Eine Frau rechnet ihre Schulden mit einem Taschenrechner aus
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Dauer der Privatinsolvenz: Wann bist du wieder schuldenfrei?

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 22.07.2026

Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit – viele Wege können Verbraucher*innen in die Schuldenfalle führen. Darin ist es nicht gerade gemütlich: Die Gläubiger*innen machen Druck, negative Schufa-Einträge nerven und vielleicht klopfen schon Gerichtsvollzieher*innen an. Die Rettung aus der finanziellen Not kann eine Privatinsolvenz sein. Das Verfahren dauert in der Regel drei Jahre. Wann es länger dauern kann und wo du professionelle Hilfe bekommst, zeigen die KlarMacher.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt: Privatinsolvenz Dauer

  • Für Insolvenzverfahren gilt seit dem 1. Oktober 2020: Nach drei Jahren werden dir im Idealfall alle restlichen Schulden erlassen.
  • Für Verfahren, die nach dem 17. Dezember 2019 und vor dem 1. Oktober 2020 eröffnet wurden, gelten Übergangsregelungen: Die Dauer beträgt zwischen vier und fünf Jahren plus ein paar Monate ‒ abhängig vom Antragszeitpunkt.
  • Für eine zweite Privatinsolvenz gilt: Wurde dir nach dem 1. Oktober 2020 bereits einmal die Restschuld erlassen, kannst du frühestens nach drei Jahren erneut Insolvenz beantragen. Diese dauert dann fünf Jahre.

Was ist eine Privatinsolvenz?

Irgendwann können Schulden so hoch sein, dass sie praktisch nicht mehr zu begleichen sind. Dann sind Betroffene zahlungsunfähig und damit überschuldet. Im Klartext bedeutet also Überschuldung: Du kannst auf unabsehbare Zeit deinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. In diesem Fall ist oft eine Privatinsolvenz (oder auch Verbraucherinsolvenz genannt) der letzte Ausweg.

Eine Privatinsolvenz ist ein Gerichtsverfahren, das Privatpersonen ermöglicht, ihre Schulden loszuwerden und wirtschaftlich neu zu beginnen. Eine Privatinsolvenz wird durch einen Privatinsolvenzantrag gestellt. In der Regel dauert eine Privatinsolvenz drei Jahre.

Die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland nimmt derzeit zu. Laut Statistischem Bundesamt gab es 77.219 Privatinsolvenzen im Jahr 2025 und damit 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Was sind die Voraussetzungen für eine Privatinsolvenz?

Wenn du merkst, dass du deine Schulden nicht mehr bezahlen kannst, kannst du nicht sofort einen Privatinsolvenzantrag stellen. Zuerst musst du versuchen, dich mit deinen Gläubiger*innen außergerichtlich zu einigen. Erst wenn keine Einigung zustande kommt, kannst du einen Privatinsolvenzantrag stellen. Dafür brauchst du eine offizielle Bescheinigung, zum Beispiel von einer anerkannten Schuldnerberatung oder spezialisierten Anwaltskanzlei. Die müssen deine gesamten Schulden ermitteln und im Antrag mitbegründen, warum die Einigung nicht geklappt hat.

Antragsberechtigt für eine Privatinsolvenz sind grundsätzlich Privatpersonen. Dazu zählen Festangestellte, Renter*innen und Empfänger*innen von Arbeitslosengeld oder Grundsicherungsgeld.

Wichtig zu wissen: Ehemals Selbstständige können nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Privatinsolvenz anmelden. Sie dürfen zum Beispiel bei der Antragstellung nicht mehr als 20 Gläubiger*innen haben. 

Eine Frau sitz auf einem Sofa und blickt besorgt
© istock/ VladimirVladimirov/2023  Eine Privatinsolvenz ist oft das letzte Mittel, sich von Schulden zu befreien.

Wie läuft ein Privatinsolvenzverfahren ab und wie lang dauert es?

Nachdem du den Privatinsolvenzantrag eingereicht hast, prüft das Insolvenzgericht deine Unterlagen. Zuerst wird eine gerichtliche Einigung mit den Gläuber*innen versucht. Bei Erfolg kommt es zu einer Art Vergleich. Bei Nicht-Erfolg wird das Insolvenzverfahren eröffnet und ein*e Treuhänder*in wird zur Verwaltung deines Vermögens eingesetzt. Die Eröffnung des Verfahrens wird auf der Website insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht.

In dem Privatinsolvenzverfahren prüft dein* Treuhänder*in deine Vermögensverhältnisse, verwertet pfändbares Vermögen und verteilt die erzielten Beträge an deine Gläubiger*innen. Im Anschluss an das Privatinsolvenzverfahren startet die Wohlverhaltensphase. Die Dauer der Privatinsolvenz, die sich aus Insolvenzverfahren und Wohlverhaltensphase zusammensetzt, beträgt in der Regel drei Jahre.

Zum Ende der Privatinsolvenz entscheidet das Gericht über deine Restschuldbefreiung. Also ob dir deine restlichen noch offenen Schulden erlassen werden. Die Restschuldbefreiung kann dir versagt bleiben, wenn du gegen die gesetzlichen Auflagen verstößt. Nach der Privatinsolvenz bleibt der Schufa-Eintrag noch sechs Monate bestehen. 

Verkürzte Speicherdauer von Schufa-Einträgen

Die Auskunftei Schufa speichert Einträge abgeschlossener Verbraucherinsolvenzen seit Ende März 2023 nur noch für sechs Monate. Zuvor war eine Dauer von drei Jahren üblich. Mit der Änderung wolle man mehr Klarheit und Sicherheit für die Konsument*innen schaffen, so eine Erklärung der Schufa.

Die Verkürzung hing auch mit einer gerichtlichen Entscheidung aus dem Dezember 2024 zusammen. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte: Die vormalige Speicherdauer der Schufa-Einträge war nicht mit dem Gesetz vereinbar, und die Speicherdauer darf nicht länger als sein als die der öffentlichen Insolvenzregister. 

Wie lange dauert es bis zur Restschuldbefreiung? 

Die Dauer bis zur Restschuldbefreiung hängt vom Antragsdatum ab:

  • Der Regelfall von drei Jahren gilt für alle Insolvenzverfahren, die nach dem 1. Oktober 2020 beantragt wurden. 

Für alle zwischen dem 17. Dezember 2019 und dem 30. September 2020 beantragten Verfahren gelten abgestufte Übergangsfristen für die Privatinsolvenz:  

  • Antrag ab 17. Dezember 2019: 5 Jahre und 7 Monate
  • Antrag ab 17. Januar 2020: 5 Jahre und 6 Monate
  • Antrag ab 17. Februar 2020: 5 Jahre und 5 Monate
  • Antrag ab 17. März 2020: 5 Jahre und 4 Monate
  • Antrag ab 17. April 2020: 5 Jahre und 3 Monate
  • Antrag ab 17. Mai 2020: 5 Jahre und 2 Monate
  • Antrag ab 17. Juni 2020: 5 Jahre und 1 Monat
  • Antrag ab 17. Juli 2020: 5 Jahre und 0 Monate
  • Antrag ab 17. August 2020: 4 Jahre und 11 Monate
  • Antrag ab 17. September bis 30. Oktober 2020: 4 Jahre und 10 Monate

Wurde das Verfahren vor dem 17. Dezember 2019 beantragt, gilt immer noch die frühere Frist von sechs Jahren bis zur Restschuldbefreiung. Die Dauer kann sich aber durch die Erfüllung bestimmter Bedingungen auf drei oder fünf Jahre verkürzen, etwa wenn du mindestens 35 Prozent deiner Schulden getilgt hast.

Was passiert, wenn dir kein Neustart nach deiner Privatinsolvenz gelingt? Eine zweite Privatinsolvenz dauert fünf Jahre, wenn dir in bei deiner ersten Privatinsolvenz bereits eine Restschuldbefreiung erteilt wurde.

Erklärvideo zur Verbraucherinsolvenz - ein Weg aus der Verschuldung

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© Diakonie Hessen 

Wann beginnt die Wohlverhaltensphase?

Nach dem Abschluss des Insolvenzverfahrens wird die sogenannte Wohlverhaltensphase gerichtlich eingeleitet – mit dem Ziel der Restschuldbefreiung. Ob dir am Ende wirklich die Restschulden erlassen werden, entscheidet sich vor allem in dieser Phase – daher ist die Wohlverhaltensphase wie eine Art Bewährungsprobe für dich. Hältst du dich an alle Pflichten, die gerichtlichen Auflagen und sind deine Schulden bis zum Ende der Wohlverhaltensphase nicht getilgt, kann dir die Restschuldbefreiung erteilt werden.

Verpflichtungen in der Wohlverhaltensphase

Während der Wohlverhaltensphase musst du bestimmte Pflichten erfüllen. Dazu gehört vor allem die sogenannte Erwerbsobliegenheit. Das bedeutet, dass du dich ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemühst oder einer angemessenen Beschäftigung nachgehst. Den pfändbaren Teil deines Einkommens führst du an die Insolvenzverwaltung ab, die das Geld an deine Gläubige*innen verteilt.

Außerdem solltest du in dieser Zeit möglichst keine neuen Schulden machen. Dazu gehören beispielsweise Einkäufe auf Raten oder die Nutzung von Krediten, wenn du die Zahlungen voraussichtlich nicht leisten kannst.

Verstößt du gegen deine Pflichten in der Wohlverhaltensphase, kann das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung versagen. In diesem Fall bleiben deine Schulden bestehen und deine Gläubiger*innen können ihre Forderungen wieder durch eine Zwangsvollstreckung durchsetzen. Eine erneute Privatinsolvenz kannst du grundsätzlich erst nach einer Sperrfrist beantragen. Wie lange diese dauert, hängt vom Grund für die Versagung der Restschuldbefreiung ab.

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Pfändung in der Wohlverhaltensphase

Damit du trotz Schulden noch genug Geld für Miete, Essen, Strom und alles weitere Lebenswichtige hast, steht dir ein Grundfreibetrag von 1.587,40 Euro pro Monat zu (Stand: Juli 2026). Je nachdem, ob eine Unterhaltspflicht besteht oder staatliche Sozialleistungen bezogen werden, kann der Freibetrag erhöht werden. Mehr dazu liest du im Ratgeber „Privatinsolvenz: Wie hoch ist der Selbstbehalt?”. 

Ablauf der Verbraucherinsolvenz in Kürze

  • Du musst zuerst mit anwaltlicher Hilfe oder der Unterstützung von einer Beratungsstelle versuchen, dich mit deinen Gläubiger*innen über den Schuldenabbau zu einigen.
  • Wenn keine Einigung gelingt, wird mit einem Antrag ein Insolvenzverfahren eröffnet.
  • Alles, was von deinem Besitz gepfändet werden darf, geht an die Gläubiger*innen.
  • Danach beginnt die Wohlverhaltensphase, in der du deinen Verpflichtungen (siehe oben) nachkommen sollst.
  • Ziel ist die Restschuldbefreiung am Ende der Privatinsolvenz – in der Regel nach drei Jahren.

Wo und wie findest du eine seriöse Schuldnerberatung?

Du bist kurz vor der Schuldenfalle oder steckst schon drin? Und eine Privatinsolvenz scheint der einzige Ausweg zu sein? Voraussetzung für den Insolvenzantrag ist, dass du vorher mit professioneller Hilfe versucht hast, dich mit den Gläubiger*innen außergerichtlich zu einigen – und es nicht geklappt hat. Dafür benötigst du eine offizielle Bestätigung. Deshalb solltest du dich frühzeitig an eine anerkannte Schuldner- oder Insolvenzberatung wenden. Denn die Wartezeiten sind lang – teilweise mehrere Wochen.

In der Regel sind die gemeinnützigen Beratungen kostenlos. Die Verbraucherzentrale hat eine ausführliche Checkliste erstellt, wie du seriöse Anbieter erkennst. Und auf der Website des Statistischen Bundesamtes findest du eine Übersicht der Beratungsstellen.

Auch Anwält*innen können bei einer Privatinsolvenz helfen. Der Vorteil: keine oder zumindest kürzere Wartezeit. Der Nachteil: Deren Beratung kostet Geld. Du kannst zwar beim Amtsgericht eine Bewilligung der Beratungshilfe beantragen. Aber nur, wenn der Antrag akzeptiert wird, übernimmt der Staat die Kosten für die anwaltliche Beratung. 

FAQ: Häufige Fragen und Antworten

Wie lange dauert eine Privatinsolvenz in Deutschland?

Eine Privatinsolvenz dauert in Deutschland in der Regel drei Jahre, wenn das Verfahren nach dem 1. Oktober 2020 beantragt wurde. Danach kann das Gericht die Restschuldbefreiung erteilen. Ältere Verfahren oder eine zweite Privatinsolvenz können länger dauern, je nach Antragsdatum und Vorgeschichte. 

Welche Voraussetzungen müssen für eine Privatinsolvenz erfüllt sein?

Für eine Privatinsolvenz musst du zahlungsunfähig sein und vorher versucht haben, dich außergerichtlich mit deinen Gläubiger*innen zu einigen. Scheitert dieser Versuch, brauchst du eine Bescheinigung von einer anerkannten Schuldnerberatung oder Anwaltskanzlei. Erst danach kannst du den Insolvenzantrag beim Gericht stellen.

Was passiert nach drei Jahren Privatinsolvenz?

Nach drei Jahren kann das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung erteilen. Dann werden dir die meisten verbleibenden Schulden erlassen. Voraussetzung ist, dass du während des Verfahrens deinen Pflichten nachgekommen bist. Bestimmte Forderungen, etwa aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen, können jedoch von der Restschuldbefreiung ausgenommen sein.

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