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Vorsorgen

Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge: Vorsicht Falle!

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 08.04.2019

Die Politik predigt seit Jahren, dass Arbeitnehmer zusätzlich zur gesetzlichen Rente für ihr Alter vorsorgen sollen: privat und mittels Betriebsrente. Wenn aber die betriebliche Altersvorsorge zur Auszahlung kommt, droht vielen Rentnern ein böses Erwachen. Nicht nur, dass die niedrigen Zinsen für mickrige Renditen sorgen. Seit 2004 müssen auf die Auszahlungen auch noch Sozialabgaben gezahlt werden. Und zwar auch für Verträge, die vorher abgeschlossen wurden. Und versteuert werden müssen diese Einkünfte sowieso.

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In der Ansparphase fördert der Staat

Wie von der Politik empfohlen, zweigen viele Arbeitnehmer einen Teil ihres Gehaltes für eine betriebliche Altersvorsorge ab. Häufig wird dazu eine sogenannte Direktversicherung genutzt. Diese Versicherung schließt der Arbeitgeber für seine Angestellten ab. Die Beiträge für die Versicherung zieht er direkt vom Bruttogehalt ab. Möglicherweise zahlt er obendrein noch einen Zuschuss. Das so angesammelte Kapital wird dann später als Betriebsrente ausgezahlt.

Der Staat unterstützt das Ansparen: Für den Teil des Gehalts, das in die Versicherung fließt, kassiert er keine Steuern und auch keine Sozialabgaben. Allerdings gilt das nur bis zu einer gewissen Beitragshöhe. Die Grenzen werden jedes Jahr neu festgelegt. 2019 sind Versicherungsbeiträge bis 536 Euro monatlich steuerfrei. Keine Sozialabgaben gelten bis 268 Euro. Innerhalb dieser Grenzen kann man also Teile seines Gehalts direkt und brutto zur Seite legen bzw. für die Betriebsrente ansammeln. Das klingt erst einmal attraktiv.
 

Nicht alles, was draufsteht, ist auch drin

Einmal im Jahr erhalten die Kunden einen Versicherungsbescheid von ihrem Direktversicherer. Dort drin steht die zu erwartende Auszahlung zu Rentenbeginn. Im Laufe der Jahre kann sich da eine nette Summe anhäufen. Was in den Schreiben nicht erwähnt wird: Mit dieser Summe können Sie nicht planen.

2004 hat der Gesetzgeber rückwirkend die Regeln geändert: Die Auszahlungen sind jetzt sozialabgabenpflichtig. Was Sie beim Ansparen an Sozialabgaben sparen, zahlen Sie dann eben später. Und mehr noch: Für Kranken- und Pflegeversicherung wird der volle Beitragssatz von rund 18 Prozent fällig (Stand: April 2019). Hätten Sie sich das Geld dagegen als Gehalt auszahlen lassen, anstatt es für die Betriebsrente zurückzulegen, hätte Ihr Arbeitgeber die Hälfte dieser Beiträge übernommen.

Die “normale”, gesetzliche Rente ist da attraktiver. Hier zahlen die meisten Rentner nur den halben Krankenkassenbeitrag, und viele private Renten sind sogar gänzlich befreit.

 

Ein älteres Paar sitzt auf dem Sofa und betrachtet fassungslos ein Schreiben.
© istock/FluxFactory/2019  Bei der Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge erleben viele Rentner eine böse Überraschung.

Kranken- und Pflegeversicherung kommen teuer zu stehen

Ein Rentner, der in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig oder pflichtversichert ist, zahlt auf seine Betriebsrente wie gesagt den vollen Beitragssatz plus gegebenenfalls Zusatzbeitrag plus Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung. So kommt er auf rund 18 Prozent, die er für seine Krankenversicherung abführen muss.

Wenn sich der Rentner das Guthaben aus seiner Direktversicherung komplett in einer Summe auszahlen lässt, werden die Abgaben über zehn Jahre gestreckt. Das bedeutet: Die Krankenkasse berechnet, wie hoch die Summe wäre, die der Rentner zehn Jahre lang monatlich bekommen hätte, um auf das Guthaben zu kommen, das ihm direkt ausgezahlt wurde. Auf diese Summe bezahlt er jeden Monat seine 18 Prozent Krankenkassenbeiträge.

Beispiel: Ein Rentner hat 120.000 Euro für die Betriebsrente angesammelt und lässt sich die Summe auf einen Schlag auszahlen. Die Krankenkasse behandelt diese Einmalzahlung so, als würde der Rentner stattdessen zehn Jahre lang je 1.000 Euro pro Monat bekommen – also ebenfalls 120.000 Euro, aber eben schrittweise statt alles auf einmal. Auf diese angeblichen 1.000 Euro pro Monat fordert die Krankenkasse 18 Prozent Beiträge, also 180 Euro. Die muss der Rentner nun Monat für Monat bezahlen. Über die Jahre kommen so 21.600 Euro zusammen.

Übrigens: Rentner, die privat krankenversichert sind, müssen auf die Betriebsrente keine Beiträge zahlen.

Kleine Betriebsrenten bleiben abgabenfrei

Auf Betriebsrenten unterhalb der sogenannten Geringfügigkeitsgrenze von monatlich 152,25 Euro (Stand 2018) werden keine Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge erhoben. Dies gilt aber nicht für freiwillig gesetzlich Versicherte. Sie müssen bis zur Beitragsbemessungsgrenze auf alle gesetzlich anrechenbaren Einnahmen Beiträge zahlen.

Auszahlung betriebliche Altersvorsorge: Ein Mann sitzt mit Taschenrechner und Laptop am Tisch und berechnet etwas.
© istock/Deagreez/2018  Auszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge müssen versteuert werden.

Politik denkt über Entlastung bei Krankenkassenbeitrag nach

Die volle Sozialversicherungspflicht bedeutet für Betriebsrenten einen beträchtlichen Nachteil. Und obwohl die Politik ihre Bürger seit Jahren dazu auffordert, neben der gesetzliche Rente für das Alter vorzusorgen, hat sie nichts unternommen. Warum nicht? Weil es kostet – sehr viel kostet.

Immerhin denkt die Regierung inzwischen offenbar über verschiedene Optionen nach, die betroffenen Rentner doch zu entlasten. Im Gespräch sind Freibeträge, die Einführung von sogenannten Gleitzonen, in denen die Beiträge schrittweise erhöht werden oder eine Halbierung der Beiträge. Damit wäre die Rechtslage vor 2004 wiederhergestellt – es wäre aber auch die teuerste Variante. Klar dürfte aber jetzt schon sein, dass sich Änderungen nur auf die Zukunft beziehen werden. Eine rückwirkende Anpassung wird einfach zu teuer.

… und Steuern sind auch noch fällig

Bei der Besteuerung der Auszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge kommt der individuelle Steuersatz des Rentners zum Tragen. Das kann für den Rentner von Vorteil sein. Denn in Deutschland gilt: Je höher das Einkommen, desto mehr Prozent Steuern muss man darauf zahlen. Und weil die Rente in der Regel deutlich niedriger ist als das ehemalige Arbeitseinkommen, zahlt man im Alter meistens weniger Steuern als man zuvor gespart hat. Zusätzlich kommen Rentner in den Genuss von Steuerfreibeträgen, die allerdings in den kommenden Jahren schrittweise abgebaut werden.

Wer genau wissen möchte, wie in seinem konkreten Fall die Auszahlung aus der betrieblichen Altersvorsorge besteuert wird, wendet sich am besten an einen Steuerberater. Einen Anhaltspunkt gibt aber auch der Steuerrechner des Bundesfinanzministeriums.

Keine vorzeitige Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge

Auch wenn sich im Laufe des Lebens Situationen ergeben können, in denen man das Geld aus der betrieblichen Altersvorsorge gut gebrauchen könnte: Eine vorzeitige Auszahlung ist vom Gesetzgeber ausgeschlossen. Schließlich soll die Betriebsrente ja dazu dienen, Altersarmut zu vermeiden und wird deshalb gefördert. Über die betriebliche Altersvorsorge kann jeder erst verfügen, wenn ihm der gesetzlich gültige Rentenbescheid vorliegt.

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