Nahaufnahme einer Frauenhand, die ein Bündel Euro-Banknoten übergibt.
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Mysterium Schufa: Was hat es mit den berüchtigten Schufa-Einträgen auf sich?

Tanja Viebrock
von Tanja Viebrock, 22.05.2019

Die Schufa und ihre sagenumwobenen Einträge – fast jeder hat bereits davon gehört. Wer in der Schufa steht, bekommt keine Wohnung und schon gar keinen Kredit – diese Gerüchte sind oft zu hören. Aber stimmen sie auch? Und was genau ist die Schufa überhaupt und welche Bedeutung hat der Schufa-Score in unserem Alltag tatsächlich? Wir klären auf.

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Was genau ist die Schufa eigentlich?

© Finanzfluss 

Man kennt die Schufa vor allem im Zusammenhang mit der Aufnahme von Krediten. Was viele gar nicht wissen: Sie spielt auch bei ganz alltäglichen Dingen eine Rolle – zum Beispiel, wenn Sie einen neuen Fernseher im Elektrofachmarkt auf Raten kaufen, einen Handy-Vertrag abschließen wollen oder auf der Suche nach einer neuen Wohnung sind. Denn auch dabei prüft der Händler oder Vermieter Ihre Kreditwürdigkeit, auch Bonität genannt. 

Die Schufa mischt also in allen möglichen Lebensbereichen mit. Es gibt allerdings auch viele Mythen und falsche Informationen über die Organisation und ihre berüchtigten Schufa-Einträge. Höchste Zeit also, einmal genauer hinzuschauen, was die Schufa eigentlich ist. 

Gebäude der Schufa-Zentrale in Wiesbaden Schierstein
© SCHUFA Holding AG  Gar nicht so geheimnisvoll: Die Schufa ist eine ganz normale Firma mit Hauptsitz in Wiesbaden.

Der Name Schufa ist eine Abkürzung. Sie steht für „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Und die ist weder eine Behörde noch eine Schnüffel-Organisation der Banken in Deutschland. Stattdessen ist die Schufa ein eigenständiges Unternehmen, eine sogenannte Wirtschaftsauskunftei. Was allerdings stimmt, ist, dass viele Banken Anteile an der Schufa Holding AG halten. Ziel der Auskunftei ist es, die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern einzuschätzen. Das soll Kreditgeber, aber auch andere Geschäftspartner der Schufa, zum Beispiel Telefonanbieter und Vermieter, schützen. Und zwar vor Zeitgenossen, die vereinbarte Raten und Rechnungen oft unregelmäßig oder gar nicht bezahlen.
 

Zu diesem Zweck trägt die Schufa Daten aus verschiedenen Quellen zusammen und wertet Sie in einem mathematisch-statistischen Verfahren aus. Das Ergebnis fasst sie im sogenannten Schufa-Score zusammen. Dieser Wert liegt zwischen null und hundert. Er gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Verbraucher seine Rechnungen und Kredite bezahlt. Je höher der Score, desto besser die Bonität einer Person.

Wie wird der Schufa-Score berechnet?

Wie die Berechnung des Scores genau vonstatten geht, ist ein Geschäftsgeheimnis der Schufa. Nur die zuständige Datenschutzbehörde und die Datenschutzbeauftragten der Länder und des Bundes kennen das Verfahren im Detail. Für die Geheimhaltung ihrer Methoden steht die Schufa immer wieder in der Kritik. Der Bundesgerichtshof hat 2014 jedoch entschieden, dass die Schufa nicht offenlegen muss, wie ihr Scoring genau zustande kommt.

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Klar ist aber, dass die Auskunftei selbst keine Daten erhebt. Die Schufa erhält Informationen über das  Zahlverhalten von Verbrauchen von ihren rund 9.000 Vertragspartnern. Das sind vor allem:

  • Banken
  • (Online-)Versandhändler
  • Telefon- und Internetanbieter
  • Leasingunternehmen

Wenn Sie zum Beispiel einen Handy-Vertrag abschließen, enthält dieser die sogenannte „Schufa-Klausel“. Mit Ihrer Unterschrift stimmen Sie der Übermittlung Ihrer Daten an die Auskunftei zu. Die Schufa weiß also jetzt über Ihren Vertrag mit dem Telefonanbieter Bescheid. Gleiches gilt bei der Eröffnung eines Kontos oder dem Kauf auf Raten, wie er beispielsweise in Möbelhäusern oder Elektrofachmärkten angeboten wird.

Mit Ihrer Unterschrift unter den Vertrag erlauben Sie dem jeweiligen Anbieter aber nicht nur, Informationen über den Vertragsabschluss an die Schufa zu übermitteln. Auch wenn es während der Vertragslaufzeit  zu verspätet oder gar nicht bezahlte Rechnungen oder Raten kommt, darf der Händler oder Anbieter die Schufa darüber informieren. Dann kommt es zu den berüchtigten Schufa-Einträgen. Gleichzeitig wird der Händler vor Vertragsabschluss Ihren Schufa-Score abfragen, um einzuschätzen, ob Sie die Raten beziehungsweise die monatlichen Rechnungen auch bezahlen können.

Was ist ein Schufa-Eintrag?

Blick in eine leere Geldbörse
© istock/bankajk/2015  Dauernde Ebbe im Portemonnaie sorgt nicht zwingend für einen Schufa-Eintrag.

Schufa-Einträge werden oft als Zeichen für eine schlechte Zahlungsmoral gesehen. Das stimmt so allerdings nicht ganz. Denn nicht jeder Eintrag in Ihrem Schufa-Datensatz ist zwangsläufig schlecht. Die Auskunftei unterscheidet zwischen negativen und positiven Einträgen. Nach eigenen Angaben der Schufa sind zu mehr als 90 Prozent der erfassten Personen sogar nur positive Informationen gespeichert. Positiveinträge zeigen letztlich nur, dass Sie am Wirtschaftsleben teilnehmen.

Einen Eintrag bei der Schufa gibt es für alles Mögliche. Zum Beispiel, wenn Sie ein Angebot für einen Kredit einholen oder einen Handyvertrag abschließen. Dieser Eintrag ist aber nichts Schlechtes und hat keine Auswirkungen auf Ihren Schufa-Score. Erst wenn es zu Zahlungsschwierigkeiten kommt, gibt es Negativeinträge. Wenn Sie aber die Raten für einen Kredit immer pünktlich zahlen, wirkt sich das positiv auf Ihre Kreditwürdigkeit aus.

Gute Einträge, schlechte Einträge

Gute Einträge, schlechte Einträge

Nicht jeder Schufa-Eintrag ist schlecht! Diese Übersicht zeigt, welche Einträge keinen Einfluss auf Ihren Schufa-Score haben und was Sie besser nicht in der Schufa stehen haben sollten.

PostivmerkmaleNegativmerkmale
  • personenbezogenen Daten wie Adresse und frühere Anschriften, Geburtsdatum usw.
  • vorhandene Leasingverträge*
  • Mobilfunkverträge*
  • Bankkonten und Kreditkarten*
  • Ratenzahlungskäufe*
  • Kredite*
  • seitens der Bank gekündigte Kredite
  • zu spät bezahlte Rechnungen mit Mahnverfahren
  • Einträge in öffentliche Schuldnerverzeichnisse. Solche Einträge entstehen z. B. bei Privatinsolvenz, Zwangsvollstreckungen oder Abgabe einer eidesstattlichen Erklärung.

* sofern diese ordnungsgemäß gezahlt werden

Dass ein Kredit, ein Girokonto mit Dispo oder der Besitz einer Kreditkarte den Schufa-Score verschlechtern, ist ein Gerücht. Das Gegenteil kann der Fall sein: Grundsätzlich werden solche Einträge sogar erst einmal positiv gewertet. Schließlich zeigt es, dass die Bank Sie für kreditwürdig hält. Was sich in der Schufa-Bonitätsauskunft negativ auswirkt, sind Konten oder Kreditkarten, die vonseiten der Bank gekündigt wurden oder Mahnverfahren, wenn Sie Ihre Rechnungen nicht fristgerecht zahlen.

Besonders fatal für den Schufa-Score sind Zahlungsverzüge, die rechtliche Konsequenzen haben – zum Beispiel wenn der Gerichtsvollzieher kommt. Die Schufa greift nämlich auch auf öffentliche Schuldnerverzeichnisse zu. Damit hat sie Informationen über Vollstreckungsverfahren, beispielsweise wenn ein Schuldner eine Eidesstattliche Versicherung abgibt oder eine Privatinsolvenz anmeldet.

Wann gibt es eine “schlechte Schufa”?

Wenn von einer “schlechten Schufa”  gesprochen wird, ist meist der sogenannte Basis-Score gemeint, der Auskunft darüber gibt, wie zuverlässig jemand seine Rechnungen zahlt. Dieser Wert wird in Prozent dargestellt und alle drei Monate aktualisiert. Was genau die jeweiligen Prozentzahlen über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls aussagen, zeigt die Schufa-Score-Tabelle.

Schufa Basis-Score
Score-WertWahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls
über 97,5 %sehr geringes Risiko
95 - 97,5 %geringes bis überschaubares Risiko
90 – 95 %zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko
80 – 90 %deutlich erhöhtes bis hohes Risiko
50 – 80 %sehr hohes Risiko
unter 50 %sehr kritisches Risiko

Übrigens: Einen Schufa-Score von 100 Prozent ist nicht möglich. Selbst, wenn Sie all Ihre Rechnungen immer pünktlich zahlen. Der Grund ist ein ganz natürlicher und gleichzeitig etwas makaber anmutender. Es gibt nämlich einen Risikofaktor, den niemand ausschließen kann: den Tod. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Schuldner stirbt, bevor er seinen Kredit oder sein Auto abbezahlt hat, wird immer eingerechnet. 

Wenn Ihr Score unter 90 Prozent liegt, sollten Sie versuchen, ihn zu verbessern. Wie das geht, erklären wir im Klarmacher-Beitrag “Schufa-Score verbessern“.

Verschiedene Scores für unterschiedliche Branchen

Neben dem beschriebenen Basis-Score erstellt die Schufa auch noch spezielle Branchen-Scores für bestimmte Geschäftszweige, wie zum Beispiel Banken, Einzelhandel, Onlinehändler, Versicherungen und Telekommunikationsanbieter. Diese Scores sind aussagekräftiger als der allgemeine Basis-Score. Denn dass jemand die Raten für seinen neuen Fernseher immer pünktlich zahlt, ist zwar gut. Aber das heißt nicht zwangsläufig, dass er einen höheren Immobilienkredit genauso zuverlässig tilgen wird.

Deshalb können Ihre einzelnen Branchen-Scores durchaus unterschiedlich ausfallen. Hier wird die Kreditwürdigkeit nicht in Prozent, sondern in Ratingstufen von A (sehr gut) bis M (schlecht) angegeben. Das Rating orientiert sich an einem Punktesystem – je mehr Punkte, desto besser die Bonität. Grundlage sind natürlich auch hier wieder die Daten, die die Schufa über Sie hat.

Bei offenen negativen Schufa-Einträgen – zum Beispiel ein Eintrag in ein öffentliches Schuldnerverzeichnis beim Amtsgericht nach Privatinsolvenz oder vertragswidriges Verhalten – kann das Rating sogar auf N bis P fallen.

Schufa-Score-Tabelle: Banken
ohne offene NegativmerkmaleRatingPunktzahlRisikoquote
A9.863 - 9.9990,80 %
B9.772 - 9.8621,64 %
C9.709 - 9.7712,47 %
D9.623 - 9.7083,10 %
E9.495 - 9.6224,38 %
F9.282 - 9.4946,21 %
G8.774 - 9.2819,50 %
H8.006 - 8.77316,74 %
I7.187 - 8.00525,97 %
K6.391 - 7.18632,56 %
L4.928 - 6.39041,77 %
M1 - 4.92760,45 %
mit offenen NegativmerkmalenN4.112 - 9.99948,47 %
O1.107 - 4.11177,57 %
P1 - 1.10696,08 %

Den eigenen Schufa-Score ermitteln: Bonitätsauskunft & Datenübersicht

Wie Ihr eigener Schufa-Score aussieht, können Sie ganz einfach herausfinden. Sie haben dazu zwei Möglichkeiten. Zum einen gibt es die Bonitätsauskunft, besser bekannt als Schufa-Selbstauskunft. Dabei handelt es sich um das Dokument, das beispielsweise Vermieter bei Wohnungsbesichtigungen von Interessenten verlangen. Diese Schufa-Bonitätsauskunft können Sie für knapp 30 Euro (Stand: April 2019) entweder direkt in den Filialen der Schufa abholen oder online bestellen. Daneben gibt es auch einige Banken, die eine solche Bonitätsauskunft ausstellen können.

Sie erhalten dabei diese Dokumente: 

  1. Eine Selbstauskunft zur Weitergabe an Dritte, zum Beispiel potenzielle Vermieter. Hier wird die Kreditwürdigkeit in den oben beschriebenen Schufa-Scores angegeben. Weitere Details sind jedoch nicht enthalten. Es ist also nicht erkennbar, aufgrund welcher Einträge der Score zustande gekommen ist.
  2. Eine vollständige Datenübersicht, die ausschließlich für Ihre Augen bestimmt ist. Hier finden Sie neben den Schufa-Scores auch alle Informationen aufgelistet, die die Schufa über Sie zusammengetragen hat.

Kostenlose Datenübersicht: Was steht in der Schufa?

Den eigenen Schufa-Score und alle Daten der Auskunftei über Sie können Sie auch ohne weitere Kosten in Erfahrung bringen. Denn Sie haben ein gesetzlich verankertes Recht zu erfahren, welche Informationen die Schufa von Ihnen vorliegen hat. Deshalb muss Ihnen die Auskunftei auf Anfrage einmal jährlich eine kostenlose Datenübersicht zukommen lassen.

Dabei handelt es sich um die Aufstellung, die auch der oben beschriebenen Selbstauskunft beiliegt. Das Bestellformular für diese Datenübersicht findet sich etwas versteckt auf der Schufa-Website. Dieses Dokument sollten Sie auf keinen Fall an Vermieter oder andere Geschäftspartner weitergeben. Denn es enthält jede Menge vertrauliche Informationen über Sie.

Datenübersicht auf Fehler prüfen

Datenübersicht auf Fehler prüfen

Es lohnt sich, die kostenlose Datenübersicht jährlich anzufordern und alle Einträge gründlich zu prüfen. Denn es können sich Fehler einschleichen, die den Schufa-Score ungerechtfertigt verschlechtern. Zum Beispiel, wenn eine Bank das Einholen eines Angebots für einen Kredit fälschlicherweise als Kreditanfrage statt als Angebotsanfrage an die Schufa übermittelt hat. 

Solche falschen Einträge muss die Schufa umgehend korrigieren.

 

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