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Kreditkarte oder Girocard: Beides gut, aber eines besser?

von Thorsten Schierhorn, 03.06.2024

Die Deutschen lieben ihre EC-Karte, die eigentlich schon längst Girocard heißt. Fast jeder hat eine. Die Kreditkarte hingegen ist für viele bestenfalls die Ersatzlösung. Aber wieso eigentlich? So manches Vorurteil gegenüber der Kreditkarte erweist sich bei näherem Hinsehen als falsch. Mehr noch: Eine Kreditkarte bietet manchen Vorteil. Die KlarMacher haben einmal genauer hingeschaut.

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Überblick: Die wichtigsten Unterschiede zwischen Kreditkarte und Girocard

Ist eine Girocard eine Kreditkarte? Nein, obwohl die beiden Kartenformate äußerlich sehr ähnlich sind. Doch davon abgesehen haben sie nur wenig miteinander gemein. Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen einer Kreditkarte und einer Girocard (ehemals EC-Karte) liegen in der Regel in den folgenden Bereichen: 

  • Kartenherausgeber: Die Girocard wird von deiner Bank ausgegeben, bei der du dein Girokonto hast – während du eine Kreditkarte meistens unabhängig von deinem Girokonto beantragen kannst. 
  • Gebühren: Girocards (einschließlich Debitkarten) werden bei vielen Banken häufig gratis zum Girokonto ausgegeben. Kreditkarten kosten oft extra – aber auch hier gibt es gebührenfreie Varianten. 
  • Verfügbarkeit von Geld: Per Girocard kannst du nur dann bezahlen, wenn du genügend Geld auf deinem Girokonto hast, beziehungsweise dein Dispo noch nicht ausgereizt ist. 
  • Abbuchung: Kreditkartenzahlungen belasten nicht sofort dein Konto, sondern werden gesammelt und üblicherweise einmal im Monat davon eingezogen. Bei Zahlungen mit der Girocard wird das Geld meistens innerhalb der nächsten drei Tage vom Girokonto abgebucht. 
  • Akzeptanz: Girocards sind in Deutschland in fast allen Geschäften als Zahlungsmittel anerkannt. Für den Einsatz außerhalb der Europäischen Union eignen sie sich nur sehr eingeschränkt. Kreditkarten hingegen kannst du so gut wie in aller Welt nutzen. 
  • Onlineshopping: Die Kreditkarte ist in Onlineshops gern gesehen. Die Girocard lässt sich in der virtuellen Welt nur einsetzen, wenn das Geschäft ein entsprechendes Bezahlsystem anbietet, wie zum Beispiel Giropay, Paydirekt oder Sofortüberweisung. 
Zwei junge Frauen betrachten eine Handtasche im Schaufenster
© istock/martin-dm/2017  Mit der Kreditkarte ist auch das Extra-Schnäppchen noch drin – ohne dass Dispo-Zinsen drohen.

Vorteile der Kreditkarte: Flüssig bis ans Ende der Welt

„Die Welt spricht Visa“ heißt ein beliebter Werbespruch. Und tatsächlich: Über drei Milliarden Visa Karten wurden bisher ausgegeben. Weltrekord! In rund 50 Millionen Geschäften und Shops rund um den Globus kannst du mit dem Plastikgeld der Marke bezahlen. Von Südamerika über Afrika bis nach Fernost. Größter Konkurrent von Visa ist die Mastercard Incorporated mit ihrer Mastercard. 

Ob von Visa oder Mastercard – mit einer Kreditkarte bist du im Ausland auf der sicheren Seite. Oft ist sie sogar notwendig. Zum Beispiel, wenn du ein Auto mieten willst. Eine Girocard oder Bargeld als Kaution? In der Regel so gut wie unmöglich. Bezahlen mit Girocard in den USA? Da hättest du vermutlich sogar mit Monopoly-Geld größere Chancen. 

Allerdings ist Kreditkarte nicht gleich Kreditkarte. Die klassische und häufigste Form ist die sogenannte „Charge-Kreditkarte“, auf die wir uns im Folgenden konzentrieren. Es gibt aber noch andere Varianten. Mehr dazu erfährst du in unserem Ratgeber „Charge, Revolving, Prepaid: Welche Kreditkarte passt zu dir?“. 

Abgesehen von ihrer Eigenschaft als guter Reisebegleiter gibt es noch weitere Vorteile der Charge-Kreditkarte. Die wichtigsten hier zusammengefasst. 

  • Onlineshopping: Wenn du im Internet shoppst oder darüber Verträge abschließt, kannst du direkt mit der Kreditkarte bezahlen. Denn beim Einsatz einer Kreditkarte erhält der Shop eine Zahlungsgarantie von der Kreditkartengesellschaft. Weil er deshalb sein Geld sicher bekommt, kann er den Auftrag sofort ausführen und die Ware verschicken.  
  • Geldabhebungen: Viele Banken bieten Abhebungen am Geldautomaten mittels Kreditkarte an. So zahlst du zum Beispiel mit der GenialCard keine Gebühren für Bargeldabhebungen im Ausland. Sowohl an Automaten als auch in Filialen. Die Betreiber von Geldautomaten können jedoch eigene Gebühren erheben. 
  • Kurzfristiger Kredit: Kreditkartenzahlungen belasten nicht sofort dein Konto, sondern werden gesammelt und üblicherweise einmal im Monat davon eingezogen. 
  • Zinsfreier Kredit möglich: Bei der Nutzung des Dispositionskredites des Girokontos fallen hohe Zinsen auf das Soll an. Bei der Nutzung des Verfügungsrahmens der Kreditkarte fallen häufig nur bei Überziehung oder Rückzahlung in Raten Zinsen an. 
  • Bonussysteme: Zahlreiche Unternehmen wie Fluggesellschaften bieten ihre Kreditkarten zusammen mit einem Bonussystem an. Bei jeder Zahlung sammelst du Punkte, die du in Prämien einlösen kannst. 
  • Versicherungen inklusive: Viele Anbieter verknüpfen ihre Kreditkarten mit zusätzlichen Services. Das betrifft oft unterschiedliche Arten von Versicherungen – von der Reiseabbruchversicherung bis zur Ticketschutz-Versicherung – wie zum Beispiel bei der GoldCard der Hanseatic Bank
Junger Mann liegt auf dem Sofa und kauft mit der Kreditkarte etwas mithilfe des Laptops auf seinem Schoß
© istock/filadendron/2018  Mit einer Kreditkarte bist du in so gut wie jedem Onlineshop gern gesehen.

Aufgepasst: Dann können die Kreditkartenvorteile zum Nachteil werden

Doch bei allen Vorteilen der Kreditkarten solltest du bei den folgenden Punkten aufpassen: 

Bei Kreditkarten gibt es zahlreiche Gebührenmodelle. Manche Kreditkartenherausgeber werben zwar mit grundsätzlich kostenlosen Angeboten, verlangen aber für bestimmte Leistungen Geld. Das ist jedoch nicht immer auf den ersten Blick klar. Um dich vor versteckten Gebühren zu schützen, solltest du dich vor dem Abschluss eines Kreditkartenvertrags genau über die jeweilige Kostenstruktur informieren. 

Außerdem gibt es bei Kreditkarten eine Überschuldungsgefahr. Durch das Prinzip „Jetzt kaufen, später bezahlen“ besteht das Risiko, dass du deine Finanzen falsch einschätzt und spätere Abbuchungen bei deinen Ausgaben nicht berücksichtigst. Zu beachten sind auch die hohen Zinsen bei Überziehung deines individuellen Verfügungsrahmens der Kreditkarte oder bei der Rückzahlung des Kredites in Raten. 

Vorteile der Girocard: In Deutschland allzeit bereit

Die Girocard – bis 2007 offiziell „EC-Karte“ – ist das beliebteste Zahlungsmittel in Deutschland. Das zeigen Zahlen des Forschungs- und Bildungsinstituts für den Handel EHI Retail Institute für das Jahr 2023. Demnach wurden 42,4 Prozent aller Umsätze im Handel mit Girocards der deutschen Banken und Sparkassen getätigt. Dafür sorgten 7,5 Milliarden Bezahlvorgänge – „so viel wie mit keiner anderen Karte. Das Bargeld folgt auf dem zweiten Platz mit 35,5 Prozent.“ 

Der Erfolg liegt unter anderem an einigen Vorteilen der Girocard: 

  • Hohe Akzeptanz: Im Inland kannst du in fast allen Geschäften mit der Girocard bezahlen. Als Ersatz für Bargeld im Supermarkt und Co. ist die Girocard in Deutschland also enorm praktisch. Sie wird fast überall akzeptiert, ihr Einsatz kostet meist nichts extra, und du kannst mit ihr kontaktlos per NFC bezahlen.  
  • Kostenloses Geldabheben am Automaten: Das geht, wenn der Automat der Bank gehört, von der du die Girocard hast. Manche Banken haben sich auch einem Verbund angeschlossen, zum Beispiel der Cash Group (Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Commerzbank, Postbank). Die Sparkassen sind in einem eigenen Verbund zusammengeschlossen. 
  • Bargeldloser Geldtransfer: Mit einer Girocard kannst du Geld bargeldlos überweisen und empfangen. Das ist möglich in der Filiale und am Geldautomaten. Es geht aber auch per Internet, wenn du den Service Giropay oder Apple Pay nutzt.  
  • Beim Girokonto inklusive: Die Kontoführungsgebühr schließt die Nutzung der Girocard meistens mit ein. Es fallen dann keine zusätzlichen Kosten an.  
  • Kostenloses Geldabheben im Supermarkt: Bargeld kannst du auch beim Bezahlen in vielen Geschäften abheben – ohne zusätzliche Gebühr.  

Das Zahlungssystem Maestro wird abgelöst

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Die Girocard im Ausland

Die Vielseitigkeit der Karte hierzulande ist kein Wunder, denn sie ist ein rein deutsches System. Und das ist gleichzeitig ein wesentlicher Nachteil der Girocard: Im Ausland kommst du damit nicht weit. Es sei denn, die Banken kombinieren die Girocard mit einem Kreditkartensystem – in der Regel V-Pay (von Visa) oder Maestro (von Mastercard). Nur so ist ein Einsatz der Girocard außerhalb Deutschlands möglich – sofern ein Geschäft eines dieser beiden Zahlungssysteme akzeptiert. 

Wichtig: Mastercard hat sein Maestro-System 2023 für neu herausgegebene Girocards eingestellt. Alte Karten funktionieren zwar noch, aber nur solange diese gültig sind.  

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