Ein Aktenschrank mit ausgezogener Schublade, in der Karteikarten zu sehen sind
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Karteileichen und Daten-Zombies: So lassen sich Schufa-Einträge löschen

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 25.05.2022

Mit dem frischen Kredit hatten Sie eigentlich fest gerechnet – doch die Bank lehnt unerwartet ab? Dann hat die Schufa Sie womöglich für wenig kreditwürdig erklärt. Aber wie kann das sein, wo Sie doch die letzte überfällige Rechnung schon längst beglichen haben? Bleiben die finanziellen Sünden denn für immer registriert? Und sind Sie solchen falschen Einträgen hilflos ausgeliefert? Für beide Fragen gilt: Nein. Wir machen klar, wann die Schufa welche Einträge löscht – und wann und wie Sie selbst am besten aktiv werden.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

 

  • Es gibt unterschiedliche Fristen, wann Schufa-Einträge automatisch gelöscht werden. 
  • Nur bestimmte Schufa-Einträge lassen sich (vorzeitig) löschen. 
  • Falsche Einträge müssen nachgewiesen werden. 
  • Im Streitfall kann die Ombudsperson der Schufa vermitteln. 

Wann werden Schufa-Einträge gelöscht?

Die gute Nachricht: Negative Schufa-Einträge werden automatisch gelöscht. Die schlechte Nachricht: Je nach Eintrag müssen Sie Jahre darauf warten. 

Ausgerechnet die Einträge über Rückzahlungsschwierigkeiten bleiben am längsten in der Schufa-Auskunft stehen – also die, die bei einem neuen Kreditantrag die größten Schwierigkeiten machen. Nachdem Sie die Forderung bezahlt haben, dauert es drei Jahre, bis der Eintrag gelöscht wird. Und die Zählung dieser drei Jahre beginnt erst am Ende des Jahres, in dem Sie die Schulden beglichen haben. Wenn Sie also zum Beispiel im Frühjahr 2023 einen überfälligen Betrag bezahlen, dann beginnt die Wartezeit bis zur Löschung erst mit dem Jahreswechsel 2023/24. Drei Jahre später, also am 1. Januar 2027, sind Sie den Eintrag dann los. 

Immerhin: Wenn die Gläubiger*innen die Zahlung an die Schufa melden, bleibt zwar der Eintrag bestehen. Doch er bekommt schon einen „Erledigungsvermerk”. Das bedeutet, die Schufa erinnert sich noch daran, dass Sie mit einer Zahlung im Verzug waren. Aber sie registriert auch, dass der Fall mittlerweile abgehakt ist. Entsprechend dürfte Ihr Schufa-Score wieder ein wenig steigen. 

Aber nicht alle Einträge bleiben so lange in den Dateien der Schufa:

  • Falsche Angaben entfernt die Schufa sofort, nachdem sie entdeckt oder gemeldet werden. 
  • Informationen über Giro- und Kreditkartenkonten werden gelöscht, nachdem die Schufa über die Auflösung des Kontos informiert wurde. 
  • Anfragen zu Krediten, Kreditkonditionen sowie von Unternehmen an die Schufa werden nach zwölf Monaten gelöscht. 
  • Bei allen Forderungen über 1.000 Euro wird der Eintrag wie beschrieben drei Jahre nach dem Jahr gelöscht, in dem Sie den fälligen Betrag beglichen haben. 
  • Daten aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen – etwa nach einer Vermögensauskunft – werden auf den Tag genau nach drei Jahren gelöscht. Sie können aber vorzeitig eliminiert werden, wenn Sie nachweisen, dass das Amtsgericht den Eintrag ebenfalls gelöscht hat. 
  • Privatinsolvenzen bleiben noch drei Jahre nach der Restschuldbefreiung in der Schufa-Auskunft stehen. Allerdings beschäftigt sich der Europäische Gerichtshof derzeit mit der Frage, ob das zulässig ist – oder nicht eine Frist von sechs Monaten nach dem Insolvenzverfahren infrage kommt (Stand: Mai 2022). 
Herr im Anzug unterschreibt Vermögensauskunft in einem Gerichtssaal
© istock/utah778/2018   Drei Jahre nach einer Restschuldbefreiung bei einer Privatinsolvenz sind Sie auch den Eintrag in der Schufa wieder los.

Welche Schufa-Einträge kann ich löschen lassen?

Wie wir eben gesehen haben, können Sie selbst bei der Löschung mancher Einträge ein wenig Dampf machen. Das geht konkret bei solchen Fällen: 

Falsche Schufa-Einträge 

Ihre persönlichen Daten stimmen nicht. Oder eine unbezahlte Rechnung wird Ihnen ungerechtfertigt angelastet, zum Beispiel weil Sie dazu keine vorgeschriebene Mahnung erhalten haben. Ab und zu kommt es auch zu Personenverwechslungen – dann landet ein Eintrag in Ihrer Akte, der eigentlich für eine Person mit gleichem oder ähnlichem Namen gedacht war. Das sind typische Falschangaben, die sich in der Regel sofort entfernen beziehungsweise berichtigen lassen. 

Titulierte Forderungen vorzeitig löschen lassen

Titulierte Forderungen vorzeitig löschen lassen

Eine titulierte Forderung ist ein gerichtliches Dokument beziehungsweise eine öffentliche Urkunde. Sie ist die Voraussetzung für eine Zwangsvollstreckung. Die nutzen beispielsweise Gläubiger*innen, um ihre Forderungen gegenüber den Schuldner*innen durchzusetzen. 

Eine titulierte Forderung bei der Schufa lässt sich nur dann vorzeitig löschen, wenn die Schuldner*innen die Forderung erfüllt haben und dies nachweislich gerichtlich vermerkt ist. Außerdem müssen die Gläubiger*innen der Löschung zustimmen. 

Veraltete Angaben

Eine längst bezahlte Rechnung fristet in Ihrem Schufa-Eintrag ein untotes Dasein? Oder ein gekündigtes Konto gilt noch als aktiv? Das kann passieren, wenn die Schufa Löschfristen oder Aktualisierungen versäumt hat. Oder wenn das Unternehmen vergessen hat, der Schufa zu melden, dass eine Rechnung schon beglichen ist. 

Jemand wischt mit einem Schwamm Fragezeichen auf einer Tafel weg
© istock/AntonioGuillem/2018   Und mit einem Wisch ist alles weg? Nicht ganz, aber trotzdem lassen sich fragwürdige Negativeinträge bei der Schufa löschen.

Wie kann ich Schufa-Einträge löschen lassen?

Sie haben einen Kredit nicht bekommen, und das womöglich wegen falscher Schufa-Einträge? Oder obwohl alte Rechnungen längst bezahlt sind? So gehen Sie vor, wenn Sie unberechtigte Negativeinträge löschen lassen wollen: 

1. Schritt: Selbstauskunft einholen und prüfen 

Gibt es wirklich einen unrechtmäßigen Eintrag in Ihrer Akte bei der Schufa? Finden Sie es heraus. Fordern Sie eine Datenkopie bei der Schufa an (früher bekannt als Schufa-Selbstauskunft). Das geht kostenlos über dieses Antragsformular auf der Schufa-Website. 

Das Dokument listet alle Informationen auf, die die Auskunftei über Sie gesammelt hat. Gehen Sie es aufmerksam durch. Achten Sie vor allem auf zweifelhafte Einträge und auf abgelaufene Löschfristen. 

2. Schritt: Belege sammeln 

Sie haben in Ihrer Datenkopie negative Einträge gefunden, die aus Ihrer Sicht ungerechtfertigt sind? Dann sehen Sie nach, ob Sie das belegen können. Zum Beispiel mit einem Vertrag oder einem Schriftverkehr. Oder geht es um eine angeblich offene Rechnung, dann suchen Sie den Kontoauszug, auf dem die fristgerechte Überweisung des Geldes zu sehen ist. 

3. Schritt: Die Schufa informieren 

Wenn die Schufa unberechtigte Einträge löschen soll, können Sie auf diesen Wegen Kontakt mit ihr aufnehmen: 

  • Telefonisch unter der Servicenummer 0611 - 92780 (montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr).  
  • Oder online über das Rückfrageformular. 

Oder mit einem formlosen Schreiben an: SCHUFA Holding AG, Privatkunden ServiceCenter, Postfach 10 34 41, 50474 Köln. (Ein Musteranschreiben finden Sie weiter unten.) 

Schreiben Sie zur Sicherheit auch das Unternehmen an, das für den falschen Eintrag verantwortlich ist. Welches das ist, lesen Sie in der Datenkopie. Unter Umständen kann das ein Inkassobüro sein. Bitten Sie dort darum, die Schufa über die Erledigung der Angelegenheit zu informieren. Zwar wird sich auch die Schufa an die Gläubiger*innen wenden, aber Ihre Eigeninitiative kann die Sache beschleunigen. 

Musterbrief: So kann das Schreiben aussehen

Bedenken Sie, dass jeder Fall unterschiedlich ist. Das fängt bei dem Grund für den negativen Eintrag an. Ist es eine Personenverwechslung oder hat Ihnen das Unternehmen keine zwei Mahnungen geschickt? Sind die Rechnungen schon bezahlt oder unberechtigt. Sie sehen: Es gibt nicht „den einen“ Musterbrief an die Schufa. Achten Sie also darauf, dass die Formulierung des folgenden Musterbriefs nur ein Vorschlag ist und Sie das Schreiben individuell gestalten. Denken Sie auch daran, am besten gleich die nötigen Belege mitzuschicken. 

Vorlage Musterbrief: Schufa-Einträge löschen lassen 

(Word-Datei zum Download) 

Wenn Sie das Schreiben selbst aufsetzen, sollten Sie darauf achten, dass Sie: 

  • die Löschung des Eintrags fordern 
  • entsprechende Belege beifügen 
  • die Erledigung schriftlich bestätigt bekommen (Erledigungsvermerk) 
  • eine Frist von drei oder vier Wochen setzen 

Was tun, wenn die Schufa die Löschung verweigert?

Will die Auskunftei einen Eintrag nicht löschen, können Sie die Sache trotzdem noch aus der Welt schaffen. Und zwar über die Ombudsperson der Schufa. Die Schlichter*innen versuchen, den Streitfall zwischen Ihnen und der Schufa zu klären. Im Erfolgsfall hat sich die Angelegenheit für Sie erledigt. Gelingt keine Einigung, können Sie sich juristischen Beistand holen. Das geht zum Beispiel über die Verbraucherzentrale. 

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