Finanzieren

Kredit und Darlehen: Gibt’s da eigentlich einen Unterschied?

von Detlev Neumann, 03.07.2023

Wer sich fremdes Geld leiht und es später zurückzahlt, der nimmt einen Kredit auf. Oder ist das doch ein Darlehen? Im normalen Sprachgebrauch gehen beide Begriffe oft durcheinander. Aber haben sie wirklich die gleiche Bedeutung oder gibt es Unterschiede zwischen einem Kredit und einem Darlehen? Gute Frage. Hier kommt die Antwort. 

Themen in diesem Artikel

Darlehen vs. Kredit: In jedem Fall geht es um geliehenes Geld

Banken, Sparkassen und andere Geldinstitute rühren ihre Werbetrommeln oft für Kredite oder Darlehen. Mal preisen sie einen preiswerten Autokredit an, mal ein zinsgünstiges Immobiliendarlehen. Aber warum heißt es in dem einen Fall so und in dem anderen so?

Sicher ist jedenfalls: Um einen Kredit beziehungsweise ein Darlehen geht es, wenn du dir vorübergehend einen gewissen Betrag borgst – etwa von einer anderen Person oder von einer Bank. Zum Beispiel dann, wenn du dir einen Wunsch erfüllen willst, für den du selbst gerade kein Geld übrighast.

Die geliehene Summe zahlst du dann zurück. Hinzu kommen in der Regel Zinsen. Wie lange die Rückzahlung dauert und wie hoch die Zinsen sind, steht im entsprechenden Vertrag. Wer sich das Geld leiht, nimmt damit einen Kredit oder ein Darlehen auf. Anders ausgedrückt: Du machst Schulden, die du später vereinbarungsgemäß begleichst. Das wäre damit geklärt. Der Unterschied zwischen Kredit und Darlehen aber noch nicht. 

Übrigens: Streng genommen muss es bei einem Kredit gar nicht um Geld gehen. Dieses und noch mehr Wissenswertes findest du im Artikel „Mehr als du vielleicht denkst: Was ist eigentlich ein Kredit?“.

Kredit aufnehmen? Das sollte jeder dazu wissen! 

Klicken Sie hier, um die Inhalte von YouTube anzuzeigen.

Meine Zustimmung kann ich jederzeit unter Datenschutz widerrufen.

© Verbraucherzentrale NRW 

Das Gesetz kennt nur „Darlehen“

Ein Blick ins Bürgerliche Gesetzbuch hilft kaum weiter. Dort ist in den diesbezüglichen Paragrafen 488 bis 490 nur von Darlehen beziehungsweise Darlehensvertrag die Rede. Der Begriff „Kredit“ taucht darin überhaupt nicht auf.

Trotzdem gilt der Kredit im allgemeinen Sprachgebrauch als Oberbegriff für das meist zinspflichtige Leihen und Zurückzahlen von Geld. Die Bezeichnung Darlehen hingegen wird oft als Unterbegriff verwendet. Das bedeutet für die Definition: Ein Darlehen ist immer ein Kredit, doch ein Kredit ist nicht immer ein Darlehen. Eine amtliche Begründung oder juristische Regel gibt es dafür jedoch nicht.

Laufzeit und Höhe der Geldaufnahme – ist das der Unterschied?

Ebenfalls wie von selbst eingebürgert haben sich zwei weitere Unterschiede. Sie betreffen zum einen die Laufzeit, und zum anderen die Höhe einer Geldaufnahme. Eine inoffizielle Richtschnur dazu sieht so aus:

Oft verwendeter Unterschied zwischen Kredit und Darlehen

Art der GeldaufnahmeDauer der GeldaufnahmeHöhe der Geldaufnahme
Krediteher kurzfristig und mittelfristig; bis zu vier, fünf Jahregering
Darleheneher langfristig; ab vier, fünf Jahrenhoch
   

Weil es aber auch für diese Einteilung weder eine gesetzliche noch eine andere konkrete Leitlinie gibt, ist sie Auslegungssache. Das heißt: Der Übergang zum Beispiel zwischen kurzfristig, mittelfristig und langfristig lässt sich nicht richtig dingfest machen. Als Faustregel gilt aber häufig: Bis zu einer Laufzeit von vier bis fünf Jahren spricht man von einem Kredit. Was auf eine längere Dauer für die Rückzahlung ausgelegt ist, wird Darlehen genannt.

Ähnlich unscharf sieht es bei der Menge des geliehenen Gelds aus. Brauchst du es für einen neuen Fernseher oder ein Auto? Dann nimmst du gemeinhin einen Kredit auf. Willst du damit eine Wohnung oder ein Haus finanzieren, beanspruchst du ein Immobiliendarlehen. Manche Banken bezeichnen das allerdings auch als Immobilienkredit. Laufzeit und Summe einer solchen Vereinbarung taugen also auch nicht, um einen klaren Unterschied zu finden.

Übrigens: Mehr über die unterschiedlichen Kreditarten liest du in diesem Ratgeber „Kreditarten: Was unterscheidet Ratenkredit, Dispositionskredit und Co.?”. 

Ein jüngerer Mann im Business-Outfit sitzt gut gelaunt am Steuer eines Autos.
© iStock/nd3000/2017  Guter Grund für einen Kredit oder Darlehen: ein neues Auto.

Den Kredit macht(e) die Unterschrift, das Darlehen erst die Überweisung

Aber einen Unterschied gibt es doch. Oder genauer gesagt: Es gab ihn. Und zwar bis Ende 2001. Zuvor basierte ein Darlehen im Gegensatz zum Kredit auf einem sogenannten Realkontrakt. Das bedeutete: Für den Gesetzgeber war ein Darlehen erst dann gültig, wenn die vereinbarte Summe auf dem Konto einging. Ein Kredit dagegen war es sofort, wenn der entsprechende Vertrag unterschrieben war. Womöglich liegt es daran, dass jedes Darlehen auch ein Kredit ist, ein Kredit aber nicht immer ein Darlehen.

Doch wie auch immer: Diese Unterscheidung zwischen Unterschrift und Geldüberweisung existiert heute nicht mehr. Seit dem 1. Januar 2002 kommt es nur noch auf den Vertragsabschluss an.

Fazit: Ob es Darlehen oder Kredit heißt, macht im normalen Sprachgebrauch keinen Unterschied. Beide Varianten sind zulässig und werden sogar von Banken oder anderen Finanzinstituten uneinheitlich verwendet. Und für die Kund*innen ist es unterm Strich ebenfalls egal, ob sie einen Kredit oder ein Darlehen aufnehmen.

Wie hat dir der Artikel gefallen?

316
44

Das könnte dich auch interessieren: