Eine Frau sitzt nachdenklich mit einer Rechnung am Laptop
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P-Konto: Alles über die Freibeträge, Bescheinigungen & Co.

Anna Ostrowska
von Anna Ostrowska, 21.01.2022

Jede*r kann in finanzielle Schwierigkeiten geraten, beispielsweise durch eine längere Krankheit oder aufgrund persönlicher Schicksalsschläge. Unabhängig davon, ob die Situation selbst verschuldet oder unverschuldet eingetreten ist ‒ der Staat hat für Schuldner*innen ein Konto mit Pfändungsschutz als Notfallplan ins Leben gerufen. Damit wird sichergestellt, dass Menschen, deren Hab und Gut gepfändet wird, weiterhin das wichtigste zum Leben wie Essen, Miete, Heizung und Strom bezahlen können. Wir erklären, was Sie über dieses sogenannte P-Konto wissen müssen.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Das P-Konto schützt automatisch ein Guthaben von 1.260 Euro vor Pfändungen und Verrechnungen durch die Bank.
  • Das geschützte Guthaben kann durch Bescheinigungen, zum Beispiel für Kindergeld und Sozialleistungen, um bestimmte Freibeträge erweitert werden.
  • Die Banken und Sparkassen müssen auf Antrag ein Girokonto in ein P-Konto umwandeln. 
  • Das P-Konto kann nur auf Guthabenbasis ‒ also ohne Dispo ‒ geführt werden.

P-Konto: Was ist das?

„P-Konto” ist gängige Kurzform für das sogenannte Pfändungsschutzkonto. Es unterscheidet sich vom normalen Bankkonto insofern, dass Guthaben von bis zu 1.260 Euro nicht gepfändet werden dürfen. (Stand Dezember 2021). Der geschützte Betrag kann sich durch zusätzliche Freibeträge noch weiter erhöhen. 

Ein solches P-Konto ist vor allem für Personen interessant, die Schulden haben und fürchten, dass ihre Gläubiger die offenen Beträge per Kontopfändung eintreiben. Diese können nämlich mit einer gerichtlichen Erlaubnis Zugriff auf das Bankkonto von Schuldner*innen bekommen. Öffentlichen Gläubigern wie zum Beispiel dem Finanzamt ist das sogar ohne Gerichtsbeschluss möglich. Damit können die Gläubiger dann vereinfacht gesagt über das Konto des*der Verschuldeten verfügen, bis die offenen Beträge beglichen sind. Aber eben nicht das Geld auf einem P-Konto im Rahmen des geschützten Freibetrages. Diese Maßnahme wurde vom Staat eingeführt, damit Menschen bei einer Pfändung ein Minimum an Geld zum Leben bleibt.

Freibeträge: Was ist das und welche gibt es?

Der Freibetrag markiert die Grenze, bis zu der Ihr Guthaben auf dem P-Konto vor Pfändungen und Verrechnungen geschützt ist ‒ und zwar pro Kalendermonat.

Welche Freibeträge gibt es?

Es gibt drei Arten von pfändungsgeschützten Freibeträgen:

  • Grundfreibetrag: Das Guthaben bis 1.260 Euro ist sozusagen der Basisschutz für verschuldete Personen. Dieser Grundfreibetrag wird jährlich an die aktuellen Lebenshaltungskosten angepasst.
  • Erhöhter Freibetrag: Mit einer Bescheinigung kann sich Ihr Freibetrag erhöhen. Zum Beispiel, wenn Sie unterhaltspflichtig sind, Kindergeld, Sozial- oder Asylbewerberleistungen für andere Haushaltsmitglieder oder weitere Zuschüsse vom Staat erhalten. 
  • Individueller Freibetrag: Bei höherem Einkommen oder anderen Ausnahmefällen kann der Freibetrag durch einen gerichtlichen oder behördlichen Antrag mit Nachweisen entsprechend angepasst werden.

Wichtig: Sie müssen die Bescheinigungen und Bescheide für erhöhte oder individuelle Freibeträge bei Ihrer Bank vorlegen. Im Gegensatz zum Grundfreibetrag werden diese nicht automatisch bei der Umwandlung eines Kontos zum P-Konto gewährt. Mehr dazu lesen Sie im übernächsten Abschnitt.

Neuregelung Dezember 2021: Das sind die wichtigsten Änderungen

Neuregelung Dezember 2021: Das sind die wichtigsten Änderungen

Seit dem 1. Dezember 2021 gelten einige Änderungen zugunsten der P-Konto-Inhaber*innen:

  • Der Grundfreibetrag steigt auf 1.260 Euro und wird künftig jährlich geprüft und gegebenenfalls an die aktuellen Lebenshaltungskosten angepasst. 
  • Der Pfändungsschutz wurde auf Gemein­schafts­konten erweitert ‒ allerdings nur für einen Monat. Innerhalb dieser Zeit sollten die Kontoinhaber*innen das Geld auf Einzelkonten übertragen. Denn nur Einzelkonten lassen sich in ein P-Konto umwandeln.
  • Guthaben darf bis zu drei Monate angespart werden. Zuvor musste es innerhalb des jeweiligen Monats aufgebraucht werden.
  • Neu ist auch der Pfändungs­schutz für Nachzahlungen vom Gehalt (bis zu 500 Euro) und von staatlichen Leistungen.

Wie hoch sind die Freibeträge für Unterhalt und Sozialleistungen?

Wenn Sie einer Person Unterhalt zahlen müssen, beispielsweise für den*die Ex-Partner*inn, Ihr Kind oder ein Elternteil, bekommen Sie einen zusätzlichen Freibetrag von 471,44 Euro. Für jede weitere Person, der gegenüber Sie unterhaltspflichtig sind, steht Ihnen ein Freibetrag von 262,65 Euro zu. Dieser gilt auch, wenn Sie oder andere Personen aus Ihrem Haushalt staatliche Leistungen empfangen. Sie können allerdings maximal fünf Freibeträge dazu beantragen. 

Beispielrechnung: Wenn Sie einer Person Unterhalt zahlen ist Ihr Freibetrag 1.731,44 Euro (1.260 plus 471,44 Euro). Sind Sie für zwei Personen unterhaltspflichtig, dann erhöht sich ihr Freibetrag um 262,65 Euro auf insgesamt 1.994,09 Euro und so weiter. Im Höchstfall – also bei fünf zusätzlichen Freibeträgen – können 2.78,04 Euro auf einem P-Konto vor Pfändungen geschützt sein.

Ein Mann hält eine leere Börse und auf dem Boden liegen Rechnunge, Kreditkarten und ein Taschenrechner
© istock/Chainarong Prasertthai/2018  Wenn es hart auf hart kommt, schützt ein P-Konto vor der Pfändung des gesamten Guthabens.

Bescheinigungen: Wie bekommt man sie?

Wie bereits erwähnt, können Sie unter bestimmten Bedingungen Ihr geschütztes Guthaben auf dem P-Konto mit Bescheinigungen erweitern lassen. Wann und wie das möglich ist, lesen Sie hier.

Wo kann man sich die Bescheinigung ausstellen lassen?

Zusätzliche Freibeträge stehen Ihnen zu, wenn Sie zum Beispiel Kindergeld erhalten oder gesetzlich anerkannte Sozialleistungen beziehen. In der Regel reicht schon der Leistungsbescheid von der zuständigen Behörde als Bescheinigung für das P-Konto aus. Ansonsten können Sie sich an verschiedenen öffentlichen Einrichtungen kostenlos eine Bescheinigung ausstellen lassen wie:

  • Sozialleistungsträger wie das Arbeitsamt oder Jobcenter
  • Familienkassen
  • staatlich anerkannte Schuldner- und Verbraucherberatungsstellen für Insolvenz

Auch Ihr Arbeitgeber kann für Sie eine Bescheinigung ausfüllen, verpflichtet sind Unternehmen dazu jedoch nicht. Alternativ können Sie sich das benötigte Dokument auch von Anwält*innen oder Steuerberater*innen ausstellen lassen. Die verlangen allerdings ein Honorar dafür. 

Bei allen genannten Anlaufstellen können Sie sich auch Sonderzahlungen – beispielsweise für gesundheitliche Maßnahmen – bescheinigen lassen. Wenn Ihre Bank die Bescheinigung akzeptiert, ist der Basisbetrag plus der Freibetrag auf dem P-Konto vor Pfändungen geschützt. Sollte dies nicht der Fall sein, können Sie den erhöhten Pfändungsschutz auch beim Amtsgericht oder Vollstreckungsgericht beantragen.

Kommt die Pfändung von einer öffentlichen Behörde wie dem Finanzamt oder der Staatskasse, müssen Sie den höheren Freibetrag dort beantragen. Denn öffentliche Gläubiger dürfen Pfändungen direkt durchsetzen – ohne eine gerichtliche Erlaubnis.

Wie kann man den individuellen Freibetrag erhöhen?

Unter Umständen kann es sein, dass die pfändungsfreien Einkünfte höher sind als das auf einem P-Konto geschützte Guthaben. Zum Beispiel, wenn Sie noch zusätzliches unpfändbares Einkommen haben. Dazu gehören unter anderem Mehrarbeitsstunden (zur Hälfte), Aufwandsentschädigungen, Treuegelder, Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld (zur Hälfte, maximal 500 Euro) und Urlaubsgeld. 

Sind Ihre unpfändbaren Einkünfte nicht mehr durch den Basisschutz und eventuellen weiteren Freibeträgen auf dem P-Konto geschützt? Dann können Sie einen beim Gericht oder bei der zuständigen Behörde einen Antrag auf die individuelle Festsetzung Ihres Freibetrags stellen. Es gibt dafür auch kostenlose Mustervorlagen wie für das Weihnachtsgeld bei der Verbraucherzentrale.

P-Konto: Wie kann man es eröffnen oder auflösen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Konto mit Pfändungsschutzfunktion einzurichten oder aufzulösen. Wichtig ist dabei: Sie dürfen maximal ein P-Konto haben. Die Bank fragt in der Regel bei der Schufa nach, ob bereits ein P-Konto auf Ihren Namen besteht. Mehr über die Schufa lesen im Ratgeber „Mysterium Schufa: Was hat es mit den berüchtigten Schufa-Einträgen auf sich?”

Wie geht es?

Sie haben zwei Möglichkeiten, ein P-Konto zu eröffnen:

  • Sie stellen einen Umwandlungsantrag für Ihr vorhandenes Girokonto bei Ihrer Bank. Die Umstellung auf ein P-Konto ist kostenlos, aber nicht unbedingt die Kontoführung. Spätestens vier Tage nach Ihrem Antrag muss die Bank das Konto umwandeln, denn die Schutzfunktion steht allen Bankkund*innen per Gesetz zu. 
  • Sie stellen bei einer Bank oder Sparkasse einen Antrag auf die Einrichtung eines P-Kontos. In dem Antrag kann direkt die Umwandlung in ein P-Konto verlangt werden. Am besten nutzen Sie dafür das Antragsformular von der Verbraucherzentrale.

Wenn Sie den Pfändungsschutz nicht mehr benötigen, widerrufen Sie die P-Konto-Vereinbarung. Dadurch wird Ihr Konto wieder auf ein normales Girokonto umgestellt. Oder Sie kündigen das Konto einfach. Dann löst die Bank es spätestens nach einem Monat auf.

Wann sollte man ein P-Konto eröffnen?

Das P-Konto schützt das Guthaben auch rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Pfändung. Wenn beispielsweise am 20. November die Pfändung zugestellt wird, Sie aber erst zwei Wochen später bei Ihrer Bank die Umwandlung in ein P-Konto verlangen, reicht das aus. Dann stehen Ihnen die Freibeträge ‒ zumindest der Grundfreibetrag von 1.260 Euro ‒ ab dem 20. November zu und nicht erst im Dezember.

Deswegen brauchen Sie nicht bei Pfändungsgefahr sofort ein P-Konto. Sie sollten es aber spätestens einen Monat nach der Pfändung umstellen, denn nur so lange ist die Schutzfunktion auch rückwirkend gültig. Bedenken Sie dabei, dass Ihre Bank nach dem Umwandlungsantrag auch noch vier Tage Zeit für die Umsetzung hat.

Ausnahme: Das Konto ist in Minus. Dann kann es bei drohender Pfändung sinnvoll sein, den Umwandlungsantrag frühzeitig zu stellen. Und zwar vor dem nächsten Geldeingang dem Konto. Denn ab dem Zeitpunkt der Umwandlung darf die Bank das auf dem Konto eingehende Geld nicht mehr verrechnen. Und es steht den Kontoinhaber*innen im Rahmen des Freibetrags als Guthaben zur Verfügung.

Welche Nachteile hat ein P-Konto?

Wenn kein akuter Bedarf an einem P-Konto besteht, sollten Sie auch keines einrichten. Denn das P-Konto bringt auch Nachteile mit sich:

  • Sie haben nur Zugriff auf den geschützten Freibetrag. Der Rest ist gesperrt.
  • Ein P-Konto darf nur auf Guthaben-Basis geführt werden. Sollten Sie einen Dispo haben, wird dieser gelöscht.
  • Kreditkarten werden ebenfalls gesperrt, es sei denn, es handelt sich um eine Prepaid-Kreditkarte.
  • Sie können unter Umständen Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, dem Abschluss eines Handyvertrags und Ähnlichem bekommen, da das P-Konto von der Schufa erfasst wird.

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