Eine junge Frau arbeitet am Laptop auf einer Terrasse am Meer
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Passives Einkommen aufbauen: Ohne viel Aufwand Geld verdienen?

Anna Ostrowska
von Anna Ostrowska, 15.02.2022

Wer will das nicht: Mehr Freizeit und trotzdem gleich viel oder sogar mehr Geld verdienen? Nur ein paar Stunden in der Woche am Strand arbeiten und noch dazu davon gut leben können? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn passive Einkünfte sind kein geschenktes Geld. Sie müssen schon etwas dafür tun – und für die finanzielle Freiheit oder einen Dauerurlaub unter Palmen reicht es selten. Wir machen klar, was passives Einkommen ist und wie es funktioniert.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Jede passive Einkommensquelle erfordert am Anfang einen gewissen Zeit- oder Arbeitsaufwand.
  • Passives Einkommen fließt ohne eine bestimmte Anzahl an Arbeitsstunden. Sie verdienen das Geld eher „nebenbei”.
  • Beliebte passive Einkommensquellen sind zum Beispiel: Mieteinnahmen, Onlinewerbung, E-Books, Onlinekurse oder Geldanlagen wie Aktien.

Was ist passives Einkommen?

Im Schlaf Geld verdienen? Das ist tatsächlich möglich, wenn Sie passives Einkommen aufbauen. Denn das sind zusätzliche Einkünfte, die Sie ohne eine aktive Gegenleistung bekommen. Das heißt, Sie erhalten nicht wie bei einer klassischen Erwerbstätigkeit einen Lohn pro Stunde. Oder arbeiten für einen Kunden, damit er Ihre Rechnung bezahlt. Kurz gesagt: Sie leisten keine bestimmte Arbeit in einer bestimmten Zeit für Ihr Geld. Sondern die „Einkünfte fließen” von allein (daher der Begriff Cashflow).

Geld erhalten, ohne klassisch dafür zu arbeiten? Wie soll das gehen? Zum Beispiel so: Eine Person mit grünem Daumen schreibt ein E-Book mit Insider-Tipps für Gärtner*innen. Und lädt dann den digitalen Ratgeber auf einer Online-Plattform wie „Amazon Kindle Direct Publishing” oder „ePubli” hoch. Dort können Interessent*innen das E-Book gegen eine Gebühr downloaden. Die Person muss sich danach nur noch darum kümmern, dass möglichst viele Gärtner*innen das Buch kennen und kaufen wollen. Zum Beispiel, indem sie es mit ihren Facebook-Fans oder Instagram-Followern teilt. Auf diese Weise erhält der oder die Autor*in ohne viel weiteres Zutun immer wieder ein paar Euro – wenn es gut läuft.

Sie sehen: Bevor Sie „passiv”, also quasi im Schlaf Geld verdienen, ist erstmal ein gewisser Arbeits- und Zeitaufwand nötig – manchmal auch Startkapital. Viele passive Einkommensquellen beanspruchen auch nach dem ersten Aufwand weitere Zeit für die Websitepflege, Werbung oder Ähnliches. Wie viel? Das hängt sehr stark von der jeweiligen Einkommensquelle ab. Ein E-Book zu schreiben ist zwar anfangs deutlich zeitintensiver, aber Sie brauchen dafür kein Startkapital – wie für die meisten der vielen digitalen Optionen für passives Einkommen. Dazu zählen Onlinekurse auf Video aufnehmen, Onlinewerbung oder E-Commerce. Am wenigsten Zeit – dafür umso mehr Startkapital – benötigen die klassischen passiven Einkommensquellen: Mieteinnahmen, Aktiendividenden oder Kreditzinsen.

 Weitere Beispiele für passive Einnahmequellen finden Sie hier in diesem Ratgeber.

Vorsicht: Betrüger*innen locken mit passiven Einkommen

Vorsicht: Betrüger*innen locken mit passiven Einkommen

Fallen Sie nicht auf Angebote herein, die „viel Geld ohne Arbeit” oder „dreifaches Vermögen in drei Wochen” und Ähnliches versprechen. Zum Beispiel bei Facebook oder Instagram. Diverse Anbieter locken mit passivem Einkommen – dafür müssten Sie nur ein Abo, Video oder Onlinekurs von denen bezahlen. Die Angebote sind zahlreich, aber im seltensten Fall seriös!

Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Passive Einkommensquellen sind vor allem aus drei Gründen beliebt:

  • Zeitliche Unabhängigkeit: Sie entscheiden, wann und wie viel Zeit Sie in die passive Einkommensquelle investieren – etwa für Werbung. Wenn der Cashflow gut fließt, kann es auch zu mehr Freizeit führen – weil Sie dann zum Beispiel Ihre Arbeitsstunden reduzieren können.
  • (Größere) Finanzielle Unabhängigkeit: Meistens sind es anfangs nur kleine zusätzliche Beträge. Doch über die Jahre gerechnet und je nach Einkommensquelle können dabei größere Summen zusammenkommen. 
  • Örtliche Unabhängigkeit: Passiver Zuverdienst funktioniert oft „remote” – also ohne einen festen Arbeitsplatz – von überall aus in der Welt, wo es Internet gibt. Denn die meisten passiven Einkommensquellen sind onlinebasiert.

Selbstbestimmung, mehr Freizeit, mehr Geld und mehr Flexibilität? Also warum nicht gleich heute noch kündigen und ab morgen vom passiven Einkommen leben? Das wird wahrscheinlich nicht klappen. Denn die zusätzlichen Einkünfte fließen in der Regel erst nach einer gewissen Zeitspanne. Außerdem reichen sie allein – zumindest in den ersten Jahren – selten zum Leben. Und sie sind dazu oft – im Gegensatz zu einem normalen Gehalt – unbeständig: Mal verdienen Sie mehr, mal weniger.

Ein Blumenladeninhaber gibt ein Online-Tutorial über Blumenstrauß-Arrangements
© istock/AsiaVision/2021  Onlinekurse sind eine beliebte passive Einkommensquelle, aber nur in den seltensten Fällen kann man allein davon leben.

Wer kann passives Einkommen generieren?

Jede*r kann passives Einkommen erzielen. Doch es gibt natürlich Möglichkeiten, die für die eine Person besser und für die andere weniger gut geeignet sind. Welche passiven Einkommensquellen kommen für Sie infrage? Folgende Fragen helfen Ihnen es herauszufinden:

  • Wollen Sie langfristig davon leben oder nur etwas Ihr Gehalt aufbessern? Je nach Zielsetzung werden Sie unterschiedlich viel Planung, Zeit und Aufwand investieren müssen.
  • Haben Sie Startkapital? Dann kommt auch ein klassisches Investment infrage, etwa in Aktien oder Immobilien. Aber: Mit gar keinem oder wenig Startkapital sollten Sie Ihr Geld besser nicht riskant anlegen. Es gibt genug Möglichkeiten, passives Einkommen aufzubauen, ohne Geld zu investieren.
  • Welche virtuellen Kanäle nutzen Sie schon? Haben Sie zum Beispiel bereits eine Website oder einen erfolgreichen Instagram-Channel? Dann lohnt es sich, die onlinebasierten Angebote für passives Einkommen unter die Lupe zu nehmen.
  • Was macht Ihnen Freude? Haben Sie besondere Talente oder ein großes Fachwissen in einem Bereich? Denken Sie sich zum Beispiel gerne neue Star-Wars-Charaktere und neue Geschichten für sie aus? Oder wissen Sie alles über wilde essbare Kräuter? Vielleicht können Sie daraus Kapital schlagen.

Außerdem ist passives Einkommen besonders für Freiberufler*innen und Selbstständige interessant, die mehr Anfragen haben, als sie bedienen können. Warum? Bereits stark ausgelastete Anbieter*innen können bei hoher Nachfrage nur mehr arbeiten oder die Preise erhöhen – aber beides geht nicht endlos. Da bietet es sich zum Beispiel an, die beliebtesten Angebote zu digitalisieren und zu verkaufen.

Beispiel: Bereits voll ausgelastete Fitness- und Ernährungscoaches könnten Onlinekurse auf Video aufnehmen. Und auf einer Onlineplattform wie „Digistore24“ oder „Udemy“ oder auf der eigenen Website gegen eine Gebühr zum Download bereitstellen.

Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?

Was ist das bedingungslose Grundeinkommen?

Es gibt sogar eine politische Version des passiven Einkommens – das sogenannte bedingungslose Grundeinkommen. Die Idee dahinter ist: Alle Bürger*innen eines Landes bekommen jeden Monat zum Beispiel 1.200 Euro. Einfach so – egal, ob sie arbeiten oder nicht. Doch es gibt noch keinen Staat, der das bedingungslose Grundeinkommen eingeführt hat. 

Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Bedingungsloses Grundeinkommen: Die fünf häufigsten Fragen.”

Wie wird passives Einkommen versteuert?

Für das Finanzamt spielt es keine Rolle, ob Sie Ihr Einkommen aktiv oder passiv erarbeiten. Ob es ein Nebeneinkommen oder Haupteinkommen ist. Einkommen ist Einkommen und somit steuerpflichtig, sobald es den Grundfreibetrag von 9.984 Euro (Stand: 2022) übersteigt. 

Auch auf Einkünfte aus Kapitalvermögen wie Aktien und ETFs sind Steuern fällig, wenn sie den Sparerfreibetrag von 801 Euro pro Jahr übersteigen (Stand: 2022). Mehr über Steuerfreibeträge lesen Sie in diesem Ratgeber

Vorsicht: Influencer*innen, die Gratisprodukte von einer Firma erhalten, könnten deswegen zur Steuerkasse gebeten werden. Denn Werbegeschenke sind ebenfalls steuerpflichtig. Lesen Sie mehr dazu in der Infobroschüre „Ich bin Influencer. Muss ich Steuern zahlen?” vom Bundesfinanzministerium. 

Unter Umständen müssen Sie die Nebentätigkeit als zusätzliches Gewerbe anmelden. Fragen Sie hierzu am besten bei Ihrem Finanzamt nach. Denn ein weiterer Faktor bei der Besteuerung ist die Einstufung als Gewerbetreibende, Freiberufler*in oder Privatperson. Gewerbetreibende zahlen zum Beispiel ab einem Gewinn von 24.500 Euro zusätzlich zu den Einkommen- und Umsatzsteuern noch Gewerbesteuern. Mehr dazu lesen in unserem Ratgeber „Selbstständig oder freiberuflich: Was ist der Unterschied?”

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