Frau vorm Schaufenster prüft, wie viel noch im Portemonnaie ist
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Privatinsolvenz: Wie hoch ist der Selbstbehalt?

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 20.11.2020

Eine Privatinsolvenz bedeutet für Sie als Betroffenen eine harte Zeit: Um am Ende tatsächlich schuldenfrei dazustehen, müssen Sie sich über Jahre stark einschränken. Einen Teil Ihres Einkommens treten Sie in dieser Zeit an den Insolvenzverwalter ab. Was Ihnen noch übrig bleibt, ist der sogenannte Selbstbehalt. Wie viel Sie im konkreten Fall behalten dürfen, erklären wir hier.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Der Selbstbehalt soll insolventen Personen das Existenzminimum sichern.
  • Wer höhere Einkünfte hat, muss einen Teil an seine Gläubiger abgeben.
  • Wie viel man behalten darf, zeigt die Pfändungstabelle.

Was ist der Selbstbehalt?

Eine Privatinsolvenz ist ein harter Schritt. Aber einer, der sich für den Betroffenen lohnen kann. Denn wenn alles glatt läuft, steht am Ende die Restschuldbefreiung. Das bedeutet, dass man nach spätestens sechs Jahren wieder schuldenfrei ist.

Dafür erwartet der Gesetzgeber aber eine Gegenleistung: Der Betroffene muss seinen guten Willen nachweisen und selbst möglichst viel zur Tilgung seiner Schulden beitragen. Das heißt im Klartext: Während der Privatinsolvenz muss sich der Schuldner mit dem begnügen, was er zum Leben braucht. Das ist der sogenannte Selbstbehalt. Wenn er mehr Nettoeinkommen zur Verfügung hat, fließt der Überschuss an die Gläubiger. Allerdings nicht der komplette Überschuss, wie wir später sehen werden.

Der Selbstbehalt sichert einem Schuldner in der Phase seiner Privatinsolvenz also wenigstens das Existenzminimum. Und nicht unbedingt nur das eigene: Wer Unterhaltszahlungen leisten muss, kann das nötige Geld dafür ebenso einbehalten.

Junge Frau berechnet mit Taschenrechner und Laptop ihren Selbstbehalt
© istock/Geber86/2019  Der Selbstbehalt bei Privatinsolvenz lässt sich mit Hilfe der Pfändungstabelle berechnen.

Wie hoch ist der Selbstbehalt?

Wie viel von Ihrem Einkommen als Selbstbehalt in Ihrer Kasse verbleibt, steht in der Pfändungstabelle. Alle zwei Jahre wird sie an die gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst. Die Beträge wurden zuletzt zum 1. Juli 2019 angehoben, die nächste Anpassung erfolgt zum 1. Juli 2021.

 Die jeweils aktuelle Pfändungstabelle finden Sie im Internet auf der Seite des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz. Schneller und unkomplizierter lässt sich der Selbstbehalt auch mit einem Pfändungsrechner bestimmen.

Der Anteil am Einkommen, der Ihnen als Schuldner verbleibt, setzt sich aus drei Elementen zusammen:

  • Grundfreibetrag
  • Unterhaltsverpflichtungen
  • Vollstreckungsbeschränkungen für den Fall, dass der Betroffene mehr verdient.

Grundfreibetrag

Der Grundfreibetrag, auch Pfändungsfreibetrag genannt, beläuft sich gemäß der derzeit gültigen Pfändungstabelle auf 1.178,59 Euro (Stand: November 2020). So viel muss mindestens jedem Schuldner zum Leben bleiben.

Unterhaltsverpflichtungen

Der Selbstbehalt erhöht sich, sobald der Schuldner Unterhalt zahlen muss – für leibliche Kinder, Ehepartner ohne eigenes Einkommen oder auch geschiedene Ehepartner. Dabei gilt: Je höher die Zahl der Unterhaltsberechtigten, desto höher der Selbstbehalt. Aber nur dann, wenn dieser Unterhalt auch tatsächlich gezahlt wird! Entsprechend müssen solche Unterhaltszahlungen nachgewiesen werden.

In der Praxis bedeutet das: Erst ab einem bestimmten Nettoeinkommen pro Monat kommt es überhaupt zu Abzügen. Wie hoch das Einkommen bei wie vielen Unterhaltsberechtigten sein darf, verrät die Pfändungstabelle:

Unterhaltspflicht für … Person(en)Nettoeinkommen bleibt unangetastet bis ...
keine1.179,99 Euro
eine1.629,99 Euro
zwei1.869,99 Euro
drei2.119,99 Euro
vier2.369,99 Euro
fünf und mehr2.619,99 Euro
Kleines Mädchen umarmt seinen Vater
© istock/Geber86/2017  Bei einer Privatinsolvenz deckt der Selbstbehalt einen möglichen Kindesunterhalt ab.

Vollstreckungsbeschränkungen bei Mehrverdienst

Vielleicht ist es Ihnen aufgefallen: Obwohl der Grundfreibetrag bei 1.178,59 Euro liegt, darf ein Schuldner – selbst ohne Unterhaltspflicht – 1.179,99 Euro von seinem monatlichen Nettoeinkommen für sich behalten. Und selbst bei 100 Euro mehr Nettoeinkommen muss er laut Pfändungstabelle nicht etwa diese 100 Euro abgeben, sondern nur 99 Cent. Einen Teil von dem Betrag, der über der Freigrenze liegt, darf er also weiterhin behalten.

Der Gedanke dahinter: Ein Schuldner, der arbeitet und Geld verdient, soll für seine Arbeit auch belohnt werden. Er soll besser dastehen als jemand, der nicht arbeitet und staatliche Unterstützung erhält. Wie hoch dieser Zusatzbetrag ausfällt, ist wiederum abhängig von der Zahl der Unterhaltsberechtigten. Diese Vollstreckungsbeschränkungen bei Mehrverdienst sind in der Pfändungstabelle bereits berücksichtigt.

Aber irgendwann ist auch hier Schluss: Alles, was über 3.613,08 Euro monatlich hinausgeht, ist voll pfändbar. Das heißt, es kann an die Gläubiger fließen.

Was zählt zum Nettoeinkommen?

Für die Berechnung des Selbstbehaltes wird wie gesagt das Nettoeinkommen zugrunde gelegt. Das ist alles, was an Einkünften nach Sozialabgaben und Steuern übrig bleibt. Dazu gehören:

  • Lohn- und Gehaltszahlungen
  • Rentenzahlungen, auch aus Versicherungsverträgen oder für Hinterbliebene
  • Ruhegeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld
  • Geldwerte Vorteile, zum Beispiel Firmenwagen oder Gutscheine vom Arbeitgeber
  • Arbeitslosengeld I und II
  • Steuerrückerstattungen
  • einmalige und unerwartete Leistungen wie Erbschaften oder ein Lottogewinn

Mehrere Einkommen werden zusammengerechnet.

Was darf nicht gepfändet werden?

Es gibt aber auch einige Zahlungen, die nicht gepfändet werden dürfen. Das sind zum Beispiel:

  • vermögenswirksame Leistungen
  • tarifliche oder betriebliche Zusatzversorgungen
  • Urlaubsgeld
  • Weihnachtsgeld bis maximal 500 Euro
  • Mehrbezahlung für Überstunden zur Hälfte
  • Kindergeld
  • Erziehungsgelder, Studienbeihilfen und Ähnliches
  • Blindenzulagen

Diese Gelder darf ein Schuldner also auch in der Privatinsolvenz für sich behalten.

Tipp: Mit Pfändungsschutzkonto (P-Konto) handlungsfähig bleiben

Wenn Ihnen eine Kontopfändung droht, sollten Sie sich möglichst bald ein Pfändungsschutzkonto einrichten, kurz P-Konto genannt. Der Vorteil: Auf einem Pfändungsschutzkonto ist der Grundfreibetrag pauschal vor Pfändungen geschützt. Nur was darüber hinaus an Guthaben auf dem Konto ist, kann für Ihre Gläubiger verwendet werden.

Ohne diesen Schutz verlieren Sie im Falle der Kontopfändung komplett den Zugriff auf Ihr Konto. Das bedeutet: Sie können kein Geld abheben, keine Überweisung tätigen, Lastschriften werden nicht eingelöst. Sie könnten also nicht einmal Ihre Miete bezahlen! Wenn Ihnen wegen Unterhaltsverpflichtungen ein höherer Selbstbehalt zusteht, ist auch der auf einem P-Konto geschützt. Das geht allerdings nicht automatisch. Sie müssen bei der Bank einen entsprechenden Nachweis vorlegen.

Die Einrichtung eines Pfändungsschutzkontos ist einfach: Sie können Ihr schon vorhandenes Girokonto gebührenfrei in ein P-Konto umwandeln lassen oder bei Ihrer Bank ein neues P-Konto beantragen. Ein neues Konto ist vor allem dann empfehlenswert, wenn Ihr bisheriges Girokonto ein Gemeinschaftskonto ist. Denn ein P-Konto ist nur als Einzelkonto möglich.

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