Die blaue Flagge der Europäischen Union weht vor dem Hochhaus der europäischen Zentralbank in Frankfurt
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Wächterin des Euro: Diese Aufgaben hat die EZB

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 27.04.2022

Was macht die EZB, die Europäische Zentralbank? Richtig, irgendwas mit Geld und Europa. Aber was genau? Die KlarMacher zeigen Ihnen, warum es die EZB gibt und sie für mindestens 340 Millionen Menschen auf diesem Kontinent wichtig ist. Auch für Sie. Die Zentralbank bestimmt nämlich, wie viel Zinsen Sie für einen Kredit bezahlen müssen oder was Ihr Einkauf im Supermarkt kostet. Welche Aufgaben hat die EZB außerdem? Das und mehr erfahren Sie hier. 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

 

  • Die Europäische Zentralbank steuert die Geldpolitik für 19 EU-Länder. 
  • Als Bank der Banken macht sie keine Geschäfte mit Privatleuten. 
  • Sie sorgt in der Eurozone vor allem für die Stabilität der Währung und damit der Preise. 
  • Außerdem bestimmt sie unter anderem die Höhe der Zinsen für Kredite und Geldanlagen. 

19 Länder, eine Bank: Die Europäische Zentralbank (EZB)

Der Euro ist für viele Menschen inzwischen Alltag. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Tourist*innen vor Auslandsreisen etwa noch D-Mark in italienische Lira oder griechische Drachmen umtauschen mussten.

1999 startete die europäische Gemeinschaftswährung, also der Euro, gleichzeitig in elf Staaten. Zu Beginn aber nur als sogenanntes Buchgeld für Banken. Die Bürger*innen konnten ihn damals noch nicht in die Hand nehmen und damit zum Beispiel im Supermarkt bar bezahlen. Das ging erst 2002, als der Euro zur klingenden Münze (und zu Scheinen aus Papier) wurde. Mittlerweile haben 19 EU-Staaten die neue Währung eingeführt und bilden zusammen die sogenannte Eurozone mit 340 Millionen Menschen. 

Das ist nach den USA der zweitgrößte Wirtschaftsraum der Welt. Ein gemeinsames Zahlungsmittel für diese Zone setzt eine gemeinsame Geldpolitik voraus, die unter anderem den Wert der Währung sichert. Genau diese Aufgabe übernimmt die Europäische Zentralbank (EZB). Sie ist seit dem 1. Juni 1998 die Währungsbehörde der Euro-Länder. 

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Kürze

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Kürze

 

  • Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Eurozone mit Sitz in Frankfurt am Main
  • Sitz der EZB ist Frankfurt am Main 
  • Gegründet 1998
  • Präsidentin Christine Lagarde 
  • Oberstes Beschlussorgan: EZB-Rat 
  • mehr als 3.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 
  • Politisch und kommerziell unabhängig
  • Aufgaben: Preisstabilität, Wirtschaftswachstum, Bankenaufsicht, Ausgabe von Banknoten 

Im Auftrag der Europäischen Union (EU) steuert die EZB die Geldmenge, die in der Eurozone im Umlauf ist. Damit hat sie eine wichtige Funktion. Gibt es nämlich zu viele Euro-Münzen und -Scheine, dann verringert sich deren Wert und die Preise steigen (Inflation). Wird hingegen zu wenig Geld geprägt oder gedruckt, passiert das Gegenteil (Deflation). Im Übermaß ist beides für eine Volkswirtschaft nicht gut. Früher achteten die 19 nationalen Zentralbanken auf die richtige Geldmenge – in Deutschland also die Deutsche Bundesbank. Heute macht das die EZB für die gesamte Eurozone. 

Die EZB ist übrigens keine Bank für Privatleute, sondern sozusagen die Bank der Banken im Euroraum. Nur sie können dort Geld leihen und/oder anlegen.

Sie ist zwar politisch unabhängig, darf aber trotzdem nicht tun und lassen, was sie möchte. Sie muss über ihr Handeln Rechenschaft vor dem Europäischen Parlament ablegen. Das muss sein, weil die Politik der EZB alle Euroländer betrifft. Die Herausforderung: Die wirtschaftliche Lage ist in den 19 Staaten sehr unterschiedlich. Einigen geht es zurzeit sehr gut, andere haben zu kämpfen und benötigen Unterstützung. Das macht den Job der EZB in Frankfurt nicht leicht.

Europäische Zentralbank (EZB) in 3 Minuten erklärt

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Das Wichtigste: Preisstabilität

Die wichtigste Aufgabe der EZB ist die Sicherung der Preisstabilität im Euroraum. Was heißt das? Unter Preisstabilität versteht die EZB, dass die Preise für alltägliche Waren jedes Jahr stetig leicht ansteigen – um etwas weniger als zwei Prozent. Der Grund: Bei dauernd sinkenden Preisen kaufen die Menschen eher weniger. Sie hoffen nämlich, dass sie ein Produkt noch günstiger bekommen, wenn sie etwas warten. Das ist politisch nicht gewollt. Denn nur, wenn gekauft und investiert wird, wächst die Wirtschaft.

Die zweite Hauptaufgabe ist die Unterstützung der Wirtschaftspolitik der Europäischen Union – aber ausdrücklich nur dann, wenn das Ziel der Preisstabilität nicht gefährdet ist. Um beides zu erfüllen, hat die EZB mehrere Möglichkeiten.

Eine junge Frau nimmt zwei Taschen mit Einkäufen an der Kasse einer Boutique entgegen
© iStock/gilaxia/2017  Bei leicht steigenden Preisen kaufen mehr Menschen ein, statt auf günstigere Preise zu warten.

Erstes Instrument: Leitzinsen

Das wichtigste und sicherlich auch bekannteste Werkzeug sind die Leitzinsen. Regelmäßig wird in den Nachrichten darüber berichtet, ob und wie die EZB bei ihren – meist monatlichen – Sitzungen diese Zinsen verändert. Damit legt sie einerseits fest, was die nationalen Zentralbanken bezahlen müssen, wenn sie sich bei ihr Geld leihen. Und andererseits, welchen Zinssatz diese Banken bekommen, wenn sie Geld bei der EZB anlegen möchten. Das hat für viele Bürger*innen im Euroraum Folgen.

Zwar bestimmt die EZB nicht direkt die Zinsen, die Sie für einen Kredit bezahlen müssen. Das macht Ihre Bank. Doch diese gibt den von der EZB festgelegten Zinssatz zumindest teilweise an Sie weiter. So beeinflusst die Entscheidung der EZB letztlich die Volkswirtschaften und Menschen in den Euroländern. 

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Zweites Instrument: Mindestreserve

Mit der Mindestreserve verpflichtet die EZB Geschäftsbanken dazu, einen Anteil des bei ihnen angelegten Kapitals als Sicherheit bei den jeweiligen Nationalbanken zu hinterlegen. Beispiel: Sie haben 100 Euro auf einem Sparbuch bei Ihrer Bank. Gilt nun für diese ein Mindestreservesatz von einem Prozent, dann muss sie einen Euro davon bei der Deutschen Bundesbank einzahlen. Ihre Bank kann also nicht mit Ihren gesamten 100 Euro, sondern nur mit 99 Euro arbeiten.

So nimmt die EZB Geld aus dem Markt. Das wird dadurch knapper und steigt automatisch im Wert. Käufer*innen können sich daher für jeden Euro mehr leisten. Das hält gleichzeitig höhere Preise im Zaum.

Drittes Instrument: Offenmarktgeschäfte

Wie Privatpersonen und Unternehmen brauchen auch Länder hin und wieder mehr Geld, als sie gerade haben. Dann müssen sie dafür Schulden machen. Zu diesem Zweck geben sie beispielsweise Staatsanleihen heraus. Die können Anleger*innen kaufen und bekommen dafür nach einer vereinbarten Zeit von dem jeweiligen Staat ihr Kapital plus Zinsen zurück. Aber nicht jedes Land hält am Ende der Frist sein Versprechen.

Deshalb müssen besonders klamme Kandidaten sich ihr hohes Ausfallrisiko mit sehr hohen Zinsen erkaufen. Doch manchmal reichen sogar die besten Renditeaussichten nicht, und sie bleiben quasi auf ihren Staatsanleihen sitzen. Hier kann die EZB einspringen und solche Papiere erwerben. In dem Fall spricht man von einem Offenmarktgeschäft. Die EZB wirft damit frisches Geld auf den Markt, erhöht die Geldmenge und kurbelt im Idealfall die Wirtschaft des kriselnden Lands an. 

Diese Anleihekäufe sind nicht unumstritten. Das Problem: Eigentlich darf die EZB Staaten nicht direkt finanzieren. Es gab daher viel Kritik, als die EZB während der europäischen Finanzkrise zu diesem Mittel griff und Staatsanleihen im Wert von mehr als zwei Billionen Euro aufkaufte. Sie rechtfertigte sich damit, auf diese Weise den Euroraum zu stabilisieren.

Viele Menschen beim abendlichen Shopping in einer Fußgängerzone
© iStock/justhavealook/2015  Aufgabe der EZB: Sicherung der Preisstabilität. Damit schafft sie Vertrauen in den Euro.

Neue Aufgabe: Kontrolle des Bankensystems

Die Bankenkrise erwischte auch zahlreiche Geldinstitute in Europa – sie mussten letzten Endes mit Steuergeldern gestützt werden. Um das künftig zu vermeiden, bekam die EZB 2014 eine neue Aufgabe: die Kontrolle über alle Banken, die in der gesamten EU – also nicht nur in der Eurozone – tätig sind. 

Konkret legt sie Leitlinien für rund 120 große Banken fest und achtet darauf, dass sie in ganz Europa gleich angewendet werden. Im eng miteinander verflochtenen europäischen Bankensystem sorgt das für mehr Stabilität. Damit soll auch das Vertrauen der Bürger*innen und Unternehmen in den Sektor gestärkt werden.

Neben den geschilderten Hauptaufgaben hat die EZB aber noch mehr zu tun:

  • Sie hält und verwaltet die offiziellen Währungsreserven der Euroländer.
  • Sie kauft und verkauft Währungen, um Wechselkurse im Gleichgewicht zu halten. 
  • Sie fördert ein reibungsloses Funktionieren der Zahlungssysteme.
  • Nur sie hat das Recht, die Ausgabe von Banknoten im Euroraum zu genehmigen.
  • Sie erstellt Statistiken und Zentralbankbilanzen.

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