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Willkommen in der Gleitzone: Was ist ein Midijob?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 11.08.2022

Sie möchten mehr verdienen als bei einem Minijob, aber eine Vollzeitstelle ist auch nicht das Richtige für Sie? Wie wäre es dann mit einem Midijob? Für den gibt es in der Regel mehr Geld als beim Minijob und die volle Leistung der Sozialversicherung obendrauf – und das bei meist geringen Beiträgen und teils ohne Lohnsteuer. Klingt gut? Dann lesen Sie hier weiter und erfahren Sie, was genau ein Midijob ist und was ihn so attraktiv macht. 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Midijobs sind Beschäftigungen mit einem Gehalt zwischen 450,1 Euro und 1.300 Euro (ab Oktober 2022: 520,01 Euro und 1.600 Euro). 
  • Vom Verdienst gehen gestaffelt Beiträge für Sozialversicherung und Rentenversicherung ab. 
  • Trotz geringerer Beiträge gibt es die volle Leistung dieser Absicherungen. 
  • Für Midijobs werden je nach Steuerklasse teils keine oder nur geringe Steuern fällig. 
  • Midijobs können mit Minijobs, Vollzeitbeschäftigungen und Rente kombiniert werden. 

Was ist ein Midijob?

Wer bei Midijob an einen Midirock denkt, liegt damit richtig. Denn bekannt ist die Bezeichnungen aus der Modewelt. Demnach sind Miniröcke sehr kurz, Maxiröcke reichen ungefähr bis zu den Fußknöcheln und Midiröcke knapp unter die Knie. 

Warum wir das erwähnen? Weil sich daran gut erklären lässt, was ein Midijob ist: eine Beschäftigung zu einem Gehalt, das zwischen dem eines Minijobs und dem einer vollwertigen und sozialversicherungspflichtigen Stelle liegt. In Zahlen ausgedrückt (Stand: Juli 2022) heißt das: 

  • Bei einem Minijob darf man pro Monat bis zu 450 Euro verdienen. 
  • Bei einem Midijob darf man zwischen 450,01 Euro und 1.300 Euro verdienen. 
  • Bei einer vollwertigen Stelle gibt es keine Gehaltsobergrenze. 

Wichtig: Bei einem Midijob kommt es nicht auf die Anzahl der abgeleisteten Stunden an. Stattdessen zählt für die Einordnung ausschließlich die durchschnittliche Höhe des Monatsgehalts. Das bedeutet, dass Sie zum Beispiel im Januar mehr und im Februar weniger verdienen dürfen. Wichtig ist nur, dass dabei unterm Strich und übers Jahr gesehen nicht mehr als maximal 1.300 Euro pro Monat herauskommen – egal, wie viele Stunden Sie dafür im Midijob gearbeitet haben.  

Diese Höchstgrenze verschiebt sich übrigens ab Oktober 2022 nach oben. Das liegt an der Erhöhung des Mindestlohns, den die Bundesregierung bis dahin einführt. Dann steigt der Mindestlohn von 10,45 Euro auf 12,00 Euro an. In dem Zuge wird die erlaubte Gehaltsspanne für Midijobs angepasst. Sie liegt künftig zwischen 520,01 Euro und 1.600 Euro. 

Der Sinn des Midijobs

Der Sinn des Midijobs

Das Modell des Midijobs gibt es seit 1. April 2003. Die damalige Bundesregierung führte es als Teil der sogenannten Hartz-Reformen zur Arbeitspolitik ein. Der Midijob sollte arbeitslosen Menschen den Einstieg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erleichtern. Sie sind damit für vergleichsweise geringe Beiträge beispielsweise kranken- und rentenversichert.  

Midijob und Sozialversicherung

Ein wesentlicher Vorteil von Midijobs gegenüber Minijobs und einer Voll- oder Teilzeitanstellung ist, dass Sie damit Anspruch auf volle Leistungen aus der Sozialversicherung haben. Sie profitieren also von: 

  • Krankenversicherung (inklusive Entgeltfortzahlung und Krankengeld) 
  • Pflegeversicherung 
  • Unfallversicherung 
  • Rentenversicherung 
  • Arbeitslosenversicherung 

Obwohl Sie teils weniger Beiträge dafür zahlen als bei einer normalen Beschäftigung. 

Wie hoch Ihre Abgaben ausfallen, hängt von Ihrem Midijob-Gehalt ab. Je mehr Sie verdienen, desto mehr müssen Sie für die Sozialversicherung zahlen: Bei einem Verdienst von 450,01 Euro ist das also weniger als bei der Höchstgrenze von 1.300 Euro. Sobald Sie diese erreichen, werden die üblichen Sätze fällig. Wegen dieser Staffelung der Beiträge zur Sozialversicherung ist beim Midijob auch von der Gleitzone, vom Gleitzonenentgelt oder Übergangsbereich die Rede. 

Wie viel genau an Sozialversicherung fällig wird, können Sie mit einem Midijob-Rechner herausfinden. Zum Beispiel mit diesem kombinierten „Gehaltsrechner & Midijob-/Übergangsbereichsrechner“.  

Ein Paar sitzt am Küchentisch im Wohnzimmer und berechnet am Laptop die Abgaben für einen Midijob
© istock/Oscar Wong  Bei der Berechnung der Abgaben für einen Midijob leistet ein Online-Rechner gute Dienste.

Midijob und Steuern

Als Midijobber*in müssen Sie grundsätzlich Ihre sämtlichen Einkünfte zusammenrechnen und versteuern. Es gibt jedoch Ausnahmen von dieser Regel. So entfällt bei einem Midijob die Lohnsteuer ganz oder zu einem großen Teil, wenn er Ihre einzige, also hauptberufliche Beschäftigung ist. Das gilt für die Steuerklassen 1 bis 4. 

Anders sieht das bei der Steuerklasse 5 aus. Die können Sie wählen, wenn Sie verheiratet sind und Ihr*e Ehepartner*in in Steuerklasse 3 ist. In dem Fall müssen Sie in Steuerklasse 5 zwar die volle Lohnsteuer zahlen, aber dafür sind die Abgaben in der Steuerklasse 3 vergleichsweise gering.  

Und dann ist da noch die Steuerklasse 6. In die rutschen Sie, wenn Sie neben Ihrem Midijob noch eine sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung haben. Dann müssen Sie nicht nur die Lohnsteuer, sondern auch die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. 

Ihre steuerlichen Angaben zum Midijob gehören in der Steuererklärung in die Anlage N (Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit). Übrigens: Geldwerte Vorteile, wie eine kostenlose Kinderbetreuung über Ihren Arbeitgeber, werden nicht auf Ihr Einkommen angerechnet. Urlaubs- oder Weihnachtsgeld aber schon. Liegen Sie damit über dem Gleitzonenentgelt, ist es kein Midijob mehr. 

Zur Übersicht eine Tabelle (Stand: Juli 2022): 

SteuerklasseLohnsteuer bei Midijob
Steuerklasse 1erst ab 1.060 Euro Gehalt
Steuerklasse 2erst ab 1.060 Euro Gehalt
Steuerklasse 3nein
Steuerklasse 4erst ab 1.060 Euro Gehalt
Steuerklasse 5ja
Steuerklasse 6ja 

 

Midijob und Urlaub

Arbeiten Sie als Midijobber*in, haben Sie den üblichen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Wie hoch der ausfällt, hängt von der Anzahl Ihrer Arbeitstage pro Woche ab. Beispiele: 

  • Bei einer 6-Tage-Woche gibt es 24 Urlaubstage. 
  • Bei einer 5-Tage-Woche gibt es 20 Urlaubstage.
  • Bei einer 4-Tage-Woche gibt es 16 Urlaubstage. 

So viel Urlaub steht Ihnen mindestens zu. Sie können mit Ihrem Arbeitgeber aber auch mehr abmachen. Möglicherweise besteht dazu eine tarifliche oder eine betriebliche Vereinbarung. Die Urlaubsregelung sollte im Arbeitsvertrag stehen.  

Midijob und Minijob

Haben Sie zum Midijob noch einen Minijob, dann fallen für den Midijob zwar (gegebenenfalls) Steuern sowie Beiträge für die Sozialversicherung an, für den Minijob aber nicht. Was Sie mit dem verdienen, dürfen Sie komplett behalten. Sie können neben dem Midijob sogar mehrere Minijobs ausüben. Allerdings wird dann das Gehalt für den zweiten Minijob und für jeden weiteren zum Midijob-Gehalt hinzugerechnet und dann sozialversicherungspflichtig. 

Wenn Sie einen Midijob zusätzlich zu einer sozialversicherten Hauptbeschäftigung ausüben, fallen die niedrigeren Beitragssätze beim Midijob flach. Stattdessen zahlen Sie dann für beide Beschäftigungen jeweils die vollen Abgaben für Sozialversicherungen und Steuern. 

Geht ebenfalls: Midijob + Midijob. Hier müssen Sie allerdings darauf achten, dass das Gehalt zusammengerechnet – unabhängig von der Anzahl Ihrer Midijobs – unter der Grenze von 1.300,01 Euro bleibt. Andernfalls sind die Vergünstigungen (geringere Abgaben) futsch. 

Eine reifere Frau arbeitet gut gelaunt in einer Textilwerkstatt
© istock/Choreograph/2021  Rentner*innen können ihr Ruhegeld mit einem Midijob erhöhen.

Midijob und Rente

Wer seine Rente mit einem Midijob aufbessern will, darf das tun. Teils ist das aber nur bis zu einer Höchstgrenze ohne Abzüge von der Rente möglich. 

Vor Erreichen der Regelaltersgrenze 

Frührentner*innen heißen so, weil sie in den Ruhestand gehen, bevor sie ihre Regelaltersgrenze erreicht haben. Wann das so weit ist, hängt jeweils vom Alter ab. Das betrifft in erster Linie die Geburtsjahrgänge 1947 bis 1963. Deren Regelaltersgrenze steigt schrittweise von 65 auf 67 Jahre an. Wer aus dieser Gruppe jünger in den Ruhestand wechselt, darf die Rente grundsätzlich um maximal 6.300 Euro pro Jahr aufstocken. Was darüber ist, kann der Staat von der Rente abziehen. 

Ausnahme: Für die Jahre 2021 und 2022 liegt die kürzungsfreie Hinzuverdienstgrenze bei 44.590 Euro beziehungsweise 46.060 Euro. Damit sollten Rentner*innen wegen der Personalengpässe während der Corona-Krise zum Wiedereinstieg in den Job motiviert werden.  

Nach Erreichen der Regelaltersgrenze 

Sobald die Regelaltersgrenze überschritten ist, fällt die Hinzuverdienstgrenze weg. Rentner*innen dürfen dann so viel Geld mit einem Midijob (oder mit einer anderen Beschäftigung) machen, wie sie wollen. Mehr darüber erfahren Sie in der Broschüre „Altersrentner: So viel können Sie hinzuverdienen“ der Deutschen Rentenversicherung. 

Nicht vergessen: Ihre Rente und Nebenverdienste sind steuerpflichtig! Lesen Sie zu diesem Thema unseren Ratgeber „Steuern auf die Rente“. 

Midijobs: Alles Wichtige auf einen Blick 

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© Factorial HR Deutschland 

Midijob: Vorteile und Nachteile für Angestellte

Je nach Perspektive ist bei der Gleitzonenregelung der größte Vorteil der größte Nachteil: die Beiträge zu Sozialversicherung und Rentenversicherung. Das heißt, dass Sie die volle Leistung dieser Absicherungen mit Abzügen vom Midijob-Gehalt bezahlen. Letztlich müssen Sie selbst wissen, was Ihnen beispielsweise die finanzielle Vorkehrung bei Arbeitslosigkeit oder die eigene Altersvorsorge wert sind. Um Ihnen die Entscheidung für oder gegen einen Midijob zu erleichtern, stellen wir kurz die Pros und Contras zusammen. 

Die Vorteile 

  • Es besteht voller Schutz der Sozialversicherung und der Rentenversicherung 
  • Wegen gehaltsabhängiger Staffelung sind die Beiträge zur Sozialversicherung oft relativ gering. 
  • Der Verdienst wird vollständig für die Rente berücksichtigt. 
  • Es gibt keine beziehungsweise kaum Lohnsteuer in den Steuerklassen 1 bis 4, sofern der Midijob die einzige Beschäftigung ist. 

Die Nachteile 

  • Das Gehalt darf 1.300 Euro (ab Oktober 2022: 1.600 Euro) nicht übersteigen 
  • Vom Verdienst müssen Beiträge für Sozialversicherung und Rentenversicherung gezahlt werden. 
  • Es fällt die volle Lohnsteuer bei Steuerklasse 5 in Verbindung mit Steuerklasse 3 von Ehe-/Lebenspartner*in an. 
  • Es gibt keine steuerlichen Vergünstigungen bei der Kombination des Midijobs mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (= Midijob als Nebenjob). 

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