Junge Frau in zerrissenen Jeans handelt im Freien über ihr Smartphone mit Aktien
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Gewusst wie: Aktien kaufen für Anfänger*innen

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 06.12.2022

Das Sparbuch wirft nur wenig Zinsen ab und die frisst auch noch die Inflation auf. Mehr Rendite versprechen Aktien, jedenfalls auf lange Sicht. Aber wie kommt man da eigentlich ran? Wo kann man Aktien kaufen? Für Anfänger*innen ist das gar nicht so einfach zu beantworten. Gehörst du auch dazu? Dann hilft dir dieser Ratgeber weiter. Er verrät dir alles, was du über die Grundlagen des modernen Aktienkaufs wissen musst – vom Eröffnen eines Wertpapierdepots bis zum selbstständigen Traden per Smartphone-App.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Für den Aktienkauf musst du ein Wertpapierdepot eröffnen.
  • Aktien kaufst du bei Banken, Sparkassen, Direktbanken, Wertpapierhändlern und Online-Brokern.
  • Du solltest nur Geld einsetzen, dass du übrig hast.
  • Behalte im Hinterkopf, dass du mit Aktien nicht nur Gewinne, sondern auch Verluste machen kannst.

Die Basics: Was brauchst du für den Aktienkauf?

Das Wichtigste: Geld. Und zwar am besten welches, das du nicht für deinen Lebensunterhalt brauchst. Also Geld, das übrig ist. Das kann Erspartes sein, aus einer Erbschaft stammen oder aus einem Gewinnspiel. Hauptsache, es gehört dir. Aktien auf Kredit zu kaufen ist nämlich keine gute Idee.

Denn anders als beispielsweise mit normalen Sparverträgen kannst du mit Aktien Verluste machen. Im schlimmsten Fall hast du dann nicht nur das gesamte eingesetzte Kapital verloren. Du musst auch noch ausstehende Raten bezahlen. Daher kann Aktienkauf auf Pump in die Verschuldung führen. 

Die zweite Grundvoraussetzung ist ein (digitales) Wertpapierdepot, auch Aktiendepot genannt. Das funktioniert ähnlich wie ein Girokonto. Der wesentliche Unterschied: Während das Girokonto der Dreh- und Angelpunkt für deine normalen Geldgeschäfte ist, verwaltest, kaufst und verkaufst du über ein Wertpapierdepot deine Aktien. Statt eines Kontoauszugs gibt es hier eine Depotübersicht. Darin ist aufgelistet, welche Aktien du in welcher Stückzahl besitzt und was diese derzeit wert sind. 

Ein Wertpapierdepot bekommst du bei: 

  • Filialen von Banken oder Sparkassen (auch online möglich)
  • Direktbanken
  • Wertpapierhändler/Online-Broker

Um ein Wertpapierdepot zu eröffnen, musst du volljährig sein und ein sogenanntes Referenzkonto oder Verrechnungskonto haben. Das kann dein normales Girokonto sein: Kaufst du Aktien, wird davon der Preis abgebucht. Verkaufst du Aktien, wird der Erlös auf dieses Konto überwiesen. Das funktioniert nach der Depoteröffnung automatisch. In dem Wertpapierdepot selbst kannst du kein Geld hinterlegen. 

So erkennt man unseriöse Trading-Plattformen

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Achtung: Bei manchen Anbietern fallen Gebühren für ein Wertpapierdepot an, während es bei anderen komplett kostenlos ist. Deshalb solltest du dich vorher über die Preise informieren. In der Regel sind Direktbanken und Online-Broker günstiger als Banken und Sparkassen. Mehr zu den Gebühren erfährst du weiter unten. Besonders praktisch sind Wertpapierdepots, die du online verwalten kannst. 

Kommt das für dich nicht infrage, dann findest du in den Geschäftsstellen vieler Banken und Sparkassen noch den klassischen Offline-Service. Das heißt, dass du sämtliche Käufe und Verkäufe von Aktien dort entweder selbst in der Filiale, schriftlich oder telefonisch in Auftrag gibst. 

Übrigens: Mit den meisten Depots kannst du nicht nur Aktien, sondern auch andere Wertpapiere kaufen, beispielsweise: 

  • ETFs
  • Fonds
  • Zertifikate
  • Anleihen

Wo kannst du Aktien kaufen?

Du hast Geld und ein Wertpapierdepot? Gut, aber wo kannst du nun Aktien kaufen? Da gibt es vor allem zwei Möglichkeiten.

Börsenhandel

Wahrscheinlich hast du mal von der Frankfurter Wertpapierbörse gehört. Sie ist Deutschlands größter öffentlich-rechtlicher Handelsplatz für Wertpapiere. Ähnliche Einrichtungen sind unter anderem die regionalen Börsen in Hamburg, Hannover, München und Stuttgart. Hinzu kommt das elektronische Handelssystem Xetra der Deutschen Börse. Die sitzt ebenfalls in Frankfurt.

Alle öffentlich-rechtlichen Handelsplätze brauchen eine staatliche Zulassung und werden von den Wirtschafts- oder Finanzministerien der jeweiligen Bundesländer überwacht. Sie achten unter anderem streng darauf, dass sich die Aktienkurse ausschließlich nach Angebot und Nachfrage richten.

Vergleichsmaßstab für den Preis einer Aktie ist in Deutschland meist ihr Xetra-Kurs. Nach ihm richten sich praktisch alle Anbieter. Das elektronische Handelssystem arbeitet montags bis freitags zwischen 9 und 17:30 Uhr.

Die Gebäudefront der Deutschen Börse in Frankfurt, davor sitzen und stehen mehrere Personen
© istock/Nikada/2013  Die Deutsche Börse in Frankfurt ist der wichtigste Börsenhandelsplatz der Bundesrepublik.

Direkthandel

Beim Direkthandel übernehmen Banken und Sparkassen sowie (teils mit ihnen zusammenarbeitende) private Wertpapierhändler und Online-Broker die Rolle von Handelsplätzen. Sie haben meist eine gewisse Menge an Aktien vorrätig, die sie zu einem selbst gewählten Preis anbieten. Jedenfalls theoretisch selbst gewählt, denn in der Praxis halten auch sie sich an die aktuellen Xetra-Kurse der Deutschen Börse. Eine unabhängige Kontrolle oder Aufsicht wie beim Börsenhandel gibt es beim Direkthandel nicht. 

Der Direkthandel heißt übrigens so, weil du über ihn Aktien in Echtzeit handeln kannst. Das geht, weil der Direkthandel seine angebotenen Wertpapiere zuvor selbst über den Börsenhandel gekauft und im Bestand hat. Er muss die Aktien also nicht erst besorgen, sondern hat sie sofort parat. Deshalb wird der Direkthandel auch außerbörslicher Handel genannt. Das Prinzip ermöglicht längere Geschäftszeiten. So läuft der Direkthandel an  Werktagen bis 22 Uhr oder 23 Uhr und je nach Anbieter sogar am Wochenende.

Aber Achtung: Außerhalb der Börsenöffnungszeiten des Xetra-Handels fallen dessen Kurswerte als Richtschnur weg. Dann kann es sein, dass während seiner Pause Aktien über den Direkthandel sehr teuer sind oder für nur wenig Geld angekauft werden.

Wie kannst du Aktien kaufen?

Einfach an die Börse spazieren und Aktien kaufen – das geht für Privatpersonen nicht. Es funktioniert nur über den Umweg deines Wertpapierdepots und einer Zwischenstelle. Diese kann beispielsweise eine Bank/Sparkasse, eine Direktbank oder ein*e Online-Wertpapierhändler*in sein. Als sogenannte Broker vermitteln diese zwischen dir und den Handelsplätzen. Dieser Service nennt sich Brokerage. Übrigens: Wenn du mit Aktien handelst, trittst du in diesem System als Trader*in auf. 

Willst du es besonders einfach haben, dann nimm Kontakt zu dem Geldinstitut auf, bei dem du das Wertpapierdepot hast. Ein Anruf oder eine E-Mail genügt – abgesehen von Online-Brokern, die du nur per Internet erreichst. Die Berater*innen werden dann deinen Auftrag (auch Order genannt) ausführen, also in deinem Namen Aktien kaufen oder verkaufen. Anders als bei einer Direktbank, kannst du das beim Besuch einer Filialbank oder Sparkasse auf Wunsch auch persönlich besprechen. 

Junge Bankberaterin erklärt einem Kunden, wie man Aktien kauft
© istock/SDI Productions/2020  In vielen Bankfilialen können sich Aktienanfänger bei ihren ersten Schritten persönlich beraten lassen.

Wenn du willst, kannst du die Sache auch selbst in die Hand nehmen. Und zwar online über dein digitales Aktiendepot. Wie das im Detail funktioniert, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Aber im Wesentlichen ist das Prinzip meist das gleiche.

  • Du öffnest das Wertpapierdepot auf deinem Computer oder mobilen Endgerät. 
  • Hast du dich für eine Aktie und die Stückzahl entschieden, gibst du deren Wertpapierkennnummer (WKN) oder Identifikationsnummer (ISIN) ein. Beide findest du über die Suchfunktion des Programms/der App oder im Internet. Du brauchst dafür nur den Namen der Aktie, also meist den des Unternehmens dahinter. Jedes Wertpapier besitzt eine eigene WKN oder ISIN und ist daran unverwechselbar zu erkennen – ähnlich wie ein Auto an seinem Kfz-Kennzeichen. 
  • Such über die Ordermaske einen Handelsplatz aus. Es ist dabei sinnvoll, jenen zu nehmen, der die geringsten Gebühren für deinen Auftrag fordert. Du bist bei deiner Entscheidung übrigens völlig frei. Du musst also nicht den Anbieter deines Wertpapierdepots wählen. 
  • Gib ein, ob du Aktien kaufen oder verkaufen willst und um wie viele es dabei geht. Auftrag absenden und fertig. 

Welche Gebühren gibt es beim Aktienkauf?

So viel ist sicher: Aktien verwahren, kaufen oder verkaufen lassen – das ist eine Dienstleistung, die du nirgendwo geschenkt bekommst. Allerdings gibt es teils große Preisunterschiede bei Depot- und Transaktionskosten. Folgende Gebühren spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Depotgebühren

Die verlangt der Anbieter für das Bereitstellen deines Wertpapierdepots und für das Verwahren deiner Aktien. Die Depotgebühren, auch Depotführungsgebühren genannt, fallen monatlich, quartalsweise oder jährlich an.

Ordergebühren

Die zahlst du für jeden An- und Verkaufsauftrag. Diese Kosten setzen sich in der Regel aus mehreren Arten von Gebühren zusammen.

  • Die pauschale Ordergrundgebühr fällt bei jedem Kauf oder Verkauf an.
  • Die Transaktionsgebühr ist variabel und abhängig vom Umfang bzw. von der Höhe eines Aktiengeschäfts. Anders gesagt, geht es dabei um die Menge der Aktien und deren Preis (Aktienanzahl x Aktienkurs).
  • Die Handelsplatzgebühr richtet sich nach den Kosten, die der jeweilige Handelsplatz für die Umsetzung deines Auftrags verlangt. Dazu gehören z. B. eine Börsengebühr sowie ein Börsenplatzentgelt. 
  • Möchtest du Aktien kaufen, die ein Unternehmen ganz neu an die Börse bringt, musst du dafür Zeichnungsgebühren zahlen.
  • Limitgebühren entstehen, wenn du einen Kurswert festlegst, unter oder über dem du automatisch Aktien kaufen oder verkaufen willst. 

Spread

Mit Spread ist der Unterschied zwischen dem Kaufpreis (=Briefkurs) und dem Verkaufspreis (=Geldkurs) einer Aktie gemeint.

  • Der Briefkurs zeigt an, zu welchem Preis eine Aktie von Verkäufer*innen angeboten wird.
  • Der Geldkurs zeigt an, zu welchem Preis Käufer*innen bereit sind, eine bestimmte Aktie zu erwerben.

In der Regel ist der Briefkurs höher als der Geldkurs. Der Grund: Die Käufer*innen möchten weniger bezahlen als die Verkäufer*innen haben wollen. Hinsichtlich geringer Gebühren ist für dich ein möglichst kleiner Spread günstig. Denn er gehört zum Honorar, das du deinem*deiner Broker*in zahlen musst. Je höher also der Spread ist, desto teurer wird der Handel für dich.

Faustregel: Wird eine Aktie häufig in großen Mengen gehandelt, dann ist ihr Spread klein. Das zeigt sich beispielsweise an den Werten im Dax 40. Er umfasst die Aktien der 40 größten deutschen Unternehmen, die an der Deutschen Börse gelistet sind. Bei ihnen sind sich Käufer*innen und Verkäufer*innen über den Wert der Aktien meist einig. Anders sieht das bei eher wenig gehandelten Aktien aus. Hier kann es wegen einer geringen Anzahl von Kauf- oder Verkaufsorders zu sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen kommen. Der Markt findet dann nur schlecht einen gemeinsamen Nenner.

Frag' Richy: Darum ist der Spread beim Handel mit Aktien & Co. so wichtig

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© Börse Stuttgart 

Ob und in welchem Umfang die genannten Gebühren anfallen, legt jede*r Anbieter*in selbst fest. So brauchst du beispielsweise bei manchen Direktbanken und Online-Brokern nur sehr geringe oder überhaupt keine Depotkosten zu bezahlen. Deshalb solltest du vor dem Aktienkauf die Gebühren der Wertpapierdepotanbieter und Broker miteinander vergleichen. Denn je mehr diese verlangen, desto weniger bleibt für dich an Gewinn übrig. 

Alle Anbieter*innen sind verpflichtet, dich über ihre Preise zu informieren, etwa über einen Link zu ihrer Gebührenstruktur. Einen umfangreichen Kostenvergleich findest du beispielsweise online bei der Stiftung Warentest.

Wie kannst du Gebühren sparen?

Es klang bereits an: In den Geschäftsstellen von Banken und Sparkassen zahlst du meist mehr für dein Wertpapierdepot sowie an anderen Gebühren als bei Direktbanken und Online-Broker. Die bieten teilweise sogar ein vergleichsweise günstiges Komplettpaket zum Pauschalpreis an, der sämtliche Kosten enthält. Das ist wie eine Flatrate für Ordergebühren und heißt zum Beispiel „Flat Fee“. Diese Variante ist sinnvoll, wenn du häufig und mit sehr vielen Aktien handelst.

Bei der Wahl des optimalen Anbieters kommt es also nicht zuletzt darauf an, welcher Anlegertyp du bist. Denn auch folgende Faktoren entscheiden mit über die Höhe der Gebühren.

  • Die Menge von Orders, die du pro Jahr in Auftrag gibst.
  • Das Ordervolumen, also der Wert aller Aktien, die du in einem Jahr kaufst oder verkaufst.
  • Der durchschnittliche Depotwert, der sich aus allen Aktien in deinem Wertpapierdepot ergibt.
  • Die Art der Orders: Offline-Aufträge sind oft teurer als Online-Orders.

Daraus ergeben sich diese Tipps für unterschiedliche Anlegertypen:

  • Kaufst und verkaufst du eher selten Aktien, solltest du auf niedrige Depotkosten achten.
  • Kaufst und verkaufst du eher häufig Aktien, solltest du auf niedrige Transaktionskosten achten.
  • Kaufst und verkaufst du nur ab und zu Aktien, kommt es ebenfalls auf niedrige Depotkosten an. Allerdings sollten gleichzeitig die Transaktionskosten nicht sehr hoch sein.

5 Tipps für Aktienanfänger*innen

Ein Wertpapierdepot zu eröffnen und dann einfach auf gut Glück irgendwelche Aktien zu kaufen, ist natürlich keine gute Idee. Dafür ist die Anlageform zu risikoreich. Deshalb hier ein paar grundlegende Tipps für Einsteiger*innen.

  • Leg dir eine Strategie zurecht. Zum Beispiel zeigt die Erfahrung, dass du auf lange Sicht mit Aktien besser fährst als mit anderen Investments. Also mehr Gewinn machst. Das liegt daran, dass du zwischenzeitliche Kursschwankungen und -verluste über mehrere Jahre hinweg einfach aussitzen kannst. Plane deshalb bei Wertpapieranlagen mit einem Zeithorizont von 5 bis 20 Jahren oder länger. Das ist besonders sinnvoll, wenn du mit Aktien einen Teil deiner Altersvorsorge finanzieren willst.
  • Verteile Käufe auf Aktien mehrerer Unternehmen und Branchen. Auch so fängst du eventuelle Verluste einer Aktie mit den Gewinnen anderer auf.
  • Setze nicht ausschließlich auf Aktien, sondern verteile dein Vermögen auf verschiedene Geldanlagen. Stecke einen Teil des Geldes beispielsweise in festverzinsliche Sparpläne.
  • Kauf anfangs nicht einen ganzen Schwung unterschiedlicher Aktien. Belass es bei einer Handvoll und beobachte deren Entwicklung über einige Monate. So bekommst du ein Gefühl für Chancen und Risiken.
  • Kaufe und verkaufe Aktien nicht in kurzen Abständen. Denn jede Transaktion kostet dich Gewinn und damit Geld.

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