Betriebliche Altersvorsorge: Ein älteres Paar studiert die auf dem Tisch liegende Steuererklärung
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Betriebliche Altersvorsorge: Was muss in die Steuererklärung?

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 25.01.2022

Jedes Jahr so beliebt und herbeigesehnt wie ein Zahnarztbesuch: die Steuererklärung. Jeder möchte möglichst viel absetzen, die Beiträge für die betriebliche Altersvorsorge zum Beispiel. Aber wo trage ich die ein? Und selbst nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben bleiben Sie nicht vom Finanzamt verschont. Denn auch Rentner*innen sind steuerpflichtig, und wer eine Betriebsrente bezieht, muss das in seiner Steuererklärung angeben. Wir sagen Ihnen, was in die Steuererklärung gehört – und was nicht.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Während der Ansparphase der betrieblichen Altersvorsorge ist in der Regel keine Angabe in der Steuererklärung nötig. Ausnahme: Sonderzahlungen des Arbeitgebers.
  • In der Auszahlphase ist die Betriebsrente meist einkommensteuerpflichtig und muss deshalb in der Anlage R der Steuererklärung angegeben werden. Betriebsrenten aus Pensionszusagen werden in der Anlage N angegeben.

Entgeltumwandlung: Keine Angabe in der Steuererklärung

Bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gibt es verschiedene Modelle. Sie alle laufen in der Regel über eine sogenannte Entgeltumwandlung, auch Gehaltsumwandlung genannt. Das heißt: Ihr Arbeitgeber behält einen bestimmten Betrag von Ihrem Bruttogehalt ein und zahlt diesen in Ihre Altersvorsorge ein. Dieser Teil Ihres Gehalts wird also direkt in Altersvorsorgebeiträge umgewandelt und landet gar nicht erst auf Ihrem Konto. Meist legt der Arbeitgeber selbst auch noch einen kleinen Betrag dazu, bei neueren Verträgen muss er das sogar. Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Entgeltumwandlung: Wenn Ihr Chef Ihnen das Geld für die die Betriebsrente abzieht.” 

Am häufigsten wird die bAV in Form einer Direktversicherung durchgeführt. Dabei schließt der Arbeitgeber eine Lebens- oder Rentenversicherung für Sie ab, in die der vom Bruttogehalt abgezwackte Betrag fließt. Das bedeutet: Auf diesen Teil Ihres Lohnes zahlen Sie keine Steuern. Deshalb können Sie die Beiträge nicht in der Einkommensteuererklärung steuermindernd geltend machen – denn sonst würden Sie ja quasi ein zweites Mal die Steuern sparen. Bei der jährlichen Steuererklärung müssen Sie sich um Ihre bAV also nicht weiter kümmern.

Das gilt allerdings nur für Verträge, die ab 2005 abgeschlossen wurden. Davor sah die Gesetzeslage etwas anders aus, daher gibt es für solche Altverträge einige Übergangs- und Sonderregelungen. Bei Fragen zur Besteuerung Ihrer Beiträge aus einem solchen Vertrag wenden Sie sich am besten an Ihren Arbeitgeber oder einen Steuerberater.

Älterer Arbeiter mit Helm und Blaumann steht mit einem Tablet in einer Maschinenhalle
© istock/SeventyFour/2017  Älterer Arbeiter mit Helm und Blaumann steht mit einem Tablet in einer Maschinenhalle

Sonderzahlungen: Die Ausnahme von der Regel

Keine Regel ohne Ausnahme! Das gilt auch bei den bAV-Beiträgen, die Sie normalerweise nicht extra in der Einkommensteuererklärung vermerken müssen – ja, nicht einmal dürfen. Eine Ausnahme sind „Sonderzahlungen”. Was das ist? Üblicherweise handelt es sich dabei um Abfindungen, die Angestellte beim Ausscheiden aus der Firma erhalten. In manchen Fällen bekommen Angestellte ihre Abfindung nicht mit dem letzten Gehalt überwiesen; stattdessen zahlt der Arbeitgeber eine Extrasumme in die betriebliche Altersvorsorge ein. Denn das kann für Sie als Arbeitnehmer günstiger sein.

Warum? Ganz einfach: Eine Abfindung müssen Sie voll versteuern. Für Sonderzahlungen in die bAV aber gibt es einen Freibetrag. Nur falls die Sonderzahlung höher ist als dieser Freibetrag, müssen Sie die Differenz versteuern. Den Differenzbetrag geben Sie in der Anlage N der Steuererklärung an.

Und wie hoch ist der Freibetrag? Das ist leider etwas komplizierter. Denn er ist individuell unterschiedlich. So wird er berechnet: Vier Prozent der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze (West) für die Rentenversicherung mal die Anzahl der Jahre, die Sie in dem entsprechenden Unternehmen gearbeitet haben – maximal aber mal zehn Jahre.

Beispiel: Für 2021 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (West) monatlich 7.100 Euro (2022 sinkt sie auf 7.050 Euro). Davon vier Prozent sind 284 Euro. Bei einer Betriebszugehörigkeit von zehn Jahren ergibt sich ein Höchstbetrag von 284 x 10 = 2.840 Euro, die der Arbeitgeber als Sonderzahlung steuerfrei in die betriebliche Altersvorsorge der*des ausscheidenden Angestellten stecken darf. Bei einer kürzeren Betriebszugehörigkeit fällt der Betrag entsprechend kleiner aus. Zahlt der Arbeitgeber nun 5.000 Euro in die betriebliche Altersvorsorge, muss unser*e Beispiel-Arbeitnehmer*in 5.000 Euro minus den errechneten Freibetrag von 2.840 Euro, also 2.160 Euro in der Anlage N der Steuererklärung angeben.

Wozu dienen die Anlagen AV und Vorsorgeaufwand?

Wozu dienen die Anlagen AV und Vorsorgeaufwand?

Auch wenn man das vermuten könnte: Die Anlagen AV und Vorsorgeaufwand werden bei der betrieblichen Altersvorsorge nicht benötigt. Anlage AV ist einzig und allein für die Riester-Rente auszufüllen. Hier tragen Sie alle Ausgaben für die private Altersvorsorge mit der Riester-Rente ein. Näheres dazu lesen Sie im Ratgeber „Steuern auf die Riester-Rente: Wie viel kriegt der Staat vom Kuchen ab?”

Über die Anlage Vorsorgeaufwand können Sie die Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung steuermindernd geltend machen. Hier tragen Sie auch zusätzliche Vorsorgeaufwendungen ein, wie zum Beispiel für die Rürup-Rente (Basis-Rente) oder freiwillige Erwerbs- und/oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Das Finanzamt erkennt für 2021 jedoch nur 92 Prozent ‒ maximal 23.724 Euro ‒ der angegebenen Ausgaben an. 2022 erhöht sich der steuerlich absetzbare Anteil auf 94 Prozent. (Stand: Dezember 2021)

Mehr über die private Altersvorsorge lesen Sie in dem Artikel „Sparen oder nicht sparen: Wie sinnvoll ist die private Altersvorsorge?”

Auszahlphase: Betriebsrente muss versteuert werden

Sobald die Betriebsrente ausgezahlt wird, schlägt der Fiskus allerdings doch zu: Sie müssen die gesamte Summe, die Sie bekommen, als Einkünfte versteuern. Egal, wie viel sich davon aus den Beiträgen Ihres Einkommens und wie viel aus den Zuschüssen oder Sonderzahlungen der Firma angesammelt hat. Zumindest bei Verträgen, die ab 2005 abgeschlossen wurden.

Aber auch hier gilt wieder die alte Steuer-Weisheit: Keine Regel ohne Ausnahmen. Bei älteren Verträgen werden nämlich schon während der Einzahlungsphase 20 Prozent Steuern auf die bAV-Beiträge fällig. Deshalb müssen Inhaber*innen dieser alten bAV-Verträge bei der Auszahlung keine Steuern mehr auf ihr Erspartes zahlen. Zumindest dann nicht, wenn sie sich den gesamten Betrag zum Rentenbeginn als Einmalzahlung auszahlen lassen. 

Wichtig: Wer gesetzlich kranken- und pflegeversichert ist, muss von seiner Betriebsrente auch Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen, sobald die monatliche Betriebsrente einen bestimmten Freibetrag übersteigt. Der liegt derzeit bei 159,25 Euro pro Monat (Stand: Dezember 2021).

Und jetzt konkret: Wo genau werden die Zahlungen, die Sie als Rentner*in aus der bAV erhalten, in der Steuererklärung angegeben? Das kommt tatsächlich auf die anfangs erwähnte Art der betrieblichen Altersvorsorge an. Wenn es sich um eine Direktversicherung handelt, geben Sie die Leistungen in der Anlage R zur Einkommensteuererklärung an. Und zwar in Feld 31, wenn die bAV ab 2005 abgeschlossen wurde und in Feld 36 bei Altverträgen.

Bei den selteneren bAV-Verträgen mit Pensionszusage werden die Zahlungen nicht als Rente, sondern als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit versteuert. Sie werden als „Steuerbegünstigte Versorgungsbezüge” (Feld 11) in der Anlage N eingetragen.

Klingt kompliziert, ist aber meist gar nicht so schwierig. Denn in der Regel bekommen Sie jedes Jahr eine Leistungsmitteilung von dem Anbieter, über die Ihre betriebliche Altersvorsorge läuft. Darin finden Sie genaue Angaben, welche Zahl Sie wo in welches Steuerformular eintragen müssen.

Worauf Sie sonst noch zur Auszahlung der bVA wissen müssen, lesen Sie im Ratgeber „Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge: Vorsicht Falle!” 

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