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Altersvorsorgedepot statt Riester-Rente: So funktioniert’s

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn , 02.10.2026

Wer von der gesetzlichen Rentenversicherung nicht viel bekommen wird, sollte zusätzlich privat vorsorgen – aber wie? Lange war die Riester-Rente eine Möglichkeit, die sogar vom Staat gefördert wurde. Nun hat sich die Bundesregierung ein neues Modell überlegt: Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ersetzen. Aber wie funktioniert dieses Depot? Wer kann es nutzen? Und was passiert mit alten Riester-Verträgen? Die KlarMacher erklären es. 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt: Altersvorsorgedepot

  • Ab dem 1. Januar 2027 will der Staat ein Altersvorsorgedepot fördern, das die Riester-Rente ersetzen soll.  
  • Wer jährlich 1.800 Euro einzahlt, kann 540 Euro Grundzulage erhalten.
  • Zusätzlich gibt es Kinderzulagen und einen Berufseinsteigerbonus.
  • Die Auswahl der Wertpapiere für dieses Depot ist eingeschränkt, um das Risiko zu minimieren.
  • In der Ansparphase fallen keine Steuern an; du kannst die Beiträge sogar von der Steuer absetzen.
  • Steuern werden dafür in der Auszahlungsphase fällig.
  • Alte Riester-Verträge können in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen werden. 

Das ist das neue Altersvorsorgedepot

Ab dem 1. Januar 2027 soll es das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot geben. Was das bedeutet? Fangen wir hinten beim Wort an: Ein Depot ist ein Spezialkonto für Wertpapiere, zum Beispiel ETFs oder Anleihen. Das Wort „Altersvorsorgedepot“ zeigt, dass dieses Depot speziell für den Zweck gedacht ist, darauf etwas fürs Alter anzusparen. Und „staatlich gefördert“ ist dieses Depot, weil der Staat den Sparer*innen jedes Jahr Geld zuschießt.

Der Gedanke hinter diesem neuen Angebot der privaten Altersvorsorge: Die Menschen sollen stärker in Wertpapiere investieren, bei denen mehr Rendite möglich ist. Umso mehr Geld hätten sie im Alter zusätzlich zur Rente.

Außerdem ersetzt das Altersvorsorgedepot eine bisherige staatlich geförderte private Altersvorsorge: die Riester-Rente. Ab dem 1. Januar 2027 können deswegen keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden.

Wichtig: Noch sind nicht alle Details zum Altersvorsorgedepot bekannt, vor allem in Sachen Steuern bei der Auszahlungsphase (siehe unten).

Ein Mann und eine Frau werfen eine Münze in ein Sparschwein
© istock/LordHenriVoton/2025  Im Unterschied zum Sparschwein soll das Altersvorsorgedepot dank Zuschüssen und Rendite das angesparte Geld vermehren.

So funktioniert die Förderung

Der Plan der Bundesregierung sieht folgende Zuschüsse vor:

  • Die Grundzulage: Bis 360 Euro pro Jahr gibt es für jeden eingezahlten Euro 50 Cent vom Staat, danach bis 1.800 Euro noch 25 Cent je Euro. Maximal können Sparer*innen so jährlich 540 Euro vom Staat obendrauf bekommen (360 × 0,5 + 1.440 × 0,25).  
  • Die Kinderzulage: Ein Elternteil bekommt für die ersten 300 Euro je einen Euro Kinderzulage pro Kind.
  • Der Berufseinsteigerbonus: Wer sich vor dem 25. Geburtstag für ein Altersvorsorgedepot entscheidet, bekommt einmalig 200 Euro.

Darüber hinaus fallen laut Plan der Bundesregierung in der Ansparphase keine Steuern auf das Altersvorsorgedepot an, sondern erst in der Auszahlungsphase (siehe unten). Außerdem können Sparer*innen ihre Beiträge bis 1.800 Euro sowie ihre Zulagen von der Steuer absetzen, als Sonderausgaben. Dadurch verringert sich das zu versteuernde Einkommen und damit wird weniger Einkommenssteuer fällig.

Übrigens: Du kannst auch mehr als 1.800 Euro pro Jahr in das Altersvorsorgedepot einzahlen, aber dann gibt der Staat trotzdem nicht mehr als die 540 Euro dazu. Und unbegrenzt viel Geld kannst du nicht einzahlen – höchstens 6.840 Euro pro Jahr sind vorgesehen. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro im Jahr.

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Wer kann ein Altersvorsorgedepot haben?

Das Altersvorsorgedepot ist ein Angebot für sehr viele Gruppen. Gefördert werden zum Beispiel:

Nicht „unmittelbar förderberechtigt“ sind hingegen:

  • Minijobber*innen, die eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht beantragt haben
  • Menschen, die ihre Regelaltersgrenze erreicht haben und eine Vollrente beziehen

Wenn du freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung bist, kann es vorkommen, dass keins der Kriterien für die staatliche Förderung bei dir zutrifft. Lass dich in diesem Fall am besten beraten, was möglich ist und was nicht.

Was sind ETFs?

Eine bestimmte Art von Wertpapier wird für das Altersvorsorgedepot besonders beliebt sein: ETFs. Diese englische Abkürzung steht für „Exchange Traded Funds“, also börsengehandelte Fonds. Das bedeutet: Wenn du in diesen Fonds einzahlst und damit Anteile daran erwirbst, dann entwickelt sich der Wert dieser Anteile nach dem Index, den der ETF nachbildet, denn: Er kauft die Aktien genau derjenigen Unternehmen, die in dem Index zusammengefasst sind. Das kann zum Beispiel der Deutsche Aktienindex (DAX) sein – in dem Fall würde ein ETF Aktien der 40 DAX-Unternehmen kaufen. Durch diese Auswahl gelten ETFs als vergleichsweise sichere Anlage, weil die Wertentwicklung nicht nur nach einem Unternehmen geht. Trotzdem sind Verluste möglich. Mehr erfährst du im Ratgeber „ETFs für Anfänger: So kannst du investieren und sparen“. 

Welche Wertpapiere sind beim Altersvorsorgedepot möglich?

Im Gegensatz zu einem „normalen“ Depot ist die Auswahl an Wertpapieren im Altersvorsorgedepot eingeschränkt. Aktien von einzelnen Unternehmen sind zum Beispiel nicht erlaubt, und Kryptowährungen mit ihren starken Wertschwankungen erst recht nicht. Die Ersparnisse sollen zwar eine möglichst hohe Rendite erzielen, aber da es um die Altersvorsorge geht, will der Staat nicht zu viel Risiko erlauben. Denn Wertpapiere unterliegen den Schwankungen am Markt – Verluste sind also möglich.

Wer ein Altersvorsorgedepot haben will, kann in dem vorgegebenen Rahmen selbst eine Auswahl treffen, in welche Wertpapiere er*sie investieren will. Es gibt aber eine Möglichkeit, die Anfänger*innen die Sache noch einfacher machen soll: das Standarddepot. Hier wählen die Anbieter die Wertpapiere nach strengen gesetzlichen Sicherheitsvorgaben aus. In den Jahren vor der Auszahlung, also vor dem Renteneintritt, wird das Geld im Standarddepot dann automatisch in besonders risikoarme Wertpapiere umgeschichtet, was das Ersparte zusätzlich schützen soll.

Wem auch das Standarddepot zu risikoreich ist, kann auf ein ebenfalls geplantes Garantieprodukt zurückgreifen. Hier müssen die Anbieter zwischen 80 und 100 Prozent des eingezahlten Kapitals garantieren. Das bedeutet aber auch, dass die privaten Anbieter weniger Möglichkeiten haben, hohe Renditen zu erzielen.

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Die Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot

Was passiert nun im Ruhestand, wenn das Geld aus dem Altersvorsorgedepot die gesetzliche Rente aufbessern soll? Zunächst soll es die Möglichkeit geben, bis zu 30 Prozent aus dem Depot auf einmal zu entnehmen. Wichtig: Diese Einmalzahlung soll zu deinem persönlichen Steuersatz versteuert werden. Wenn du in dem Jahr noch arbeitest, ist dein Steuersatz vermutlich höher, als er später im Ruhestand sein wird (weil der Lohn bei vielen Menschen höher ist als die Rente). Deswegen sollte die Einmalzahlung – und ihr Zeitpunkt – gut überlegt sein.

Ansonsten kannst du bei der Auszahlung wählen, ob du die private Rente bis mindestens zum 85. Geburtstag oder lebenslang bekommen willst. Bei der Auszahlung bis zum 85. Geburtstag wird die Höhe deiner Rente regelmäßig angepasst – je nachdem, wie sich der Wert deines restlichen Geldes entwickelt, das noch im Depot liegt. Bei der lebenslangen Rente berechnet der Anbieter eine monatliche Rente, die dann verbindlich bis zum Lebensende ausgezahlt wird.  

Wichtig: Die Reform sieht vor, dass die Anbieter eigene Modelle für die Auszahlung haben können. Und auch die Besteuerung der monatlichen Zahlungen ist noch nicht endgültig geklärt. Bei der lebenslangen Rente wirst du vermutlich nur die Erträge versteuern müssen, die du aus nicht geförderten Einzahlungen erwirtschaftet hast (also falls du mehr als 1.800 Euro pro Jahr eingezahlt hast), und auch die nur zum Teil. Bei der Rente bis 85 gibt es noch keine Details. (Stand: September 2026)

Altersvorsorgedepot vererben?

Grundsätzlich ist geplant, dass das Vermögen aus einem Altersvorsorgedepot vererbbar ist. Der Plan der Bundesregierung sieht allerdings vor, dass die staatliche Förderung dann zurückgezahlt werden muss. Ohne Abzüge soll die Vererbung möglich sein, wenn das Altersvorsorgedepot auf den*die Ehepartner*in übertragen wird. 

Was passiert mit alten Riester-Verträgen?

Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, laufen grundsätzlich weiter, weil für diese Altverträge ein Bestandschutz gilt. Wenn du einen Riester-Vertrag hast, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Du zahlst weiter wie gehabt in deinen Riester-Vertrag ein oder lässt ihn ruhen. Ein Altersvorsorgedepot kannst du in beiden Fällen zusätzlich abschließen.
  • Du lässt deinen Riester-Vertrag in ein neues Altersvorsorgedepot umwandeln. Dabei können Gebühren anfallen.

Ob es sich für dich eher lohnt, deinen Riester-Vertrag zu behalten oder in ein Altersvorsorgedepot zu übertragen oder sogar beides parallel zu besparen, hängt von deiner finanziellen und familiären Situation ab. Mehrere Anbieter haben Onlinerechner, die eine erste Orientierung bieten. Lass dich ansonsten beraten, welche Variante für dich die beste ist.

Übrigens: Mit der Riester-Rente oft in einem Atemzug genannt wird die Rürup-Rente. Die ist von dieser Reform aber gar nicht betroffen. Das bedeutet, du kannst eine Rürup-Rente nicht in ein Altersvorsorgedepot übertragen. Dafür wird es auch nach dem 1. Januar 2027 weiterhin möglich sein, einen Rürup-Vertrag neu abzuschließen. 

Drei Menschen diskutieren über ein Blatt in einem Aktienordner
© istock/BalanceFormcreative/2018  Das Altersvorsorgedepot soll mehr Menschen motivieren, in Wertpapiere zu investieren.

Wann und wie kann man ein Altersvorsorgedepot eröffnen?

Ein Altersvorsorgedepot sollen Sparer*innen ab dem 1. Januar 2027 abschließen können. Erste private Anbieter haben auch schon Depots angekündigt. Neben den privaten Anbietern soll es ein staatlich organisiertes Standarddepot geben, aber dazu sind noch keine Details bekannt. (Stand: September 2026)

Ein wichtiger Punkt: Die sogenannten Effektivkosten des Standarddepots dürfen laut Gesetz höchstens ein Prozent pro Jahr betragen. Das klingt vielleicht nach wenig, aber das ist mehr als bei einem regulären ETF-Sparplan. Achte also vor Vertragsabschluss ganz genau auf den Kostenfaktor.

Wichtig: Wie bei einem Riester-Vertrag ist das Altersvorsorgedepot streng zweckgebunden. Das bedeutet: Solltest du dir das Geld aus deinem Altersvorsorgedepot vorzeitig auszahlen lassen, also vor dem Ruhestand, dann müsstest du nach dem aktuellen Plan der Bundesregierung alle Zulagen und wahrscheinlich sogar die Steuerersparnisse aus der Ansparphase zurückzahlen. 

Altersvorsorgedepot: Was passiert bei Pfändung oder Grundsicherungsbezug?

Das Altersvorsorgedepot genießt besonderen Schutz.

Wichtig: Der Schutz gilt nicht automatisch für jedes Geld, das du in einem Altersvorsorgeprodukt anlegst. Entscheidend ist, ob es sich um gesetzlich gefördertes Altersvorsorgevermögen handelt, wie zum Beispiel die Riester-Rente. 

Vor- und Nachteile des Altersvorsorgedepots

Lohnt sich nun dieses neue Altersvorsorgedepot? Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort. Es kommt drauf an, wie viel dir die Vor- und Nachteile des Produkts wert sind. Das Altersvorsorgedepot ist wegen der Auswahlmöglichkeit zwischen den Wertpapieren flexibler als die Riester-Rente und bietet vergleichsweise attraktive Zuschüsse und Steuerersparnisse, zumindest in der Ansparphase.

Allerdings bist du in der Auswahl der Wertpapiere deutlich eingeschränkter als bei einem regulären Depot, über das du außerdem jederzeit frei verfügen kannst, nicht erst im Ruhestand. Aber natürlich hindert dich nichts daran, sowohl ein Altersvorsorgedepot mit Steuervorteilen als auch ein reguläres Depot mit deiner eigenen Auswahl an Wertpapieren zu haben.

Immerhin: Du musst deine Entscheidung für oder gegen das Altersvorsorgedepot nicht sofort am 1. Januar treffen. Die staatliche Förderung gilt nämlich für das ganze Jahr. Das bedeutet: Wenn du erst im Dezember 2027 deine 1.800 Euro einzahlst, bekommst du immer noch die 540 Euro Zuschuss und kannst das Geld von der Steuer absetzen. 

FAQ: Häufige Fragen und Antworten

Was ist das neue Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich gefördertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Es soll ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ersetzen. Sparer*innen investieren innerhalb gesetzlicher Vorgaben, erhalten Zulagen und können Beiträge steuerlich geltend machen. Das Guthaben ist grundsätzlich bis zum Ruhestand zweckgebunden, kann also nur mit finanziellen Nachteilen vorzeitig entnommen werden. 

Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Beim Altersvorsorgedepot sind jährlich bis zu 540 Euro Grundzulage vorgesehen: 50 Cent je eingezahltem Euro für die ersten 360 Euro und 25 Cent bis 1.800 Euro. Zusätzlich gibt es bis zu 300 Euro Kinderzulage je Kind sowie einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus vor dem 25. Geburtstag. 

Wer ist für ein Altersvorsorgedepot förderberechtigt?

Förderberechtigt sind unter anderem Arbeitnehmer*innen, Auszubildende, Beamt*innen, Selbstständige, Freiberufler*innen, Bufdis, Empfänger*innen von Lohnersatzleistungen und rentenversicherungspflichtige Minijobber*innen. Nicht gefördert werden in der Regel von der Rentenversicherung befreite Minijobber*innen sowie Vollrentner*innen. 

Welche Wertpapiere kann man im Altersvorsorgedepot besparen?

Anleger*innen können innerhalb des vorgegebenen Rahmens selbst auswählen oder ein Standarddepot nutzen. Dieses soll Wertpapiere nach Sicherheitsvorgaben wählen und das Risiko vor Rentenbeginn automatisch durch Umschichtungen senken.

Wie wird das Altersvorsorgedepot versteuert?

In der Ansparphase werden Erträge im Altersvorsorgedepot laut Konzept nicht besteuert; die Steuer fällt erst bei der Auszahlung im Ruhestand an, wobei noch nicht alle Details für die Besteuerung bekannt sind.

Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen?

Riester-Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, bleiben durch Bestandsschutz erhalten. Sie können weiter bespart oder ruhend gestellt werden. Alternativ ist eine Übertragung in ein Altersvorsorgedepot möglich, wobei Gebühren entstehen können.  

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