Ein auf Grund gelaufenes Schiff vor einer Küste
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Negativzinsen: Droht meinen Rücklagen bald ein Schiffbruch?

Bianca Sellnow
von Bianca Sellnow, 19.06.2020

Bestimmt haben Sie auch ein Tagesgeld-, Spar- oder Girokonto, auf dem zumindest ein Teil Ihres Ersparten liegt. Denn auch wenn Sie dort Ihr Guthaben kaum noch vermehren können, gelten die Konten eigentlich als sicherer Hafen für Sparer. Und das ist grundsätzlich auch weiterhin so. Doch auf lange Sicht könnte durch Negativzinsen eine Schieflage auf Ihrem Konto drohen. Was es mit diesen Strafzinsen auf sich hat, wer sie zahlen muss, wie viel und warum überhaupt, erfahren Sie hier.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Negativzinsen bedeuten, dass Sie für Guthaben bei der Bank Zinsen bezahlen, statt welche zu bekommen.
  • Immer mehr Banken verlangen Negativzinsen, private Sparer bleiben davon aber häufig noch verschont.
  • Banken dürfen die Strafzinsen für bestehende Kunden nicht einfach verlangen, sie müssen die Einführung vorher mit dem Kunden abstimmen.
  • Werden Negativzinsen fällig, kann es sich lohnen, die Bank zu wechseln oder das Geld anders zu investieren.

Was sind Negativzinsen?

Mit dem Sparbuch, Tagesgeldkonto oder auch dem Girokonto können Sie flexibel sparen. Zinsen bekommen Sie dafür meist kaum noch oder gar nicht mehr. Immer häufiger verlangen Banken inzwischen aber sogenannte Negativzinsen, auch Minuszinsen oder Strafzinsen genannt. Oft werden diese auch mit dem Ausdruck Verwahrentgelt gleichgesetzt, weil die Bank Geld dafür bekommt, dass sie Guthaben ihrer Kunden verwahrt.

Die Negativzinsen funktionieren dabei im Grunde genau wie sonst die Guthabenzinsen. Mit dem einzigen Unterschied, dass Sie einen bestimmten Prozentsatz von Ihrem Ersparten abgeben müssen statt dafür Zinsen gutgeschrieben zu bekommen.

Wie kommt es, dass Banken Strafzinsen verlangen?

Wie kommt es, dass Banken Strafzinsen verlangen?

Der Grund dafür liegt in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die verlangt bereits seit einiger Zeit Zinsen für Geld, dass Banken bei ihr parken: den sogenannten negativen Einlagenzins. Derzeit sind das 0,5 Prozent. Diese Strafzinsen geben Banken inzwischen immer häufiger an ihre Kunden weiter. 

Wer muss die Strafzinsen bezahlen und wie viel?

Mehr als 200 Banken setzen bereits auf Negativzinsen, wie eine Untersuchung des Verbraucherportals biallo.de zeigt. Davon kassieren über 100 auch bei Privatkunden ab.

Die gute Nachricht für den Otto-Normal-Sparer: Er bleibt wahrscheinlich erstmal von Strafzinsen verschont. Die Negativzinsen treffen bisher in der Regel Kunden, die relativ große Summen auf der Bank liegen haben. Ab 100.000 Euro geht es bei vielen Instituten los mit Verwahrentgelt für Guthaben auf Tagesgeld-, Spar- oder Girokonten. Andere Banken bitten erst ab 500.000 Euro mit Strafzinsen zur Kasse. Für die Zinsen angerechnet werden normalerweise nur die Beträge, die darüber liegen.

Ein Beispiel: Sie haben 150.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto mit Negativzinsen geparkt. Die Bank berechnet das Verwahrentgelt ab 100.000 Euro. Dann müssen Sie für Ihre darüber liegenden 50.000 Euro die Negativzinsen bezahlen.

Ein Schraubglas voll mit Münzen steht auf einem Regalbrett, dass mit zwei Seilen in der Luft gehalten wird
© istock/malerapaso/2018  Steht Ihr Erspartes auf wackeligem Boden? Ob und wie viele Strafzinsen Sie zahlen müssen, hängt von der Höhe des Guthabens und der Bank ab.

Wie viel Strafzinsen werden fällig?

Das kommt ganz auf die Bank an. Bisher geben Banken aber höchstens den negativen Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter, den sie dort selbst für ihr geparktes Geld bezahlen müssen (siehe dazu die Infobox oben). Das sind momentan 0,5 Prozent. Das klingt nicht unbedingt viel. Aber gehen wir das mal durch mit den 150.000 Euro aus dem obigen Beispiel, von denen 50.000 Euro zu verzinsen sind:

 0,5 Prozent von 50.000 Euro sind immerhin 250 Euro. Auf die Gesamtsumme gerechnet vielleicht kein riesiger Betrag. Aber eine kleine Shopping-Tour ließe sich damit schon finanzieren. Zudem fallen die Strafzinsen nicht nur einmal, sondern jährlich an – solange Sie bei Ihrer Bank mit Ihrem Guthaben über der Grenze für das Verwahrentgelt liegen.

Wie finden Sie heraus, ob eine Bank Strafzinsen verlangt?

Wenn Sie bereits Kunde bei einer Bank sind, dann müssen Sie nicht fürchten, dass plötzlich ein Verwahrentgelt von Ihrem Konto abgezogen wird. Sollte die Bank Negativzinsen für bestehende Kunden einführen, muss sie darüber vorab informieren. In dem Fall hätten Sie Zeit, um dem zu widersprechen beziehungsweise die Bank zu wechseln.

Anders sieht es aus, wenn Sie ein neues Konto beantragen möchten. Die Bank muss dann nicht gesondert auf Negativzinsen hinweisen. Das Problem: Ob und wie viele Strafzinsen Sie unter Umständen zahlen müssen, wird nicht immer auf den ersten Blick klar. Die oben genannte Untersuchung von biallo.de zeigte nämlich auch, dass viele Banken sich darum drücken, die Minuszinsen möglichst einfach kenntlich zu machen. So geben sie diese teilweise nicht in den Entgeltinformationen an.

Statt Negativzinsen als solche zu berechnen, greifen manche Banken zudem manchmal auf einen Umweg zurück, durch den sie anders höhere Einnahmen generieren. So kann es sein, dass sie die Kontoführungsgebühren erhöhen oder welche einführen für Kontoarten, die normalerweise kostenlos sind. Hier sollten Sie also genau nachhaken und vergleichen, bevor Sie sich für ein Konto entscheiden.

Warum Ihr Guthaben auch ohne Negativzinsen schrumpft

Warum Ihr Guthaben auch ohne Negativzinsen schrumpft

Auch ohne Negativzinsen verliert Ihr Geld im Laufe der Jahre an Wert. Die Strafzinsen beschleunigen den Prozess nur. Der Grund: die Inflation. Sie sagt aus, wie stark der Wert des Geldes sich im Laufe der Zeit verringert. Gemessen wird die Inflation als Inflationsrate. 2019 lag diese beispielsweise bei durchschnittlich 1,4 Prozent. Das bedeutet: Ihr Geld war 2019 im Vergleich zum Vorjahr 1,4 Prozent weniger wert. Warum eine gewisse Inflation trotzdem wichtig für eine gesunde Wirtschaft ist, lesen Sie hier: “Was, so viel kostet das jetzt!?” – Darum macht die Inflation alles teurer.

Eine Frau hält ein umgedrehtes Sparschwein in die Höhe und blickt kritisch auf den Schlitz
© istock/SIphotography/2017  Damit Negativzinsen Ihre Ersparnisse nicht dauerhaft verringern, kann es sinnvoll sein, sie an anderer Stelle zu investieren.

Was machen, wenn Negativzinsen fällig werden?

Informiert Sie Ihre Bank, dass sie demnächst ein Verwahrentgelt einführen wird, können Sie dies erst einmal ablehnen. Legen Sie dafür schriftlich Widerspruch gegen die Vertragsänderung ein. Das verschafft Ihnen Zeit, um sich nach einer anderen Bank umzusehen oder unter Umständen auch nach alternativen Investitionsmöglichkeiten.

Denn gerade, wenn Sie Geld langfristig anlegen möchten, eignen sich Sparbücher, Tagesgeldkonten und Girokonten auch ohne Negativzinsen nur bedingt. Geld, das nicht kurzfristig verfügbar sein muss, investieren Sie in der Regel besser in ertragreichere Anlagemöglichkeiten. Ebenso sichere Möglichkeiten, die zumindest etwas Rendite abwerfen, sind zum Beispiel das Festgeld oder der Sparbrief.

Für hohe Guthaben Flop, für Kredite top

Negativzinsen sind die Schattenseite der momentanen Zinspolitik der EZB: Die Banken müssen selbst Minuszinsen auf ihre Guthaben bei der EZB bezahlen und geben diese durch Verwahrentgelt an ihre Kunden weiter (mehr dazu siehe weiter oben in der Infobox: “Wie kommt es, dass Banken Strafzinsen verlangen?”). Für Sparer ist das ungünstig.

Doch wer kein Geld hat, sondern welches braucht, ist in Zeiten von Negativzinsen gut aufgehoben. Denn die Banken sind bestrebt, ihre Geldreserven bei der EZB zu verringern, um selbst weniger Zinsen zu zahlen. Und das erreichen sie, indem sie möglichst viel Geld verleihen. Deshalb sind Kredite momentan besonders günstig zu haben, Kunden können bereits für wenige Prozent Zinsen eine Finanzierung aufnehmen.

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