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Umschuldung: Kredit wechseln für neuen Schwung

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 18.06.2020

Der Gehaltsscheck verspricht eine schöne Summe Nettoeinkommen – doch auf dem Konto zwackt es trotzdem ganz schön. Warum? Ach ja, weil die Raten für den einen oder anderen Kredit abgehen. Und die Zinsen für den Dispo. In dieser Lage kann es sich lohnen, über eine Umschuldung nachzudenken. Was das ist und wie Sie damit womöglich neuen Spielraum gewinnen, lesen Sie hier.

Themen in diesem Artikel

Was ist eine Umschuldung?

Bei einer Umschuldung nehmen Sie einen neuen Kredit auf, um einen alten vorzeitig abzubezahlen. Denn das kann sich lohnen. Es ist gut möglich, dass Sie bei einem neuen Kredit viel weniger Zinsen zahlen müssen als noch vor ein paar Jahren, als die Zinsen höher lagen.

Dadurch sparen Sie unter dem Strich bares Geld. Sie können niedrigere Raten vereinbaren, um monatlich etwas mehr finanziellen Spielraum zu haben. Oder Sie zahlen dieselben Raten wie beim alten Kredit, haben Ihre Schulden dann aber umso schneller abgebaut.

Mit einer Umschuldung können Sie auch mehrere Kredite zu einem zusammenfassen. Leihen Sie sich zum Beispiel Geld, um gleichzeitig einen Dispo-Kredit, eine Autofinanzierung und vielleicht einen alten Kredit für eine Hausrenovierung abzulösen. Statt dieser drei einzelnen Kredite haben Sie dann nur noch einen einzigen Gläubiger. Das ist übersichtlicher und in der Regel auch günstiger, etwa weil Sie nur einmal Bearbeitungsgebühren zahlen. Weiterer Pluspunkt: Je weniger Kredite Sie laufen haben, umso besser ist das für Ihren Schufa-Score.

Wann ist eine Umschuldung sinnvoll?

Grundsätzlich können Sie jede Art von Finanzierung bzw. Kredit vorzeitig ablösen. Doch nicht immer ist das sinnvoll. Denn die Gläubiger haben gar kein Interesse daran, ihr Geld vorzeitig zurückzubekommen. Denn je länger ein Kredit läuft, umso mehr Zinsen kassieren sie. Bei einer vorzeitigen Ablösung dürfen sie deshalb einen Ausgleich kassieren, die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung. Bei einem kleinen Kredit unter 1.000 Euro lohnt sich der Aufwand für eine Umschuldung deshalb nicht, der Spareffekt wäre verschwindend gering.

Lohnen tut sich eine Umschuldung dagegen meistens in diesen Fällen:

  • Sie müssen noch eine hohe Restsumme abbezahlen. Ein neuer, günstigerer Kredit hilft Ihnen dann kräftig zu sparen.
  • Sie sind dauerhaft im Dispo. Die Zinsen für einen Dispositionskredit bei Ihrem Girokonto sind vergleichsweise hoch. Meistens liegen sie im zweistelligen Prozentbereich. Da kann es sich lohnen, den Dispo auszugleichen und stattdessen einen Kredit mit niedrigeren Zinsen abzubezahlen.
  • Sie lassen sich scheiden. Bei einer Trennung sollten Sie vorhandene, gemeinsame Kredite umschulden. Denn wenn Ihr Ex-Partner seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, müssen Sie einspringen. Bei einer Umschuldung dagegen nimmt jeder einen eigenen Kredit auf, um den alten, gemeinsamen Kredit abzulösen. Die Zahlungsmoral Ihres Ex-Partners geht Sie dann nichts mehr an.
  • Sie haben mehr Geld zur Verfügung als bei der ersten Kreditaufnahme. Ein sicherer Job bei guter Bezahlung – umso lieber geben Ihnen Banken einen Kredit. Mit der besseren Bonität profitieren Sie dann vielleicht von besseren Konditionen als beim alten Kredit.
Paar unterschreibt am Schreibtisch eines Anwalts einen Vertrag
© istock/fizkes/2019  Bei einer Trennung ist es sinnvoll, einen gemeinsamen Kredit umzuschulden.

Schritt für Schritt: So gehen Sie bei der Umschuldung vor

Ob und wie Sie von einer Umschuldung profitieren, erfahren Sie auf diesem Weg:

  1. Ermitteln Sie die Restschuld, also wie viel Sie noch für einen oder mehrere Kredite zahlen müssen. Das erfahren Sie aus dem Tilgungsplan, der zu Ihren Kreditunterlagen gehört. Darin steht, welche Raten Sie bis zu welchem Zeitpunkt geleistet haben und wie viel noch fehlt. Wenn Sie zwischendurch eine Sonderzahlung vorgenommen haben, fragen Sie am besten beim Geldgeber nach der Restschuld.
  2. Errechnen Sie, welche Kreditsumme Sie benötigen, um den alten Kredit abzulösen. Sehen Sie dazu in den Vertragsunterlagen des laufenden Kredits nach, ob es bestimmte Kündigungsfristen gibt und ob Sie eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen müssen. Mehr dazu erfahren Sie im nächsten Kapitel. Zusammen mit der Restschuld kennen Sie dann die benötigte Summe für die Umschuldung.
  3. Suchen Sie nach einem passenden Angebot, zum Beispiel mithilfe eines Kreditrechners und Online-Vergleichsportalen. Holen Sie sich bei drei Kreditinstituten ein konkretes Angebot ein, indem Sie Ihre persönlichen Daten und Einkommensverhältnisse angeben. Vergleichen Sie Raten, Laufzeit und effektiven Jahreszins mit Ihrem alten Kredit.
  4. Ist der neue Kredit für Sie günstiger, schließen Sie ihn ab und bezahlen Sie damit den alten vollständig zurück. In vielen Fällen wickelt der neue Kreditgeber auf Wunsch die Ablösung des alten Kredits für Sie ab („Kreditwechselservice“).

Was kostet eine Umschuldung?

Wie gesagt darf der Kreditgeber eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Damit sollen die Zinsen ausgeglichen werden, die ihm durch die vorzeitige Rückzahlung entgangen sind. Wie hoch die Entschädigung ausfällt, hängt davon ab, wann Sie den Kreditvertrag abgeschlossen haben. War es vor dem 11. Juni 2010? Damals gab es noch keine gesetzlichen Regelungen, es gilt deshalb, was im Vertrag vereinbart ist.

Für Kreditverträge ab dem 11. Juni 2010 gilt hingegen:

  • Wenn laut Tilgungsplan noch mehr als 12 Raten fällig sind, darf der Kreditgeber bis zu einem Prozent der offenen Restsumme als Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Bei einer Restschuld von 12.000 Euro wären das also 120 Euro.
  • Wenn laut Tilgungsplan noch 12 oder weniger Raten fällig sind, darf der Kreditgeber maximal 0,5 Prozent der Restsumme als Entschädigung verlangen. Bei einer Restschuld von 4.000 Euro wären das zum Beispiel 20 Euro.

Auf gar keinen Fall darf der Kreditgeber aber mehr verlangen, als er ohne die vorzeitige Rückzahlung an Zinsen bekommen hätte.

Zimmermann auf einem Hausdach im Bau
© istock/stevecoleimages/2016  Sie können den Kredit für den Hausbau früher zurückzahlen? Prima. Aber günstiger wird er dadurch nicht unbedingt.

Ausnahmefall Baufinanzierung

Wenn Sie eine Baufinanzierung umschulden wollen, müssen Sie bei den Kosten einiges beachten. Denn hier gelten nicht die gesetzlichen Vorgaben zu den Kosten einer Umschuldung. Stattdessen kann der Kreditgeber selbst die Summe einer Vorfälligkeitsentschädigung festsetzen. Auch hier gilt: Die Entschädigung darf nicht höher sein als die Zinsen, die dem Kreditgeber durch die vorzeitige Rückzahlung entgangen sind.

Und: Ist die Zinsbindung im Vertrag ausgelaufen oder ist der Vertrag mindestens zehn Jahre alt, ist keine Vorfälligkeitsentschädigung mehr erlaubt.

Ein paar Kosten gibt es aber dennoch. Zum Beispiel muss der neue Gläubiger ins Grundbuch eingetragen werden – die Gebühren und mögliche Notarkosten bleiben an Ihnen hängen. Es sei denn, der neue Kreditgeber übernimmt den Betrag, damit er Sie als Kunde gewinnt. Nachfragen kostet nichts.

Umschuldung trotz Schufa: Geht das?

Ja, eine Umschuldung ist auch bei einem negativen Schufa-Score grundsätzlich möglich. Allerdings wird es Ihnen dann schwerfallen, einen neuen Kreditgeber zu finden. Vor Angeboten wie „schufafreie Kredite“ sollten Sie sich in Acht nehmen, denn diese sind häufig mit überhöhten Zinsen verbunden, was Ihre Lage noch komplizierter macht. Stattdessen gibt es diese Möglichkeiten:

  • Versuchen Sie, Ihren Schufa-Score zu verbessern.
  • Sprechen Sie mit Ihren Kreditgebern, ob diese selbst zu einer Umschuldung breit sind. Häufig räumen Kreditgeber lieber bessere Konditionen ein, anstatt das Risiko einzugehen, dass sie ihr Geld womöglich gar nicht zurückerhalten.
  • Suchen Sie einen Bürgen, der bereit ist, im Notfall für Ihren Kredit geradezustehen.

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