Nahaufnahme einer Frauenhand, die ein Bündel Euro-Banknoten übergibt.
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Mysterium Schufa-Score: So entsteht die Zahl über Ihre Kreditwürdigkeit

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 08.04.2022

Eine Unterschrift unter den Kaufvertrag, und schon liefert Ihnen das Möbelhaus die neue Sofagarnitur ins Haus. Aber was macht die Händler*innen eigentlich so sicher, dass Sie die versprochenen Raten auch wirklich bezahlen? Prüfen die überhaupt nicht nach, mit wem sie es da zu tun haben? Die Antwort: doch. Wie vertrauenswürdig die Kund*innen sind, verrät der sogenannte Schufa-Score. Was es damit auf sich hat, lesen Sie hier.

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Was ist der Schufa-Score?

Sie sieht so harmlos aus, aber sie ist mitentscheidend dafür, ob Sie einen Kredit bekommen oder nicht: eine Zahl zwischen eins und hundert, errechnet von der Schufa – der sogenannte Schufa-Score. Die Definition, was sich hinter der Zahl verbirgt, ist einfach. Der Schufa-Score nennt die Wahrscheinlichkeit, mit der Sie Ihre Kreditraten und Rechnungen bezahlen, und das in Prozent. Ein Schufa-Score von 100 würde bedeuten, dass Sie absolut sicher alle Ihre Zahlungen leisten. Je niedriger der Score ist, umso höher das Risiko, dass Ihre Geldgeber*innen nicht den gesamten Betrag zurückbekommen.

Ob eine Bank Ihnen nun aber einen Kredit gewährt oder nicht, hängt nicht allein vom Schufa-Score ab. Ihr Einkommen, frühere Kredite und vieles mehr spielen bei der Entscheidung ebenfalls eine Rolle. Jede Bank, aber auch alle anderen Kreditgeber*innen, haben ihre eigenen Kriterien.

Wie wird der Schufa-Score berechnet?

Wie die Berechnung des Scores genau vonstattengeht, ist ein Geschäftsgeheimnis der Schufa. Nur die zuständigen Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes kennen das Verfahren im Detail. Für die Geheimhaltung ihrer Methoden steht die Schufa immer wieder in der Kritik. Der Bundesgerichtshof hat 2014 jedoch entschieden, dass die Schufa nicht offenlegen muss, wie ihr Scoring genau zustande kommt.

Klar ist aber, dass die Auskunftei selbst keine Daten erhebt. Die Schufa erhält Informationen über das Zahlverhalten von Verbraucher*innen von ihren Vertragspartner*innen. Das sind vor allem:

  • Banken
  • (Online-)Versandhändler
  • Telefon- und Internetanbieter
  • Leasingunternehmen

Wenn Sie zum Beispiel einen Handy-Vertrag abschließen, enthält dieser die sogenannte Schufa-Klausel. Mit Ihrer Unterschrift stimmen Sie der Übermittlung Ihrer Daten an die Auskunftei zu. Die Schufa weiß also jetzt über Ihren Vertrag mit dem Telefonanbieter Bescheid. Gleiches gilt bei der Eröffnung eines Kontos oder dem Kauf auf Raten, wie er beispielsweise in Möbelhäusern oder Elektrofachmärkten angeboten wird.

Mit Ihrer Unterschrift unter den Vertrag erlauben Sie dem jeweiligen Anbieter aber nicht nur, Informationen über den Vertragsabschluss an die Schufa zu übermitteln. Auch wenn es während der Vertragslaufzeit zu verspätet oder gar nicht bezahlten Rechnungen oder Raten kommt, dürfen die Anbieter die Schufa darüber informieren. Dann kommt es zu den berüchtigten Schufa-Einträgen, die solche Fälle festhalten. Gleichzeitig fragen die Händler*innen vor dem Vertragsabschluss Ihren Schufa-Score ab, um einzuschätzen, ob Sie die monatlichen Raten beziehungsweise die monatlichen Rechnungen bezahlen können.

Blick in eine leere Geldbörse
© Aurelian Lupu/2019  Dauernde Ebbe im Portemonnaie muss nicht sofort einen schlechten Schufa-Score bedeuten – solange die Zahlungsmoral stimmt.

Gute Schufa, schlechte Schufa: Was bedeutet das?

Wenn die Schufa Ihnen eine gute Zahlungsmoral bescheinigt, wird das umgangssprachlich häufig einfach „gute Schufa“ genannt. Mehrere geplatzte Rechnungen führen entsprechend zu einer „schlechten Schufa“. Gemeint ist dabei der sogenannte Basis-Score. Der gibt Auskunft darüber, wie es ganz allgemein um Ihre Kreditwürdigkeit steht. Ihr Basis-Score wird alle drei Monate neu berechnet.

Aber ab wann gilt ein Schufa-Score als gut, wann als schlecht? Diese Tabelle zeigt es Ihnen.

Schufa Basis-Score
Score-WertWahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls
über 97,5 %sehr geringes Risiko
95 - 97,5 %geringes bis überschaubares Risiko
90 – 95 %zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko
80 – 90 %deutlich erhöhtes bis hohes Risiko
50 – 80 %sehr hohes Risiko
unter 50 %sehr kritisches Risiko

Übrigens: Ein Schufa-Score von 100 Prozent ist nicht möglich. Selbst, wenn Sie alle Ihre Rechnungen immer pünktlich zahlen. Der Grund ist ein ganz natürlicher und gleichzeitig etwas makaber. Es gibt nämlich einen Risikofaktor, den niemand ausschließen kann: den Tod. Die Wahrscheinlichkeit, dass Schuldner*innen sterben, bevor sie ihren Kredit oder ihr Auto abbezahlt haben, wird immer eingerechnet.

Wenn Ihr Score unter 90 Prozent liegt, sollten Sie versuchen, ihn zu verbessern. Wie das geht, erklären wir im Klarmacher-Beitrag „Schufa-Score verbessern“.

Verschiedene Scores für unterschiedliche Branchen

Neben dem beschriebenen Basis-Score erstellt die Schufa auch noch spezielle Branchen-Scores für bestimmte Geschäftszweige, wie zum Beispiel Banken, Einzelhandel, Onlinehandel, Versicherungen und Telekommunikationsanbieter. Diese Scores sind aussagekräftiger als der allgemeine Basis-Score.

Warum? Weil zum Beispiel bei fünf Monatsraten à 100 Euro für eine Waschmaschine wenig passieren kann, was Sie an der pünktlichen Zahlung hindert. Aber eine Hausfinanzierung über mehrere Jahrzehnte mit viel höheren Raten? Da kann schon viel mehr geschehen, von Arbeitslosigkeit über Krankheit bis zum Tod.

Deshalb können Ihre einzelnen Branchen-Scores durchaus unterschiedlich ausfallen. Hier wird die Kreditwürdigkeit nicht in Prozent, sondern in Ratingstufen von A (sehr gut) bis M (schlecht) angegeben. Das Rating orientiert sich an einem Punktesystem – je mehr Punkte, desto besser Ihre Bonität. Grundlage ist natürlich auch hier Ihr Basis-Score.

Bei offenen negativen Schufa-Einträgen – zum Beispiel ein Eintrag in ein öffentliches Schuldnerverzeichnis beim Amtsgericht nach Privatinsolvenz oder vertragswidriges Verhalten – kann das Rating sogar auf N bis P fallen. So sieht die Branchen-Score-Tabelle der Schufa für Banken aus.

Schufa-Score-Tabelle: Banken
ohne offene NegativmerkmaleRatingPunktzahlRisikoquote
A9.863 - 9.9990,80 %
B9.772 - 9.8621,64 %
C9.709 - 9.7712,47 %
D9.623 - 9.7083,10 %
E9.495 - 9.6224,38 %
F9.282 - 9.4946,21 %
G8.774 - 9.2819,50 %
H8.006 - 8.77316,74 %
I7.187 - 8.00525,97 %
K6.391 - 7.18632,56 %
L4.928 - 6.39041,77 %
M1 - 4.92760,45 %
mit offenen NegativmerkmalenN4.112 - 9.99948,47 %
O1.107 - 4.11177,57 %
P1 - 1.10696,08 %

Den eigenen Schufa-Score ermitteln: Bonitätsauskunft & Datenübersicht

Es gibt zwei Möglichkeiten herauszufinden, wie Ihr eigener Schufa-Score aussieht. Zum einen gibt es die Bonitätsauskunft, besser bekannt als Schufa-Selbstauskunft. Dabei handelt es sich um das Dokument, das beispielsweise Vermieter*innen bei Wohnungsbesichtigungen von Interessent*innen verlangen. Diese Schufa-Bonitätsauskunft können Sie für knapp 30 Euro (Stand: März 2022) entweder direkt in den Filialen der Schufa abholen oder online bestellen. Daneben gibt es auch einige Banken, die eine solche Bonitätsauskunft ausstellen. 

Sie erhalten dabei diese Dokumente: 

  1. Eine Selbstauskunft zur Weitergabe an Dritte, zum Beispiel potenzielle Vermieter*innen. Hier wird die Kreditwürdigkeit in den oben beschriebenen Schufa-Scores angegeben. Weitere Details sind jedoch nicht enthalten. Es ist also nicht erkennbar, aufgrund welcher Einträge der Score zustande gekommen ist.
  2. Eine vollständige Datenübersicht, die ausschließlich für Ihre Augen bestimmt ist. Hier finden Sie neben den Schufa-Scores auch alle Informationen aufgelistet, die die Schufa über Sie zusammengetragen hat.

Datenübersicht auf Fehler prüfen

Datenübersicht auf Fehler prüfen

Es lohnt sich, die kostenlose Datenübersicht jährlich anzufordern und alle Einträge gründlich zu prüfen. Denn es können sich Fehler einschleichen, die den Schufa-Score ungerechtfertigt verschlechtern. Zum Beispiel, wenn eine Bank das Einholen eines Angebots für einen Kredit fälschlicherweise als Kreditanfrage statt als Angebotsanfrage an die Schufa übermittelt hat. 

Solche falschen Einträge muss die Schufa umgehend korrigieren.

Kostenlose Datenübersicht: Was steht in der Schufa?

Den eigenen Schufa-Score und alle Daten der Auskunftei über Sie können Sie auch ohne weitere Kosten in Erfahrung bringen. Denn Sie haben ein gesetzlich verankertes Recht zu erfahren, welche Informationen die Schufa von Ihnen vorliegen hat. Deshalb muss Ihnen die Auskunftei auf Anfrage einmal jährlich eine kostenlose Datenübersicht zukommen lassen. Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel bei einem falschen Eintrag, können Sie auch öfters eine kostenlose Auskunft einholen.

Dabei handelt es sich um die Aufstellung, die auch der oben beschriebenen Selbstauskunft beiliegt. Das Bestellformular für diese Datenübersicht findet sich etwas versteckt auf der Schufa-Webseite. Dieses Dokument sollten Sie auf keinen Fall an Vermieter*innen oder andere Geschäftspartner*innen weitergeben. Denn es enthält jede Menge vertrauliche Informationen über Sie.

 

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