Fahrradfahrer fährt auf einem grünen Fahrradweg
Sparen

Fahrrad steuerlich absetzen: Nicht nur Sprit, sondern auch Geld sparen!

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 18.11.2021

Mit dem Rennrad den Berufsverkehr-Stau überholen. Oder für dienstliche Fahrten in die Pedale treten. Fahrräder sind praktisch und umweltfreundlich. Seit 2019 können Sie beruflich genutzte Fahrräder sogar von der Steuer absetzen. Aber alle Modelle? Auch E-Bikes? Und was ist mit Fahrradanhängern, Zubehör und Reparaturen? Wir machen klar, wer mit seinem Drahtesel Steuern sparen kann. 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Sie fahren mit einem privaten Fahrrad zur Arbeit? Dann können Sie die Kilometer zur Arbeit über die Pendlerpauschale absetzen.
  • Wird Ihnen ein Dienstfahrrad zusätzlich zum Gehalt überlassen? Dann ist es steuerfrei ‒ auch seine private Nutzung. 
  • Das Dienstfahrrad gehört Ihnen? Dann zahlen Sie zwar Steuern, aber ermäßigt.
  • Sie haben ein zulassungspflichtiges Speed-Bike? Dann profitieren Sie von den Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge.
  • Sind Sie Freiberufler*in? Sie können unter bestimmten Voraussetzungen das Fahrrad als Betriebsausgabe absetzen. 

Welche Fahrräder sind von der Steuer befreit?

Wenn Sie rein privat mit Ihrem Drahtesel unterwegs sind, dann werden dafür natürlich keine Steuern fällig. Bei beruflich genutzten Fahrrädern war das lange Zeit anders. Doch um umweltfreundliches Engagement zu fördern, hat der Staat 2019 dafür eine Steuerbefreiung eingeführt. 

Sie gilt für normale Dienstfahrräder und nicht zulassungspflichtige E-Bikes, die höchstens Tempo 25 machen. Ihr elektrisches Dienstfahrrad läuft schneller? Dann ist es ein sogenanntes Speed-Pedelec (S-Pedelec) mit einem ermäßigten Steuersatz. Achtung: S-Pedelecs gelten im Verkehrsrecht bereits als Kraftfahrzeuge. Und wie alle motorgetriebenen Fahrzeuge sind sie kennzeichen- und versicherungspflichtig. 

Beachten Sie dabei: Wenn Sie Ihr Fahrrad als Verkehrsmittel von der Steuer absetzen, muss es straßenverkehrstauglich sein. Das heißt, dass es Licht braucht, Reflektoren und eine Klingel. Ohne diese Sicherheitsausstattung gilt es als Sportgerät. Dann ist es nur für Berufssportler*innen steuerlich absetzbar.

Wenn Sie nach dem 1. Januar 2019 ein Holland-, Renn-, Stadtrad, Mountainbike oder sonstiges Fahrrad gekauft oder vom Arbeitgeber bekommen haben, können Sie sich also auf eine Steuerersparnis freuen. Allerdings macht es einen Unterschied, ob Sie als Arbeitnehmer*in Ihr privates Fahrrad nutzen, ein Dienstfahrrad haben oder als Freiberufler*in in die Pedale treten. 

Zwei Menschen fahren in einem Park Fahrrad
© istock/chabybucko/2018  Nur straßentaugliche Drahtesel mit Licht & Co. können Sie als Verkehrsmittel steuerlich absetzen.

Sie fahren mit dem privaten Fahrrad zur Arbeit?

Wenn Sie angestellt sind, können Sie über die Pendlerpauschale von 30 bis 35 Cent pro Kilometer Steuern sparen. Besonders dann, wenn Sie es weiter als 15 Kilometer zur Arbeit haben. Ob Sie die Strecke mit dem Fahrrad, der Bahn oder mit dem Auto zurücklegen, spielt keine Rolle. Mehr zu dieser sogenannten Entfernungspauschale erfahren Sie im Artikel „Pendlerpauschale berechnen: Wie viel Geld liegt auf der Straße?”.

Sie nutzen Ihr privates Fahrrad für Dienstfahrten oder Auswärtstermine?

Mit einem S-Pedelec können Sie die betrieblich gefahrene Strecke über die Dienstkostenpauschale von 20 Cent pro Kilometer absetzen.

Wenn Sie Dienstfahrten mit einem Fahrrad oder nicht zulassungspflichtigen E-Bike machen, dann geht es im Fachdeutsch um „Aufwendungen, die die Entfernungspauschale übersteigen”. In dem Fall können Sie jeden zusätzlich betrieblich gefahrenen Kilometer durch die Aufwandspauschale als Betriebsausgabe absetzen. Und Sie dürfen auch Kosten, wie

  • Kaufpreis,
  • Wartung,
  • Reparatur,
  • Zubehör,
  • Stromkosten,
  • Versicherung

und ähnliche Aufwendungen geltend machen.

Das ist aber nur mit beruflich gefahrenen Strecken möglich. Das bedeutet: Sie schätzen, zu wie viel Prozent Sie Ihr Fahrrad jeweils für den Job und privat nutzen. Oder Sie führen ein Fahrtenbuch und teilen dann alle Kosten entsprechend auf die beruflichen und privaten Kilometer auf. 

Beispiel: Sie haben Ihr Fahrrad zu 15 Prozent für dienstliche Fahrten, zu 35 Prozent für den Arbeitsweg und zu 50 Prozent privat verwendet. Dabei sind Ausgaben für Ihr Fahrrad in Höhe von 200 Euro angefallen. Die Kosten für den Arbeitsweg sind durch die Entfernungspauschale vollständig abgedeckt. Auch die laufenden Nebenkosten. Aber Sie dürfen die 15 Prozent für die zusätzlichen betrieblichen Fahrten von den 200 Euro ‒ das sind 30 Euro ‒ als Betriebsausgabe in der Steuererklärung angeben. 

Wenn Sie auf die Entfernungspauschale verzichten, können Sie alle tatsächlichen Kosten für das Fahrrad steuerlich absetzen ‒ auch die betrieblich gefahrenen Kilometer. Die gelten damit als Betriebsausgaben und abzugsfähige Fahrradkosten. Aber eben nur für den beruflichen Anteil. Und den müssen Sie auch noch belegen. Zum Beispiel, indem Sie ein Fahrtenbuch führen und Rechnungen für die Anschaffungs-, Reparaturkosten & Co. sammeln. Das ist zwar aufwendiger als die Nutzung der Entfernungspauschale. Doch es kann sich für angestellte Viel-Fahrradfahrer*innen lohnen.

Haben Sie mehr als ein Fahrrad? Dadurch ist die Kostenberechnung deutlich einfacher. Sie geben dann alle tatsächlichen Kosten und die Jahresleistung für das überwiegend beruflich genutzte Fahrrad an. 

Übersicht: Welches und wessen Fahrrad lässt sich wie steuerlich absetzen?

Angestellte
privates Fahrrad
EntfernungspauschaleAufwendungspauschaleDienstreisepauschale
Weg zur Arbeit (30‒35 Cent pro Kilometer)Kosten für zusätzliche berufliche Fahrten sind anteilig (privat/beruflich) absetzbarZulassungspflichtige S-Pedelecs 20 Cent pro dienstlich gefahrenen km
  gilt nicht für normale Fahrräder und E-Bikes
Angestellte/Arbeitgeber
Dienstfahrrad
EntfernungspauschaleSteuerbefreiungDienstreisepauschale
Weg zur Arbeit (30‒35 Cent pro Kilometer)wenn Rad zusätzlich zum Gehalt zur Nutzung überlassen wirdZulassungspflichtige S-Pedelecs 20 Cent pro dienstlich gefahrenen km
 wenn keine Zulassungspflicht für das Fahrrad bestehtgilt nicht für normale Fahrräder und E-Bikes
 Steuerersparnis  
 bei Übereignung des Fahrrads auf Angestellte*n 
Selbstständige/Freiberufler*innen
Betriebsfahrrad
EntfernungspauschaleBetriebskostenMehrwertsteuerabzug
Weg zur Arbeit (30‒35 Cent pro Kilometer)Anteilig, bei mindestens 10-prozentiger betrieblicher Nutzungbei umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen
 Vollständig, bei mindestens 50-prozentiger betrieblicher Nutzung 

Sie haben ein Dienstfahrrad?

Nicht nur die Deutsche Post, sondern auch andere Unternehmen stellen ihren Mitarbeitenden ein Dienstfahrrad zur Verfügung. Alle seit 2019 angeschafften Dienstfahrräder sind von der Steuer befreit. Diese Regelung gilt zunächst bis zum Jahr 2030. Allerdings nur, wenn Sie das Fahrrad zusätzlich zum Lohn gestellt bekommen. Diese sogenannte Nutzungsüberlassung wird durch einen nachträglichen Eintrag in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt. Solange das Fahrrad Firmeneigentum bleibt, zahlen Sie nichts ans Finanzamt. Im Gegensatz zum Dienstwagen fallen für Sie auch bei privater Nutzung Ihres Dienstfahrrads keine Steuern an. 

Es gibt hier zwei Sonderfälle:

  1. Sollte Ihre Firma ein E-Bike als Eigentum auf Sie übertragen, wird es als geldwerter Vorteil über Ihren Lohn verrechnet. Dann werden Steuern fällig. Aber vergünstigt, wie bei einem Elektro-Dienstwagen. Für einen normalen Dienstwagen zahlen Sie ein Prozent vom Bruttolistenpreis (Preisempfehlung des Herstellers) als Steuern. Für das Fahrrad nur 0,25 Prozent. 
  2. Auch für ein S-Pedelec, das Sie zusätzlich zum Gehalt bekommen oder das als Eigentum auf Sie übertragen wird, zahlen Sie Steuern. Dabei gelten die gleichen Regeln wie bei einem Elektro-Dienstwagen: Sie zahlen monatlich nur 0,25 Prozent vom Bruttolistenpreis als Steuern. Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Geldwerter Vorteil: Was ist das? Was muss man versteuern?”

In beiden Fällen müssen Sie sich nicht um die Versteuerung kümmern. Das übernimmt Ihr Arbeitgeber für Sie. Heißt: Es läuft alles automatisch über Ihre Gehaltsabrechnung.

Bei Ihrem Betrieb gibt es eine Ladestation für E-Bikes? Das Aufladen gilt nicht als geldwerter Vorteil und ist somit (lohn-)steuerfrei.

Fahrrad leasen: Vorsicht bei der Kaufoption!

Fahrrad leasen: Vorsicht bei der Kaufoption!

Immer mehr im Trend liegt das Fahrradleasing. Damit sparen sich Selbstständige, Privatpersonen und Arbeitgeber die teuren Anschaffungskosten und können so zum Beispiel das neueste Pedelec fahren. Die Leasingkosten dürfen Sie als Arbeitgeber oder Freiberufler*in steuerlich absetzen. Nach Ablauf der Leasingzeit können Sie das Fahrrad vergünstigt kaufen. 
Wichtig: Arbeitnehmer*innen sollten erst am Ende der Leasingzeit ihr Kaufinteresse am Fahrrad bekunden. Oder ein Angebot vom Leasinganbieter abwarten. Ist im Leasingvertrag bereits die Kaufoption für Mitarbeitende vermerkt, kann es zu einer falschen Einstufung beim Finanzamt kommen. Sie haben dann offiziell gar kein Dienstfahrrad und müssen unter Umständen Steuern und Sozialabgaben nachzahlen.

Wie können Freiberufler & Co. Fahrräder steuerlich absetzen?

Selbstständige können ihr Fahrrad ebenfalls als Betriebsfahrrad absetzen. Aber nur, wenn sie es zu mindestens zehn Prozent beruflich nutzen. Sonst gelten dieselben Bedingungen wie für die Privatpersonen, die mit ihrem Fahrrad zur Arbeit fahren (siehe oben). Anders als bei der privaten Nutzung vom Betriebsauto fallen für die private Nutzung vom Betriebsfahrrad keine Steuern an. Doch das Finanzamt kann Nachweise für die berufliche Nutzung (Fahrtenbuch oder Kund*innenrechnungen) verlangen.

Sie nutzen das Fahrrad überwiegend beruflich (50 Prozent plus)? Dann wird es zum Betriebsvermögen und Sie können alle Rechnungen rund ums Fahrrad beim Finanzamt einreichen. Laufende Kosten wie Versicherung, Reparatur, Wartung, Ersatzteile und Zubehör sind dann Betriebsausgaben. Aber: Sollten Sie das Fahrrad verkaufen, ist der Erlös eine Betriebseinnahme. 

Für die Anschaffungskosten gelten folgende Regelungen:

  • Fahrräder bis 400 Euro können sofort als „geringwertiges Wirtschaftsgut” abgesetzt werden.
  • Teurere Räder werden auf die Nutzungsdauer ‒ meistens sieben Jahre ‒ verteilt abgeschrieben. Das Fahrrad ist dann in der Steuererklärung eine „Privateinlage”. 

Umsatzsteuerpflichtige Unternehmer*innen können alle nachweisbaren Kosten rund ums Fahrrad von der Vorsteuer abziehen. Das heißt: Sie sparen die Mehrwertsteuer vom Kauf- oder Dienstleistungspreis.

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