Ein Paar liegt auf dem Rücken auf einem Steg am See und hält ein Haus aus Papier in die Luft
Vorsorgen

Günstiger ins Eigenheim mit Wohn-Riester?

Bianca Sellnow
von Bianca Sellnow, 17.02.2020

Mehr Platz für die Familie im eigenen Haus. Die Wohnung so gestalten können, wie Sie es möchten. Geld in eine Immobilie investieren, statt es dem Vermieter zu geben. Und dazu im Alter mietfrei wohnen. Es gibt viele gute Gründe dafür, ein Eigenheim zu kaufen. Damit es Ihnen leichter fällt, sich diesen Traum zu erfüllen, fördert der Staat die Anschaffung von Haus oder Wohnung mit dem Wohn-Riester. Was es mit der Förderung auf sich hat, lesen Sie hier.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Der sogenannte Wohn-Riester ist ein Riester-Vertrag, der an den Kauf, Bau oder Umbau eines Eigenheims geknüpft ist.
  • Den Wohn-Riester können Sie als Riester-Bausparvertrag oder Riester-Darlehen abschließen.
  • Der Wohn-Riester wird staatlich unterstützt, genau wie die klassische Riester-Rente.
  • Um Zulagen zu erhalten, müssen Sie jährlich mindestens vier Prozent Ihres Bruttogehalts einzahlen.
  • Der Wohn-Riester ist nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll.

Wie funktioniert Wohn-Riestern überhaupt?

Die Riester-Rente ist Ihnen vielleicht schon ein Begriff. Sie soll als private Vorsorge mit staatlicher Unterstützung das Einkommen im Alter aufbessern. Denn die gesetzliche Rente reicht dafür in der Regel nicht mehr aus. Mehr dazu in unserem Artikel “Riestern? Ich?” Für wen die Riester-Rente sinnvoll ist – und für wen nicht.

Neben dieser auch als Geld-Riester bezeichneten Förderung gibt es seit 2008 den Wohn-Riester. Er soll die Finanzierung einer eigenen Immobilie erleichtern. Die staatliche Finanzspritze gibt es aber nur, wenn Sie diese eigene Immobilie selbst bewohnen (dazu später mehr). Der Gedanke dabei: Sie sparen sich im Alter die Miete und kommen mit Ihrer Rente besser über die Runden.

Das Wohn-Riestern geht auf zwei Arten: mit einem Bausparvertrag oder einem Darlehen.

Bausparvertrag

Hierbei zahlen Sie über mehrere Jahre hinweg in einen riestergeförderten Bausparvertrag ein. Der Staat unterstützt Sie mit Zulagen und Steuervorteilen. Soweit funktioniert der Wohn-Riester-Bausparvertrag wie die Riester-Rente. Der Unterschied ist: Beim Bausparvertrag warten Sie nicht bis zur Rente, um Ihr gespartes Geld ausbezahlt zu bekommen.

Stattdessen können Sie sich das Geld für die Anschaffung Ihrer Immobilie auszahlen lassen, sobald der Bausparvertrag zuteilungsreif ist. Wann das ist, hängt vom Vertrag ab. Häufig ist es nach fünf bis zehn Jahren soweit. Wie bei einem klassischen Bausparvertrag, können Sie anschließend ein zinsgünstiges Darlehen erhalten, um den Rest des Kaufpreises teilweise oder komplett zu finanzieren.

Schaffen Sie sich bereits vor Beginn der Auszahlungsphase ein Haus oder eine Wohnung an, können Sie das angesparte Geld aus dem Riester-Bausparvertrag auch früher entnehmen. Damit können Sie die Finanzierung tilgen. Jedoch müssen dafür mindestens 3.000 Euro im Bausparvertrag vorhanden sein.

Darlehen

Eine andere Variante des Wohn-Riesters ist ein Riester-Darlehen. Dieses Darlehen funktioniert wie ein gewöhnliches, sogenanntes Annuitätendarlehen. Dabei legen Sie gemeinsam mit dem Kreditgeber die Höhe der Finanzierung fest. Zum Beispiel den Kaufpreis des gewünschten Hauses abzüglich des Eigenkapitals, das Sie einbringen.

Anschließend zahlen Sie das Darlehen in festgelegten Raten ab. Wichtig: Das Darlehen muss so angelegt sein, dass Sie es bis zu Ihrer Rente vollständig beglichen haben. Auch hierbei erhalten Sie staatliche Zulagen und Steuervorteile – in diesem Fall aber für die Tilgung Ihrer Schulden statt fürs Ansparen.

Junge Frau tippt in einen Taschenrechner
© istock/BartekSzewczyk/2019  Ob Bausparvertrag oder Darlehen – beim Wohn-Riestern unterstützt Sie der Staat mit Zulagen und Steuervorteilen.

Wie hoch sind die staatlichen Zulagen?

Der Wohn-Riester basiert auf der Riester-Rente. Die Zulagen sind deshalb bei beiden Formen der Förderung genau gleich. Konkret bedeutet das:

  • Jeder Geförderte bekommt für das Wohn-Riestern 175 Euro pro Jahr vom Staat dazu. (Bei Ehepaaren ist die doppelte Förderung möglich.)
  • Darüber hinaus gibt es 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde.
  • Für ab 2008 geborene Kinder erhalten Sie jeweils 300 Euro pro Jahr.
  • Sparer bis 25 Jahre können zusätzlich einen Einsteigerbonus von 200 Euro bekommen.

Wichtig bei den Zulagen: Die erhalten Sie nur, wenn Sie jährlich mindestens vier Prozent Ihres Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr für das Wohn-Riestern einzahlen. Mehr zu den Bedingungen für den Erhalt von Zulagen lesen Sie weiter unten bei den Voraussetzungen.

Neben den staatlichen Zulagen können Sie mit dem Wohn-Riester, genau wie mit dem Geld-Riester, zusätzlich Steuern sparen. Bis zu 2.100 Euro von den eingezahlten Beiträgen darf jede geförderte Person jährlich in der Steuererklärung als Sonderausgaben angeben.

Beachten Sie dabei: Sie müssen die Beträge nach dem Renteneintritt versteuern. Das bedeutet, der Staat erleichtert Ihnen die Anschaffung Ihres Eigenheims durch Steuervorteile. Im Gegenzug zahlen Sie nach dem Beginn Ihrer Rente Steuern auf die ausgezahlten Beträge. Der Vorteil dabei: Im Alter wohnen Sie mietfrei und können sich dadurch wahrscheinlich die Steuern eher leisten als zu der Zeit, in der Sie Ihr Eigenheim noch abbezahlen mussten.

Beim Wohn-Riester wird dafür ein sogenanntes Wohnförderkonto eingerichtet. Darauf werden die Beiträge für Ihren Riester-Bausparvertrag oder das Riester-Darlehen vermerkt und auch die Zulagen. Dieses Geld wird zusätzlich mit zwei Prozent verzinst. Mit Beginn der Rente werden auf den dann bestehenden Gesamtbetrag Steuern fällig. Die Steuern können Sie entweder auf einen Schlag bezahlen, dann gibt es 30 Prozent Rabatt. Oder Sie zahlen in jährlichen Raten. Wie hoch diese sogenannten nachgelagerten Steuern und damit am Ende Ihre tatsächlichen Steuervorteile sind, hängt von Ihrem Einkommen im Alter ab.

Eine Frau hat ihr lachendes Kind im Arm
© istock/sanjeri/2018  Beim Wohn-Riestern bekommen Sie für jedes Kind eine jährliche Zulage.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Grundsätzlich können Sie eine Wohn-Riester-Förderung bekommen, wenn Sie auch Anspruch auf eine Riester-Rente haben. Das ist zum Beispiel bei allen der Fall, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Auch Auszubildende, Arbeitslose sowie Beamte und Soldaten haben Anspruch auf eine Riester-Förderung. Mehr dazu hier: „Riester-Rente: Mit Zulagen wächst die Altersvorsorge kräftig”.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass Sie die Förderung nur für ein Eigenheim erhalten, in dem Sie alt werden möchten. Deshalb gibt es weitere Bedingungen:

  • Sie müssen die gekaufte oder gebaute Immobilie bewohnen und es muss Ihr Hauptwohnsitz sein.
  • Das Haus oder die Wohnung muss entweder Ihnen gehören oder Sie kaufen sich mit einem sogenannten Pflichtanteil in eine Wohnungsgenossenschaft ein.
  • Das Haus oder die Wohnung befindet sich in der EU oder im EWR (= Europäischer Wirtschaftsraum, also die EU-Staaten plus Norwegen, Island und Liechtenstein).

Sie können auch ein bereits bewohntes Haus barrierefrei umbauen und dafür den Wohn-Riester nutzen. Barrierefrei umbauen bedeutet beispielsweise, dass Sie die Stufen am Eingang mit einer Rampe ergänzen, Handläufe installieren oder eine ebenerdige Dusche einbauen.

Die Nachteile am Wohn-Riester

Eine  finanzierte Immobilie können Sie nur unter bestimmten Umständen wieder verkaufen. Nämlich dann, wenn Sie innerhalb von fünf Jahren wieder eine anschaffen, mit der Sie die oben genannten Voraussetzungen erneut erfüllen. Bezahlen Sie im Alter die fälligen Steuern auf einmal, müssen Sie die Immobilie bis mindestens 20 Jahre nach Rentenbeginn behalten. Also in der Regel, bis Sie um die 85 bis 87 Jahre alt sind. Ausnahmen für diese Bedingungen gibt es, aber nur wenige.

Erfüllen Sie eine der Bedingungen nicht mehr und trifft auch keine der Ausnahmen auf Sie zu, verlieren Sie den Anspruch auf die Zulagen für das Wohn-Riestern. In diesem Fall müssten Sie die bereits erhaltenen Zulagen zurückzahlen.

Ein Paar sitzt auf dem Sofa und sieht sich auf dem Laptop die Zeichnung eines Hauses an
© istock/anyaberkut/2018  Ein Riester-Vertrag kann dabei helfen, Ihr Traumhaus zu finanzieren.

Wann ist die Förderung sinnvoll?

Einen Wohn-Riester-Vertrag abzuschließen, ist nur sinnvoll, wenn Sie auf absehbare Zeit tatsächlich bauen oder ein Haus kaufen wollen. Oder wenn Sie bereits im Eigenheim wohnen. Der einfache Grund: Der Wohn-Riester ist zweckgebunden – Sie müssen damit eine Immobilie finanzieren.

Liegt das Eigenheim noch in weiter oder ungewisser Ferne, ist eine Riester-Rente unter Umständen die bessere Wahl. Denn Sie können auch die Beträge aus einem Geld-Riester-Vertrag für die Finanzierung Ihres Eigenheims nutzen. Die Riester-Rente ist damit flexibler verwendbar, entweder als Eigenkapital für Haus beziehungsweise Wohnung oder als Rente. Beim Hauskauf mit dem Geld-Riester gibt es aber einiges zu beachten:

  • Sie dürfen aus der angesparten Riester-Rente entweder das gesamte Geld oder einen Teil entnehmen.
  • Entnehmen Sie nur einen Teil, müssen das aber mindestens 3.000 Euro sein.
  • Zudem müssen mindestens 3.000 Euro in Ihrem Geld-Riester-Topf verbleiben.
  • Bei einer Teilentnahme kommen Sie somit erst ab einem Gesamtwert von 6.000 Euro an Ihr Geld.

Tipp: Riester lohnt sich am ehesten für Ehepaare.

Tipp: Riester lohnt sich am ehesten für Ehepaare.

Ob Riester-Bausparvertrag oder -Rente: Beim Ansparen für ein Eigenheim ist die geförderte Summe mit 2.100 Euro relativ gering. Auf einen Zeitraum von 20 Jahren beträgt sie damit gerade einmal 42.000 Euro. Aber: Haben Ehepartner zwei einzelne Riester-Verträge, bekommen Sie nicht nur die doppelte Förderzulage, sondern sie verdoppeln auch die möglichen Steuervorteile. Zusammen können sie nach diesem Beispiel dann bereits 84.000 Euro in der Steuererklärung geltend machen. Bedenken Sie dabei aber wieder die nachgelagerte Besteuerung im Alter, wie in dem Punkt „Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?” beschrieben.

Bei hohen Zulagen oder wenig Eigenkapital rechnet sich Riestern 

Der Geld- oder Wohn-Riester lohnt sich besonders für die Abzahlung des Eigenheims für Familien mit vielen Kindern. Der einfache Grund: die Kinderzulagen. Ein Antragsteller allein erhält beim Riestern gerade mal 175 Euro pro Jahr an Zulagen vom Staat. Aber nehmen wir zum Beispiel einen Antragsteller mit vier Kindern, von denen zwei vor 2008 und zwei ab 2008 geboren sind. Hier erhöhen sich die jährlichen Zulagen bereits auf 1.145 Euro.

Auch bei wenig Eigenkapital kann ein Riester-Vertrag sinnvoll eingesetzt werden. Denn dann könnten Sie mit der Auflösung eines bestehenden Riester-Vertrags genug Eigenkapital für Ihr Traumhaus zusammenbekommen. Bevor Sie Ihre Altersvorsorge auflösen, sollten Sie festlegen, wie viel Haus Sie sich überhaupt leisten können.

Wie bei allen Verträgen, gilt auch beim Riestern: Vergleichen Sie immer mehrere Angebote miteinander. Trotz Zulagen und Steuervorteilen kann es durchaus sein, dass sich ein klassischer Bausparvertrag, ein Darlehen oder eine andere Art der Altersvorsorge für Sie mehr lohnt. Zum Beispiel, wenn Sie anderswo höhere Zinsen auf Ihre Sparbeiträge bekommen als beim Riester-Vertrag. Oder wenn die Gebühren für ein nicht riestergefördertes Darlehen deutlich niedriger sind.

Tipp: Mit Baukindergeld noch günstiger ins Eigenheim

Tipp: Mit Baukindergeld noch günstiger ins Eigenheim

Gerade für Familien ist es oft schwierig, ein Eigenheim zu finanzieren. Häufig reicht das Geld einfach nicht. Deshalb unterstützt der Staat sie seit 2018 zusätzlich mit dem sogenannten Baukindergeld. Wer berechtigt ist und wie viel günstiger Sie dadurch ins eigene Haus oder die Eigentumswohnung kommen, zeigen die KlarMacher in dem Artikel Baukindergeld bekommen: So ziehen Sie den Zuschuss an Land.

Was machen, wenn ich doch kein Haus kaufe?

Pläne zu schmieden, ist schön und gut. Und ein Riester-Bausparvertrag passt da vielleicht bestens rein. Doch was passiert, wenn sich bei Ihnen etwas ändert? Was, wenn Sie die geforderten vier Prozent von Ihrem Gehalt pro Jahr nicht mehr fürs Riestern entbehren können? Oder wenn Sie kein Eigenheim mehr bauen oder kaufen wollen? Müssen Sie die Förderbeträge dann zurückzahlen? Die kurze Antwort: Nicht unbedingt.

Die lange Antwort: Generell können Sie, wie bei der Riester-Rente, auch den Wohn-Riester-Vertrag frühzeitig kündigen. Allerdings können dabei Gebühren anfallen. Und Sie müssen in der Regel die erhaltenen Zulagen zurückzahlen. Alternativ gibt es die Möglichkeit, den Wohn-Riester-Bausparvertrag  beitragsfrei zu stellen. Etwa, wenn Sie einige Zeit überbrücken möchten, in der Sie keine Beiträge zahlen können. Der Vorteil: Die Zulagen bleiben erhalten.

Aber was, wenn Sie endgültig entscheiden, dass Sie weder Haus noch Wohnung kaufen möchten? Statt zu kündigen und damit die Zulagen zu verlieren, können Sie dann den Wohn-Riester umwandeln. Und zwar in eine Riester-Rente. Dabei können Gebühren anfallen, meist sind diese aber mit 100 bis 200 Euro relativ gering.

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