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Vorsorgen

“Riestern? Ich?” Für wen die Riester-Rente sinnvoll ist – und für wen nicht

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 22.07.2019

Mehr Geld im Alter, seinen Lebensstandard halten und sich womöglich das eine oder andere Extra leisten können – die gesetzliche Rente könnte dafür häufig nicht reichen. Also sollen möglichst viele rechtzeitig zusätzliches Geld zurücklegen, fand der Staat. Und erfand die “Riester-Rente”, eine Vorsorge mit kräftigen Zulagen. Trotzdem genießt die Riester-Rente nicht den besten Ruf. Denn nicht für alle ist sie sinnvoll. Wann sie lohnt und was Sie bedenken müssen, lesen Sie hier.

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Auf den Punkt

Auf den Punkt

Die Riester-Rente ist besser als ihr Ruf. Auch wenn undurchsichtige Verträge, hohe Abschlussgebühren und der eine oder andere Fallstrick einem Riester-Sparer das Leben schwer machen.

Eine Riester-Rente lohnt sich trotzdem vor allem für

  • Arbeitnehmer mit Kindern, denn mit den Zulagen kommt selbst bei geringen Eigenbeiträgen eine hübsche Summe zusammen,
  • alleinstehende Gutverdiener, die besonders stark vom Steuervorteil profitieren,
  • alle, die ihre Altersvorsorge vor finanziellen Risiken (Schulden, Hartz IV, Insolvenz) schützen wollen.

 

Vorteil 1: Die Riester-Rente ist sicher

Norbert Blüm, Arbeitsminister unter Bundeskanzler Helmut Kohl, plakatierte damals werbewirksam den Spruch: “Die Rente ist sicher”. Was er meinte, war: Da die Jüngeren für die Älteren in die Rentenkasse einzahlen, wird immer Geld für Renten zur Verfügung stehen. Die Frage ist allenfalls, ob die Rente hoch genug ist für ein sorgenfreies Leben. Doch ganz leer ausgehen kann mit der gesetzlichen Rente niemand.

Auch die Riester-Rente ist sicher. Hier zahlen nur nicht die Jüngeren für die Älteren ein, sondern die Versicherten selbst legen Geld für ihr Alter beiseite. Sicher meint dabei, dass die Riester-Rente staatlich geschützt ist. Mit anderen Worten: Das angesparte Geld darf nicht gepfändet werden. Auch wenn Sie Hartz IV erhalten oder Privatinsolvenz anmelden, müssen Sie die Rücklagen nicht auflösen. Außerdem dürfen Sie nicht weniger ausgezahlt bekommen, als Sie eingezahlt haben.

Wer darf überhaupt riestern?

Wer darf überhaupt riestern?

Grundsätzlich darf jeder riestern. Aber nicht für jeden Riester-Sparer gibt es auch eine Zulage. “Riestern” lohnt sich deshalb nur für 

  • Arbeitnehmer, die Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung zahlen,
  • Beamte,
  • Selbstständige, die rentenversicherungspflichtig sind (z. B. Hebammen, Seelotsen, Publizisten u. a.),
  • Studenten, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind oder bei einem Minijob auf die Versicherungsfreiheit verzichtet haben.

Für Selbstständige, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, gibt es als Alternative zur Riester-Rente die staatlich geförderte Rürup-Rente.

Vorteil 2: Der Staat legt kräftig was drauf

Der vielleicht größte Vorteil beim Riestern: Sie legen nicht allein Geld für Ihr Alter zur Seite. Der Staat mischt ordentlich mit. Wenn Sie vier Prozent von Ihrem Bruttoeinkommen in die Riester-Kasse einzahlen, gibt es 175 Euro pro Jahr obendrauf – Jahr für Jahr. Und pro Kind spendiert der Staat noch einmal jeweils 300 Euro (Stand: Juni 2019).

Beispiel: Sie verdienen jährlich 30.000 Euro brutto. Davon legen Sie vier Prozent zur Seite, also 1.200 Euro. Dafür erhalten Sie eine Zulage von 175 Euro (ohne “Kinderzulage”). Der Clou: Diese Zulage können Sie von den angepeilten 1.200 Euro abziehen. Sprich: Sie selbst müssen eigentlich nur 1.025 Euro statt der 1.200 Euro zurücklegen, um auf die geforderten vier Prozent zu kommen. Theoretisch ist es demnach sogar möglich, dass Sie durch die Zulage überhaupt nichts mehr selbst einzahlen müssen. Wenn Sie zum Beispiel drei Kinder haben, gibt es schon 1.075 Euro Zulage (3 x 300 Euro Kinderzulage plus 175 Euro “normale” Zulage) – bei einem Bruttoeinkommen von rund 26.800 Euro pro Jahr hätten Sie die geforderten vier Prozent dann schon allein durch die Zulage erreicht. 

Ganz ohne eigenes Geld geht es dann aber doch nicht: Einen Beitrag von mindestens 60 Euro im Jahr muss man laut Gesetz selbst leisten, um die staatliche Förderung zu bekommen.

Übrigens: Mehr als die 175 Euro “normale” Zulage gibt es nicht – auch dann nicht, wenn Sie mehr als vier Prozent Ihres Bruttoeinkommens in die Riester-Rente einzahlen. Und: Um die Zuzahlung zu bekommen, ist ein Antrag bei der Zulagenstelle für Altersvorsorge nötig. Das übernimmt aber in aller Regel das Unternehmen für Sie, bei dem Sie die Riester-Rente abgeschlossen haben.

Seniorin und ihre Tochter spazieren Arm in Arm am Strand entlang
© istock/gradyreese/2018  Bei der Riester-Rente profitiert man im Erwerbsleben von der Steuerrückzahlung, im Alter von den sicheren Auszahlungen zusätzlich zur gesetzlichen Rente.

Vorteil 3: Der Steuerberater freut sich

Der Staat hat noch einen zweiten Trumpf im Ärmel, mit dem er eine Riester-Rente interessant macht: den Steuervorteil. Maximal 2.100 Euro angespartes Riester-Geld dürfen Sie bei Ihrer Steuererklärung von Ihrem Bruttoeinkommen abziehen. Entsprechend weniger Steuern müssen Sie zahlen.

Wie viel Geld Sie dadurch sparen, hängt davon ab, wie viel Sie verdienen. Denn in Deutschland zahlt man je nach Höhe des Einkommens unterschiedlich viel Steuern – für die ersten 9.100 verdienten Euro im Jahr werden gar keine Steuern fällig, für die nächsten 100 Euro zahlen Sie vier Prozent, dann 14 Prozent und für noch höhere Einkommensstufen noch mehr – bis zum Spitzensteuersatz von 42 Prozent auf das Jahreseinkommen ab etwa 55.000 Euro.

Wer besonders gut verdient, profitiert also besonders von dem Steuervorteil einer Riester-Rente. Denn Top-Verdiener müssten auf die 2.100 Euro, die sie jetzt stattdessen in die Riester-Kasse legen, normalerweise womöglich 42 Prozent Steuern zahlen – sparen also zum Beispiel rund 880 Euro. Wer weniger verdient und vielleicht nur 14 Prozent auf dieses Einkommen zahlt, bei dem ist die Steuerersparnis nur knappe 300 Euro hoch.

Den Steuervorteil erhält man direkt als Rückzahlung aufs eigene Konto. Allerdings ist die Rückzahlung nicht ganz so hoch wie der errechnete Steuervorteil, weil im Maximalbetrag von 2.100 Euro ja auch die Zulage eingerechnet ist und verrechnet wird.

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Nachteil 1: Steuerfrei heißt nicht steuerfrei

Zwar kann man als Riester-Sparer das eingezahlte Geld von der Steuer abziehen. Dennoch ist die Riester-Rente nicht komplett steuerfrei. Das Stichwort heißt “nachgelagerte Besteuerung”. Das bedeutet: Sie müssen zwar nicht die Steuern für das Geld zahlen, das Sie zurücklegen. Dafür aber für das Geld, das Sie im Alter ausgezahlt bekommen. Hier werden die vollen Steuern fällig.

Also zahlen Sie einfach nur später, was Sie vorher sparen? Nicht ganz. Denn wie schon bei Vorteil 3 erklärt, richtet sich der fällige Steuersatz nach der Höhe des Einkommens. Und die Rente ist ja in aller Regel niedriger als das, was Sie als Gehalt während Ihres Erwerbslebens bekommen. Entsprechend geringer fällt auch der fällige Steuersatz aus. Mit anderen Worten: Sie zahlen im Alter zwar Steuern, aber das ist insgesamt weniger als das, was Sie vorher sparen. Trotzdem ist die Steuer ein wichtiger Punkt bei der Frage, ob Riestern für Sie sinnvoll ist.

Nachteil 2: Nur wer lange lebt, kriegt genug Rente

In der Regel bekommen Sie die Riester-Rente ab dem Zeitpunkt ausbezahlt, ab dem Sie auch Ihre gesetzliche Rente bekommen. Falls Sie schon in jüngeren Jahren in (Riester-)Rente gehen wollen, können Sie sich das Geld auch früher auszahlen lassen – der Betrag fällt dann natürlich umso geringer aus, weil Ihnen die letzten Jahre Einzahlungen und Zulagen fehlen. Unter 62 Jahren (bei älteren Verträgen: unter 60 Jahren) ist eine Auszahlung aber nicht drin.

Von der angesparten Summe können Sie bis zu 30 Prozent sofort als Einmalzahlung bekommen (bei älteren Verträgen: bis zu 20 Prozent). Den Rest gibt es dann Monat für Monat. Wie hoch die monatliche Rente ausfällt, hängt davon ab, welche Lebensdauer in Ihrem Vertrag veranschlagt ist. Die angesparte Gesamtsumme wird durch die vereinbarten Monate geteilt – fertig ist die monatliche Rente. Diese Rente bekommen Sie bis an Ihr Lebensende. Leben Sie länger als veranschlagt, bekommen Sie also mehr ausgezahlt als angespart. Sterben Sie früher, ist es unterm Strich weniger.

Das Problem: Viele Versicherer gehen davon aus, dass Sie sehr lange leben. Laut einer Berechnung von Stiftung Warentest (Ausgabe 5/2012) müssten Sie je nach Vertrag 82 bis 85 Jahre alt werden, bis Sie Ihr eingezahltes Kapital plus Zulagen wieder ausbezahlt bekommen haben. Allerdings legen die Versicherer Ihr Geld auf dem Finanzmarkt an, kaufen zum Beispiel Aktien oder Staatsanleihen. Von den Gewinnen erhalten die Sparer je nach Vertrag einen Anteil. Umso höher fällt dann die Riester-Rente aus. Dann haben Sie Ihren Einsatz auch früher wieder drin.

Junges Paar sieht sich gemeinsam verschiedene Formulare an
© istock/Nomad/2017  Vor dem Abschluss einer Riester-Rente sollte man mehrere Angebote einholen und miteinander vergleichen.

Nachteil 3: Geringverdiener könnten vergeblich sparen

Lange Zeit war es für Geringverdiener schlicht egal, ob sie privat vorsorgen oder nicht. Warum? Weil der Staat ihre Rente aufstockt, wenn sie im Alter weniger zur Verfügung haben, als sie für die sogenannte “Grundsicherung” benötigen. Im Durchschnitt beträgt die Grundsicherung 838 Euro im Monat (Stand: Juni 2019). Egal, ob sie nun vorgesorgt hatten oder nicht: Über diese Grenze hinaus gab es vom Staat kein Geld dazu. Wenn sie trotz Riester-Rente unter der Grundsicherung blieben, hatten sie am Ende also genauso viel im Portemonnaie, als wenn sie niemals auch nur einen Cent zurückgelegt hätten.

Immerhin: Mittlerweile wurde diese Schieflage etwas begradigt. Ab 2018 dürfen Geringverdiener 100 Euro aus ihrer Riester-Rente behalten, ohne dass die Aufstockung dadurch geringer wird. Riester-Sparer haben in diesem Fall also 100 Euro mehr im Geldbeutel als Nicht-Sparer. Bekommen sie mehr Riester-Rente als diese 100 Euro, dürfen sie davon weitere 30 Prozent behalten – bis zu einem Maximalbetrag von knapp über 200 Euro. Der Maximalbetrag soll jährlich steigen.

Nachteil 4: Erben gucken womöglich in die Röhre

Die Riester-Rente gehört dem Versicherten – und nur dem Versicherten. Sie lässt sich nicht ohne Weiteres vererben. Allenfalls, wenn der Ehepartner auch einen Riester-Vertrag besitzt, kann das Guthaben darauf übertragen werden. Sonst erhalten die Erben nur die eingezahlten Beiträge, aber die Zulagen und Steuervergünstigungen verfallen. Doch selbst das kann von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich sein.

Nachteil 5: Der Vertrags-Dschungel ist ein dichtes Gestrüpp

Welche Bedingungen gelten, welche Abschlussgebühren fällig werden, wann es wie viel Geld gibt – Riester-Verträge sind für Laien kaum zu durchschauen. Und als wäre das nicht genug, sind auch die staatlichen Vorgaben kein Vergnügen. Stimmt nach einer Gehaltserhöhung noch der Mindestbeitrag von vier Prozent? Sind bei der Zulage alle Kinder erfasst? Dieses und mehr müssen Sie als Versicherter im Auge behalten.

Tipp: Holen Sie sich vor dem Abschluss eines Riester-Vertrages mehrere Angebote ein und lassen Sie sich alles von einem unabhängigen Versicherungsfachmann erklären. 

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