Mann sieht grübelnd auf Kredit- und Girokarten in seiner Hand
Bezahlen

EC-Karte und Kreditkarte? Beides gut – aber eines besser?

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 15.01.2020

Die Deutschen lieben ihre EC-Karte, die eigentlich schon längst Girocard heißt. Fast jeder hat eine. Die Kreditkarte hingegen ist für viele bestenfalls die Ersatzlösung. Aber wieso eigentlich? So manches Vorurteil gegenüber der Kreditkarte erweist sich bei näherem Hinsehen als falsch. Mehr noch: Eine Kreditkarte bietet manchen Vorteil. Die KlarMacher haben einmal genauer hingeschaut.

Themen in diesem Artikel

Flüssig bis ans Ende der Welt

„Die Welt spricht Visa“ heißt ein beliebter Werbespruch. Und tatsächlich: Über drei Milliarden Visa Karten wurden bisher ausgegeben. Weltrekord! In rund 50 Millionen Geschäften und Shops rund um den Globus kann man mit dem Plastikgeld der Marke bezahlen. Von Südamerika über Afrika bis nach Fernost.

Die Girocard – bis 2007 offiziell „EC-Karte“ – kann da nicht mithalten. Sie ist eigentlich ein rein deutsches System. Damit sie im Ausland funktioniert, müssen die Banken sie mit einem Kreditkartensystem kombinieren – in der Regel V-Pay (von Visa) oder Maestro (von Mastercard). Nur so ist ein Einsatz der Girocard außerhalb Deutschlands möglich – wenn denn ein Händler eines dieser beiden Zahlungssysteme akzeptiert.

Ansonsten sind Sie mit der Kreditkarte im Ausland auf der sicheren Seite – und oft ist sie geradezu Pflicht. Zum Beispiel, wenn Sie sich ein Auto mieten wollen. Eine Girocard oder Bargeld als Kaution? In der Regel so gut wie unmöglich. Bezahlen mit Girocard in den USA? Da hätten Sie vermutlich sogar mit Monopoly-Geld größere Chancen.

Zwei junge Frauen betrachten eine Handtasche im Schaufenster
© istock/martin-dm/2017  Mit der Kreditkarte ist auch das Extra-Schnäppchen noch drin – ohne dass Dispo-Zinsen drohen.

Der Dispo kann warten

Wenn Sie mit Ihrer Girocard bezahlen, dann wird das Geld direkt von Ihrem Girokonto abgebucht. Und wenn da gerade Ebbe herrscht? Kein Problem, Sie haben ja einen Dispo, offiziell Dispositionsrahmen genannt. Der Haken an der Sache: Wenn Sie auf diese Weise Ihr Konto überziehen, werden hohe Zinsen fällig. Bis Sie es wieder ausgeglichen haben, kommt Sie das geliehene Geld teuer zu stehen.

Bei einer Kreditkarte ist der Name Programm. Hiermit bezahlen Sie, ohne dass Ihr Konto sofort belastet wird. Sie bekommen also im wahrsten Sinne des Wortes Kredit. (Mehr dazu lesen Sie im Artikel „Wer bezahlt hier eigentlich was“ oder: Wie funktioniert eine Kreditkarte?) Und der ist bis zum vereinbarten Rückzahldatum zinsfrei. Wenn Sie also rechtzeitig wieder flüssig sind und das Kreditkartenkonto ausgleichen, kostet Sie das keinen müden Cent.

Onlineshops stehen auf Kreditkarten

Keine Frage: Als Ersatz für Bargeld im Supermarkt und Co. ist die Girocard in Deutschland enorm praktisch. Sie wird quasi überall akzeptiert, ihr Einsatz kostet nichts, und mit einigen kann man auch schon kontaktlos per NFC bezahlen.

In den virtuellen Welten des Internets sieht die Sache schon anders aus. Da können Sie mit der Girocard oft wenig anfangen. Wenn Sie per direkter Abbuchung von Ihrem Girokonto bezahlen wollen, dann muss der Händler schon ein entsprechendes Bezahlsystem anbieten wie zum Beispiel giropay, paydirekt oder Sofortüberweisung.

Eine Kreditkarte dagegen ist für einen Onlineshop so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche. Mehr noch: Sie kommen sogar schneller an Ihre Bestellung. Denn beim Einsatz einer Kreditkarte erhält der Händler eine Zahlungsgarantie von der Kreditkartengesellschaft. Weil er deshalb sein Geld sicher bekommt, kann er den Auftrag sofort ausführen und die Ware verschicken. Bei der Girocard gibt es diese Garantie nur, wenn der Händler die Eingabe einer PIN verlangt. Dafür muss er aber Gebühren an den Netzbetreiber bezahlen. Sonst verschickt er Ihre Ware erst, wenn Ihr Geld auf seinem Händlerkonto eingegangen ist – das Paket an den Kreditkarten-Nutzer ist da schon längst auf dem Weg.

Junger Mann liegt auf dem Sofa und kauft mit der Kreditkarte etwas mithilfe des Laptops auf seinem Schoß
© istock/filadendron/2018  Mit einer Kreditkarte sind Sie in so gut wie jedem Onlineshop gern gesehen.

Mehr Automaten, weniger Gebühren mit Visa Kreditkarte

Sie wollen doch einmal das gute alte Bargeld in der Hand halten? Dann ab zum Automaten und ein paar Scheine gezogen. Das geht fast immer mit der Girocard und in vielen Fällen auch mit der Kreditkarte. Am Automaten verraten Symbole, welche Kartensysteme er akzeptiert.

Bei einer Girocard ist das Geldabheben kostenlos, wenn der Automat der Bank gehört, von der Sie die Girocard haben. Manche Banken haben sich auch einem Verbund angeschlossen, zum Beispiel der Cash Group (Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Commerzbank, Postbank). Die Sparkassen sind in einem eigenen Verbund zusammengeschlossen. Der Vorteil für Sie: Sie können jeden Automaten des Verbundes Ihrer Bank kostenfrei nutzen. Aber Vorsicht: Wenn der Automat zu einer anderen Bankengruppe gehört, dann können kräftige Gebühren anfallen, meistens als prozentualer Betrag auf die ausgezahlte Summe oder als Pauschale. Die Gebühreninformationen stehen am Automaten.

Mit einer Kreditkarte haben Sie eine größere Auswahl an Automaten, bei denen Sie gebührenfrei Geld abheben können – zumindest mit einer Visa Karte. Denn Visa verlangt von den Betreibern von Geldautomaten, dass sie keine Gebühren bei Kunden anderer Banken erheben. Wenn dann auch der Kreditkarten-Anbieter keine Gebühren erhebt, kommen Sie fast überall kostenfrei an Bargeld.

Übrigens: Gebührenfrei Geld abheben mit einer Visa Karte können Sie mit beiden Kreditkarten der Hanseatic Bank.
Mastercard überlässt die Gebührenfrage den Automatenbetreibern, weshalb es vor allem bei mancher Sparkasse zu Extrakosten kommt.

Im Ausland dagegen kassieren viele Automatenbetreiber Gebühren, egal ob bei Girokarten (wenn das Geldabheben überhaupt klappt) oder bei Kreditkarten.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

14
2

Das könnte Sie auch interessieren: