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Lotto, Wetten & Co.: Welche Gewinne muss ich versteuern?

von Thorsten Schierhorn, 16.05.2024

Da kaufst du Woche für Woche einen Lottoschein und machst unbeirrt deine Kreuzchen, obwohl du insgeheim ahnst: Der Tipp liegt ja doch wieder daneben. Aber als du Samstag die Bekanntgabe der Zahlen verfolgst, durchfährt dich ein Schauer: Alle sechs Kreuzchen sind richtig – und die Zusatzzahl stimmt auch! Großer Jubel, große Pläne. Aber Moment … darfst du das Geld komplett behalten? Oder kriegt der Staat noch etwas davon ab? Die KlarMacher sagen dir, mit welchen Steuern du bei Lottogewinnen und anderen Einnahmen aus Glückspielen rechnen musst.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

  • Gewinne aus Glücksspielen in Deutschland musst du grundsätzlich nicht versteuern. 
  • Preisgelder, für die eine eigene Leistung nötig war, müssen aber versteuert werden. 
  • Vorsicht ist geboten, wenn Glücksspiele beruflich gespielt werden.  
  • Wird das Geld angelegt (z. B. in Aktien), müssen die Gewinne aus der Anlage (z. B. die Dividende) versteuert werden. 

Diese Gewinne sind in Deutschland steuerfrei

Wer bei einem Gewinnspiel Glück gehabt hat, hat es beim deutschen Staat gleich nochmal. Denn solche Gewinne sind steuerfrei. Ob ein Fünfer beim Rubbellos oder fünf Millionen beim Lotto: Du darfst das ganze Geld behalten, ohne dass du etwas davon als Steuern abgeben musst. 

Dabei fordert der Staat eigentlich so gut wie immer seinen Anteil, wenn irgendwo Geld von einer Kasse in die andere wandert. Im Einkommensteuergesetz stehen gleich sieben Einkunftsarten, für die Steuern fällig werden, zum Beispiel selbstständige Arbeit, Einkünfte aus Vermietung oder aus Verkäufen.

Doch bei Einnahmen aus Glücksspielen ist das anders. Denn: Der Staat weiß nicht, zu welcher Einkunftsart er sie zählen soll. Demnach musst du keine Gewinne versteuern aus ...

  • Lotto 6aus49, EuroJackpot, Aktion Mensch, Glücksspirale (Sofortrente) und anderen Lotterien.
  • Sportwetten wie Toto, Rennwetten, Onlinewetten und ähnlichen.
  • Geldspielautomaten und Casinos (es sei denn, du bist Profispieler*in, mehr dazu im nächsten Kapitel). 
Frau sitzt am Spieltisch und ballt freudig die Faust
© istock/Nikola Stojadinovic/2021  Wer am Spielautomaten gewinnt, darf sich doppelt freuen – denn der Staat will nichts vom Geld abhaben.

Diese Gewinne sind in Deutschland nicht steuerfrei

Nicht immer ist es nur Glück allein, das für einen (Geld-)Segen sorgt. Manchmal muss man Fortuna etwas nachhelfen. Doch genau an diesem Punkt entscheidet sich die Frage „Steuer, ja oder nein?“. Genauer: Hast du eine eigene Leistung erbracht, die für den Gewinn entscheidend war? Hat er etwas zu tun mit deinem Können, deinem Wissen oder deinem Geschick? 

Beim Lotto ist die Sache klar: Das Setzen der Kreuzchen ist keine besondere Leistung. Entscheidend ist, dass die Kreuze an der richtigen Stelle sind – das aber ist eben Glückssache. 

Anders dagegen sieht es zum Beispiel bei einem Filmpreis oder einem Literaturpreis aus. Zwar kannst du nicht beeinflussen, wen die Jury auswählt. Trotzdem musst du das Preisgeld versteuern – denn es steht in Zusammenhang mit deiner eigenen Leistung. 

Jackpot! Was passiert nach dem Lotto-Gewinn? | Focus TV Reportage

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In anderen Fällen ist die Lage nicht so eindeutig. So dachte ein Poker-Profi, er müsse seine Gewinne nicht versteuern. Falsch gedacht. Während Hobby-Spieler*innen steuerfrei ausgehen, galt das Pokern bei ihm als „selbstständige Tätigkeit“. Schließlich verdiente er mit Poker seinen Lebensunterhalt. Ergebnis: Das Finanzamt forderte Steuern nach. Und das zu Recht, wie ein Gericht entschied.

Eine eigene Leistung liegt auch vor, wenn du bei TV-Shows wie „Big Brother“ oder „Deutschland sucht den Superstar“ ein Preisgeld kassierst. Denn dafür musst du wochenlang eingesperrt durchhalten oder singen. 

Und Quizshows? Hier ist die Sache schon wieder kniffliger. Zwar musst du bei „Wer wird Millionär“ und Co. eigenes Wissen mitbringen, um Geld zu gewinnen. Aber ob die „richtigen“ Fragen kommen, die du auch beantworten kannst – Glückssache. Deswegen musst du solche Gewinne bislang in der Regel nicht versteuern. 

Pokerspieler vor Jetons an einem Spieltisch
© istock/Sergey Nazarov/2018  Für Profispieler*innen gilt die Steuerfreiheit bei Glücksspielen nicht unbedingt.

Vorsicht Falle: Hierauf musst du achten

Gewinne aus dem Lotto musst du in Deutschland nicht versteuern – das bedeutet allerdings auch, dass du aufpassen musst, ob die Lottogesellschaft ihren Sitz in Deutschland hat. Bei Gesellschaften mit Sitz im Ausland gelten nämlich die Steuergesetze des jeweiligen Landes. Oft ist das Lottospielen dann sowieso nur den Menschen erlaubt, die in dem entsprechenden Land wohnen.  

Die Lotterie EuroMillions zum Beispiel sitzt in einigen europäischen Ländern wie Österreich und Belgien, aber nicht in Deutschland. Das bedeutet, du kannst aus Deutschland gar nicht legal bei EuroMillions mitspielen. Manchmal gibt es sogenannte Zweitlotterien, die einen privaten Anbieter dazwischenschalten, der deine Wette platziert. Das ist aber in Deutschland illegal – deswegen werden sie auch schwarze Lotterien genannt. Und ob diese illegalen Schuppen dein Geld bei Gewinn rausrücken, ist auch eher Glückssache als sicher. 

Generell gilt: Anbieter von Glücksspielen brauchen eine staatliche Lizenz, um in Deutschland überhaupt Angebote machen zu dürfen. Wer keine solche Lizenz hat, macht sich strafbar. Auch die Teilnahme an diesen nicht-lizenzierten Angeboten kann strafbar sein. Die Rechtslage für Teilnehmende an illegalen Online-Casinos ist aktuell nicht ganz klar, da für eine Verurteilung ein Vorsatz nachgewiesen werden muss – also, dass die teilnehmende Person wusste, dass es sich um illegales Glücksspiel handelt, und trotzdem mitgespielt hat. 

Du willst sichergehen, dass deine Lotterie in Deutschland zugelassen ist? Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, ist zuständig für die Aufsicht und Kontrolle des Glücksspiels in Deutschland. Sie stellt auf ihrer Seite eine Whitelist der erlaubten Anbieter zur Verfügung, die regelmäßig aktualisiert wird. 

Sportwetten und die Wettsteuer

Bei Sportwetten gilt grundsätzlich das Gleiche wie beim Pokern: Deine Gewinne musst du nicht versteuern. Kritisch wird es erst, wenn du so häufig spielst und gewinnst, dass du deinen Lebensunterhalt daraus finanzierst.  

Dennoch kommen Steuern beim Thema Sportwetten ins Spiel: Seit 2012 gibt es in Deutschland nämlich die Wettsteuer. Sie lag anfangs bei 5 Prozent und wurde im Juli 2021 auf 5,3 Prozent erhöht. So viel müssen die Wettanbieter von ihren Umsätzen an das deutsche Finanzamt zahlen. Dabei bleibt es dem Anbieter überlassen, ob er diese 5,3 Prozent an die Wettenden weitergibt, etwa indem immer 5,3 Prozent weniger Gewinn ausgezahlt werden, oder ob er die Gewinne steuerfrei hält und die 5,3 Prozent von seinem Umsatz abführt.  

Steuerfreier Gewinn – und jetzt?

Und was machst du jetzt mit dem unerwarteten Geldsegen? Vielleicht erstmal eine schöne Urlaubsreise? So weit, so gut, aber gleich alles auszugeben, ist keine gute Idee. Überlege dir deswegen am besten frühzeitig, welchen langfristigen Nutzen dir dein Gewinn bringen soll. 

  • Du hast laufende Kredite, zum Beispiel aus einem Immobilienkauf? Dann prüfe am besten, ob eine Sondertilgung möglich ist. So hast du deinen Kredit schneller abbezahlt und sparst damit langfristig bares Geld, weil du weniger Zinsen zahlen musst. 
  • Falls du noch keinen Notgroschen für spontane Engpässe beiseitegelegt hast, ist nun der Moment gekommen. Ein solches Sicherheitspolster kannst du zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto parken – seit der Zinswende bekommst du dort sogar wieder Zinsen auf dein Erspartes. 
  • Wenn du besonders langfristig denkst, ist es eine Überlegung wert, Teile deines Gewinns anzulegen, zum Beispiel in Aktien oder Fonds wie ETFs.  
  • Die Börse ist dir zu unsicher? Dann kannst du deine Gewinne auch in einen Sparbrief stecken, bei dem von Anfang an klar ist, wann du welche Zinsen ausgezahlt bekommst.  

Wichtig: Alles, was du mit deinem Lottogewinn verdienst, ist im Gegensatz zum Gewinn selbst nicht steuerfrei. Wenn du also dein gewonnenes Geld anlegst und daraus Zinsen oder Dividenden erhältst, dann zählen diese Einkünfte zu den Kapitalerträgen. Darauf wird in Deutschland die sogenannte Abgeltungssteuer von 25 Prozent fällig. Aber auch für die Abgeltungssteuer gibt es einen Steuervorteil, den sogenannten Sparerpauschbetrag. Der liegt aktuell bei 1.000 Euro pro Jahr für Alleinstehende und 2.000 für gemeinsam veranlagte Paare. Alles, was du dafür tun musst: Stelle einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank.  

Du willst einen Teil deines Gewinns an Freund oder Verwandte verschenken? Dann Vorsicht! Ab einer bestimmten Summe wird Schenkungssteuer fällig. Die müssen die Beschenkten vom Geldsegen an den Staat abgeben. Allerdings gibt es sehr hohe Freibeträge. Alles, was unter den Freibeträgen liegt, ist steuerfrei. Bei Schenkungen an die eigenen Kinder zum Beispiel liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro.  

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