Deflation: Ursachen und Folgen, wenn die Preise ins Bodenlose fallen
Am Ende des Gehalts ist schon wieder so viel Monat übrig? Kein Wunder. Zwar locken die Geschäfte mit immer neuen Rabattaktionen, Sonderangeboten und Ausverkäufen. Aber auf lange Sicht wird unterm Strich eben alles immer teurer. Da liegt der Gedanke nahe: Wie schön wäre es, wenn es auf breiter Front einfach mal billiger würde. Das wäre dann eine Deflation. Doch ob wir uns das wirklich wünschen sollen? Lies mal, was es mit einer Deflation auf sich hat – und warum sie alles andere als ein Spaß ist.
Themen in diesem Artikel
- Definition: Was ist eine Deflation?
- Wie entsteht eine Deflation?
- Gewinn oder Verlust: Welche Folgen hat eine Deflation?
- Wie kann man eine Deflation bekämpfen?
- FAQ: Häufige Fragen und Antworten
Auf den Punkt: Deflation
- Bei einer Deflation sinkt das durchschnittliche Preisniveau, und viele Waren und Dienstleistungen werden günstiger.
- Das passiert, wenn Unternehmen mehr produzieren, als Verbraucher*innen kaufen, oder wenn zu wenig Geld im Umlauf ist.
- Die Deflation kann sich selbst verstärken, da Menschen oft ihre Käufe verschieben, weil sie auf noch günstigere Angebote warten. Dann sinken Preise immer weiter.
- Wenn sinkende Preise, geringere Nachfrage und steigende Arbeitslosigkeit sich gegenseitig verstärken, kann eine Deflationsspirale entstehen.
- Die Folge einer Deflation sind eine sinkende Wirtschaftsleistung und steigende Arbeitslosigkeit.
- Da der Staat in dieser Situation weniger Steuern einnimmt, hat er weniger Spielraum, die Wirtschaft zu stabilisieren und die Deflation einzudämmen.

Definition: Was ist eine Deflation?
Bei einer Deflation sinken allgemein die Preise. Dann werden nicht nur einzelne Produkte günstiger – zum Beispiel, weil sie durch Massenproduktion billiger hergestellt werden können (Unterhaltungselektronik, Möbel) –, sondern viele verschiedene Produkte gleichzeitig. Die Preissenkungen können dann auch Lebensmittel, Pflegeprodukte, Benzin, Immobilien und vieles mehr betreffen, was normalerweise von Jahr zu Jahr teurer wird.
Genau genommen muss bei einer Deflation aber nicht alles günstiger werden. So wie in normalen Zeiten nicht alles immer teurer wird. Es geht vielmehr um den Durchschnitt, die sogenannte Teuerungsrate. Dafür stellen sich Wirtschaftsforscher*innen einen Warenkorb vor, in den sie alles hineinpacken, was Durchschnittsbürger*innen brauchen, von Miete über Getränke bis hin zu Eintrittskarten und Versicherungen. Die Gesamtkosten für diesen Warenkorb vergleichen sie dann mit dem Preis für den Warenkorb im vergangenen Jahr.
Wenn dieser Warenkorb unterm Strich immer günstiger wird, dann haben wir eine Deflation. Sie ist das Gegenteil von Inflation, bei der der Warenkorb von Jahr zu Jahr teurer wird. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, erklären dir die KlarMacher in zwei weiteren Beiträgen mehr über die Auswirkungen von Inflation und Hyperinflation.
Deflation – wenn alles billiger wird!
Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.
Wie entsteht eine Deflation?
Eine Deflation entsteht, wenn die Geldmenge geringer ist als die Gütermenge. Vereinfacht ausgedrückt: Die Unternehmen produzieren mehr als die Verbraucher*innen kaufen. Woran kann das liegen? Im Grunde gibt es zwei Arten von Deflation, und beide haben ihre eigenen Ursachen.
Preisdeflation: Verschobene Angebot und Nachfrage
Bei einer Preisdeflation sinken die Verbraucherpreise, weil das Angebot dauerhaft höher ist als die Nachfrage. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Gründe:
- Unternehmen haben immer mehr Fabriken aufgebaut, zum Beispiel um Smartphones zu produzieren. Irgendwann aber besitzt jede*r ein Smartphone und ist nicht bereit, sich jedes Jahr ein neues zu kaufen. Es entsteht ein Überangebot. Nun bieten die Unternehmen ihre Waren billiger an, um sie noch loszuwerden.
- Eine unerwartete Krise führt zu einer geringeren Nachfrage. Zum Beispiel, weil die Menschen wie etwa während der Coronapandemie nicht einkaufen gehen konnten. Oder weil sie bei einer Wirtschaftsflaute („Rezession“) um ihren Job fürchten und ihr Erspartes lieber zurückhalten.
Entspann dich! Die Zinsen kommen von allein.
Mit einem SparBrief der Hanseatic Bank blickst du entspannt nach vorn. Denn dein Geld ist sicher angelegt. Und bringt kräftig Zinsen. Da wartet man doch gern.
Geldmengendeflation: Zu wenig Kapital
Bei einer Geldmengendeflation ist nicht mehr so viel Geld im Umlauf, wie alle Waren und Dienstleistungen wert sind. Zu wenig Geld? Das kann zum Beispiel dadurch passieren:
- Wenn der Staat dauerhaft mehr ausgibt als einnimmt, könnte er die öffentlichen Ausgaben kürzen, um Schulden zu vermeiden. Es würde weniger gebaut, weniger Personal in Behörden eingestellt, weniger an Sozialleistungen gezahlt. Dadurch kommt weniger Geld bei Unternehmen beziehungsweise den Bürger*innen an.
- Unternehmen kaufen mehr Güter im Ausland ein, als sie dorthin liefern. Durch diesen Importüberschuss fließt unter dem Strich mehr Geld ins Ausland, als wieder hineinkommt. Dieses Kapital fehlt dann im Inland.
- Auch Zentralbanken können die Geldmenge beeinflussen. Sie können den Leitzins erhöhen, um eine zu hohe Inflation zu stoppen. Dadurch werden Kredite teurer, Unternehmen und Verbraucher*innen leihen sich umso weniger Geld.
Aufgeschobener Konsum lässt Preise zusätzlich sinken
Wenn die Preise nun – aus einem der beiden genannten Gründe – dauerhaft sinken, können Verbraucher*innen auf die Idee kommen, geplante Käufe zu verschieben. Sie spekulieren darauf, dass sie die gewünschte Ware kurz darauf noch günstiger bekommen. Das Resultat: Die Nachfrage sinkt weiter und kann schlimmstenfalls die sogenannte Deflationsspirale auslösen.

Gewinn oder Verlust: Welche Folgen hat eine Deflation?
Verbraucher*innen können sich in einer Deflation zunächst freuen: Die Waren werden immer billiger. Neben dem Fernseher ist auf diese Weise plötzlich vielleicht noch eine Soundanlage drin. Auch für Sparer*innen zahlt sich eine Deflation erst einmal aus: Wer ordentlich Guthaben angesammelt hat, der kann sich davon umso mehr leisten.
Auf lange Sicht bringt eine Deflation aber fast nur Verluste. Denn wenn Verbraucher*innen sinkende Preise erwarten und ihre Käufe in die Zukunft verschieben, hat das Konsequenzen für die Wirtschaft:
- Zuerst trifft es die Unternehmen. Wegen der sinkenden Nachfrage machen sie weniger Gewinn. Die Folge: Unternehmen drosseln ihre Produktion und investieren weniger. Und wahrscheinlich müssen sie auch Angestellte entlassen, und die Arbeitslosigkeit steigt.
- Als Nächstes trifft es den Staat. Weniger Unternehmensgewinne und mehr Arbeitslose heißt für ihn: weniger Steuern. Und damit weniger Möglichkeiten, selbst zu investieren und die fehlende private Nachfrage auszugleichen.
Nun kann ein unglückseliger Kreislauf in Gang kommen, eine sogenannte Deflationsspirale (siehe Grafik oben): Die Verbraucher*innen haben immer weniger in der Tasche haben, und die Nachfrage sinkt noch weiter. Die Unternehmen reagieren wiederum mit weiter sinkenden Preisen und müssen noch mehr einsparen. Mehr Einsparungen bedeuten mehr Entlassungen und so weiter und so weiter ...
Die Folgen einer Deflation sind also eine geringere Wirtschaftsleistung, weniger Jobs und weniger Steuern für den Staat: Am Ende leiden auch diejenigen, die sich anfangs noch über sinkende Preise freuten.
Wie kann man eine Deflation bekämpfen?
Nur schwer, denn der Staat hat ja immer weniger finanziellen Spielraum. Deshalb ist zum einen wichtig, dass er möglichst früh handelt. Zum anderen muss die Zentralbank helfen.
- Die Zentralbank kann die Leitzinsen senken, am besten bis auf null. Damit werden Kredite billiger, und den Verbraucher*innen und Unternehmen steht wieder mehr Geld zur Verfügung. So könnte die Nachfrage wieder in Schwung kommen. Zusätzlich kann die Zentralbank Wertpapiere kaufen, damit wieder mehr Geld im Umlauf ist.
- Der Staat kann die Steuern senken. Auch dadurch haben die Verbraucher*innen mehr Geld in der Tasche und kaufen hoffentlich wieder mehr ein. Außerdem kann der Staat stärker investieren, etwa in Straßen, Schulen und Energienetze. Das Geld, das er ausgibt, verhindert im Idealfall Entlassungen und kurbelt die Konjunktur an.
Der Notgroschen für Neukauf und Reparatur
Ein neues Fahrrad oder die Reparatur gehen ganz schön ins Geld? Gut, wenn du dann etwas zurückgelegt hast. Zum Beispiel per TagesGeld bei der Hanseatic Bank. Denn dort ist es täglich verfügbar und bringt trotzdem attraktive Zinsen.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten
Was ist eine Deflation einfach erklärt?
Deflation bedeutet, dass das allgemeine Preisniveau sinkt. Im Durchschnitt werden viele Waren und Dienstleistungen günstiger. Entscheidend ist nicht ein einzelner Preis, sondern der gesamte Warenkorb, den Haushalte typischerweise kaufen.
Warum ist Deflation schlecht für die Wirtschaft?
Sinkende Preise führen oft dazu, dass Menschen Käufe aufschieben. Dadurch sinkt die Nachfrage, Unternehmen verdienen weniger und investieren weniger. Das kann Arbeitslosigkeit erhöhen und eine wirtschaftliche Abwärtsspirale auslösen.
Was ist der Unterschied zwischen Inflation und Deflation?
Bei Inflation steigen die Preise im Durchschnitt, bei Deflation fallen sie. Während Inflation die Kaufkraft der Verbraucher*innen verringert, kann Deflation kurzfristig die Kaufkraft erhöhen. Langfristig kann eine Deflation die Wirtschaft jedoch stark belasten und ist schwerer zu bekämpfen als eine Inflation.


