Betriebliche Altersvorsorge: Ein älteres Paar studiert die auf dem Tisch liegende Steuererklärung
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Betriebliche Altersvorsorge: Wie läuft es bei der Steuererklärung?

Symbolbild Leuchtturm
von Redaktion KlarMacher, 14.10.2019

Jedes Jahr so beliebt und herbeigesehnt wie ein Zahnarztbesuch: die Steuererklärung. Jeder möchte möglichst viel absetzen, die Beiträge für die betriebliche Altersvorsorge zum Beispiel. Aber wo trage ich die ein? Und selbst nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben verschont Sie das Finanzamt nicht. Denn auch Rentner sind steuerpflichtig, und wer eine Betriebsrente bezieht, muss das in seiner Steuererklärung angeben. Wir sagen Ihnen, was in die Steuererklärung gehört – und was nicht.

 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Während der Ansparphase der betrieblichen Altersvorsorge ist in der Regel keine Angabe in der Steuererklärung nötig. Ausnahme: Sonderzahlungen des Arbeitgebers.
  • In der Auszahlphase ist die Betriebsrente meist einkommensteuerpflichtig und muss deshalb in der Anlage R der Steuererklärung angegeben werden. Betriebsrenten aus Pensionszusagen werden in der Anlage N angegeben.

Entgeltumwandlung: Keine Angabe in der Steuererklärung

Bei der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gibt es verschiedene Modelle. Sie alle laufen in der Regel über eine sogenannte Entgeltumwandlung, auch Gehaltsumwandlung genannt. Das heißt: Ihr Arbeitgeber behält einen bestimmten Betrag von Ihrem Bruttogehalt ein und zahlt diesen in Ihre Altersvorsorge ein. Dieser Teil Ihres Gehalts wird also direkt in Altersvorsorgebeiträge umgewandelt und landet gar nicht erst auf Ihrem Konto. Meist legt der Arbeitgeber selbst auch noch einen kleinen Betrag dazu, bei neueren Verträgen muss er das sogar.

Am häufigsten wird die bAV in Form einer Direktversicherung durchgeführt. Dabei schließt der Arbeitgeber eine Lebens- oder Rentenversicherung für Sie ab, in die der vom Bruttogehalt abgezwackte Betrag fließt. Das bedeutet: Auf diesen Teil Ihres Lohnes zahlen Sie keine Steuern. Deshalb können Sie die Beiträge nicht in der Einkommensteuererklärung steuermindernd geltend machen – denn dann würden Sie ja quasi ein zweites Mal die Steuern sparen. Bei der jährlichen Steuererklärung müssen Sie sich um Ihre bAV also nicht weiter kümmern.

Das gilt allerdings nur für Verträge, die ab 2005 abgeschlossen wurden. Davor sah die Gesetzeslage etwas anders aus, daher gibt es für solche Altverträge einige Übergangs- und Sonderregelungen. Bei Fragen zur Besteuerung Ihrer Beiträge aus einem solchen Vertrag wenden Sie sich am besten an Ihren Arbeitgeber oder einen Steuerberater.

Älterer Arbeiter mit Helm und Blaumann steht mit einem Tablet in einer Maschinenhalle
© istock/SeventyFour/2017  Älterer Arbeiter mit Helm und Blaumann steht mit einem Tablet in einer Maschinenhalle

Sonderzahlungen: Die Ausnahme von der Regel

Keine Regel ohne Ausnahme! Das gilt auch bei den bAV-Beiträgen, die Sie normalerweise nicht extra in der Einkommensteuererklärung vermerken müssen – ja, nicht einmal dürfen. Eine Ausnahme sind „Sonderzahlungen”. Was das ist? Üblicherweise handelt es sich dabei um Abfindungen, die Arbeitnehmer beim Ausscheiden aus der Firma erhalten. In manchen Fällen erhält der Arbeitnehmer die Abfindung nicht mit dem letzten Gehalt überwiesen; stattdessen zahlt der Arbeitgeber eine Extrasumme in die betriebliche Altersvorsorge ein. Denn das kann für Sie als Arbeitnehmer günstiger sein.

Warum? Ganz einfach: Eine Abfindung müssen Sie voll versteuern. Für Sonderzahlungen in die bAV aber gibt es einen Freibetrag. Nur falls die Sonderzahlung höher ist als dieser Freibetrag, müssen Sie die Differenz versteuern. Den Differenzbetrag geben Sie in der Anlage N der Steuererklärung an.

Und wie hoch ist der Freibetrag? Das ist leider etwas kompliziert. Denn er ist individuell unterschiedlich. So wird er berechnet: Vier Prozent der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze (West) für die Rentenversicherung mal die Anzahl der Jahre, die Sie in dem entsprechenden Unternehmen gearbeitet haben – maximal aber mal zehn Jahre.

Beispiel: Für 2019 beträgt die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung monatlich 6.700 Euro. Davon vier Prozent sind 268 Euro. Bei einer Betriebszugehörigkeit von zehn Jahren ergibt sich ein Höchstbetrag von 268 x 10 = 2.680 Euro, die der Arbeitgeber als Sonderzahlung steuerfrei in die betriebliche Altersvorsorge seines ausscheidenden Mitarbeiters stecken darf. Bei einer kürzeren Betriebszugehörigkeit fällt der Betrag entsprechend kleiner aus. Zahlt der Arbeitgeber nun 5.000 Euro in die betriebliche Altersvorsorge, muss unser Beispiel-Arbeitnehmer 5.000 Euro minus den errechneten Freibetrag von 2.680 Euro = 2.320 Euro in der Anlage N seiner Steuererklärung angeben.

Wozu dienen die Anlagen AV und Vorsorgeaufwand?

Wozu dienen die Anlagen AV und Vorsorgeaufwand?

Auch wenn man das vermuten könnte: Die Anlagen AV und Vorsorgeaufwand werden bei der betrieblichen Altersvorsorge nicht benötigt. Anlage AV ist einzig und allein für die Riester-Rente auszufüllen. Hier tragen Sie alle Ausgaben für die private Altersvorsorge mit der Riester-Rente ein.

Näheres dazu lesen Sie im Ratgeber Riester-Rente steuerlich absetzen: Wie? Wie viel?

Über die Anlage Vorsorgeaufwand können Sie die Basisbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung steuermindernd geltend machen. Hier werden auch zusätzliche Vorsorgeaufwendungen eingetragen, wie zum Beispiel für die Rürup-Rente (Basis-Rente) oder freiwillige Erwerbs- und/oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Anerkannt werden sie allerdings nur bis zu einem Höchstbetrag von 1.900 Euro für Arbeitnehmer beziehungsweise 2.800 Euro für Selbstständige.

Auszahlphase: Betriebsrente muss versteuert werden

Sobald die Betriebsrente ausgezahlt wird, schlägt der Fiskus allerdings doch zu: Die gesamte Summe, die Sie bekommen, muss versteuert werden. Egal, wie viel davon sich aus den Beiträgen von Ihrem Einkommen angesammelt hat, aus den Zuschüssen der Firma oder aus Sonderzahlungen. Zumindest bei Verträgen, die ab 2005 abgeschlossen wurden.

Denn auch hier gilt wieder die alte Steuer-Weisheit: Keine Regel ohne Ausnahmen. Bei älteren Verträgen werden nämlich schon während der Einzahlungsphase 20 Prozent Steuern auf die bAV-Beiträge fällig. Deshalb müssen Inhaber dieser alten bAV-Verträge bei der Auszahlung keine Steuern mehr auf ihr Erspartes zahlen. Zumindest dann nicht, wenn sie sich den gesamten Betrag zum Rentenbeginn als Einmalzahlung auszahlen lassen. 

Wichtig: Wer gesetzlich kranken- und pflegeversichert ist, muss von seiner Betriebsrente auch Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zahlen, sobald die monatliche Betriebsrente einen bestimmten Freibetrag übersteigt. Der liegt derzeit bei gut 155 Euro pro Monat (Stand: Oktober 2019). 

Und jetzt konkret: Wo genau werden die Zahlungen, die Sie als Rentner aus der bAV erhalten, in der Steuererklärung angegeben? Das kommt tatsächlich auf die eingangs erwähnte Art der betrieblichen Altersvorsorge an. Wenn es sich um eine Direktversicherung handelt, geben Sie die Leistungen in der Anlage R zur Einkommensteuererklärung an. Und zwar in Feld 31, wenn die bAV ab 2005 abgeschlossen wurde und in Feld 36 bei Altverträgen.

Bei den selteneren bAV-Verträgen mit Pensionszusage werden die Zahlungen nicht als Rente, sondern als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit versteuert. Sie werden als „Steuerbegünstigte Versorgungsbezüge” (Feld 11) in der Anlage N eingetragen.

Klingt kompliziert, ist aber meist gar nicht so schwierig. Denn in der Regel bekommen Sie jedes Jahr eine Leistungsmitteilung von dem Anbieter, über die Ihre betriebliche Altersvorsorge läuft. Darin finden Sie genaue Angaben, welche Zahl Sie wo in welches Steuerformular eintragen müssen.

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