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Was ist die Schufa?

von Thorsten Schierhorn, 08.12.2023

Ein Kredit, ein neues Konto, ein Handyvertrag – fast nichts bekommst du, ohne dass deine Vertragspartner*innen mal bei der Schufa nachfragen. Denn die weiß, wie zuverlässig du deine Kreditraten und Rechnungen bezahlst. Wie sie das macht und was sonst noch alles hinter dem Begriff Schufa steckt, schauen wir uns hier einmal anhand einiger Beispiele an.

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Was genau ist die Schufa eigentlich?

Klar: Wer dir etwas auf Rechnung überlässt, oder dir einen Kredit gewährt, will das Geld zurückbekommen. Genauso wie eine*e Vermieter*in sicher sein will, dass immer pünktlich die Miete kommt. Aber woher soll man wissen, wie hoch deine Kreditwürdigkeit ist – in der Fachsprache Bonität genannt? Ganz einfach: Das erfahren Banken, Versicherungen, Händler*innen und Co. von der Schufa.

Die Schufa mischt also in allen möglichen Lebensbereichen mit: bei Krediten, beim Ratenkauf, bei Vermietungen. Es gibt allerdings auch viele Mythen und falsche Informationen über die Organisation und ihre berüchtigten Schufa-Einträge. Höchste Zeit also, einmal genauer hinzuschauen, was die Schufa eigentlich ist.

Der Name Schufa ist eine Abkürzung. Sie steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Und die ist weder eine Behörde noch eine Schnüffel-Organisation der Banken in Deutschland. Stattdessen ist die Schufa ein eigenständiges Unternehmen, eine sogenannte Wirtschaftsauskunftei.

Was allerdings stimmt, ist, dass viele Banken quasi Mitbesitzer dieser Firma sind. Denn sie halten Anteile an der Schufa Holding AG. Ziel der Auskunftei ist es, die Kreditwürdigkeit von Verbraucher*innen einzuschätzen. Das soll Kreditgeber, aber auch andere Geschäftspartner*innen der Schufa – wie zum Beispiel Telefonanbieter und Vermieter*innen – schützen. Und zwar vor Personen, die vereinbarten Raten und Rechnungen unregelmäßig oder gar nicht bezahlen.

Gebäude der Schufa-Zentrale in Wiesbaden Schierstein
© SCHUFA Holding AG  Gar nicht so geheimnisvoll: Die Schufa ist eine ganz normale Firma mit Hauptsitz in Wiesbaden.

Wie funktioniert die Schufa? - Ein Beispiel

Wo immer es in einem deiner Verträge um Geld geht, ist die Schufa mit im Spiel. Vor allem bei der Kreditvergabe spielt sie eine große Rolle. Stellen wir uns folgenden Fall vor:

Du stellst einen Kreditantrag bei der Beispiel-Bank. Die hatte aber noch nie mit dir zu tun und weiß nicht, inwieweit sie dir trauen kann, dass du das Geld auch wirklich zurückzahlst – und dich nicht damit in die Karibik absetzt. Im Antrag musst du deshalb die Erlaubnis erteilen, dass die Bank eine Bonitätsauskunft bei der Schufa anfordern darf (auch Schufa-Auskunft genannt). Wenn die zurückmeldet: Jawohl, diese Person ist kreditwürdig, steht einem Kredit so gut wie nichts im Wege.

Gerichtsurteil stellt Schufa auf den Prüfstand

Gerichtsurteil stellt Schufa auf den Prüfstand

Dürfen Banken, Versandhändler & Co. ihre Kredite nur aufgrund der Schufa-Bewertung vergeben (oder verweigern)? Nein, sagt der Europäische Gerichtshof (EuGH). In einem Urteil vom Dezember 2023 hat er festgelegt, dass der Schufa-Score keine „maßgebliche“ Rolle spielen darf. Vor allem dann nicht, wenn die Daten nur automatisiert verarbeitet werden, ohne dass ein Mensch an der Schufa-Einschätzung mitwirkt. Allerdings dürfen die Einzelstaaten eine Ausnahmevorschrift erlassen. Im deutschen Datenschutzgesetz gibt es eine solche Ausnahme bereits. Ob diese nun noch gültig ist oder ob manche Unternehmen umsteuern müssen, wird jetzt gerichtlich geprüft.

Im eigentlichen Kreditvertrag steht dann die sogenannte Schufa-Klausel. Sie besagt, dass die Bank der Schufa melden darf, dass du bei ihr einen Kredit laufen hast. Aus diesen Meldungen weiß die Schufa, ob du auch weiterhin alle Raten zuverlässig bezahlst. Wenn dann die nächste Bonitätsanfrage kommt – vielleicht für einen Mobilfunkvertrag oder ein Autoleasing –, kann die Schufa in ihre gesammelten Einträge gucken und erneut bestätigen: Jawohl, diese Person ist in Gelddingen vertrauenswürdig.

Du siehst: So eine Meldung an die Schufa ist nichts Schlechtes. Allerdings nur so lange, wie du dich mustergültig verhältst. Denn laut der Schufa-Klausel darf die Bank (und alle anderen deiner Vertragspartner auch) der Schufa auch melden, wenn du deine Raten oder Rechnungen immer wieder zu spät bezahlst – oder vielleicht sogar gar nicht. Auch das hält die Schufa in ihren Einträgen fest. Und meldet bei der nächsten Bonitätsauskunft: Vorsicht! Dann kann es sein, dass du einen Kredit nicht bekommst. Oder ein Auto nicht auf Raten kaufen darfst. Falls doch, musst du aber vielleicht höhere Zinsen bezahlen.

Mehr dazu lesen Sie in dem Ratgeber „Schufa-Eintrag? Wo kommt der denn her?”. 

Video: Welche Rolle spielt die Schufa, wenn ich einen Kredit möchte?

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© DHBW Stuttgart 

Wann habe ich für die Schufa eine gute Bonität?

Oder anders gefragt: Wie kann die Schufa darstellen, ob du eine gute oder eine schlechte Zahlungsmoral hast? Die Antwort: über den sogenannten Schufa-Score. Das ist eine Bewertungszahl, die die Schufa für alle Personen in ihrer Datenbank berechnet. Sie liegt zwischen 1 und 100 Prozent. Gemeint ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand seine Schulden auch wirklich zurückzahlt.

Ein Schufa-Score von 100 würde also bedeuten, dass ein*e Schuldner*in in jedem Fall – komme, was da wolle – den Kredit oder die Rechnung bis zum letzten Cent (ab-)bezahlt. Wenn er unter 90 liegt, würde das bedeuten, dass die Gläubiger*innen in einem von zehn Fällen ihr Geld nicht vollständig zurückbekommen.

Wie sie aber aus den ganzen Einträgen und Meldungen zu einer Person deren Schufa-Score genau berechnet, das behält die Schufa für sich.

Mehr dazu liest du in dem Ratgeber „Mysterium Schufa-Score: So entsteht die Zahl über deine Kreditwürdigkeit".

Makler zeigt einer Bewerberin eine Wohnung
© SeventyFour  Für Vermieter*innen und Makler*innen gibt es eine Schufa-Auskunft, die nichts über dich verrät außer deine Kreditwürdigkeit.

Was ist eine Schufa-Auskunft?

Die Schufa-Auskunft wird auch Bonitätsauskunft und Bonitätscheck genannt. Gemeint sind damit die Informationen, die von der Schufa an deinen möglichen Vertragspartner gehen. Was genau in der Schufa-Auskunft drin steht, hängt davon ab, wer die Auskunft bekommt. Immer enthalten sind deine persönlichen Daten wie Name, Geburtsdatum und Adresse. Hinzu kommen die Informationen, die für den neuen Vertrag relevant sind, also etwa:

  • Welche Girokonten besitzt du?
  • Wie viele Kreditkarten besitzt du?
  • Ist dir schon einmal ein Vertrag gekündigt worden?
  • Gab es schon einmal Zahlungsschwierigkeiten?

Wer darf eine Schufa-Auskunft einholen?

Natürlich kann nicht einfach ein Unternehmen an die Schufa schreiben und nach deiner Kreditwürdigkeit fragen. Sondern es muss ein berechtigtes Interesse daran nachweisen können. Sprich: Es muss klar sein, dass es das Risiko eingeht, Geld zu verlieren, wenn du dich als unzuverlässig entpuppen solltest.

So ein berechtigtes Interesse besteht zum Beispiel bei

  • einer Kontoeröffnung (Girokonto oder Geschäftskonto),
  • einem Kredit oder einem Ratenkauf,
  • einem Mietvertrag (Wohnung, Gewerbefläche),
  • einem langfristigen Vertrag (Leasingvertrag fürs Auto, Handyvertrag).

Wie gesagt musst du per Schufa-Klausel zustimmen, dass die Unternehmen eine Schufa-Auskunft einholen. Genauso gut kannst du es natürlich verhindern, indem du die Schufa-Klausel nicht unterschreibst, beziehungsweise aus dem Vertrag streichst. Aber das kann bedeuten, dass du dann eben keinen Kredit, Mietvertrag und so weiter bekommst.

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Wie lange ist eine Schufa-Auskunft gültig?

Theoretisch unendlich, sie hat kein „Ablaufdatum“. Allerdings können sich die Informationen darin natürlich ändern. Etwa wenn ein Schufa-Eintrag inzwischen gelöscht ist. Deshalb steht auf einer Schufa-Auskunft auch immer das Datum, wann sie erstellt worden ist. Einige Vertragspartner schreiben auch vor, wie alt eine Schufa-Auskunft sein darf. Denn die müssen sie nicht immer selbst anfordern. Du kannst sie auch vorlegen – in Form einer sogenannten Selbstauskunft. Wie das geht, sehen wir im nächsten Kapitel.

Wie bekomme ich eine Schufa-Selbstauskunft?

Die kannst du hier auf dieser Schufa-Website für rund 30 Euro (Stand: März 2023) bestellen. Offiziell heißt sie Schufa-Bonitäts-Auskunft. Aber Achtung: Damit ist keinesfalls die Datenübersicht gemeint, die du einmal im Jahr kostenlos anfordern darfst (siehe nächstes Kapitel). Da stehen Einträge drin, die andere nichts angehen. Stattdessen ist die Selbstauskunft eine Version, in der nur deine Kreditwürdigkeit per Schufa-Score angegeben ist. Eine aktuelle Datenübersicht bekommst du zwar mitgeliefert, die musst du aber wie gesagt nicht weitergeben.

Video: Die größten Geheimnisse der Schufa | Galileo | ProSieben

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© Galileo  

Wie erfahre ich meinen eigenen Schufa-Score?

Ganz einfach: indem du die Schufa danach fragst. Die muss dir nämlich mindestens einmal pro Jahr Auskunft darüber geben, was sie über dich alles gesammelt hat. Diese Datenübersicht kannst du hier auf dieser Schufa-Website kostenlos anfordern.

Guck dir die Einträge genau an. Ist vielleicht ein falscher Eintrag dabei? Es kann immer mal passieren, dass ein Fall falsch übermittelt wird oder bei der falschen Person landet. Solche Einträge kannst du streichen lassen. Wie das geht, erfährst du im Ratgeber „Karteileichen und Daten-Zombies: So lassen sich Schufa-Einträge löschen“.

Übrigens: Wenn alle Einträge korrekt sind, aber dein Schufa-Score sehr niedrig ist, gibt es ein paar Wege, wie du ihn wieder auf Vordermann bringen kannst. Diese erfährst du im Ratgeber „Schufa-Score verbessern: 7 einfache Tipps“.

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