Eine Gruppe von Freunden kauft etwas auf dem Smartphone mit der Kreditkarte
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Moneypool geschlossen! Welche Alternativen gibt es für die digitale Gruppenkasse?

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 14.10.2021

Sie wollen zusammen mit ihren Freund*innen eine Überraschung organisieren? Sie freuen sich schon auf eine Hochzeit oder den gemeinsamen Konzertbesuch? Es gibt viele Anlässe, zu denen eine Gruppe Geld sammelt ‒ also „in einen Topf wirft”. Als digitale Lösung diente dafür lange Zeit „Moneypool” von Paypal. Doch Paypal hat die Online-Sammelbüchse geschlossen. Und nun? Welche Alternativen gibt es? Worauf müssen Sie achten? Wo zahlt man Gebühren? 

Themen in diesem Artikel

Moneypool: Lange Zeit der Online-Geldtopf Nummer eins

Moneypool: Lange Zeit der Online-Geldtopf Nummer eins

Paypal eröffnete 2017 die digitale Gruppenkasse „Moneypool“. Das Prinzip: Eine Person legte einen „Pool” für einen bestimmten Anlass an, etwa einen Gruppenurlaub oder ein Hochzeitsgeschenk. Und lud dann Freund*innen und Bekannte zu der Sammelaktion ein. Nach nur vier Jahren stellte Paypal Moneypool am 30. September 2021 ein. Laut der Pressemitteilung von Paypal sammelte man bei Moneypool zu oft Spenden. Dafür war die Online-Sammelbüchse nicht vorgesehen.

Bereits bestehende Moneypools dürfen noch bis zum 30. Oktober weiterlaufen. Alle Geldbeträge, die die Pool-Anleger*innen bis zum 8. November nicht auf ihr Konto übertragen haben, überweist Paypal bis zum 15. November automatisch zurück.

Achtung: Wer von den Moneypool-Nutzer*innen die Listen zu den jeweiligen Einzahlungen braucht, sollte sich diese abspeichern oder abfotografieren! Denn die Listen werden am 8. November gelöscht. 

Wo kann ich Geld für gemeinsame Ausgaben sammeln?

Eine Moneypool-Alternative mit genau denselben Funktionen gibt es nicht. Immerhin kommt Leetchi dem Original recht nah. Ansonsten gibt es Bezahldienste, bei denen eine*r die gemeinsame Zahlung übernimmt und das Geld auf dem eigenen Konto einsammelt. Der Nachteil: Man muss die Geldeingänge selbst im Blick behalten. Wer hat wie viel eingezahlt? Wessen Beitrag fehlt noch? Bei einer großen Reisegruppe kann man da schnell den Überblick verlieren. Lesen Sie mehr dazu im Abschnitt für regelmäßige Gruppenausgaben. Der Vorteil ist: Man kann schnell und unkompliziert für anstehende Anlässe Geld sammeln, wenn alle rechtzeitig überweisen.

  • Giropay ‒ früher Kwitt ‒ ist eine Paypal-Alternative von mehreren Banken: der Sparkasse, Volks- und Raiffeisenbank, Commerzbank und ein paar weiteren. Mit der Bezahlfunktion sendet man bequem per Mobilnummer Geld an Bekannte. Für eine gemeinsame Ausgabe gibt es die Gruppenfunktion. Hier legen Sie den Betrag fest und welche Ihrer Kontakte wie viel übernehmen sollen. Für private Nutzer*innen ist Giropay kostenlos.
  • Paypal können Sie auch ohne Moneypool für gemeinsame Ausgaben nutzen: Sie senden einfach Geld über die E-Mail-Adresse auf das Konto von der Person, die das Geschenk bezahlt. Kreditkarteninhaber*innen können auch ohne ein Paypal-Konto Geld überweisen. Noch einfacher ist es mit der Paypal.Me-Funktion: Sie erstellen einen Link und teilen ihn bequem mit Freund*innen über WhatsApp, SMS, E-Mail etc. Die Empfänger*innen bezahlen dann direkt über den Link. Sie können bei dem Link zudem direkt den Geldbetrag einfügen, den jede*r für das Geschenk beiträgt. Man kann aber nur einen Link pro Paypal-Konto generieren. Mehr über Giropay und Paypal lesen Sie im Artikel „Onlinebezahldienste: Diesen 8 Anbietern können Sie vertrauen!“.
  • Mit der Smartphone-App VIMpay senden Sie Geld im Chat oder per QR-Code. Umgekehrt können Sie auch Rechnungen teilen und Geld sammeln. Außerdem bietet die App mobile Bezahlung mit Google Pay, Apple Pay und weiteren Anbietern an. Sie brauchen ein deutsches Girokonto, um die App nutzen zu können. Für VIMpay gibt es verschiedene Abos, die von null bis acht Euro pro Monat kosten.
  • Leetchi ist ein englischsprachiger Onlineservice für alle Arten von gemeinsamen Ausgaben. Sie können dort kostenlos einen digitalen Geldtopf ‒ einen sogenannten Moneypot – einrichten. Und dann Bekannte per Facebook, E-Mail etc. zu der Geld-Sammelaktion einladen. In manchen Ländern kann man das gesammelte Geld gebührenfrei in Leetchi-Partnershops ausgeben. Doch in Deutschland hat Leetchi keine Partnergeschäfte. Sie können stattdessen den Moneypot den Beschenkten zur Verfügung stellen oder das gesammelte Geld auf ein Bankkonto überweisen. Bei einer Überweisung fallen immer Transaktionsgebühren zwischen 1,9 und 4 Prozent an. Zudem geht aus manchen Bewertungen hervor, dass es bei der Überweisung auf ein Konto Probleme gab.
Arbeitskolleg*innen überreichen einer Kollegin ein Geschenk
© istock/Portra/2020  Gemeinsam schenken ist mit digitalen Gruppenkassen deutlich unkomplizierter.

Wo kann ich Spendengelder sammeln?

Ob Sie nun einen Tierschutzverein in Not oder eine andere Herzensangelegenheit finanziell unterstützen möchten ‒ es gibt viele Wege, Spendengelder zu beschaffen. Doch Spenden sammeln ist in den jeweiligen Ländern unterschiedlich reglementiert: Manche setzen zum Beispiel ein Geschäftskonto oder eine Erlaubnis voraus. Sammeln Sie Spenden deshalb am besten in einem speziell dafür vorgesehenen Onlinedienst.

Beachten Sie dabei: In der Regel fallen Transaktionsgebühren an. Und die Onlineplattformen stellen nicht immer Spendenbelege aus. Sie können diese bei der Organisation anfordern, die Sie finanziell unterstützen. Mehr über das steuerliche Absetzen von Spenden lesen Sie im Artikel „So können Sie Spenden absetzen“

  • Betterplace.org ist eine deutsche Spendenplattform ausschließlich für gemeinnützige Zwecke. Die Registrierung ist kostenlos. Bei jeder Spende fallen 2,5 Prozent Gebühren an. Diese Kosten übernehmen manchmal Partnerunternehmen, wie etwa Fressnapf oder einige Sparkassen. Wenn Sie zum Beispiel einen Spendenmarathon für ein Tierheim organisieren, könnten Sie über Betterplace.org bei Fressnapf anfragen, ob sie Ihr Projekt unterstützen.
  • Sowohl bei Facebook als auch bei Instagram können sich gemeinnützige Organisationen registrieren und Spenden sammeln. Die Spenden an registrierte Hilfsorganisationen sind gebührenfrei. Bei privaten Spendenaktionen variieren die Gebühren von Land zu Land.
  • Bei GoFundMe ist die Einrichtung der Sammelkasse zwar kostenlos, aber es fallen Bearbeitungsgebühren von 2,9 Prozent plus 0,25 Euro an. Das heißt, der Konzern behält pro Spende pauschal 0,25 Euro und obendrauf 2,9 Prozent von der Gesamtspende. Bei einem Spendenbetrag von 100 Euro gehen 2,90 Euro plus 0,25 Euro ‒ also insgesamt 3,15 Euro ‒ an GoFundMe und 96,85 Euro an die Sammelnden.
  • Paypal bietet ebenfalls einen Service speziell zum Spenden sammeln an  ‒ das Generosity Network. Hier fallen für Privatpersonen 0,35 Euro pro Spende plus 2,49 Prozent von der Gesamtspende an. Bei internationalen Spenden kommt noch eine zusätzliche Gebühr dazu. 
Marathonlauf
© istock/cinoby/2012  Als Marathonteilnehmer*in kann man Spenden pro gelaufenem Kilometer in einer digitalen Geldbüchse sammeln.

Was gibt es für Gruppen mit regelmäßigen Ausgaben?

Gruppen mit regelmäßigen Ausgaben, zum Beispiel ein Sportverein oder eine Wohngemeinschaft, können ein gemeinsames Girokonto anlegen. Erkundigen Sie sich bei der Bank, ob die Nutzung für Ihren Zweck erlaubt ist und ob Gebühren anfallen. Wenn Sie viele gemeinsame Ausgaben für verschiedene Bereiche haben, lohnt es sich, eine Bank zu wählen, die Unterkonten oder Tagesgeldkonten anbietet. Sie können dann zum Beispiel ein Unterkonto für neue Sportkleidung und ein weiteres für Reisekosten anlegen. So haben Sie einen besseren Überblick. Manche Online- und Smartphonebanken (Banken, die nur über eine App funktionieren) bieten bis zu 25 Unterkonten an. Die Liste der Angebote ist lang, hier eine Auswahl:

  • Bei der Smartphonebank Vivid Money können sich bis zu fünf Personen mit einem Vivid-Money-Account eine Geldbörse teilen, den „Shared Pocket”. Das funktioniert wie ein klassisches Gemeinschaftskonto. Der Account kann gratis angelegt werden. Aber auch Personen ohne Account können Geld auf das gemeinsame Konto überweisen.
  • Bei N26 ‒ ebenfalls eine Smartphonebank ‒ heißt die gemeinsame Geld-Verwaltungsfunktion für bis zu zehn Personen „Shared Space”. Allerdings steht diese Funktion nur N26-Premiumkund*innen zur Verfügung, die für ihr Konto 4,90 Euro oder mehr pro Monat zahlen.
  • Revolut, eine weitere Smartphonebank, bietet sogenannte Gruppen-Vaults an. Man kann dort die Rechnung direkt in einer Gruppe teilen und begleichen lassen ‒ doch auch hier braucht jede*r zumindest einen Standard-Account, der kostenlos ist.
  • Filialbanken richten auf Nachfrage oft Unterkonten ein. Sie können dann mit weiteren Personen das Konto gemeinsam verwalten ‒ vorausgesetzt, diese haben auch ein Konto bei dieser Bank.
  • Manche Banken bieten Unterkonten nur in Form eines Tagesgeldkontos an. Um über das Geld zu verfügen, müssen Sie es allerdings erst wieder auf das gemeinsame Girokonto überweisen. Mehr über Tagesgeldkonten lesen Sie im Artikel „Tagesgeldkonto: Wie, wann und warum?“.

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