Sie länger ausfallen: Alles Wichtige zum Thema Krankengeld

Tanja Viebrock
von Tanja Viebrock, 04.08.2020

Wenn Sie wegen eines Infekts ein, zwei Wochen bei der Arbeit ausfallen, ist das finanziell in der Regel kein Problem. Zumindest nicht für Festangestellte, denn der Arbeitgeber zahlt das Gehalt ganz normal weiter. Aber was, wenn es nach einem Unfall lange dauert, bis Sie vollständig wiederhergestellt sind? Oder Sie aufgrund einer psychischen Erkrankung über Monate nicht arbeiten können? Wann die Krankenkasse einspringt, wie viel Geld es gibt und wie Sie es beantragen – die KlarMacher sorgen für Durchblick.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Krankengeld wird in der Regel dann gezahlt, wenn Sie wegen einer Erkrankung länger als sechs Wochen krankgeschrieben sind.
  • Krankengeld wird maximal 78 Wochen lang gezahlt.
  • Krankengeld fällt niedriger aus als das übliche Gehalt.
  • Anspruch auf Krankengeld haben nur Arbeitnehmer, Azubis und ALG-I-Empfänger, die in einer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert sind. Für freiwillig Versicherte und privat Krankenversicherte gelten gesonderte Regelungen.

Wer hat Anspruch auf Krankengeld?

Krankengeld wird von den gesetzlichen Krankenkassen ausgezahlt. Aber nicht jeder gesetzlich Krankenversicherte bekommt es. Einen gesetzlichen Anspruch auf Krankengeld haben nur pflichtversicherte

  • Arbeitnehmer,
  • Empfänger von Arbeitslosengeld I (ALG I),
  • Auszubildende.

Grundsätzlich gilt: Wer den allgemeinen Beitragssatz zur Krankenversicherung zahlt, hat auch Anspruch auf Krankengeld – auch freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Gutverdiener, deren monatliches Bruttoeinkommen über den Versicherungspflichtgrenzen der gesetzlichen Krankenversicherung liegt, und Selbstständige, die freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, haben nur Anspruch auf Krankengeld, wenn sie sich im sogenannten Krankgeldwahltarif oder zum allgemeinen Beitragssatz versichern. Beim ermäßigten Beitragssatz wird kein Krankengeld gezahlt. Privat Krankenversicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn sie es im Vertrag mit abgeschlossen haben.

Keinen Anspruch auf Krankengeld haben dagegen

  • Partner und Kinder, die über die Familienversicherung mitversichert sind,
  • Empfänger von Arbeitslosengeld II (ALG II/Hartz IV),
  • pflichtversicherte Praktikanten (sofern es sich um Pflichtpraktika handelt),
  • jobbende Studenten (Ausnahme: Wenn der Job die Hauptbeschäftigung ist und das Studium nebenher läuft. In der Regel gilt dies nur für Studenten, die pro Woche üblicherweise mehr als 20 Stunden arbeiten. Dann kann ein Anspruch auf Krankengeld bestehen.),
  • Minijobber.
Patient im Krankenhausbett mit Herzfrequenzsensor am Finger
© istock/gorodenkoff/2018  Theoretisch besteht ab dem ersten Tag einer Erkrankung Anspruch auf Krankengeld.

Ab wann bekommt man Krankengeld?

Theoretisch besteht ab dem ersten Tag, an dem Sie krankgeschrieben werden, Anspruch auf Krankengeld. Auch bei stationären Aufenthalten, also wenn Sie beispielsweise ins Krankenhaus oder in ein Reha-Zentrum müssen, haben Sie grundsätzlich ab Tag 1 ein Recht auf Krankengeld. 

In der Praxis zahlt in den meisten Fällen aber der Arbeitgeber erst einmal für sechs Wochen ganz normal das Gehalt weiter. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und gilt auch für Minijobs. Dieses Recht auf die sogenannte Lohnfortzahlung im Krankheitsfall besteht allerdings erst, wenn Sie mindestens vier Wochen bei einem Unternehmen angestellt sind. Wenn Sie gerade erst einen neuen Job angefangen haben und wegen Krankheit ausfallen, bekommen Sie also tatsächlich ab dem Tag der Krankschreibung Krankengeld.

 Im Normalfall wird das Krankengeld erst dann gezahlt, wenn die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber ausläuft – also nach sechs Wochen. Arbeitslose mit ALG I bekommen ebenfalls ab der siebten Krankheitswoche Krankengeld von ihrer Krankenkasse. In den ersten sechs Wochen einer Erkrankung zahlt die Arbeitsagentur weiter Arbeitslosengeld I.

Arzt am Schreibtisch begrüßt einen Patienten mit Handschlag
© istock/Portra/2016  Ohne Krankschreibung kein Krankengeld. Deshalb müssen Sie regelmäßig zum Arzt.

Wie läuft das mit der Krankmeldung?

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (kurz: AU-Bescheinigung) spielen beim Krankengeld eine entscheidende Rolle. Ohne den gelben Schein gibt es kein Geld – weder Lohnfortzahlung noch Krankengeld. Wenn Sie krankheitsbedingt ausfallen, will der Arbeitgeber meist spätestens am dritten Tag ein Attest, also eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sehen. Bei manchen Firmen muss der gelbe Schein auch schon direkt für den ersten Tag, an dem Sie ausfallen, vorgelegt werden.

Wichtig bei einer längeren Erkrankung ist, dass die Krankschreibungen nahtlos aneinander anschließen. Auf dem Vordruck gibt es ein Feld, in das der Arzt einträgt, wie lange Sie voraussichtlich arbeitsunfähig sind. Können Sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder arbeiten, muss die folgende AU-Bescheinigung spätestens auf den nächsten Werktag nach diesem Termin ausgestellt sein. Beispiel:

  • Waren Sie bis einschließlich Mittwoch krankgeschrieben, muss auf dem nächsten Attest die Arbeitsunfähigkeit spätestens ab Donnerstag festgestellt werden.
  • Wurde die Arbeitsunfähigkeit bis zu einem Freitag festgestellt, reicht es aus, wenn die folgende Bescheinigung ab Montag läuft. Es sei denn, in Ihrer Firma ist Samstag ein regulärer Arbeitstag. Das sollten Sie dem Arzt bei der Krankschreibung mitteilen, sofern er nicht danach fragt

Bei den meisten Erkrankungen schreibt der Arzt Sie zunächst für höchstens zwei Wochen krank. Bei langwierigen Erkrankungen ist es deshalb wichtig, dass Sie rechtzeitig zum Arzt gehen, um sich erneut krankschreiben zu lassen. Rückwirkend darf der Arzt das nämlich nur innerhalb sehr enger Grenzen.

Ebenfalls wichtig: Die Krankschreibung muss (derzeit noch) rechtzeitig eingereicht werden. 

  • Die Ausfertigung für den Arbeitgeber (der Schein im kleineren Format) muss spätestens am vierten Krankheitstag beim Arbeitgeber sein.
  • Die Ausfertigung für die Krankenkasse (die oberste Seite aus dickerem Papier) müssen Sie innerhalb einer Woche nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit an die Krankenkasse schicken.

Ab 2021 soll das alles auf digitalem Weg passieren. Geplant ist, dass der Arzt die Arbeitsunfähigkeit direkt an die Krankenkasse meldet. Diese soll dann (voraussichtlich ab 2022) den Arbeitgeber informieren. Bis es so weit ist, müssen Sie sich allerdings noch selbst um beide Meldungen kümmern.

Mann geht am Küchentisch Rechnungen durch und tippt auf einem Taschenrechner
© istock/Geber86/2016  Gutes Haushalten ist angesagt, denn Krankengeld fällt deutlich niedriger aus als das übliche Gehalt.

Wie hoch ist das Krankengeld?

Wer länger als sechs Wochen am Stück arbeitsunfähig ist, muss leider finanzielle Einbußen hinnehmen. Denn das Krankengeld fällt geringer aus als das übliche Monatsgehalt. Die Höhe und die Berechnung des Krankengelds ist gesetzlich geregelt im Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V). Danach wird das Krankengeld folgendermaßen berechnet:

  • Das Krankengeld entspricht grundsätzlich 70 Prozent des Bruttoverdienstes, darf aber maximal 90 Prozent des Nettoverdienstes betragen. Der niedrigere dieser beiden Werte wird angesetzt.
  • Zusatzzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld werden mit eingerechnet.
  • Es gibt einen Höchstbetrag, der sich an der Beitragsbemessungsgrenze orientiert und deshalb jährlich angepasst wird. Für das Jahr 2020 liegt er bei 109,38 Euro pro Tag. Wer pro Monat mehr als 4.687,50 Euro brutto verdient, erhält daher weniger als 70 Prozent seines Bruttoverdienstes an Krankengeld.

Vom errechneten Brutto-Krankengeld werden aber – wie beim normalen Gehalt auch – Ihre Beiträge für Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung abgezogen. Krankenkassenbeiträge müssen Sie nicht zahlen, solange Sie Krankengeld bekommen.

Empfänger von Arbeitslosengeld I müssen keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, wenn Sie bei längeren Erkrankungen ins Krankengeld rutschen. Ihnen wird Krankengeld in Höhe des vorher gezahlten Arbeitslosengeldes gezahlt.

Gut zu wissen: Krankengeld und Steuer

Gut zu wissen: Krankengeld und Steuer

Grundsätzlich ist Krankengeld steuerfrei. Sie müssen es aber trotzdem in der Steuererklärung angeben. Es wird nämlich bei der Berechnung Ihres persönlichen Steuersatzes berücksichtigt. Die Krankenkasse schickt Ihnen eine entsprechende Bescheinigung zu, aus der Sie den Gesamtbetrag ablesen können.
Gar nicht mal so uninteressant: Steuerprogression kinderleicht erklärt

Wie wird Krankengeld beantragt?

In den meisten Fällen müssen Sie bei längerer Krankheit nicht selbst aktiv werden. In der Regel meldet sich Ihre Krankenkasse bei Ihnen und schickt Ihnen ein Antragsformular zu. Um die Höhe des Krankengelds zu berechnen, braucht die Krankenkasse eine Entgeltbescheinigung vom Arbeitgeber beziehungsweise eine Bescheinigung über das gezahlte Arbeitslosengeld. Aber auch das klärt die Krankenkasse üblicherweise direkt mit der Personalabteilung oder Buchhaltung Ihrer Firma beziehungsweise der Arbeitsagentur.

Selbst müssen Sie sich meist nur darum kümmern, dass Ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen rechtzeitig und vor allem lückenlos (s. o.) bei der Krankenkasse sind. Bei vielen Anbietern können Sie das mittlerweile per App oder auf der Website erledigen, indem Sie ein Foto vom gelben Schein machen und es hochladen. Wenn Sie die Krankschreibung per Post verschicken, ist das am sichersten per Einschreiben mit Rückschein. So können Sie beweisen, dass die AU-Bescheinigung auch eingegangen ist, sollte es bei der Auszahlung zu Ärger mit der Krankenkasse kommen.

Wann wird Krankengeld überwiesen?

Anders als beim Gehalt gibt es beim Krankengeld kein festes Auszahlungsdatum. Das Krankengeld wird grundsätzlich rückwirkend ausgezahlt. Und zwar immer für den Zeitraum, der auf einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung angegeben ist. Sie können also einige Tage nach dem Datum im Feld „voraussichtlich arbeitsunfähig bis” mit dem Geld auf Ihrem Konto rechnen.

Patient macht mit Unterstützung einer Physiotherapeutin seine ersten Schritte an einem Gehbarren
© istock/aldomurillo/2019  Auch wenn es länger dauert, bis Sie wieder auf den Beinen sind, deckt das Krankengeld den Zeitraum für die Reha meist mit ab.

Wie lange wird Krankengeld gezahlt?

Prinzipiell können Sie für ein und dieselbe Erkrankung bis zu 78 Wochen Krankengeld bekommen, also knapp eineinhalb Jahre lang. Davon werden allerdings die Zeiten abgezogen, in denen Sie noch eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber oder ALG I bekommen. Deshalb besteht in der Praxis oft nur für 72 Wochen ein Krankengeldanspruch.

Es gibt dabei allerdings ein paar Besonderheiten, die Sie kennen sollten:

  • Sie müssen nicht zwingend die ganze Zeit am Stück krankgeschrieben sein. Der Krankengeldanspruch für eine Krankheit besteht für maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Die Zeiten werden zusammengezählt. 
  • Stichtag für diesen Drei-Jahres Zeitraum, die sogenannte Blockfrist, ist das Datum der ersten Krankschreibung. Waren Sie danach ununterbrochen 78 Wochen lang krankgeschrieben, dauert es also noch gut eineinhalb Jahre, bis der nächste Drei-Jahres-Zeitraum beginnt und Sie für diese Krankheit erneut Anspruch auf Krankengeld haben. Und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen.
  • Wenn Sie bereits Krankengeld erhalten und währenddessen noch eine weitere Krankheit hinzu kommt, wird es etwas kompliziert. Das Wichtigste: Diese „hinzugetretene Krankheit”  (so heißt es im Gesetz) verlängert den Krankengeldanspruch nicht. Nach maximal 78 Wochen ist erst einmal Schluss.
  • Für die später hinzugekommene Erkrankung gilt eine eigene Blockfrist, die ab dem ersten Tag der Krankschreibung läuft. Das kann wichtig werden, wenn Sie später aufgrund dieses Leidens Krankengeld bekommen. Bei solchen und weiteren Fragen zu Krankengeldregelungen bei mehreren Erkrankungen helfen Ihnen die Verbraucherzentrale, Sozialverbände oder unabhängige Patientenberatungsstellen.

Was kommt nach dem Krankengeld?

Im Idealfall ist die Krankheit irgendwann überwunden und Sie können wieder arbeiten. Aber was, wenn Sie auch nach Auslaufen des Krankengeldes nicht zurück in den Job können? 

Wenn sich abzeichnet, dass Sie langfristig erwerbsunfähig bleiben, haben Sie möglicherweise Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Zuvor wird Ihre Krankenkasse Sie aber auffordern, einen Antrag auf eine Reha-Maßnahme zu stellen. In der Regel geschieht dies spätestens drei Monate, bevor das Krankengeld ausläuft. Stellt sich bei der Prüfung des Antrags heraus, dass sich Ihre Chancen auf die Rückkehr ins Arbeitsleben durch eine Reha nicht verbessern, wird der Reha-Antrag direkt zu einem Antrag auf Erwerbsminderungsrente.

In jedem Fall sollten Sie sich spätestens drei Monate vor dem Auslaufen des Krankengeldes bei der Agentur für Arbeit melden. Denn wenn Sie vor Ihrer Erkrankung mindestens zwölf Monate lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, haben Sie grundsätzlich Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Wie viel Arbeitslosengeld Sie nach dem Krankengeld bekommen, hängt von Ihrem bisherigen Gehalt ab. 

Haben Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld beziehungsweise eine Erwerbsminderungsrente, bleibt Ihnen leider nur der Gang zum Jobcenter und die Beantragung von Arbeitslosengeld II, besser bekannt als Hartz IV.

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