Hand greift nach einem Stück aus einer Torte
Vorsorgen

Steuern auf die Riester-Rente: Wie viel kriegt der Staat vom Kuchen ab?

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 23.10.2019

Endlich ist der große Tag da: Abschied aus der Firma, Blumen, ein letztes Gläschen mit den Kollegen – das war’s mit dem Arbeitsleben. Ab jetzt können Sie Ihren verdienten Lebensabend genießen. Und aus der Riester-Rente gibt es monatlich noch ein schönes Sümmchen dazu. Das Geld dürfen Sie allerdings nicht komplett behalten. Denn auf die Extra-Euro werden Steuern fällig. Was das Gesetz sagt und wann Sie wie viel an den Staat abführen müssen – hier erfahren Sie es.

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Muss ich auf die Riester-Rente Steuern zahlen?

Ja. Das Geld, das Sie als Riester-Rente erhalten, müssen Sie voll versteuern. Zumindest dann, wenn Ihr Gesamteinkommen über dem Grundfreibetrag liegt (siehe nächstes Kapitel).

Warum? Weil der Staat folgende Rechnung macht: Als Sie die Riester-Rente aufgebaut haben – also in der sogenannten Ansparphase – hat er Ihre Altersvorsorge noch gefördert. Denn auf Ihre Beiträge, die dazu von Ihrem Bruttogehalt abgingen, hat er keine Steuern erhoben. Im Ruhestand sollen Sie sich für diesen geldwerten Gefallen von damals revanchieren. Und zwar, indem Sie für die Riester-Rente Steuern abführen, wenn sie auf Ihrem Konto eingeht. Das nennt sich „nachgelagerte Besteuerung“.

Sie fragen sich, ob es nicht egal ist, wann der Staat die Steuern einzieht? Die Antwort lautet: Nein. In den meisten Fällen ist es unterm Strich günstiger, wenn Sie die Steuern erst als Rentner bezahlen statt von Ihrem Einkommen im Arbeitsleben. Denn die Rente fällt in der Regel geringer aus als das frühere Gehalt. Und je weniger Geld Sie im Ruhestand bekommen, umso weniger müssen Sie davon abführen. Sie haben also vorher mehr gespart, als Sie später an Steuern für die Riester-Rente bezahlen. 

Außerdem: Auf Riester-Renten fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an, beispielsweise für die Kranken- und Pflegeversicherung (außer bei Riester-Verträgen im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge).

Wie viel Steuern muss ich bezahlen?

Die Höhe der Steuern auf die Riester-Rente hängt von verschiedenen, individuellen Umständen ab. Darauf kommt es an:

  • Die Riester-Rente zählen Sie zu Ihrem gesamten Einkommen hinzu, also zu Ihrer gesetzlichen Rente und gegebenenfalls zu weiterem Einkommen. Das kann zum Beispiel Geld sein, das Sie mit Vermietungen oder Aktiengewinnen machen.
  • Wenn Sie vor dem Jahr 2039 Ihren 64. Geburtstag feiern, können Sie noch den sogenannten Altersentlastungsbetrag von Ihrem Einkommen abziehen. Das ist ein bestimmter, unveränderlicher Prozentsatz, der für Sie dauerhaft steuerfrei ist. Wie hoch dieser Prozentsatz ist, hängt davon ab, in welchem Jahr Sie 64 Jahre alt werden. Je später, desto weniger können Sie abziehen. Ab 2040 wird der Altersentlastungsbetrag abgeschafft.
  • Liegt Ihr Gesamteinkommen unter dem Grundfreibetrag, müssen Sie gar nichts versteuern – also auch nichts von Ihrer Riester-Rente. Der Grundfreibetrag liegt für Alleinstehende bei 9.168 Euro pro Jahr, für Verheiratete bei 18.336 Euro (Stand 2019). In den kommenden Jahren soll er kontinuierlich steigen. Liegt Ihr Gesamteinkommen über dem Grundfreibetrag, müssen Sie eine Steuererklärung abgeben.
Mann sitzt mit Taschenrechner und Notizblock vor seiner Steuererklärung
© Getty Images/elenaleonova  Die Einkünfte aus der Riester-Rente müssen Sie in der Steuererklärung gesondert angeben.

Wo gebe ich die Riester-Rente in der Steuererklärung an?

Für Rentner gilt hier die Anlage „R“ in der Steuererklärung. Die Einnahmen aus Ihrer Riester-Rente geben Sie auf Seite 2 unter „Leistungen aus einem Altersvorsorgevertrag“ an. Das Finanzamt geht automatisch von einer Pauschale von 102 Euro für Werbungskosten aus. Dazu gehören Ausgaben zum Beispiel für Rechtsberatung rund um die Rente und Gebühren für das Girokonto. Geben Sie für Werbungskosten nur dann eine Summe an, wenn Ihre Ausgaben über den 102 Euro liegen.

Wie wird Wohn-Riester versteuert?

Beim sogenannten Wohn-Riester erhalten Sie dieselben Zulagen wie beim „normalen“ Riester. Allerdings sparen Sie hier kein Geld an, das Sie dann als Rente erhalten. Stattdessen finanzieren Sie damit eine Immobilie, um darin im Alter mietfrei zu wohnen.

Auch beim Wohn-Riester gibt es eine nachgelagerte Besteuerung. Allerdings bekommen Sie hier keine Rente ausbezahlt, auf die Sie Steuern zahlen könnten. Deshalb läuft das so: Die angesparten Beträge plus Zulagen und Zinsen werden auf einem „Wohnförderkonto“ vermerkt. Mit dem Rentenbeginn, spätestens mit 68 Jahren, wird das Konto aufgelöst und die aufgelaufene Summe muss versteuert werden. Dabei gilt Ihr persönlicher Einkommensteuersatz: Bei einem niedrigen Einkommen müssen Sie einen geringeren Prozentsatz abführen, bei einem größeren Einkommen einen höheren.

Sie können zwischen zwei Möglichkeiten wählen:

  • Sie versteuern die Gesamtsumme auf einen Schlag. In dem Fall zieht Ihnen der Staat davon 30 Prozent ab. Versteuern müssen Sie dann nur die verbleibenden 70 Prozent. Aber denken Sie daran: In dem Jahr der Kontoauflösung wird eine sehr hohe Steuersumme fällig, ohne dass Sie hohe Einnahmen haben. Denn Ihre angesparten Riester-Beiträge stecken ja in der Immobilie.
  • Sie teilen die Summe durch die Anzahl der Jahre bis zu Ihrem 85. Geburtstag. Pro Jahr versteuern Sie dann nur diesen anteiligen Betrag. Beispiel: Sie lösen das Wohnförderkonto mit 65 Jahren auf. Dann versteuern Sie 20 Jahre lang (= die Jahre bis zu Ihrem 85. Geburtstag) je ein Zwanzigstel der aufgelaufenen Summe.

Welche Variante für Sie günstiger ist, hängt von Ihren persönlichen Verhältnissen ab. Häufig haben Rentner auch gar nicht die nötigen Mittel, um alle Steuern auf einmal zu bezahlen. Ein Steuerexperte kann Sie beraten.

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