Fröhliche Seniorin auf einer Kinderschaukel
Vorsorgen

Auszahlung der Riester-Rente: Was gibt es regulär, was bei einer Kündigung?

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 25.12.2019

Erst Riester-Sparer, dann Riester-Rentner. Der Gesetzgeber hat diese Möglichkeit der geförderten Altersvorsorge geschaffen, damit möglichst viele Sparer im Alter ihre gesetzliche Rente aufstocken können. Denn schließlich fällt die immer geringer aus und wird bei vielen nicht reichen, um den Lebensstandard zu halten. Aber wann genau können Sie auf die angesparte Summe zugreifen? Dürfen Sie sich auch alles auf einmal auszahlen lassen? Und was ist überhaupt mit der Steuer? Hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen. 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Die Auszahlphase beginnt – je nach Datum des Vertragsabschlusses – frühestens ab dem 60. beziehungsweise 62. Lebensjahr. 
  • Empfehlenswert ist der Beginn der Auszahlung zeitgleich mit Beginn der gesetzlichen Rente.
  • Die Auszahlung erfolgt in monatlichen Raten als lebenslange Rente.
  • Bis zu 30 Prozent der angesparten Summe können Sie sich zu Beginn der Auszahlphase auf einmal auszahlen lassen.
  • Eine vorzeitige Kündigung ist möglich, dann müssen aber Förderung und Steuervorteile zurückgezahlt werden.

Ab wann kann ich mir meine Riester-Rente auszahlen lassen?

Wann Sie sich Ihre Riester-Rente auszahlen lassen können, hängt in erster Linie vom Versicherungsbeginn ab: Wenn Sie Ihren Vertrag 2011 oder früher abgeschlossen haben, können Sie schon ab dem 60. Lebensjahr die Auszahlung beantragen. Bei Verträgen ab 2012 ist der Beginn der Auszahlung erst ab dem 62. Lebensjahr möglich. Wichtig zu wissen: Je früher die Auszahlung beginnt, umso kleiner fällt Ihre Riester-Rente aus. Denn Sie haben ja insgesamt weniger Beiträge eingezahlt und weniger Zulagen erhalten. In den meisten Fällen ist es daher sinnvoll, die Auszahlung der Riester-Rente zeitgleich mit dem Beginn der gesetzlichen Rente erfolgen zu lassen.

Eine (noch) frühere Auszahlung ist also gar nicht möglich? Möglich schon, aber nicht ratsam. Jeder Sparer kann seinen Riester-Vertrag vorzeitig kündigen. Das gilt allerdings als „förderschädlich” und bedeutet: Staatliche Zuschüsse und Steuervorteile müssen zurückerstattet werden. Sprich: Sie bekommen lediglich die eingezahlte Summe plus Zinsen ausbezahlt, aber abzüglich der Zulagen und Steuervorteile.

Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber Riester-Rente kündigen: Geht das? Lohnt sich das?

Wie viel Rente bekomme ich ausgezahlt?

Die Riester-Rente wird als lebenslange Rente bis zum Tod des Versicherungsnehmers ausgezahlt. Wie hoch die monatliche Summe ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Beiträge: Wie lange haben Sie Beiträge gezahlt? Wie hoch waren die Beiträge? Je länger und je höher Ihre Einzahlungen, umso mehr Rente gibt es.
  • Zulagen: Welche Zulagen (Fördergeld, Kinderzulagen) haben Sie erhalten?
  • Anlage: Hat der Anbieter Ihr Geld gewinnbringend angelegt, wird Ihnen ein Teil des Gewinns ebenfalls ausgezahlt.
  • Riester-Produkt: Es gibt verschiedene Formen der Riester-Rente. Neben der klassischen Variante zum Beispiel auch eine fondsgebundene Riester-Rente mit höheren Renditechancen, aber umso geringerer garantierter Rente.

Die genaue Höhe Ihrer Riester-Rente vor der Auszahlung zu berechnen, ist daher nicht möglich. Allerdings gilt für jeden Vertrag eine Garantiezusage. Damit garantiert Ihnen der Anbieter eine Mindestrente, berechnet aus Ihren Einlagen, den Zulagen und einem Garantiezins. Näheres erfahren Sie von Ihrem Versicherungsanbieter oder aus dem jährlichen Statusbericht, den Sie per Post bekommen.

Riester-Rente nicht pfändbar – eigentlich

Riester-Rente nicht pfändbar – eigentlich

Grundsätzlich ist eine Riester-Rente nicht pfändbar; auch nicht vom Jobcenter bei Arbeitslosigkeit. Das angesparte Riester-Kapital ist laut Einkommensteuergesetz nicht übertragbar. Allerdings müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Der Sparer hat staatliche Zulagen beantragt, die Rente wird also staatlich gefördert.
  2. Die geleisteten Sparbeiträge überschreiten den Höchstbetrag von 2.100 Euro im Jahr nicht.

Verzichtet der Sparer auf den Zulageantrag, werden laufende Rentenleistungen als Eigenkapital bewertet und die Rente kann gepfändet werden. Pfändbar ist auch angespartes Riester-Kapital, das Sie über den jährlichen Höchstbetrag hinaus eingezahlt haben.

Kann ich mir die gesamte Riester-Rente auf einmal auszahlen lassen?

Nein. Allerdings haben Sie die Möglichkeit, sich bei regulärem Auszahlungsbeginn zumindest einen Teil des angesparten Betrags in einer Summe auszahlen zu lassen. Diese Einmalzahlung umfasst bis zu 30 Prozent des angesparten Gesamtkapitals. Bis zu diesem Betrag ist die Auszahlung förderunschädlich, sprich Ihnen werden keine Fördergelder abgezogen. Die restlichen 70 Prozent werden verrentet, also in monatlichen Raten ausbezahlt. Wichtig: Da Sie mit der Einmalzahlung schon einen beachtlichen Teil der Gesamtrente kassiert haben, fällt die monatliche Rente geringer aus.

Wer sich den Einmalbetrag auszahlen lassen möchte, sollte den steuerlichen Aspekt im Auge behalten. Weil Sie in der Ansparphase Ihre Beiträge zur Riester-Rente von der Steuer absetzen können, müssen Sie im Gegenzug später Ihre Riester-Rente versteuern (das nennt man „nachgelagerte Besteuerung”). Bei einer monatlichen Auszahlung ist das durchaus vorteilhaft, denn in der Regel zahlen sie im Alter niedrigere Steuern.

Das kann aber ganz anders aussehen, wenn Sie sich 30 Prozent Ihrer Riester-Rente auf einmal auszahlen lassen. Denn dann haben Sie im Jahr der Auszahlung ein umso höheres Einkommen – und eine deutlich höhere Steuerschuld, als wenn Sie sich die Summe über die Jahre monatlich auszahlen lassen. Eine solche Entscheidung sollte also sorgfältig überdacht werden.

Hand wirft eine Münze in ein Sparschwein
© istock/Natalia Samorodskaia/2019  Besonders kleine Riester-Renten können auch in einer Summe ausgezahlt werden.

Einmalzahlung bei Kleinstbetragsrente

Einige Rentenversicherungen bieten Sparern die Möglichkeit, sich das gesamte Rentenkapital auf einmal auszahlen zu lassen. Bei der Riester-Rente ist das eigentlich nicht vorgesehen. Eine Möglichkeit gibt es aber doch, sein gesamtes Riester-Geld auf einmal zu bekommen. Und zwar dann, wenn die monatlichen Zahlungen aus der Riester-Rente sehr gering ausfallen, nämlich um die 30 Euro. Bei einer sogenannten Kleinstbetragsrente können Sie die komplette Auszahlung sofort verlangen oder – wenn das für Sie steuerlich günstiger ist – die Summe in Jahresbeträge stückeln lassen. Um möglichst wenig oder gar keine Steuern zu zahlen, lohnt sich in einem solchen Fall eine frühzeitige Beratung zum Beispiel durch eine Verbraucherzentrale.

Ein zufrieden aussehender Senior gießt die Pflanzen in einem üppig blühenden Garten
© istock/FredFroese/2019   Wenn das eigene Häuschen im Alter bezahlt ist, macht die Gartenarbeit Spaß.

Einmalzahlung durch Wohn-Riester

Auch in diesem Fall ist eine Einmalzahlung möglich: Mit dem Wohn-Riester fördert der Gesetzgeber mietfreies Wohnen im Alter. Denn bei dieser Anlageform können Sie mit dem angesparten Riester-Kapital ein Eigenheim finanzieren. Entweder kaufen Sie damit eine Immobilie, die Sie dann selbst bewohnen, oder Sie tilgen damit die Schulden aus einem Immobilienkauf. In diesen Fällen darf das Riester-Geld bereits vollständig vor dem eigentlich zulässigen Auszahlungsbeginn genutzt werden. Weder die 30-Prozent-Regel noch die Altersgrenze von 60 beziehungsweise 62 kommt zum Tragen.

Nur die nachgelagerte Besteuerung gilt auch beim Wohn-Riester. Und die dafür geltenden Regelungen sind besonders kompliziert: Ihr angespartes Eigenkapital plus Förderung wird dabei auf einem Wohnförderkonto verbucht und im Alter als “fiktive Rente” besteuert.

Mehr dazu finden Sie im Ratgeber Wohn-Riester: Wie funktioniert die Eigenheimzulage?

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