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Sollzins und effektiver Jahreszins: Was ist was?

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 03.11.2020

Der Autokredit, die Baufinanzierung, das Überziehen des Dispos: Wann immer Sie Geld vorgestreckt bekommen, möchte der Kreditgeber mehr Geld von Ihnen zurückbekommen. Nur wie viel genau? Da hilft ein Blick in die Kreditbedingungen. Doch da finden Sie gleich zwei Angaben zu den Zinsen, nämlich Sollzins und effektiver Jahreszins. Nur was ist der Unterschied? Wie viel kostet Sie das Geldleihen? Was Sie wissen müssen, lesen Sie hier.

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Auf den Punkt:

Auf den Punkt:

  • Sollzins und effektiver Jahreszins spielen bei Krediten eine Rolle.
  • Der Sollzins ist das, was der Kreditnehmer ausschließlich für die geliehene Summe bezahlt.
  • Es können zusätzliche Kosten auf den Kreditnehmer zukommen, etwa Gebühren.
  • Der effektive Jahreszins berücksichtigt die Zusatzkosten und zeigt damit die tatsächliche Belastung. 

Was ist der Unterschied zwischen Sollzins und effektivem Jahreszins?

Wenn Sie bei einer Bank einen Kredit aufnehmen, dann möchte die daran verdienen. Deshalb müssen Sie ihr mehr zurückzahlen als das, was Sie sich geliehen haben. Sollzins heißt diese Summe, die Sie für das Darlehen drauflegen müssen. Der Sollzins wird in Prozent und in der Regel pro Jahr angegeben. 

Ein Beispiel: Sie haben sich 1.000 Euro für einen Sollzins von 10 Prozent geliehen. Wenn Sie den Kredit nach einem Jahr Laufzeit zurückzahlen, müssen Sie nicht nur die geborgten 1.000 Euro, sondern weitere 100 Euro (10 Prozent von 1.000 Euro) an die Bank überweisen. Damit hat Sie der Kredit 100 Euro gekostet. Der Sollzins wurde früher übrigens „Nominalzins“ genannt, teilweise liest man diesen Begriff noch heute.

Doch beim Sollzins allein bleibt es oft nicht. Zusätzlich können weitere Kosten für Ihr Darlehen auf Sie zukommen. Je nach Kreditangebot schlägt die Bank vielleicht noch Verwaltungsgebühren, Vermittlungsgebühren oder Geld für andere Leistungen drauf.

Was uns zum effektiven Jahreszins führt. Der fasst nämlich den Sollzins sowie die weiteren Aufwendungen in Prozent zusammen, die Sie über den eigentlich geliehenen Betrag hinaus an den Kreditgeber bezahlen müssen. Mit dem effektiven Jahreszins können Sie also Ihre tatsächliche Belastung berechnen und verschiedene Kreditangebote miteinander vergleichen. Achten Sie aber darauf, dass die Kreditsumme und die Laufzeit jeweils gleich sind.

Ein Vergleich: Mit Sollzins und effektivem Jahreszins verhält es sich ähnlich wie mit Kaltmiete und Warmmiete. Die Kaltmiete ist der Betrag, den der Vermieter für das reine Wohnen von Ihnen haben möchte. Das ist praktisch der Sollzins. Die Warmmiete entspricht dem effektiven Jahreszins. Denn bei ihr sind zusätzlich zur Kaltmiete die sogenannten Nebenkosten enthalten. Je nach Vertrag fallen die zum Beispiel für den Verbrauch von Heizung, Strom oder Wasser an.

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© istock/skynesher/2019  Besonders bei der Baufinanzierung sind weitere Kosten zusätzlich zum Sollzins üblich, die im effektiven Jahreszins enthalten sind.

Was ist im effektiven Jahreszins nicht enthalten?

Vorsicht: Selbst der effektive Jahreszins verrät nicht unbedingt alle Kosten, die bei einem Kredit auf Sie zukommen können. Auch hier ist es wie bei der Warmmiete. Sie enthält beispielsweise meistens nicht die Gebühr für einen Internetanschluss. Auch Ihre Hausratversicherung müssen Sie als Mieter extra zahlen.

Beim effektiven Jahreszins ist es sinngemäß ebenso. Er umfasst zum Beispiel nicht die Restschuldversicherung, die Sie für den Notfall abschließen können. Die Prämie dafür müssen Sie bei der Rückzahlung zum effektiven Jahreszins hinzuzählen.

Ein anderes Beispiel: Wenn Sie Ihre Schulden schneller begleichen und dafür eine Sonderzahlung leisten wollen, erheben manche Kreditgeber dafür Extragebühren. Schließlich gehen ihnen Zinsen verloren, wenn der Kredit kürzer läuft. Diese Kosten sind ebenfalls nicht im effektiven Jahreszins enthalten.

Bei Immobilienkrediten muss häufig der Wert der Immobilie ermittelt werden. Dafür fallen sogenannte Schätzgebühren an. Diese müssen laut Gerichtsurteil (OLG Düsseldorf 2209 I-6 U 17/09) eigentlich vom Kreditgeber getragen werden, werden aber manchmal über Umwege den Kreditnehmern aufgebürdet. Auch Notarkosten können hinzukommen und gehören ebenfalls nicht zum effektiven Jahreszins.

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© istock/Easy_Company/2017  Lassen Sie sich vor einem Kreditabschluss genau erklären, wie sich der effektive Jahreszins zusammensetzt.

Wie viel macht der Sollzins in der Praxis aus?

Wie wir gesehen haben, macht der Sollzins nur einen Teil der gesamten Kreditkosten aus. Allerdings einen ziemlich großen. Was bedeutet das in der Praxis? Oder besser: wie viel? Schauen wir es uns an.

Angenommen, der Sollzins beträgt 5 Prozent pro Jahr. Liegen die Kosten für einen Kredit von 5.000 Euro am Ende also bei 5.250 Euro? Ja, aber nur dann, wenn Sie ihn innerhalb eines Jahres komplett abbezahlen. Brauchen Sie dafür länger, wird es etwas komplizierter mit der Sollzinsberechnung.

Denn was diese 5 Prozent Sollzins unterm Strich ausmachen, hängt davon ab, wann Sie wie viel von der Kreditsumme zurückzahlen (= „tilgen“). Warum? Weil die 5 Prozent für jedes Jahr neu anfallen. Und zwar so lange, bis Sie den Kredit vollständig getilgt haben. Das bedeutet, dass Sie bei einer Laufzeit von zwei Jahren also zweimal 5 Prozent Sollzins zahlen müssen. Bei drei Jahren dreimal 5 Prozent und so weiter. So ergibt sich bei mehreren Jahren Laufzeit am Ende also mehr als die 5.250 Euro, nach denen der Sollzins zunächst klingt.

Immerhin: Mit jedem Jahr, in dem Sie etwas vom Kredit tilgen, wird Ihre Restschuld kleiner. Damit sinkt die Summe, auf die der Sollzins angerechnet wird.

Beispiel: Sie wollen den Kredit von 5.000 Euro innerhalb von fünf Jahren in gleichbleibenden Raten zurückzahlen. Pro Jahr bauen Sie also 1.000 Euro des Kredits ab. Bei einem Sollzins von 5 Prozent heißt das: Im ersten Jahr gehen 1.000 Euro plus 250 Euro (= 5 Prozent von 1.000 Euro) an die Bank.

Im zweiten Jahr tilgen Sie weitere 1.000 Euro. Aber an Zinsen werden nur noch 200 Euro fällig. Warum? Weil Ihre Schulden dann nur noch 4.000 Euro betragen. Und 5 Prozent davon sind 200 Euro. Und so sinken die Kosten für den Sollzins Jahr für Jahr. Es sei denn, Sie vereinbaren ein sogenanntes Annuitätendarlehen. In dem Fall wird Ihre Tilgung so mitberechnet, dass Sie immer eine gleichbleibende Rate zahlen.

Für den effektiven Jahreszins ist das alles übrigens egal. Er zeigt, wie viele Prozente Ihnen pro Jahr durchschnittlich auf die geliehene Summe draufgeschlagen werden.

Übrigens: Wenn der Sollzins – wie in unserem Rechenbeispiel – während der gesamten Laufzeit immer gleich hoch bleibt, spricht man von einem gebundenen Zins. Es gibt aber auch variable Zinssätze. Ein Beispiel dafür ist der Zinssatz für den Dispo beim Girokonto, der in der Regel immer wieder neu angepasst wird.

Effektiver Jahreszins bei Kreditkarten: Das müssen Sie wissen

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Sie wollen den Betrag, den Sie mit den Kreditkarten der Hanseatic Bank gezahlt haben, auf Raten zurückzahlen? Dann finden Sie den effektiven Jahreszins unter anderem in diesem PDF.

Ein Tipp: Sie können die Höhe der Raten an Ihre persönlichen Bedürfnisse anpassen. Und zwar ganz einfach über die App Hanseatic Bank Mobile (unter Karten- und Kontoservice > Meine Rate). Ziehen Sie den Schieberegler darin beispielsweise auf 100 %, dann zahlen Sie die gesamte Summe am Monatsende auf einen Schlag zurück. In diesem Fall werden keinerlei Zinsen fällig.

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