Ein Minijobber füllt im Supermarkt das Obstregal nach
Wissen

Minijob: Was ist das und was hat es mit der „Verdienstgrenze” auf sich?

Anna Ostrowska
von Anna Ostrowska, 21.04.2022

Reinigungskräfte, Saisonarbeiter*innen, Kellner*innen, Handwerker*innen und in vielen anderen Berufsfeldern sind Minijobs beliebt. Und vom Minijob hat jede*r schon mal was gehört. Doch was genau unterscheidet diese Art von Job von anderen? Welche Vor- und Nachteile haben Minijobber*innen gegenüber den „normalen” Angestellten? Wie machen klar, worauf es beim Minijob ankommt. 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Es gibt zwei Arten von Minijob: den 450-Euro-Minijob und den kurzfristigen Minijob. 
  • Ab dem 1. Oktober 2022 wird die Verdienstgrenze für Minijobs auf 520 Euro pro Monat erhöht. 
  • Minijobber*innen müssen keine Beiträge in die Sozialversicherung zahlen – zumindest nicht von ihrem Lohn. 

Was unterscheidet einen Minijob von anderen Jobs?

Wie es der Name schon verrät, ist der Minijob kein klassischer Voll- oder Teilzeitjob. Dennoch ist Minijob nicht gleich Minijob: Zum einen gibt es den 450-Euro-Minijob – auch als geringfügige Beschäftigung bekannt. Zum anderen gibt es den sogenannten kurzfristigen Minijob beziehungsweise die kurzfristige Beschäftigung. 

Der gemeinsame Unterschied bei den beiden Minijobarten zu anderen Jobs ist, dass die Minijobber*innen keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Das gilt aber nicht für die Arbeitgeber. Die zahlen für geringfügig oder kurzfristig Beschäftigte Beiträge zur Sozialversicherung an die Minijob-Zentrale. Zu der Verwaltungsstelle gehört die „Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See”.

Beschäftigung im privaten Haushalt

Beschäftigung im privaten Haushalt

Wenn Minijobber*innen in einem privaten Haushalt angestellt sind, profitieren die Arbeitgeber von niedrigeren Abgaben und Steuerermäßigungen – vorausgesetzt, es handelt sich um eine haushaltsnahe Tätigkeit wie zum Beispiel Kinderbetreuung, Gärtnern oder eine Reinigungshilfe. Mehr zu Steuervorteilen lesen Sie in dem Ratgeber „Steuer: Was kann ich absetzen?” 

Was ist der Unterschied zwischen dem 450-Euro- und dem kurzfristigen Minijob?

Bei dem 450-Euro-Minijob gibt der Gesetzgeber nicht vor, wie viel Sie maximal arbeiten dürfen. Aber, wie viel Sie verdienen dürfen. Der trockene Fachbegriff für diese Verdienstgrenze ist die Geringfügigkeitsgrenze. Diese beträgt zurzeit 450 Euro – daher der Name 450-Euro-Job. Ab dem 1. Oktober 2022 erhöht sich der Betrag auf 520 Euro. Aber: Die Grenze gilt für den durchschnittlichen Verdienst.  

Das bedeutet: Sie können als Minijobber*in in manchen Monaten darüber hinaus verdienen, solange es aufs Jahr gerechnet nicht mehr als durchschnittlich 450 Euro pro Monat sind. Macht unterm Strich 5.400 Euro pro Jahr. Sobald Sie in einem Jahr mehr verdienen, müssen Sie vom Lohn Beiträge in die Sozialversicherung zahlen. Wenn Sie dabei monatlich zwischen 451 Euro und 1.300 Euro verdienen, haben Sie einen sogenannten sozialversicherungspflichtigen Midijob. 

Bei dem kurzfristigen Minijob ist es genau umgekehrt: Hier gibt es keine Verdienstgrenze. Stattdessen ist Ihre Arbeitszeit vom Gesetzgeber begrenzt: Kurzfristige Minijobber*innen dürfen pro Jahr maximal 70 Tage oder drei Monate am Stück arbeiten. Dauert das Arbeitsverhältnis länger an, ist es kein kurzfristiger Minijob mehr. Je nachdem, wie viel Sie verdienen, ist es dann eine geringfügige Beschäftigung oder auch schon ein Midijob. 

Eine Gärtnerin pflanzt Pflanzentriebe ein
© istock/Vladimir Vladimirov/2019  Viele Minijob-Angebote sind saisonabhängig: Das sind in der Regel dann sogenannte kurzfristige Minijobs.

Versicherungen und Minijob: Wer ist wie und wo versichert?

Was bedeutet es konkret, dass Sie als Minijobber*in keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen? Zu den Sozialversicherungen gehören in Deutschland die: 

  • Rentenversicherung, 
  • Kranken- und Pflegeversicherung, 
  • Unfallversicherung 
  • und die Arbeitslosenversicherung. 

Die Sozialversicherungsfreiheit wirkt sich unterschiedlich auf 450-Euro-Minijobber*innen und kurzfristigen Minijobber*innen aus: Kurzfristig Beschäftigte sind weder renten- noch krankenversichert. Bei den 450-Euro-Minijobber*innen sieht es zum Teil anders aus. 

Minijob und Rentenversicherung 

Seit 2013 sind die geringfügig Beschäftigten in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Widerspricht das nicht der oben erwähnten Sozialversicherungsfreiheit? Nicht ganz! Denn Sie können sich als 450-Euro-Minijobber*in von der Rentenversicherung befreien lassen.  

Und das geht so: Sie stellen einen Antrag auf die Befreiung von der Rentenversicherung. Dazu füllen Sie zum Beispiel dieses Formular aus und geben es dann Ihrem Arbeitgeber. Das heißt aber auch, dass Sie mit dem geringfügigen Job Ihre Rente nicht aufstocken beziehungsweise – sofern Sie immer nur minijobben – keine Rentenansprüche haben. 

Minijob: 3 wichtige Warnungen 

Klicken Sie hier, um die Inhalte von YouTube anzuzeigen.

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

© Sozialverband Schleswig-Holstein 

450-Euro-Minijob und Krankenversicherung 

Die Auftraggeber zahlen zwar pauschale Beiträge für ihre Minijobber*innen in die gesetzliche Krankenversicherung, aber nicht für die private und ebenfalls nicht für die Pflegeversicherung. Diese Beiträge gehen an die Minijob-Zentrale. Aber: Wer nur einen 450-Euro-Job hat, ist damit nicht automatisch krankenversichert. Betroffene müssen sich woanders krankenversichern. Das geht beispielsweise bei der: 

  • Pflichtversicherung der gesetzlichen Krankenversicherung, 
  • beitragsfreien Familienversicherung 
  • freiwilligen Krankenversicherung – sowohl gesetzlich als auch privat. 

Und wie sieht es im Falle einer Arbeitsunfähigkeit aus? Für sechs Wochen sind Sie auf der sicheren Seite, denn so lange muss Ihr Arbeitgeber den Lohn weiterzahlen. Danach aber ist Schluss, denn anders als klassische Angestellte bekommen Sie kein Krankengeld. Es sei denn, Sie gehen noch einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach.  

Bei Schwangerschaft und Mutterschaft müssen Arbeitgeber ebenfalls die gesetzlich vorgeschriebenen Fristen für die Lohnfortzahlung einhalten. Außerdem stehen Minijobber*innen auch die Kinderkrankentage zu – bei Kindern bis zum zwölften Lebensjahr oder einem Kind mit Behinderung. 

Übrigens: Ihr Einkommen aus dem Minijob wird bei der Berechnung des Elterngeldes berücksichtigt. 

Minijob und Unfallversicherung 

Die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung sind für alle Arbeitgeber verpflichtend. Somit sind alle Minijobber*innen – kurzfristige und geringfügige – bei Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und Unfällen auf dem Weg zu Arbeit abgesichert. Inwiefern? Das kommt drauf an. Zu den Leistungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) gehören: 

  • Übernahme von Behandlungs-, Pflege- und Transportkosten, 
  • Zahlung von Überbrückungs- oder Verletztengeld oder der Erwerbsminderungsrente

Minijob und Arbeitslosenversicherung  

Sowohl Ihr Arbeitgeber als auch Sie als Minijobber*in zahlen nicht in die Arbeitslosenversicherung ein. Deswegen ergeben sich aus der geringfügigen oder kurzfristigen Beschäftigung keine Ansprüche auf Arbeitslosengeld.  

Eine Mutter geht mit ihrem Kind am Strand spazieren
© istock/golero/2021  Auch Minijobber*innen haben Anspruch auf bezahlten Urlaub und Entgeltfortzahlungen während der Mutterschaftszeit oder Kindkranktagen.

Arbeitsrecht: Was steht Minijobber*innen zu?

450-Euro-Minijobber*innen haben fast die gleichen Rechte wie andere Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigte. Wohlgemerkt: Das gilt nicht für kurzfristige Minijobs. In der Praxis sieht es unter Umständen anders aus. Es gibt Arbeitgeber, die ihren geringfügig Angestellten ihre Rechte verwehren. Deswegen: Prüfen Sie Ihren Minijob-Arbeitsvertrag gründlich, bevor Sie ihn unterschreiben. 

Kündigungsfrist im Minijob 

Auch für Minijobber*innen gilt nach dem Ablauf der Probezeit die gesetzliche Kündigungsfrist von vier Wochen – und zwar zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Diese Frist müssen ebenfalls die Arbeitgeber berücksichtigen. Wenn das Arbeitsverhältnis schon länger als zwei Jahre besteht, gelten für die Arbeitgeber längere Fristen: 

  • 2 – 5 Jahre: 2 Monate Kündigungsfrist 
  • 5 – 8 Jahre: 3 Monate Kündigungsfrist 
  • 8 – 10 Jahre: 4 Monate Kündigungsfrist 
  • 10 – 12 Jahre: 5 Monate Kündigungsfrist 
  • 12 – 15 Jahre: 6 Monate Kündigungsfrist 
  • über 15 Jahre: 7 Monate Kündigungsfrist 

Während der Probezeit dürfen beide Seiten – die Arbeitgeber und die geringfügig Beschäftigten – mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.  

Es gibt aber zwei Ausnahmen. Die gesetzlichen Fristen gelten nicht unbedingt, wenn: 

  • das Arbeitsverhältnis aus einem wichtigen Grund nicht fortgeführt werden kann. 
  • der Betrieb weniger als zehn Angestellte hat. 
  • der Betrieb weniger als fünf Angestellte hat – das gilt aber nur für die Minijobber*innen, die ihre Tätigkeit bereits seit dem 31. Dezember 2003 oder früher ausüben. 

Wie berechnen Sie den Urlaubsanspruch im Minijob? 

Wie viele Urlaubstage Ihnen zustehen, hängt von der Anzahl Ihrer Arbeitstage pro Woche ab. So berechnen Sie Ihren individuellen Urlaubsanspruch: Anzahl der Arbeitstage pro Woche mal Urlaubsanspruch in Werktagen. Das Ergebnis teilen Sie dann durch die übliche Wochenarbeitszeit von fünf oder sechs Tagen. Oder Sie nutzen den Online-Urlaubsrechner von der Minijob-Zentrale. 

Rechenbeispiel: Angenommen, Sie haben pro Jahr Anspruch auf 24 Urlaubstage – das ist Ihr Urlaubsanspruch in Werktagen – und arbeiten an drei Tagen pro Woche im Minijob. Das sind dann 3 x 24 = 72. Für die Angestellten in der Firma sind sechs Arbeitstage üblich. Deswegen teilen sie die 72 durch 6. Daraus ergibt sich Ihr Urlaubsanspruch von 12 Tagen im Jahr. 

Übrigens: Minijobber*innen haben nicht nur Anspruch auf bezahlte Urlaubstage, sondern auch auf bezahlte Feiertage – wenn ihr regulärer Arbeitstag auf einen fällt. 

Ein Mann erklärt einer jungen Frau ein Steuerungsgerät
© istock/fotografixx/2021  Für Praktikant*innen und Schüler*innen gelten Ausnahmen vom Mindestlohn. Wie sieht es bei den Minijobber*innen aus?

Mindestlohn und Minijob 

Geringfügig oder kurzfristige Beschäftigte haben das Recht auf den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,82 Euro (Stand: März 2022). Das bedeutet auch, dass 450-Euro-Minijobber*innen aktuell maximal 45,82 Stunden pro Monat arbeiten dürfen. Das sind knapp 11,5 Stunden pro Woche. Wenn die durchschnittliche Arbeitszeit – aufs Jahr gerechnet – höher ist, erhalten die Minijobber*innen nicht den gesetzlichen Mindestlohn oder sind sozialversicherungspflichtig.  

Wenn die geringfügig Beschäftigten dagegen mehr als den Mindestlohn bekommen, reduzieren sich die erlaubten Arbeitsstunden – weil sie bereits mit weniger Arbeitsstunden die Verdienstgrenze erreichen. Sie können Ihre maximale Stundenanzahl pro Monat folgendermaßen berechnen: Die Verdienstgrenze geteilt durch Ihren Stundenlohn ergibt Ihre erlaubte Stundenzahl. Beispiel: Angenommen Sie verdienen 12 Euro pro Stunde. Dann teilen Sie 450 Euro durch 12. Das ergibt 37,5 Stunden.  

Generell gilt dennoch: Es gibt keine Begrenzung der Stunden an sich, nur eben die Verdienstgrenze und bei der kurzfristigen Beschäftigung die Zeitgrenze. Bei 450-Euro-Minijob können Sie auch in dem einem Monat mehr arbeiten und verdienen, aber dafür in einem anderen Monat weniger arbeiten, um unter der Verdienstgrenze zu bleiben. 

Es gibt ein paar wenige Ausnahmen, für die kein Mindestlohn gilt. Dazu gehören Schüler*innen, Auszubildende, Praktikant*innen und Ehrenamtliche. 

Hartz IV, Arbeitslose und Rentner*innen: Was müssen sie bei einem Minijob wissen?

Wenn Sie Arbeitlosengeld oder Hartz IV bekommen, gilt für Sie nicht die Obergrenze von 450 Euro. Vielleicht behält das Jobcenter oder Arbeitsamt schon bei weniger Einkommen einen Teil Ihres Verdienstes. Denn für Sie gibt es individuelle Einkommensgrenzen. Wie hoch die in Ihrem Fall ist, erfahren Sie bei Ihrem Arbeitsamt oder Jobcenter. 

Als Rentner*in hingegen müssen Sie sich keine Sorgen um eine Kürzung Ihrer Rente machen – Sie können unbegrenzt hinzuverdienen. Als Frührentner*in haben Sie zwar eine Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro, aber das betrifft Sie als Minijobber*in nicht. Denn die Geringfügigkeitsgrenze gilt für alle geringfügig Beschäftigten, ob in Rente oder nicht: Der Minijob ist nur bei einem Verdienst bis zu 5.400 Euro im Jahr sozialversicherungsfrei. 

Mehrere Minijobs oder ein Minijob als zusätzliche Beschäftigung

Wer neben dem Minijob noch einer sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung nachgeht, braucht für den Minijob eine Erlaubnis vom Hauptarbeitgeber. Ein Minijob neben dem Hauptjob ist sozialversicherungsfrei. Aber der zweite Minijob, der parallel zum Hauptjob ausgeübt wird, ist dann sozialversicherungspflichtig – unabhängig vom Verdienst. 

Wie sieht es denn aus, wenn Sie mehrere Minijobs, aber keine sozialversicherungspflichtige Anstellung bei Arbeitgebern oder Unternehmen haben? In diesem Fall hängt es davon ab, ob alle Ihre Einkünfte zusammengerechnet unter der Verdienstgrenze von 450 Euro bleiben. Sobald diese die Geringfügigkeitsgrenze überschreiten, müssen Sie ebenfalls Abgaben an die Sozialversicherung und unter Umständen Steuern zahlen. 

Wichtig zu wissen: Wenn Sie zwei Minijobs zusätzlich zu einer Haupttätigkeit ausüben, ist nur der erste Minijob steuerfrei. Der zweite Minijob wird nämlich entweder pauschal mit 20 Prozent oder gemäß individueller Lohnsteuer der Jobber*innen besteuert. Aber selbst dann werden Sie nicht unbedingt vom Finanzamt zur Kasse gebeten. Warum? Das erfahren Sie im nächsten Abschnitt. 

@MinijobZentrale

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

Wie wird der Minijob besteuert?

Der Minijob ist steuerfrei? Das stimmt so nicht ganz: Manchmal trifft es zu und manchmal nicht. Hier gibt es wieder Unterschiede zwischen dem 450-Euro-Minijob und der kurzfristigen Beschäftigung. Beim 450-Euro-Minijob zahlt der Arbeitgeber in der Regel einen Steuerpauschbetrag von zwei Prozent an die Minijob-Zentrale – was sich nicht auf das Einkommen auswirkt. Aber die Arbeitgeber dürfen die Pauschsteuer auch von dem Verdienst der Minijobber*innen abziehen. 

Der Minijob kann aber auch pauschal mit 20 Prozent oder nach individuellen Lohnsteuermerkmalen versteuert werden. Die individuelle Lohnsteuer kann für Sie sogar günstiger sein als die Pauschsteuer von zwei Prozent. Denn in den Lohnsteuerklassen I bis IV fallen in diesem Fall null Euro Steuern an. 

Kurzfristige Minijobs dagegen müssen immer pauschal mit 25 Prozent oder nach der Lohnsteuerklasse besteuert werden. 

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

8
228

Das könnte Sie auch interessieren: