Payment Innovationen: Wie sieht das Geld der Zukunft aus?

von Thorsten Schierhorn, 28.03.2024

Nie wieder an der Kasse anstehen, nach Münzen oder der Karte kramen, sondern einfach im Vorbeigehen bezahlen – klingt nach Science Fiction? Keineswegs. Solche kontaktlosen Zahlungen werden bereits heute genutzt. Wohin wird die Reise gehen, welche Chancen und Risiken bringt die rasante technologische Entwicklung mit sich? Werden wir in Zukunft überhaupt noch Bargeld haben? Die KlarMacher werfen einen Blick in die Kristallkugel. 

Themen in diesem Artikel

Abschaffung des Maestro-Systems

Abschaffung des Maestro-Systems

Seit dem 1. Juli 2023 werden keine Girokarten mit Maestro-Funktion herausgegeben. Denn das Bezahl-System des US-Unternehmens Mastercard wird abgeschafft. Die Maestro-Zahlfunktion ermöglicht das weltweite Bezahlen. Ohne dieses oder ein ähnliches System kann die Karte nur in Deutschland eingesetzt werden. 

Jedoch können alle Girokarten mit Maestro weiterhin wie gewohnt verwendet werden – bis zum Ablauf der Kartengültigkeit oder bis spätestens Ende des Jahres 2027. Dann wird das Maestro-System komplett eingestellt. Damit die Kund*innen auch in Zukunft im Ausland auf das Geld auf ihrem Girokonto zugreifen können, sind folgende Alternativen möglich:  

  • eine zusätzliche Karte für den Einsatz im Ausland, zum Beispiel eine Kreditkarte
  • eine Girokarte mit integrierter Debitkarte 
  • eine Karte mit einem anderen Bezahl-System wie V-Pay 
  • eine internationale Debitkarte mit Mastercard oder Visa 

Schnell und kontaktlos bezahlen

Die Geschichte des Geldes ist schon lang. Angefangen hat es mal mit Tauschhandel, irgendwann wurden es Münzen, dann Papier, dann eine Plastikkarte – und was kommt jetzt?

Immer mehr Menschen erledigen ihre Einkäufe online mit ihrer Kreditkarte oder über Onlinebezahldienste wie PayPal oder Klarna. Die Digitalisierung hat auch die herkömmliche Überweisung beschleunigt: Innerhalb von Europa kannst du mit Sofortüberweisung in Sekunden bezahlen. Wer vor Ort in Geschäften bezahlen will, kann das heute schon fast überall digital und kontaktlos tun. Hat der Laden ein entsprechendes Kassenterminal, dann reicht es aus, die Debitkarte oder Kreditkarte vor das Gerät zu halten. Bei kleineren Beträgen, bis 30 oder 50 Euro, ist meist keine Unterschrift, keine PIN oder sonstige Bestätigung mehr notwendig.

Mitunter brauchst du nicht einmal mehr eine Karte – dein Handy oder deine Smartwatch genügt. Dafür sorgen Apps wie Google Pay oder Apple Pay. Diese Apps funktionieren mithilfe der sogenannten NFC-Technologie. NFC steht für den englischen Fachbegriff „Near Field Communication“, wörtlich also „Nahfeldkommunikation“. Damit ist gemeint, dass das Kassenterminal und dein Handy über kurze Distanz miteinander kommunizieren. Diese Kommunikation ist verschlüsselt – es kommt also niemand sonst an die Daten ran.

Allerdings: Du bist abhängig davon, dass das Geschäft ein entsprechendes Kassenterminal hat. Ohne Schnittstelle bringt dir auch die smarteste Smartwatch nichts.

PSD2: Die europäische Zahlungsdienstrichtlinie

PSD2: Die europäische Zahlungsdienstrichtlinie

Seit dem 13. Januar 2018 gilt in Deutschland die EU-Zahlungsdienstrichtlinie namens PSD2 – das steht für Payment Services Directive 2. Sie verpflichtet Banken unter anderem, ihre Dienste noch sicherer zu machen, zum Beispiel mit der sogenannten Zwei-Faktor-Authentifizierung. Trotz der Richtlinie gibt es in Europa – und weltweit – immer noch von Land zu Land unterschiedliche Regeln, die den internationalen Zahlungsverkehr erschweren.

(Daten-)Sicherheit bei digitaler Zahlung

Früher musstest du immer deine PIN eingeben oder unterschreiben, um nachzuweisen, dass das wirklich deine Karte ist. Mittlerweile musst du dir keine Zahlenkombinationen mehr merken: Zahlungen kannst du jetzt durch biometrische Merkmale bestätigen. Damit sind verschiedene körperliche Merkmale gemeint, die für jeden Menschen einzigartig sind und ihn deswegen eindeutig identifizieren. Dazu gehören zum Beispiel der Fingerabdruck, die Stimme oder sogar das Lächeln.

Bleiben wir bei der bisher verbreitetsten Methode, dem Fingerabdruck. Smartphones und Tablets kannst du schon damit entsperren – auch Zahlungen kannst du per Fingerabdruck über dein Endgerät bestätigen. So ist sichergestellt, dass nur du und niemand sonst über dein Konto etwas bezahlt. Falls das Gerät einen Scanfehler macht oder der Finger verletzt ist, gibt es immer noch die PIN-Eingabe als Ausweichlösung.  

Dabei arbeiten Banken und Kreditkartenanbieter nicht nur an der Sicherheit der Zahlungsprozesse selbst, sondern auch an der Infrastruktur dahinter, die die sensiblen Daten schützt. Schließlich möchte niemand, dass der eigene Fingerabdruck oder andere biometrische Daten in fremde Hände geraten.  

Übrigens: Seit 2020 hat die EU auf der Agenda, eine „europäische digitale Identität“ zu schaffen. Mit dieser Identität sollen sich alle EU-Bürger*innen eindeutig und sicher identifizieren können, zum Beispiel beim Shoppen, aber auch bei Anträgen in Ämtern und so weiter. Umgesetzt wurden die Pläne allerdings noch nicht. 

Ein Mann bezahlt etwas mit seiner Smartwatch
© istock/martin-dm/2018  Smartwatch genügt! So schnell und unkompliziert geht Bezahlen heute schon.

Sofort bezahlen oder später bezahlen?

Heutzutage kannst du alles sofort bezahlen – aber gleichzeitig ebenso erst später. So zahlen immer mehr Kund*innen mit ihrer Kreditkarte, bei der das Geld nicht sofort vom Girokonto abgebucht wird, sondern erst am Ende des Monats die Abrechnung kommt.  

Schon lange gibt es die Möglichkeit, etwas auf Rechnung zu kaufen, also erst später zu bezahlen. Das geht auch beim Online-Shopping. Du bezahlst die Rechnung an die Verkäufer*innen, von denen du die Rechnung direkt erhältst. Soweit ist alles beim Alten.

Relativ neu ist, dass Dienstleistern wie PayPal oder Klarna ein Zahlungsmodell anbieten, das du öfter unter der Abkürzung BNPL finden wirst. Dahinter verbirgt sich der englische Ausdruck „buy now, pay later“, also „kaufe jetzt, zahle später“. Du kaufst ein, der Dienstleister bezahlt, und fordert das Geld im Anschluss von dir zurück. Das kann über eine herkömmliche Rechnung passieren, bei der du die Summe innerhalb von einer bestimmten Frist begleichst, zum Beispiel innerhalb von 30 Tagen.  

Es gibt aber auch Ratenmodelle, bei denen du monatlich nur einen Teil der ausgegebenen Summe begleichst. Dieses Zahlungsmodell ist nicht neu – Ratenkredite sind der Standard für größere Anschaffungen wie die Immobilienfinanzierung. Neu ist, dass du mit diesen Dienstleistern auch kleinere Beträge in Raten zurückzahlen kannst.  

Wichtig: Achte dabei unbedingt darauf, ob und wie hohe Zinsen anfallen. Wie bei der Ratenzahlung bei Kreditkarten kann das nämlich ganz schön teuer werden.

Das „buy now, pay later”-Modell ist sehr praktisch, zum Beispiel, wenn du dir Konzerttickets sichern möchtest, bevor alles ausverkauft ist, und das vor deinem nächsten Zahltag. Allerdings kann es leicht passieren, dass Shopper*innen aus den Augen verlieren, wie viel Geld sie eigentlich schon ausgegeben haben – und was sie noch alles später zurückzahlen müssen. Die vielen kleinen Beträge können so zu einem größeren Schuldenberg anwachsen. Solche Zahlungsmöglichkeiten solltest du also lieber sparsam nutzen – zum Beispiel für wichtige Anschaffungen oder um kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken.  

Tipp: Wenn du das Gefühl hast, den Überblick über deine Ausgaben zu verlieren, hilft dir das gute alte Haushaltsbuch. Auch das musst du nicht mehr umständlich von Hand führen – es gibt praktische Apps dafür.

Was ist eigentlich mit Krypto?

Was ist eigentlich mit Krypto?

Ein Zahlungsmittel, dem eine große Zukunft vorhergesagt wurde, sind Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Die rein digitalen Währungen werden nicht von einer Staats- oder Zentralbank reguliert und schwanken stark im Wert. Nicht zuletzt der Zusammenbruch der Krypto-Börse FTX im November 2022 hat gezeigt, wie riskant es ist, mit Kryptowährungen zu handeln: Viele Anleger*innen verloren ihr Geld. Ob Bitcoin & Co sich von dieser Vertrauenskrise erholen, bleibt abzuwarten.

Selbstbedienungskassen – oder gar keine Kassen mehr?

Wer steht schon gerne an der Kasse an? Um genau dieses Ärgernis loszuwerden, gibt es einige Innovationen, die in einzelnen Läden schon heute getestet werden. Zunächst gibt es in immer mehr Supermärkten, Drogerien oder auch Baumärkten Selbstbedienungskassen. Statt die Waren aufs Band zu legen und von Kassierer*innen einscannen zu lassen, übernehmen die Kund*innen das kurzerhand alles selbst. Die Selbstbedienungskassen sind mit Waagen und Scangerät ausgestattet, und am Ende kann direkt bezahlt werden.

Diese Kassen sind viel kleiner als herkömmliche Kassen: So können Supermärkte mehr Kassen auf weniger Raum unterbringen und mehr Kund*innen gleichzeitig bedienen. Das bedeutet theoretisch weniger Wartezeit – wenn die Technik denn reibungslos funktioniert.  

Als die ersten Selbstbedienungskassen in Deutschland aufkamen, gab es einige Bedenken: Würden die Supermärkte Personal einkürzen? Würde mehr gestohlen werden? Das hat sich aber bisher nicht bewahrheitet. Personal ist nach wie vor da, um zu beraten, zu helfen oder stichprobenartig die Einkäufe zu prüfen. So wird auch Diebstahl vorgebeugt. Außerdem haben die Test-Läden in der Regel weiterhin ein paar herkömmliche Kassen.

Wie bei vielen Innovationen ist die Selbstbedienungskasse eine Geschmackssache: Manche Kund*innen möchten lieber bei einem echten Menschen an der Kasse bezahlen, oder einfach mit Bargeld – Selbstbedienungskassen nehmen oft nur Karte oder ein smartes Gerät. Andere sind begeistert von der gesparten Zeit, und nutzen sie gerne.

Video: Einkaufen in der Zukunft – mit intelligenten Einkaufswagen und Hightech-Regalen | SUPER.MARKT | rbb

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© NDR Ratgeber 

Für Fans der Selbstbedienungskassen gibt es gute Nachrichten: Die Technik ist mittlerweile schon ein paar Schritte weiter. Edeka testet zum Beispiel Einkaufswagen mit Scangeräten, mit denen Kund*innen beim Einkaufen alles, was sie in den Einkaufswagen legen, sofort selbst einscannen. An der Kasse muss nur noch fix bezahlt werden.  

Außerdem gibt es mittlerweile die ersten kassenlosen Supermärkte. Das funktioniert mithilfe von Apps, zum Beispiel Rewe Pick & Go. Wer sich dort anmeldet, kann durch den Supermarkt gehen und alle gewünschten Produkte einfach in die eigene Tasche stecken. Ausgefeilte Systeme in den Regalen und in Kameras erfassen automatisch, was die Kund*innen ausgewählt haben, und rechnen sogar selbst ab, wenn die Kund*innen den Markt verlassen, ganz ohne überhaupt an einer Kasse stehen zu bleiben. Gezahlt wird hier wortwörtlich im Vorbeigehen.

Jemand steckt mehrere Euro-Scheine in eine Geldbörse
© istock/Alihan Usullu/2022  Unsere Währung: Bald nur noch digital?  

Digitales Zentralbankgeld – Ersatz für Bargeld?

Eine Innovation, die du (noch) nicht selbst ausprobieren kannst, sind digitale Währungen. Damit sind aber nicht Kryptowährungen gemeint (siehe Infobox), sondern das sogenannte digitale Zentralbankgeld. Wie der Name schon sagt, wird dieses Geld – genau wie unser Bargeld – von der zuständigen Zentralbank herausgegeben. Für den Euro ist das die Europäische Zentralbank, die EZB.

Der Vorteil an digitalem Zentralbankgeld wäre, dass die Zentralbanken im Gegensatz zu privaten Banken nicht bankrottgehen können. Das digitale Geld, also zum Beispiel Geld auf deinem Konto, wäre somit besonders geschützt. Mit einer dazugehörigen Infrastruktur können Zahlungen in (digitalen) Euro schneller und sicherer werden – Verbraucher*innen könnten auf Drittanbieter verzichten. Idealerweise soll der digitale Euro genauso schrankenlos nutzbar sein wie eine Euro-Münze.  

Wird das digitale Zentralbankgeld mittel- oder langfristig das Bargeld komplett ersetzen? Wahrscheinlich nicht. Zwar zahlen immer mehr Menschen ohnehin mit Karte oder kontaktlos, einfach, weil es bequemer ist. Aber es ist nicht geplant, das Bargeld abzuschaffen. Auch in unserer digitalen Welt hat Bargeld schließlich Vorteile: Bei keiner anderen Zahlungsart hast du sofort im Blick, wie viel du noch ausgeben kannst. Du bist außerdem nicht abhängig von funktionierender Technik.  

Deswegen funktionieren übrigens Spar-Challenges auch am besten mit Bargeld. Ein paar davon findest du im KlarMacher-Ratgeber „Spar-Challenge akzeptiert! Mit diesen 5 Methoden sparst du spielerisch Geld“ – es ist aber auch eine Challenge dabei, die du bargeldlos machen kannst. 

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