Ein Mann bezahlt in einem Coffee Shop lächelnd mit seinem Handy bei einer freundlichen Kassiererin
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Das Handy als digitaler Geldbeutel: So bezahlen Sie schnell und kontaktlos

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 11.06.2020

Wir bestellen damit Pizza und das Taxi, wir buchen Tickets, spielen damit in der Bahn, chatten mit unseren Freunden und machen einen schnellen Schnappschuss: Das Smartphone muss einfach dabei sein. Nur an der Ladenkasse greifen wir zum Portemonnaie oder der Karte? Das ist nicht nötig. In vielen kleinen und großen Geschäften und Restaurants ist längst das Bezahlen per Handy möglich. Doch wie funktioniert das und welche technischen Voraussetzungen gibt es?

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Was brauche ich, um mit meinem Handy zu bezahlen?

Die wichtigste technische Bedingung für das Bezahlen mit dem Handy ist, dass Ihr Smartphone einen NFC-Chip besitzt. Das ist bei fast allen modernen Geräten der Fall. Die Abkürzung NFC steht für Near Field Communication („Nahfeldkommunikation“), eine Technologie ähnlich dem bekannten Bluetooth. Sie ermöglicht es zwei Geräten, die sich in nahem Abstand zueinander befinden, Daten miteinander auszutauschen. Dafür muss das Lesegerät an der Kasse natürlich ebenfalls mit NFC ausgestattet sein. Sie erkennen dies an dem Wellensymbol – oder Sie fragen einfach einen Mitarbeiter.

Grafik NFC-Symbol auf Smartphone und Bezahlterminal

Darüber hinaus benötigen Sie nun noch eine App, mit der Sie die Bezahlung durchführen. Solche Apps leiten sozusagen Ihr Geld an den Händler weiter. Das kann auf vier unterschiedliche Weisen funktionieren:

  • Über die Kreditkarte: Wenn Sie die Daten Ihrer Kreditkarte in der App hinterlegt haben, wird diese mit dem Einkauf belastet.Als Lastschrift: Dafür geben Sie die Daten Ihres Girokontos an, von dem der entsprechende Betrag abgebucht wird.
  • Mit Guthaben: Hierbei kaufen Sie eine Guthabenkarte, beispielsweise in der Drogerie oder dem Supermarkt. Wenn Sie der darauf abgedruckten Anleitung folgen, ist Ihre App mit Guthaben aufgeladen, das Sie verbrauchen können.
  • Über einen Drittanbieter: In manchen Apps hinterlegen Sie Ihre Daten nicht direkt. Stattdessen verknüpfen Sie die App mit einem anderen Anbieter Ihres Vertrauens, beispielsweise PayPal. Dieser wickelt dann die Zahlung über Ihr Girokonto, Ihre Kreditkarte oder ein Guthaben ab – je nachdem, was Sie festgelegt haben.

Sobald Ihr Smartphone mit NFC und App ausgestattet ist, können Sie kontaktlos bezahlen. Dafür halten Sie Ihr Handy nah an das Lesegerät an der Kasse. Bei höheren Beträgen müssen Sie noch eine persönliche Identifikationsnummer (PIN) eingeben. Die Grenze dafür lag in Deutschland bei 25 Euro, im Zuge der Corona-Krise wurde sie jedoch auf 50 Euro angehoben, damit noch weniger Finger das Tastenfeld berühren müssen. Online müssen Sie für das Bezahlen mit dem Handy nicht sein, aber vergessen Sie nicht, NFC einzuschalten.

Welche App-Anbieter gibt es?

Von Software-Entwicklern über Einzelhändler bis hin zu Finanzdienstleistern: Viele Unternehmen bieten Apps an, mit denen Sie mobil bezahlen können. Der Markt ist sehr umkämpft, und so mussten in den vergangenen Jahren auch immer wieder Anbieter das Handtuch werfen. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Apps, die an vielen Stellen akzeptiert werden:

  • Apple Pay: Wer mit einem Apple-Gerät mobil bezahlen möchte, kommt um Apple Pay nicht herum. Dieses wird in der App „Wallet“ eingerichtet und funktioniert mit verschiedenen Kreditkarten, ganz bequem und sicher auch mit den Kreditkarten der Hanseatic Bank. Alternativ arbeitet Apple Pay auch mit Finanzdienstleistern wie Klarna, Revolut oder VIMpay zusammen (siehe unten).
  • Google Pay: Bei dem Bezahlsystem für Android-Handys können ebenfalls verschiedene Kreditkarten hinterlegt werden. Zudem kooperiert Google mit Dienstleistern wie PayPal, Klarna, boon und VIMpay. 
  • Payback: Diese App funktioniert auf dem iPhone ebenso wie auf Android-Geräten. Sie können damit bei den Payback-Partnern wie Alnatura, Aral, REWE und dm per Lastschriftverfahren bezahlen. 
  • Einzelhändler: Manche Einzelhändler wie Edeka, famila oder Netto haben ihre eigene Unternehmens-App um eine Zahlfunktion ergänzt. Rabattaktionen und Coupons werden in der Regel automatisch berücksichtigt und gelten manchmal nur beim Bezahlen mit dieser App. Für den Einkauf in anderen Geschäften sind diese Anwendungen nicht geeignet. Dafür funktionieren sie in der Regel mit Einmal-PIN und ohne NFC.
  • Finanzdienstleister: Unzählige Finanzdienstleister wie zum Beispiel VIMpay, boon, Klarna und Revolut bieten Apps, mit denen Sie online und vor Ort bezahlen können. In der Regel müssen Sie dafür eine Kreditkarte oder Ihr Bankkonto mit der App verknüpfen. Für weitere Finanzdienstleistungen fallen unter Umständen Gebühren an.
Frau hält den Arm mit ihrer Smartwatch an ein Bezahlterminal
© istock/AegeanBlue/2019  Mit der richtigen App können Sie auch mit Smartwatch oder Fitnesstracker bezahlen.

Bezahlen mit Fitnesstracker und Smartwatches

Bezahlen mit Fitnesstracker und Smartwatches

Nicht nur mit dem Smartphone, auch mit Fitnesstracker und Smartwatch können Sie kontaktlos bezahlen. Voraussetzung auch hier: Die Geräte sind mit NFC ausgestattet. Außerdem müssen die nötigen Apps in einigen Fällen noch auf einem verbundenen Smartphone installiert und eingerichtet werden.

Bei Fitnesstrackern ersetzen unter anderem einige Modelle von Fitbit und Garmin das Bargeld. Fitbit Pay kooperiert nur mit wenigen Banken, funktioniert aber über die boon-App und Revolut, Garmin Pay lässt sich mit boon und VIMpay nutzen. Bei der Apple Watch können Sie Apple Pay nutzen. Samsung dagegen hat seinen Bezahldienst noch nicht auf dem deutschen Markt eingeführt (Stand: Mai 2020) und nutzt hierzulande auch kein anderes Verfahren für die Galaxy Watch. Android-Nutzer müssen also auf Geräte von LG oder Huawei ausweichen.

Ist es sicher, mit dem Handy zu bezahlen?

Bequemlichkeit ist schön und gut – aber ist das Verfahren sicher? Um Sie und Ihr Geld zu schützen, gibt es bei NFC verschiedene Sicherheitsmaßnahmen. So funktioniert es nur, wenn Sie Ihr Smartphone ganz nah an das Lesegerät halten. Aus weiterem Abstand kann der Datenaustausch nicht abgefangen oder gar manipuliert werden.
Sollte Ihnen einmal das Smartphone entwendet werden, hält sich der Schaden durch Handyzahlungen trotzdem in Grenzen. So könnte sich ein Dieb nur bis zu der Höchstgrenze von 50 Euro pro Einkauf bereichern und das auch nur bis 150 Euro. Danach müsste er – je nach Ihrer Sicherungsmethode – die PIN in Ihrem Handy eingeben oder sich mit biometrischen Daten wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung ausweisen.

Zudem können Sie selbst ein paar Sicherheitsvorkehrungen treffen:

  • Sichern Sie den Zugriff auf Ihr Handy gut ab und verraten Sie niemandem Ihre PIN.
  • Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge auf falsche Abbuchungen.
  • Lassen Sie Ihre Kreditkarte beziehungsweise Ihr Konto sperren, falls jemand Zugang zu Ihren Daten haben könnte.

Was passiert mit meinen Daten?

App-Betreiber und Zahlungsanbieter können Ihre Einkäufe genau verfolgen – wenn sie es denn wollen. Das Interesse ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Apple etwa hat den Anspruch, die Kundeninformationen besonders gut zu schützen und nimmt bewusst keinen Zugriff auf Ihre Zahlungsdaten vor. Google dagegen gibt in seiner Datenschutzerklärung an, zahlreiche Informationen zu erheben und zu nutzen. Teilweise können Sie aber auch aktiv dagegen widersprechen, etwa wenn Informationen über Ihre Bonität an Tochtergesellschaften weitergegeben werden sollen.

Was haben Sie wann in welcher Menge gekauft? Einzelhändler mit eigenen Apps sind meist in der Lage, aufgrund Ihrer Einkäufe ein recht genaues Profil von Ihnen zu erstellen. Interessieren Sie sich mehr für Sport oder für Kultur? Legen Sie Wert auf Schnäppchen? Mit diesen Erkenntnissen wollen die Händler Ihnen genau zugeschnittene Werbung und Angebote schicken.

Was im Einzelnen mit Ihren Daten passiert, können Sie in den jeweiligen Datenschutzhinweisen der Apps nachlesen. Zum Teil dürfen Sie auch vorab wählen, ob Sie einer bestimmten Nutzung zustimmen. Payback beispielsweise erstellt nur ein Käuferprofil von Ihnen, wenn Sie einwilligen.

Ein junges, tätowiertes Paar steht mit einem gefüllten Einkaufswagen vor einem Supermarktregal und betrachtet die Auslage
© istock/Tomml./2019  Ob Ihr Einkauf vom Händler erfasst wird und er die Daten etwa für personalisierte Angebote nutzen kann, erfahren Sie in den Geschäftsbedingungen der Bezahl-Apps.

Was heißt es, per Handy-Rechnung zu bezahlen?

Mit dem Handy zu bezahlen muss nicht immer mobil und kontaktlos sein. Insbesondere beim Einkauf in Online-Shops können Sie oft auch die Option „Bezahlung per Handyrechnung“ wählen. Der Betrag, den Sie ausgeben, erscheint zusätzlich zu den üblichen monatlichen Kosten auf Ihrer Handyrechnung. Sogar das Parken können Sie teilweise so mit dem Handy bezahlen.

Die Mobilfunkanbieter möchten damit ein weiteres sicheres Bezahlverfahren anbieten. Der Nachteil daran ist allerdings, dass es immer schwieriger wird, den Überblick über alle Ausgaben zu behalten, wenn zusätzlich zu den gewohnten Abrechnungen über Girokonto und Kreditkarte am Ende des Monats noch weitere Rechnungen ins Haus flattern.

 

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