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Wohnberechtigungsschein: Was ist das und wer bekommt ihn?

von Dagmar Sörensen, 27.12.2023

Die Mieten steigen und steigen, vor allem in Ballungsgebieten. Auf dem freien Wohnungsmarkt haben Alleinerziehende, Rentner*innen, Bürgergeld-Empfänger*innen und Geringverdiener*innen kaum eine Chance, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Für sie ist eine staatlich geförderte Sozialwohnung oft die einzige Möglichkeit. Um so eine Wohnung zu bekommen, benötigen sie einen Wohnberechtigungsschein – die Abkürzung ist WBS. Wer so einen Schein bekommt, wo und wie man ihn beantragen kann, erklären wir hier. 

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Ein Wohnberechtigungsschein (WBS) ermöglicht den Bezug einer staatlich geförderten Wohnung. 
  • Du hast aber damit keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung beziehungsweise eine Wohnung, wo ein WBS erforderlich ist. 
  • Um einen WBS zu bekommen, gelten bestimmte Bedingungen, zum Beispiel Einkommensgrenzen. 
  • Die Voraussetzungen für einen WBS unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. 
  • Der Wohnberechtigungsschein wird bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde beantragt. 

Was ist ein Wohnberechtigungsschein?

Der Wohnberechtigungsschein, abgekürzt WBS, ist ein vom Amt ausgestelltes Dokument. Du benötigst das Dokument, um eine staatlich geförderte Sozialwohnung mieten zu dürfen. Leider verschafft dir der Schein nicht automatisch eine günstige Wohnung. Vielmehr erlaubt er dir nur, dich auf eine Wohnung zu bewerben, die mit dem Hinweis „WBS-Pflicht”, „WBS erforderlich” oder ähnlichen Aussagen angeboten wird.

Wer bekommt einen Wohnberechtigungsschein?

Der Staat möchte mit seinen Sozialwohnungen ganz bestimmte Personengruppen unterstützen. Deshalb ist klar, dass du für einen Wohnberechtigungsschein einige Bedingungen erfüllen musst: 

  • Du überschreitest nicht die geltenden WBS-Einkommensgrenzen (mehr dazu später). 
  • Du hast die deutsche Staatsbürgerschaft oder die eines EU-Mitgliedslandes. 
  • Wenn du Staatsangehörige*r eines Landes außerhalb der Europäischen Union bist, brauchst du eine Aufenthaltserlaubnis mit einer Gültigkeit von mindestens einem Jahr. 
  • In manchen Städten kannst du einen WBS-Antrag erst stellen, wenn du zwei oder mehr Jahre dort gewohnt hast.  
  • Anerkannte Flüchtlinge benötigen noch keinen Aufenthaltstitel, müssen aber einen Anerkennungsbescheid vorlegen. 

Die geltenden Einkommensgrenzen sind im Paragraf 9 Wohnraumförderungsgesetz (WoFG) gesetzlich festgelegt. Für eine Person liegt diese Grenze bei gerade mal 12.000 Euro im Jahr, für zwei Personen bei 18.000 Euro. (Stand: 2023) Allerdings steigen die Mietpreise vor allem in Ballungsgebieten teilweise so stark, dass sich viele auch mit einem höheren Einkommen keine normalen Wohnungen leisten können. Für sie sind die Grenzen zu niedrig.  

Aber: Die Bundesländer dürfen abhängig von regionalen Verhältnissen von diesen Beträgen abweichen! Und das tun sie auch. Die tatsächlichen Grenzen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland zum Teil erheblich. Beispiel: In Bayern liegt die Grenze für einen Einpersonenhaushalt bei 22.600 Euro im Jahr, in Schleswig-Holstein dagegen bei 14.400 Euro. Hamburg nennt zwar die gesetzliche Einkommensgrenze von 12.000 Euro jährlich, akzeptiert aber tatsächlich ein bis zu 60 Prozent höheres Einkommen. (Stand: 2023) 

Tipp: Lass deinen Anspruch beim zuständigen Wohnungsamt individuell prüfen. Nur dort bekommst du eine verbindliche Aussage, ob du WBS-berechtigt bist oder nicht. Insbesondere Empfänger*innen von Bürgergeld (ehemals Arbeitslosengeld II oder Hartz IV), Alleinerziehende, Rentner*innen und Personen mit einer (Schwer-)Behinderung haben meist gute Aussichten.  

Eine schnelle und unkomplizierte erste Einschätzung liefert auch ein WBS-Rechner.

Ein Mann sitzt am Tisch und berechnet sein Haushaltseinkommen, im Hintergrund seine zwei Kinder
© istock/Wavebreakmedia/2017  Einen WBS bekommt nur, wer mit dem Haushaltseinkommen unter bestimmten Grenzen liegt.

WBS-Einkommensgrenze: Was zählt zum Haushaltseinkommen?

Entscheidend für den WBS-Antrag ist also die Einkommensgrenze in deinem Bundeland und die Höhe deines Einkommens. Doch dazu zählt nicht nur dein Einkommen, sondern das Nettoeinkommen aller mit dir im Haushalt lebenden Personen – das ist das sogenannte Haushaltseinkommen. 

Zum Haushaltseinkommen zählt in erster Linie 

Dagegen zählen folgende Einkünfte nicht mit: 

  • Kindergeld 
  • Elterngeld 
  • Mutterschutzleistungen 
  • Unterhaltszahlungen für gemeinsame Kinder 
  • Wohngeld 
  • Leistungen aus Kranken-, Pflege- oder der gesetzlichen Unfallversicherung 
  • Ausbildungsvergütung eines zum Haushalt gehörenden Kindes 

WBS-Wohnung: Wie groß darf sie sein?

Ein Wohnberechtigungsschein gilt für eine staatlich geförderte Wohnung in angemessener Größe. Als angemessen gilt abhängig vom Bundesland für eine Person eine Wohnfläche zwischen 45 und 50 Quadratmetern. Für jede weitere Person kommen noch einmal 15 Quadratmeter dazu.  

Ein Zweipersonen-Haushalt kann eine WBS-pflichtige Zweizimmerwohnung mit bis zu 65 Quadratmetern beziehen, drei Personen drei Zimmer bis zu 80 Quadratmetern und vier Personen vier Zimmer bis zu 95 Quadratmetern. Einen gewissen Spielraum gibt es dabei aber durchaus: Bis zu fünf Quadratmeter mehr werden in der Regel akzeptiert. 

Junger Mann beantragt bei der zuständigen Sachbearbeiterin einen Wohnberechtigungsschein
© istock/LaylaBird/2021  Einen WBS beantragt man beim örtlichen Wohnungsamt oder Bürgerbüro.

Wo beantrage ich einen Wohnberechtigungsschein?

Zuständig für Wohnberechtigungsscheine ist das Bezirks-, Bürger-, Wohnungs- oder Sozialamt deiner Stadt oder Gemeinde – in den meisten Städten das Amt für Wohnungswesen. In vielen Bundeländern, wie zum Beispiel in Hamburg, kannst du den WBS online beantragen. 

Was kostet der WBS-Antrag?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. In vielen Städten ist die Beantragung kostenlos, in anderen Städten wiederum wird eine im Voraus fällige Bearbeitungsgebühr zwischen fünf Euro und vierzig Euro verlangt – diese Gebühren entfallen aber in der Regel für Bürgergeld-Bezieher*innen.

Beim Wohnungsamt prüft ein Mitarbeiter die Unterlagen eines Antragstellers
© istock/Charday Penn/2021  Für den Antrag auf einen WBS musst du teilweise mehr als zehn Dokumente vorlegen.

WBS-Antrag: Welche Formulare sind nötig?

Natürlich prüft der Staat ganz genau, wer wirklich eine Sozialwohnung benötigt und wer nicht. Deswegen benötigst du für die Antragstellung für einen Wohnberechtigungsschein eine Reihe von Unterlagen und Nachweisen. Von Stadt zu Stadt und je nach persönlicher Situation können sie sich unterscheiden. Die notwendigen Formulare erhältst du beim zuständigen Amt; oftmals stehen sie auch auf der Website zum Download bereit.  

Folgende Unterlagen musst du – soweit für dich zutreffend – in der Regel vorlegen:  

  • Antragsformular, ausgefüllt und unterschrieben  
  • Gültiger Personalausweis oder Reisepass 
  • Einkommenserklärung der letzten zwölf Monate aller im Haushalt lebenden Personen mit entsprechenden Nachweisen wie Gehaltsabrechnungen, Rentenbescheide, Nachweise aus Kapitalvermögen etc. 
  • Einkommensbescheinigung vom Arbeitgeber, ausgefüllt und unterschrieben 
  • Nachweis steuerfreier Einkünfte wie Elterngeld, Arbeitslosengeld, Krankengeld 
  • Heiratsurkunde oder Partnerschaftserklärung 
  • Schul- oder Studienbescheinigung 
  • Geburtsurkunden der Kinder 
  • Nachweise über Unterhaltszahlungen 
  • Aufenthaltsbescheinigung 
  • Nachweis einer Schwangerschaft/Mutterpass 
  • Schwerbehindertenausweis 
  • Nachweis über zukünftig zu leistende Unterhaltszahlungen 
Eine Hausfassade mit mehreren Wohnungen
© istock/elxeneize/2019  Wer von Obdachlosigkeit bedroht ist, bekommt schneller eine der staatlich geförderten Wohnungen.

Was bedeutet WBS mit besonderem Wohnbedarf?

Bestimmte Personengruppen mit höherer Dringlichkeit werden bei der Ausstellung von Wohnberechtigungsscheinen bevorzugt. Ein solcher besonderer Wohnbedarf kann zum Beispiel bei einer Schwerbehinderung oder drohender Obdachlosigkeit vorliegen. Es gibt WBS-pflichtige Wohnungen, die nur Personen mit einem solchen besonderen Wohnbedarf beziehen dürfen. 

Die zuständige Behörde bestimmt die Dringlichkeit des Wohnbedarfs und vermerkt die entsprechende Dringlichkeitsstufe auf dem Wohnberechtigungsschein. Dabei arbeiten die einzelnen Bundesländer mit unterschiedlich vielen Dringlichkeitsstufen.  

Erklärvideo: WBS - Was ist ein Wohnberechtigungsschein? 

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Wie lange gilt ein Wohnberechtigungsschein?

Ein WBS gilt vom Datum der Ausstellung für ein Jahr und nur für das entsprechende Bundesland. Ein Umzug bedeutet unter Umständen, dass du einen neuen Antrag stellen musst, damit du eine Wohnung mit WBS mieten darfst. 

Aber: Wenn du erst einmal eine öffentlich geförderte Wohnung bezogen hast, kannst du dauerhaft darin wohnen bleiben – auch wenn deine Einkommenssituation sich verändert. 

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