Zwei Geschäftsleute auf einer Wendeltreppe, die nach unten führt
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Schneeballsystem: So erkennen Sie rechtzeitig die Gefahr

Thorsten Schierhorn
von Thorsten Schierhorn, 18.03.2021

Eine Anzeige, der Tipp von Freund*innen, ein Flyer – ganz unverhofft verspricht man Ihnen ein Bombengeschäft. Sie brauchen nur einzusteigen. Ist das die große Chance, die Tür zu einem Leben voller Reichtum, Luxus und Sorgenfreiheit? Vorsicht! Der Traum vom großen Geld kann blind machen. Erst recht, wenn Sie es mit geschickten Betrüger*innen zu tun haben, die Sie über den Tisch ziehen wollen. Zum Beispiel mit einem Schneeballsystem. Wie das funktioniert und wie Sie so eine Gefahr trotz aller Raffinesse der Täter*innen rechtzeitig erkennen, erfahren Sie hier.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Schneeballsysteme versprechen Ihnen hohe Gewinne, wenn Sie eine bestimmte Summe Geld einsetzen.
  • Bedingung ist, dass Sie andere dazu bewegen, ebenfalls Geld einzusetzen.
  • Mit dem Geld der späteren Teilnehmer*innen werden die Gewinne früherer Teilnehmer*innen bezahlt.
  • Da ständig immer neue und immer mehr Teilnehmer*innen benötigt werden, brechen solche Systeme schnell zusammen.
  • In fast allen Fällen verlieren Sie das Geld, das Sie eingesetzt haben.
  • Schneeballsysteme sind illegal.

Was ist ein Schneeballsystem?

Ein Schneeballsystem ist eine Betrugsmasche, bei der Sie in den meisten Fällen Geld verlieren. Dabei beginnt es immer mit einem verlockenden Angebot. Sie sollen eine bestimmte Summe investieren und können in kurzer Zeit hohe Gewinne machen, so das Versprechen. Diese Gewinne machen in erster Linie aber nur diejenigen, die so ein Schneeballsystem ins Rollen gebracht haben.

Alle Schneeballsysteme beruhen darauf, dass Sie selbst weitere Personen dazu bringen, Geld zu investieren. Diese Personen sollen dann ihrerseits weitere Personen davon überzeugen zu investieren, und so weiter und so fort. Deshalb ist es möglich, dass Sie nicht von windigen Vertriebsleuten angeworben werden, sondern von guten Bekannten oder Freund*innen. Und das nicht etwa in der Absicht, Sie übers Ohr zu hauen. Sondern weil diese den Betrug noch nicht durchschaut haben. Und vielleicht sogar glauben, dass sie Ihnen etwas Gutes tun, indem Sie Ihnen die Tür zum großen Geld öffnen.

Die Summen, um die es geht, sind nicht immer besonders hoch. Manchmal reichen ein paar Hundert Euro zum Einsteigen. Damit sollen möglichst viele zum Mitmachen bewegt werden, nach dem Motto: „Das kann man mal riskieren, vielleicht ist ja etwas dran.“ In anderen Fällen sollen Sie mehrere Tausend Euro investieren oder immer wieder frisches Geld nachschießen. Das kann einen schmerzhaften Verlust bedeuten, wenn das Geld am Ende weg ist.

Umso wichtiger ist es, dass Sie solche Schneeballsysteme rechtzeitig erkennen. Deshalb sehen wir sie uns im Folgenden einmal genauer an.

Junge Frau und junger Mann unterhalten sich angeregt
© istock/Studio4/2020  Die Hoffnung, viel Geld zu machen, kann euphorisch wirken – und auf Bekannte überspringen.

Wie genau funktioniert die Betrugsmasche?

Es ist nicht so, dass bei einem Schneeballsystem immer alle leer ausgehen. Manche machen große Gewinne. Allerdings nur sehr wenige und nur so lange, bis das System an sein Ende kommt. Und das geht sehr schnell. Dafür sorgt schon die Mathematik. Was damit gemeint ist, erkennt man, wenn wir uns das Prinzip eines Schneeballsystems einmal näher betrachten.

Stellen Sie sich eine Pyramide vor. An deren Spitze stehen die Initiator*innen. Hier nimmt das ganze betrügerische Spiel seinen Anfang. Die Initiator*innen behaupten, ein besonders cleveres Produkt, eine begehrte Dienstleistung oder eine ertragreiche Finanzanlage vermarkten zu wollen. Hierfür werden Vertriebspartner angeheuert. Diese bilden quasi die zweite obere Ebene der Pyramide. Um einzusteigen, müssen Sie eine Art Startgebühr bezahlen. Dafür erwerben Sie zum Beispiel eine Lizenz, um das Produkt zu verkaufen. Oder ein Coaching, das Ihnen zeigt, wie Sie selbst weitere Vertriebspartner anwerben. Oder Sie müssen eine Menge X des eigentlichen Produkts kaufen.

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Aber egal, ob Lizenz, Coaching oder Produkt: Gewinn machen Sie als Mitglied des Systems erst dann, wenn Sie selbst neue Mitglieder anwerben, die ihrerseits Geld investieren. Mit diesem Geld werden zunächst die Mitglieder auf den höheren Ebenen der Pyramide entlohnt – und deren Gewinne erwecken dann den Anschein, als würde man mit dem Produkt tatsächlich eine hohe Rendite erwirtschaften. Dabei stammt der Gewinn in Wahrheit nicht aus irgendwelchen Verkäufen, sondern von den Startgebühren neuer Mitglieder.

Wann wer wie viel von den eingeworbenen neuen Geldern bekommt, ist von System zu System unterschiedlich. Manchmal räumen die Initiator*innen alles ab, manchmal kriegen auch die nachfolgenden Ebenen etwas vom Kuchen. Nur eins haben alle Systeme gemeinsam: Bevor ein frisch eingestiegenes Mitglied seinen Einsatz wieder einfahren kann, müssen unzählige weitere Mitglieder (= Einzahler*innen) angeworben werden. So viele, dass so ein System schnell zusammenbricht.

Beispiel: Nehmen wir an, Sie zahlen 1.000 Euro ein und sollen zehn neue Mitglieder anwerben. Diese Mitglieder bilden unter Ihnen sozusagen die nächste Ebene der Pyramide. Jede*r von diesen zehn soll dann wiederum jeweils zehn neue Einzahler*innen anwerben – erst dann ist die nächste Ebene „vollzählig“. Für jede neue Ebene sollen Sie in unserem Beispiel 100 Euro erhalten.

Das heißt: Damit Sie nur 300 Ihrer 1.000 Euro zurückerhalten, müssten drei neue Ebenen entstehen. Jede neue Ebene besteht aus zehnmal so vielen Mitgliedern wie die vorige. Zusammengerechnet müssten also bereits 1.110 weitere Personen nach Ihnen einsteigen, damit Sie auf die 300 Euro kommen (siehe Grafik). Für die nächsten Ebenen sind dann 10.000, 100.000 und eine Million neue Mitglieder nötig.

Grafik Prinzip Schneeballsystem

Wegen dieses pyramidenartigen Prinzips werden Schneeballsysteme auch als „Pyramidensysteme“ bezeichnet.

Welche Varianten eines Schneeballsystems gibt es?

Nicht immer läuft es so ab wie im vorigen Kapitel beschrieben. Es gibt auch Varianten, die anders aufgebaut sind. Sie alle funktionieren allerdings nach dem Pyramidenprinzip.

  • Kettenbrief: Hierbei erhalten Sie eine Nachricht per Post, E-Mail, Messenger oder auf einem ähnlichen Weg. Inhalt: Sie sollen Geld an die*den Absender*in senden und die Nachricht an Ihre Freund*innen weiterleiten. Die sollen ebenfalls zahlen, allerdings erhalten Sie davon nur einen kleinen Teil – der Rest geht an die früheren Versender*innen. Auch hier benötigen Sie sehr schnell sehr viele Mitstreiter*innen, um auch nur Ihren Einsatz wiederzubekommen.
  • Schenkkreise: Hier ist Ihre Geldeinlage ein „Geschenk“ an andere Teilnehmer*innen eines Freundschaftskreises. Später sollen Sie dann von den nachrückenden Teilnehmer*innen ebenfalls ein (Geld-)Geschenk erhalten. Solche Kreise geben sich oft einen esoterischen Anstrich. Zum Beispiel wird behauptet, das Schenken befreie Sie von einer inneren Last oder sorge für besonders intensive Freundschaften. Deshalb sind Schenkkreise auch als „Herzkreise“ bekannt.
  • Ponzi-System: Diese Masche ist benannt nach dem italienischen Betrüger Charles Ponzi. Hier investieren Sie angeblich in einen Anlagefonds oder ein vergleichbares Finanzprodukt. In Wahrheit aber wird Ihr Geld nie am Kapitalmarkt angelegt. Stattdessen werden davon Renditen an die Anleger*innen ausgeschüttet. Dieses betrügerische Spiel kann lange gutgehen. Rein rechnerisch könnte man Ihnen zehn Jahre lang je 10 Prozent Rendite auszahlen – indem man Ihnen einfach Ihre eigene Einlage häppchenweise wieder zurückzahlt. Der Schwindel zeigt sich erst, wenn Sie und viele weitere Anleger*innen immer weiter Rendite haben oder die volle Einlage wieder ausgezahlt bekommen wollen. Dann wird frisches Kapital von neuen Anleger*innen benötigt – oder das System bricht zusammen.

Vorsicht, Falle! - Schneeballsysteme

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Ist ein Schneeballsystem illegal?

Ja. Und zwar laut Paragraph 16 Absatz 2 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Wer ein Schneeballsystem in Gang setzt oder aktiv unterstützt, dem drohen zwei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe. Schon der Versuch ist strafbar.

In einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) werden Schneeballsysteme zudem als „sittenwidrig“ eingestuft. Grund: Es sei von vornherein klar, dass nur die Initiator*innen sichere Gewinne einfahren, während die große Masse ihre Geldeinlage verliert.

Es gibt nur eine Variante, die als legal gilt: das Multi-Level-Marketing (MLM), auch als Network-Marketing bekannt. Hierbei erwerben Sie konkrete Produkte, die Sie weiterverkaufen. Daneben können Sie weitere Verkäufer*innen anwerben, die die Produkte vertreiben. Von deren Verkäufen erhalten Sie dann eine Provision. Solange der Gewinn bei dieser Variante aus den konkreten Verkäufen der Produkte stammt, ist Multi-Level-Marketing nicht verboten.

Mann betrachtet eine Webseite auf dem Laptopbildschirm
© istock/FG Trade/2019  Sehen Sie sich alle verfügbaren Informationen kritisch an und erkundigen Sie sich auch auf anderen Webseiten über den Anbieter.

Wie schützt man sich vor einem Schneeballsystem?

Wieso eigentlich können Betrüger*innen immer wieder Schneeballsysteme aufzuziehen und neue Opfer finden? Weil sie es schaffen, die Gefahren mit großen Versprechungen zu verschleiern. Sie zeigen nur die angeblichen Vorteile und Gewinne, unterdrücken kritische Nachfragen, bleiben bei Details im Unklaren. Dadurch kann man in ein Schneeballsystem hineingezogen werden, ohne es zu bemerken.

Lassen Sie sich deshalb nicht von der ersten Euphorie anstecken oder unter Zeitdruck setzen. Prüfen Sie sorgfältig jedes Angebot, egal wie attraktiv es Ihnen zunächst erscheint. Dabei helfen Ihnen die folgenden Hinweise:

  • Werden Sie hellhörig bei Angeboten, die eine übermäßig hohe Rendite versprechen. Bei angeblichen Gewinnen von 10, 20, 30 oder sogar noch mehr Prozent sollten die Alarmglocken klingeln. Wenn eine Chance zu schön klingt, um wahr zu sein – dann ist sie oft tatsächlich nicht wahr.
  • Achten Sie auf Widersprüche. Fragen Sie sich zum Beispiel, warum so ein attraktiver Trick zum Geldverdienen nicht geheim gehalten wird, damit einige wenige umso mehr davon profitieren. Oder warum Sie möglicherweise Geld ins Ausland überweisen sollen, obwohl der Firmensitz vielleicht in Deutschland ist.
  • Finger weg von Geschäftsmodellen, bei denen Sie viele Personen aus Ihrem Umfeld dazu bringen sollen, ebenfalls einzusteigen. Selbst wenn Sie (noch) vom Geschäftsmodell überzeugt sind: Denken Sie daran, was das für Ihre Freundschaften bedeuten kann, wenn es schiefgeht.
  • Nehmen Sie das Infomaterial des Unternehmens gründlich unter die Lupe. Ist alles vollständig und nachvollziehbar? Gibt es zum Beispiel ein ausführliches Impressum auf der Website der Organisation? Stimmen alle Angaben überein? Verstehen Sie das Produkt, um das es scheinbar geht? Ist es für Sie nachvollziehbar, wie und an wen das Produkt angeblich verkauft werden soll? 
  • Suchen Sie im Internet nach Erfahrungen von anderen mit diesem Unternehmen. Gibt es Portale, die davor warnen? Die Bankenaufsicht BaFin zum Beispiel veröffentlicht auf dieser Seite regelmäßig die Namen von Unternehmen, die mit unredlichen Methoden arbeiten. Seriöse Finanzdienstleister dagegen finden Sie in dieser Unternehmensdatenbank der BaFin.

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