Ein Aktenschrank mit ausgezogener Schublade, in der Karteikarten zu sehen sind
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Einen Schufa-Eintrag löschen lassen? Ja, das geht!

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 01.03.2022

Sie möchten einen Kredit beantragen, doch ein negativer Schufa-Eintrag stört dabei? Muss er aber nicht. Denn Sie können Schufa-Einträge kostenlos löschen lassen. Jedenfalls, wenn sie nachweislich falsch oder veraltet sind. Schon erkennen Kreditgeber wieder Ihre Bonität. Das müssen Sie für Ihre weiße Weste tun.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Nur bestimmte Schufa-Einträge lassen sich (vorzeitig) löschen.
  • Falsche Einträge müssen nachgewiesen werden.
  • Oft sind Schufa und Gläubiger*innen gleichzeitig zu informieren.
  • Im Streitfall kann die Ombudsperson der Schufa vermitteln.

Nicht jeder Schufa-Eintrag ist korrekt

In der Öffentlichkeit haben Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa nicht gerade das beste Image. Hartnäckig hält sich der Eindruck, dass ihre Arbeitsweise nicht sehr transparent sei. Klar sind allerdings zwei Dinge: 1. Schufa-Eintrag ist nicht gleich Schufa-Eintrag. Es gibt neben negativen auch positive. 2. Sie können Ihre Schufa-Einträge löschen oder korrigieren lassen. Zwar nicht alle, aber manche.

Grundsätzlich werden sämtliche negativen Schufa-Einträge automatisch nach bestimmten Fristen gelöscht. Je nach Art dauert das zwischen zwölf Monaten und sechs Jahren nach Beilegung der Angelegenheit – also nachdem Sie den Erledigungsvermerk von der Schufa erhalten haben. Trotzdem bleiben manchmal Einträge stehen. Andere sind einfach falsch. Doch gegen diese Karteileichen und Co. in Ihrer Schufa-Akte können Sie etwas tun.

So entstehen falsche Schufa-Einträge

So entstehen falsche Schufa-Einträge

Bei der Schufa gehen täglich riesige Datenmengen von Unternehmen ein. Sie melden der Auskunftei in erster Linie Informationen über eine schlechte Zahlungsmoral ihrer Kund*innen: ein geplatzter Kredit, ein Mietrückstand und andere Belege für mangelnde Bonität. Solche Hinweise an die Schufa sind sogenannte Negativmeldungen. Wenn die Rechnungen dann beglichen wurden, müssen sie das ebenso der Schufa mitteilen. Doch das wird von den Unternehmen manchmal einfach vergessen.

Die Schufa selbst trifft daran meist keine Schuld, weil sie die Angaben grundsätzlich ungeprüft übernimmt. Erst wenn die Verbraucher*innen auf die nachweislich falschen Vermerke hinweisen, kann sie die Einträge löschen. Um zum Beispiel den Weg zu einem neuen Kredit freizumachen.

Diese Schufa-Einträge können Sie löschen lassen

Natürlich ist jeder negative Schufa-Eintrag unangenehm. Aber das allein genügt nicht, um ihn ändern zu lassen oder vor seiner automatischen Löschung loszuwerden. Das geht nur mit bestimmten Vermerken. 

Falsche Schufa-Einträge

Ihre persönlichen Daten stimmen nicht. Oder eine unbezahlte Rechnung wird Ihnen ungerechtfertigt angelastet, zum Beispiel weil Sie dazu keine vorgeschriebene Mahnung erhalten haben. Das sind typische Falschangaben, die sich in der Regel sofort entfernen beziehungsweise berichtigen lassen.

Geringfügige Schulden

Schon eine kleine, ausnahmsweise mal vergessene Rechnung kann Ihre Kreditwürdigkeit beeinträchtigen. Damit das nicht passiert, lassen sich geringfügige Schulden vorzeitig aus der Schufa-Datenbank löschen. Geringfügig heißt, dass die Außenstände nicht größer als 2.000 Euro sind. Vorausgesetzt, es handelt sich dabei nicht um offene, titulierte Forderungen (siehe Kasten).

Titulierte Forderungen vorzeitig löschen lassen

Titulierte Forderungen vorzeitig löschen lassen

Eine titulierte Forderung ist ein gerichtliches Dokument beziehungsweise eine öffentliche Urkunde. Sie ist die Voraussetzung für eine Zwangsvollstreckung. Die nutzen beispielsweise Gläubiger*innen, um ihre Forderungen gegenüber den Schuldner*innen durchzusetzen.

Eine titulierte Forderung bei der Schufa lässt sich nur dann vorzeitig löschen, wenn die Schuldner*innen die Forderung erfüllt haben und dies nachweislich gerichtlich vermerkt ist. Außerdem müssen die Gläubiger*innen der Löschung zustimmen.

Veraltete Angaben

Eine längst bezahlte Rechnung fristet in Ihrem Schufa-Eintrag ein untotes Dasein? Oder ein gekündigtes Konto gilt noch als aktiv? Das kann passieren, wenn die Schufa Löschfristen oder Aktualisierungen versäumt hat. Auch dagegen haben Sie eine Handhabe. 

Gewinnen Sie den Eindruck, dass bei Ihnen einer der genannten Fälle oder ein ähnlicher vorliegt, sollten Sie deshalb handeln – in zwei Schritten.

1. Schritt: Selbstauskunft einholen und prüfen

Um Ihrem Verdacht auf einen falschen Eintrag nachzugehen, fordern Sie eine Datenkopie bei der Schufa an. Das geht zum Beispiel mit diesem Musterbrief der Verbraucherzentrale. Das Dokument – früher bekannt als Schufa-Selbstauskunft – listet alle Informationen auf, die die Auskunftei über Sie gesammelt hat. Die Schufa ist gesetzlich verpflichtet, Ihnen mehrfach pro Jahr auf Antrag einen solchen Bericht kostenlos zu schicken. Gehen Sie ihn aufmerksam durch. Achten Sie vor allem auf zweifelhafte Einträge und auf abgelaufene Löschfristen.

Finden Sie in der Datenkopie aus Ihrer Sicht ungerechtfertigte Angaben, widerlegen Sie diese. Versuchen Sie also jeden falschen Schufa-Eintrag mit Gegenbeweisen zu entkräften. Das kann ein Vertrag sein oder ein Schriftverkehr. Geht es zum Beispiel um eine angeblich offene Rechnung, dann belegen Sie die fristgerechte Überweisung des Geldes mit dem betreffenden Kontoauszug.

Jemand wischt mit einem Schwamm Fragezeichen auf einer Tafel weg
© istock/AntonioGuillem/2018  Und mit einem Wisch ist alles weg? Nicht ganz, aber trotzdem lassen sich fragwürdige negative Schufa-Einträge löschen.

2. Schritt: Schufa und Gläubiger informieren

Bei berechtigten Zweifeln an einem Eintrag oder bei Unstimmigkeiten in Ihren persönlichen Daten nehmen Sie Kontakt zur Schufa auf. Das geht:

  • Telefonisch unter der Servicenummer 0611 - 92780 (montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr). 
  • Oder online über das Rückfrageformular.
  • Oder mit einem formlosen Schreiben an: SCHUFA Holding AG, Privatkunden ServiceCenter, Postfach 10 34 41, 50474 Köln.

Möchten Sie Schufa-Einträge für längst bezahlte Rechnungen aus Ihrer Akte löschen lassen, dann sprechen Sie zusätzlich das betreffende Unternehmen an. Welches das ist, geht aus Ihrer Datenkopie hervor. Unter Umständen kann das ein Inkassobüro sein. Bitten Sie dort darum, die Schufa über die Erledigung der Angelegenheit zu informieren. Zwar wird sich auch die Schufa an die Gläubiger*innen wenden, aber Ihre Eigeninitiative kann die Sache beschleunigen.

Achten Sie bei Ihrer Beschwerde an Schufa und/oder bei den Gläubiger*innen darauf, dass Sie:

  • die Löschung des Eintrags fordern
  • entsprechende Belege beifügen
  • die Erledigung schriftlich bestätigt bekommen (Erledigungsvermerk)
  • eine Frist von drei oder vier Wochen setzen

Was tun, wenn sich die Schufa querstellt?

Will die Auskunftei einen Eintrag nicht löschen, können Sie die Sache trotzdem noch aus der Welt schaffen. Und zwar über die Ombudsperson der Schufa. Die Schlichter*innen versuchen, den Streitfall zwischen Ihnen und der Schufa zu klären. Im Erfolgsfall hat sich die Angelegenheit für Sie erledigt. Gelingt keine Einigung, können Sie sich juristischen Beistand holen. Das ist auch eine Möglichkeit, wenn sich Gläubiger*innen querstellen.

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