Junge Frau in zerrissenen Jeans handelt im Freien über ihr Smartphone mit Aktien
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Gewusst wie: Aktien kaufen für Anfänger

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 29.12.2021

Das Sparbuch wirft nur wenig Zinsen ab und die frisst auch noch die Inflation auf. Mehr Rendite versprechen Aktien, jedenfalls auf lange Sicht. Aber wie kommt man da eigentlich ran? Wo kann man Aktien kaufen? Für Anfänger*innen ist das gar nicht so einfach zu beantworten. Gehören Sie auch dazu? Dann hilft Ihnen dieser Ratgeber weiter. Er verrät Ihnen alles, was Sie über die Grundlagen des modernen Aktienkaufs wissen müssen – vom Eröffnen eines Wertpapierdepots bis zum selbstständigen Traden per Smartphone-App.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Für den Aktienkauf müssen Sie ein Wertpapierdepot eröffnen.
  • Aktien kaufen Sie bei Banken, Sparkassen, Direktbanken, Wertpapierhändlern und Online-Brokern.
  • Sie sollten nur Geld einsetzen, dass Sie übrig haben.
  • Behalten Sie im Hinterkopf, dass Sie mit Aktien nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste machen können. 

Die Basics: Was brauchen Sie für den Aktienkauf?

Das Wichtigste: Geld. Und zwar am besten welches, das Sie nicht für Ihren Lebensunterhalt brauchen. Also Geld, das übrig ist. Das kann Erspartes sein, aus einer Erbschaft stammen oder aus einem Gewinnspiel. Hauptsache, es gehört Ihnen. Aktien auf Kredit zu kaufen ist nämlich keine gute Idee.

Denn anders als beispielsweise mit normalen Sparverträgen können Sie mit Aktien Verluste machen. Im schlimmsten Fall haben Sie dann nicht nur das gesamte eingesetzte Kapital verloren. Sie müssen auch noch ausstehende Raten bezahlen. Daher kann Aktienkauf auf Pump in die Verschuldung führen.

Die zweite Grundvoraussetzung ist ein (digitales) Wertpapierdepot, auch Aktiendepot genannt. Das funktioniert ähnlich wie ein Girokonto. Der wesentliche Unterschied: Während das Girokonto der Dreh- und Angelpunkt für Ihre normalen Geldgeschäfte ist, verwalten, kaufen und verkaufen Sie über ein Wertpapierdepot Ihre Aktien. Statt eines Kontoauszugs gibt es hier eine Depotübersicht. Darin ist aufgelistet, welche Aktien sie in welcher Stückzahl besitzen und was diese derzeit wert sind.

Ein Wertpapierdepot bekommen Sie bei:

  • Filialen von Banken oder Sparkassen (auch online möglich)
  • Direktbanken
  • Wertpapierhändler/Online-Broker

Um ein Wertpapierdepot zu eröffnen, müssen Sie volljährig sein und ein sogenanntes Referenzkonto oder Verrechnungskonto haben. Das kann Ihr normales Girokonto sein: Kaufen Sie Aktien, wird davon der Preis abgebucht. Verkaufen Sie Aktien, wird der Erlös auf dieses Konto überwiesen. Das funktioniert nach der Depoteröffnung automatisch. In dem Wertpapierdepot selbst können Sie kein Geld hinterlegen.

So erkennt man unseriöse Trading-Plattformen

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Achtung: Bei manchen Anbietern fallen Gebühren für ein Wertpapierdepot an, während es bei anderen komplett kostenlos ist. Deshalb sollten Sie sich vorher über die Preise informieren. In der Regel sind Direktbanken und Online-Broker günstiger als Banken und Sparkassen. Mehr zu den Gebühren erfahren Sie weiter unten. Besonders praktisch sind Wertpapierdepots, die Sie online verwalten können.

Kommt das für Sie nicht infrage, dann finden Sie in den Geschäftsstellen vieler Banken und Sparkassen noch den klassischen Offline-Service. Das heißt, dass Sie sämtliche Käufe und Verkäufe von Aktien dort entweder selbst in der Filiale, schriftlich oder telefonisch in Auftrag geben.

Übrigens: Mit den meisten Depots können Sie nicht nur Aktien, sondern auch andere Wertpapiere kaufen, beispielsweise:

  • ETFs
  • Fonds
  • Zertifikate
  • Anleihen

Wo können Sie Aktien kaufen?

Sie haben Geld und ein Wertpapierdepot? Gut, aber wo können Sie nun Aktien kaufen? Da gibt es vor allem zwei Möglichkeiten.

Börsenhandel

Wahrscheinlich haben Sie schon mal von der Frankfurter Wertpapierbörse gehört. Sie ist Deutschlands größter öffentlich-rechtlicher Handelsplatz für Wertpapiere. Ähnliche Einrichtungen sind unter anderem die regionalen Börsen in Hamburg, Hannover, München und Stuttgart. Hinzu kommt das elektronische Handelssystem Xetra der Deutschen Börse. Die sitzt ebenfalls in Frankfurt.

Alle öffentlich-rechtlichen Handelsplätze brauchen eine staatliche Zulassung und werden von den Wirtschafts- oder Finanzministerien der jeweiligen Bundesländer überwacht. Sie achten unter anderem streng darauf, dass sich die Aktienkurse ausschließlich nach Angebot und Nachfrage richten.

Vergleichsmaßstab für den Preis einer Aktie ist in Deutschland meist ihr Xetra-Kurs. Nach ihm richten sich praktisch alle Anbieter. Das elektronische Handelssystem arbeitet montags bis freitags zwischen 9 und 17:30 Uhr.

Die Gebäudefront der Deutschen Börse in Frankfurt, davor sitzen und stehen mehrere Personen
© istock/Nikada/2013  Die Deutsche Börse in Frankfurt ist der wichtigste Börsenhandelsplatz der Bundesrepublik.

Direkthandel

Beim Direkthandel übernehmen Banken und Sparkassen sowie (teils mit ihnen zusammenarbeitende) private Wertpapierhändler und Online-Broker die Rolle von Handelsplätzen. Sie haben meist eine gewisse Menge an Aktien vorrätig, die sie zu einem selbst gewählten Preis anbieten. Jedenfalls theoretisch selbst gewählt, denn in der Praxis halten auch sie sich an die aktuellen Xetra-Kurse der Deutschen Börse. Eine unabhängige Kontrolle oder Aufsicht wie beim Börsenhandel gibt es beim Direkthandel nicht. 

Der Direkthandel heißt übrigens so, weil Sie über ihn Aktien in Echtzeit handeln können. Das geht, weil der Direkthandel seine angebotenen Wertpapiere zuvor selbst über den Börsenhandel gekauft und im Bestand hat. Er muss die Aktien also nicht erst besorgen, sondern hat sie sofort parat. Deshalb wird der Direkthandel auch außerbörslicher Handel genannt. Das Prinzip ermöglicht längere Geschäftszeiten. So läuft der Direkthandel an  Werktagen bis 22 Uhr oder 23 Uhr und je nach Anbieter sogar am Wochenende.

Aber Achtung: Außerhalb der Börsenöffnungszeiten des Xetra-Handels fallen dessen Kurswerte als Richtschnur weg. Dann kann es sein, dass während seiner Pause Aktien über den Direkthandel sehr teuer sind oder für nur wenig Geld angekauft werden.

Wie können Sie Aktien kaufen?

Einfach an die Börse spazieren und Aktien kaufen – das geht für Privatpersonen nicht. Es funktioniert nur über den Umweg Ihres Wertpapierdepots und einer Zwischenstelle. Diese kann beispielsweise eine Bank/Sparkasse, eine Direktbank oder ein*e Online-Wertpapierhändler*in sein. Als sogenannte Broker vermitteln diese zwischen Ihnen und den Handelsplätzen. Dieser Service nennt sich Brokerage. Übrigens: Wenn Sie mit Aktien handeln, treten Sie in diesem System als Trader*in auf.

Wollen Sie es besonders einfach haben, dann nehmen Sie Kontakt zu dem Geldinstitut auf, bei dem Sie das Wertpapierdepot haben. Ein Anruf oder Fax genügt – abgesehen von Online-Brokern, die Sie nur per Internet erreichen. Ihre Beraterin oder Ihr Berater wird dann Ihren Auftrag (auch Order genannt) ausführen, also in Ihrem Namen Aktien kaufen oder verkaufen. Anders als bei einer Direktbank können Sie das beim Besuch einer Filialbank oder Sparkasse auf Wunsch auch persönlich besprechen.

Junge Bankberaterin erklärt einem Kunden, wie man Aktien kauft
© istock/SDI Productions/2020  In vielen Bankfilialen können sich Aktienanfänger bei ihren ersten Schritten persönlich beraten lassen.

Wenn Sie wollen, können Sie die Sache auch selbst in die Hand nehmen. Und zwar online über Ihr digitales Aktiendepot. Wie das im Detail funktioniert, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Aber im Wesentlichen ist das Prinzip meist das gleiche.

  • Sie öffnen das Wertpapierdepot auf Ihrem Computer oder mobilen Endgerät.
  • Haben Sie sich für eine Aktie und die Stückzahl entschieden, geben Sie deren Wertpapierkennnummer (WKN) oder Identifikationsnummer (ISIN) ein. Beide finden Sie über die Suchfunktion des Programms/der App oder im Internet. Sie brauchen dafür nur den Namen der Aktie, also meist den des Unternehmens dahinter. Jedes Wertpapier besitzt eine eigene WKN oder ISIN und ist daran unverwechselbar zu erkennen – ähnlich wie ein Auto an seinem Kfz-Kennzeichen.
  • Suchen Sie über die Ordermaske einen Handelsplatz aus. Es ist dabei sinnvoll, jenen zu nehmen, der die geringsten Gebühren für Ihren Auftrag fordert. Sie sind bei Ihrer Entscheidung übrigens völlig frei. Sie müssen also nicht den Anbieter Ihres Wertpapierdepots wählen.
  • Geben Sie ein, ob Sie Aktien kaufen oder verkaufen wollen und um wie viele es dabei geht. Auftrag absenden und fertig.

Welche Gebühren gibt es beim Aktienkauf?

So viel ist sicher: Aktien verwahren, kaufen oder verkaufen lassen – das ist eine Dienstleistung, die Sie nirgendwo geschenkt bekommen. Allerdings gibt es teils große Preisunterschiede bei Depot- und Transaktionskosten. Folgende Gebühren spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Depotgebühren

Die verlangt der Anbieter für das Bereitstellen Ihres Wertpapierdepots und für das Verwahren Ihrer Aktien. Die Depotgebühren, auch Depotführungsgebühren genannt, fallen monatlich, quartalsweise oder jährlich an.

Ordergebühren

Die zahlen Sie für jeden An- und Verkaufsauftrag. Diese Kosten setzen sich in der Regel aus mehreren Arten von Gebühren zusammen.

  • Die pauschale Ordergrundgebühr fällt bei jedem Kauf oder Verkauf an.
  • Die Transaktionsgebühr ist variabel und abhängig vom Umfang bzw. von der Höhe eines Aktiengeschäfts. Anders gesagt, geht es dabei um die Menge der Aktien und deren Preis (Aktienanzahl x Aktienkurs).
  • Die Handelsplatzgebühr richtet sich nach den Kosten, die der jeweilige Handelsplatz für die Umsetzung Ihres Auftrags verlangt. Dazu gehören z. B. eine Börsengebühr sowie ein Börsenplatzentgelt.
  • Möchten Sie Aktien kaufen, die ein Unternehmen ganz neu an die Börse bringt, müssen Sie dafür Zeichnungsgebühren zahlen.
  • Limitgebühren entstehen, wenn Sie einen Kurswert festlegen, unter oder über dem Sie automatisch Aktien kaufen oder verkaufen wollen.

Spread

Mit Spread ist der Unterschied zwischen dem Kaufpreis (=Briefkurs) und dem Verkaufspreis (=Geldkurs) einer Aktie gemeint.

  • Der Briefkurs zeigt an, zu welchem Preis eine Aktie von ihrem*ihrer Besitzer*in zum Kauf angeboten wird.
  • Der Geldkurs zeigt an, zu welchem Preis Käufer*innen bereit sind, eine bestimmte Aktie zu erwerben.

In der Regel ist der Briefkurs höher als der Geldkurs. Der Grund: Die Käufer*innen möchten weniger bezahlen als die Verkäufer*innen haben wollen. Hinsichtlich geringer Gebühren ist für Sie ein möglichst kleiner Spread günstig. Denn er gehört zum Honorar, das Sie Ihrem Broker zahlen müssen. Je höher also der Spread ist, desto teurer wird der Handel für Sie. 

Faustregel: Wird eine Aktie häufig in großen Mengen gehandelt, dann ist ihr Spread klein. Das zeigt sich beispielsweise an den Werten im Dax 40. Er umfasst die Aktien der 40 größten deutschen Unternehmen, die an der Deutschen Börse gelistet sind. Bei Ihnen sind sich Käufer*innen und Verkäufer*innen über den Wert der Aktien meist einig. Anders sieht das bei eher wenig gehandelten Aktien aus. Hier kann es wegen einer geringen Anzahl von Kauf- oder Verkaufsorders zu sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen kommen. Der Markt findet dann nur schlecht einen gemeinsamen Nenner.

Frag' Richy: Darum ist der Spread beim Handel mit Aktien & Co. so wichtig

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© Börse Stuttgart 

Ob und in welchem Umfang die genannten Gebühren anfallen, legt jeder Anbieter selbst fest. So brauchen Sie beispielsweise bei manchen Direktbanken und Online-Brokern nur sehr geringe oder überhaupt keine Depotkosten zu bezahlen. Deshalb sollten Sie vor dem Aktienkauf die Gebühren der Wertpapierdepotanbieter und Broker miteinander vergleichen. Denn je mehr diese verlangen, desto weniger bleibt für Sie an Gewinn übrig.

Jeder Anbieter ist verpflichtet, Sie über seine Preise zu informieren, etwa über einen Link zu seiner Gebührenstruktur. Einen umfangreichen Kostenvergleich finden Sie beispielsweise online bei der Stiftung Warentest.

Wie können Sie Gebühren sparen?

Es klang bereits an: In den Geschäftsstellen von Banken und Sparkassen zahlen Sie meist mehr für Ihr Wertpapierdepot sowie an anderen Gebühren als bei Direktbanken und Online-Brokern. Die bieten teilweise sogar ein vergleichsweise günstiges Komplettpaket zum Pauschalpreis an, der sämtliche Kosten enthält. Das ist wie eine Flatrate für Ordergebühren und heißt zum Beispiel „Flat Fee“. Diese Variante ist sinnvoll, wenn Sie häufig und mit sehr vielen Aktien handeln.

Bei der Wahl des optimalen Partners kommt es also nicht zuletzt darauf an, welcher Anlegertyp Sie sind. Denn auch folgende Faktoren entscheiden mit über die Höhe der Gebühren.

  • Die Menge von Orders, die Sie pro Jahr in Auftrag geben.
  • Das Ordervolumen, also der Wert aller Aktien, die Sie in einem Jahr kaufen oder verkaufen
  • Der durchschnittliche Depotwert, der sich aus allen Aktien in Ihrem Wertpapierdepot ergibt.
  • Die Art der Orders: Offline-Aufträge sind oft teurer als Online-Orders.

Daraus ergeben sich diese Tipps für unterschiedliche Anlegertypen:

  • Kaufen und verkaufen Sie eher selten Aktien, sollten Sie auf niedrige Depotkosten achten.
  • Kaufen und verkaufen Sie eher häufig Aktien, sollten Sie auf niedrige Transaktionskosten achten.
  • Kaufen und verkaufen Sie nur ab und zu Aktien, kommt es ebenfalls auf niedrige Depotkosten an. Allerdings sollten gleichzeitig die Transaktionskosten nicht sehr hoch sein.

5 Tipps für Aktienanfänger*innen

Ein Wertpapierdepot zu eröffnen und dann einfach auf gut Glück irgendwelche Aktien zu kaufen, ist natürlich keine gute Idee. Dafür ist die Anlageform zu risikoreich. Deshalb hier ein paar grundlegende Tipps für Einsteiger.

  • Legen Sie sich eine Strategie zurecht. Zum Beispiel zeigt die Erfahrung, dass Sie auf lange Sicht mit Aktien besser fahren als mit anderen Investments. Also mehr Gewinn machen. Das liegt daran, dass Sie zwischenzeitliche Kursschwankungen und -verluste über mehrere Jahre hinweg einfach aussitzen können. Planen Sie deshalb bei Wertpapieranlagen mit einem Zeithorizont von 5 bis 20 Jahren oder länger. Das ist besonders sinnvoll, wenn Sie mit Aktien einen Teil Ihrer Altersvorsorge finanzieren wollen.
  • Verteilen Sie Käufe auf Aktien mehrerer Unternehmen und Branchen. Auch so fangen Sie eventuelle Verluste einer Aktie mit den Gewinnen anderer auf. 
  • Setzen Sie nicht ausschließlich auf Aktien, sondern verteilen Sie Ihr Vermögen auf verschiedene Geldanlagen. Stecken Sie einen Teil des Geldes beispielsweise in festverzinsliche Sparpläne.
  • Kaufen Sie anfangs nicht einen ganzen Schwung unterschiedlicher Aktien. Belassen Sie es bei einer Handvoll und beobachten Sie deren Entwicklung über einige Monate. So bekommen Sie ein Gefühl für Chancen und Risiken.
  • Kaufen und verkaufen Sie Aktien nicht in kurzen Abständen. Denn jede Transaktion kostet Sie Gewinn und damit Geld.

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