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Crowdinvesting: Als Privatanleger in Startups investieren

Dagmar Sörensen
von Dagmar Sörensen, 01.12.2021

Die Zinsen auf dem Sparbuch sind schon lange nicht mehr der Rede wert. Und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Wo also hin mit dem Ersparten? Vielleicht ist Crowdinvesting ja genau das Richtige für Sie. Zusammen mit vielen anderen unterstützen Sie damit ein junges, innovatives Unternehmen. Ihr Einsatz muss dabei gar nicht hoch sein. Wenn es gut läuft, locken hohe Renditen. Sie können aber auch alles verlieren.

Themen in diesem Artikel

Auf den Punkt

Auf den Punkt

  • Beim Crowdinvesting investieren viele Anleger*innen jeweils kleine Summen in ein Unternehmen.
  • Die Parteien finden sich über Crowdinvesting-Plattformen.
  • Crowdinvestments sind riskant und können zu einem Totalverlust führen.
  • Crowdinvestments erfordern eine intensive Beschäftigung mit dem Projekt.

Was ist Crowdinvesting?

Der Begriff Crowdinvesting setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „Crowd“ (Menge) und „investing“ (investieren). Der Name ist Programm: Eine Menge Kleinanleger*innen, sogenannte Mikroinvestor*innen, steckt kleinere Geldbeträge in ein Unternehmen, häufig in Startups. Diese Form der Unternehmensbeteiligung heißt übrigens nur im deutschsprachigen Raum Crowdinvesting. International ist die Bezeichnung „Equity-based Crowdfunding“ üblich – gemeint ist dasselbe. 

Afrikanische Näherin arbeitet in einer Schneiderei
© istock/LumiNola/2020  Mit Crowdfunding werden oft soziale Projekte unterstützt.

Wie unterscheiden sich Crowdinvesting und Crowdfunding?

Der wesentliche Unterschied liegt in der Gegenleistung: Beim Crowdinvesting beteiligen sich die Investor*innen an einem Unternehmen und wollen an seinem Erfolg verdienen. Also mit ihrem eingesetzten Geld Gewinn machen. 

Beim Crowdfunding werden dagegen oft soziale oder kulturelle Projekte unterstützt. Da ist die Beteiligung eher als Spende zu verstehen. Eine finanzielle Gegenleistung gibt es nämlich meist nicht. Stattdessen erhalten die Geldgeber*innen persönliche Danksagungen und anderweitig ideelle Anerkennung. Ausnahme: Sie unterstützen ein junges Unternehmen, das beispielsweise ein neues Gerät bauen will und dafür eine Starthilfe braucht. Im Erfolgsfall haben die Investor*innen oft ein Vorkaufsrecht und bekommen das Produkt günstiger als andere. 

Wie kommen Unternehmen und Anleger zusammen?

Dafür gibt es mehrere Crowdinvesting-Plattformen. Sie unterscheiden sich zum Beispiel bei der Mindestanlagesumme oder sie sind jeweils auf bestimmte Themen oder Branchen spezialisiert. Bekannte Plattformen für Startups sind Seedmatch, Comanisto oder auch Green Rocket.

Dort stellen die Initiator*innen ihre Projekte vor. Dafür setzen sie nicht nur auf nackte Zahlen und handfeste Informationen, sondern oftmals auch auf Bilder und Videos. Vorab wird festgelegt, ... 

  • wie viel Geld von den Crowdinvestor*innen eingesammelt werden soll. 
  • bis wann die gewünschte Summe erreicht werden soll.
  • welche Gegenleistung die Geldgeber*innen bekommen.
  • wie lang die Beteiligungsdauer ist.

Wird der angestrebte Betrag erreicht, bekommt ihn das Unternehmen. Wird er nicht erreicht, kriegen die Unterstützer*innen ihr Geld zurück.

Die Plattformen vermitteln nicht bloß zwischen Startups und der Crowd, sie prüfen auch die Unterlagen des Unternehmens. Unter die Lupe nehmen Sie: 

  • das Geschäftsmodell
  • den Geschäftsplan
  • die aktuelle wirtschaftliche Situation

Das bietet interessierten Anleger*innen zumindest ein gewisses Maß an Sicherheit. Und: Sie können über die Plattform direkt mit den Unternehmer*innen kommunizieren. Also zum Beispiel nachhaken, wenn Sie etwas nicht verstehen.

Live-Videokonferenz am Laptop
© istock/Prostock-Studio/2020  Crowdfunding-Plattformen ermöglichen eine direkte Kommunikation zwischen Anleger*in und Unternehmen.

Welche Beteiligungsformen gibt es?

Investor*innen können auf unterschiedliche Art am Erfolg eines Startups teilhaben. Wie genau, steht im Beteiligungsvertrag. Den sollten Interessierte vor Ihrer Unterschrift gut lesen.

Üblich sind vor allem drei Finanzierungsmodelle:

  • partiarisches Darlehen
  • atypische stille Beteiligung
  • Genussrechte

Partiarisches Darlehen

Ein partiarisches Darlehen ist die häufigste Finanzierungsmethode im Crowdinvesting. Dabei erhalten Sie eine erfolgsorientierte Verzinsung. Die gibt es allerdings nur, wenn das Unternehmen auch Gewinn macht. Ihre Ansprüche auf die Zinsen und auch auf die Rückzahlung Ihres Gelds werden bei einer Insolvenz des Unternehmens allerdings nur nachrangig behandelt. Das bedeutet: Bei einer Pleite des Projekts werden andere Gläubiger*innen – beispielsweise Banken, die dem Unternehmen einen Kredit gewährt haben – vorgezogen. Sie bekommen unter Umständen gar nichts.

Atypische stille Beteiligung

Bei der atypischen stillen Beteiligung werden Sie am Gewinn beteiligt und profitieren zusätzlich vom Wertzuwachs der Firma. Nach außen treten Sie nicht als Gesellschafter*in auf. Ihre Beteiligung an möglichen Verlusten des Unternehmens lässt sich vertraglich ausschließen. Auch können Sie gesellschaftsrechtliche Mitbestimmungsrechte erhalten, zum Beispiel durch einen Zustimmungsvorbehalt. Dann dürfen Sie bei bestimmten geschäftlichen Entscheidungen ein Wörtchen mitreden. So müssen Sie zum Beispiel gefragt werden, wenn das Unternehmen neue oder andere Produkte herstellen will.

Genussrechte

Bei der Finanzierung über Genussrechte bekommen Sie eine Gewinnbeteiligung, haben aber keinerlei Mitsprache- und Stimmrechte.

Gruppe junger Menschen diskutiert lebhaft in einem loftartigen Büro
© istock/nd3000/2018  Crowdinvesting ist gerade für Startups eine gute Alternative oder Ergänzung zum Bankkredit.

Warum ist Crowdinvesting besonders interessant für Startups?

Startups brauchen Startkapital für ihre Geschäftsidee oder ihr neues Produkt. Und Banken sind in der frühen Phase einer Unternehmensgründung eher zurückhaltend mit Krediten. Schließlich verwalten sie das Geld ihrer Kunden und müssen vor diesen Rechenschaft ablegen. Also verlangen sie für Darlehen Sicherheiten. Die haben junge Unternehmen aber meist nicht. Die Finanzierung über Crowdinvesting bietet eine Alternative oder zumindest eine attraktive Ergänzung zum Bankkredit.

Welche Risiken birgt Crowdinvesting?

Crowdinvesting ist eine (sehr) riskante Geldanlage. Gerade Startups haben ein hohes Ausfallrisiko. Nur wenige setzen sich am Markt durch und haben tatsächlich wirtschaftlichen Erfolg. Und dann meist auch erst nach Jahren. Wer sich auf eine solche Investition einlässt, muss also auch mit einem Totalverlust rechnen – und den vor allem auch verkraften können. Auf jeden Fall sollten Sie in eine derartige Geldanlage immer nur einen kleinen Teil Ihres eigenen frei verfügbaren Vermögens stecken!
Darüber hinaus raten Experten, Kapital auf verschiedene Startups aus unterschiedlichen Branchen zu verteilen. Fällt eines aus, können die anderen immer noch eine gute Rendite erwirtschaften.

Crowdinvesting: Besser als normales Sparen?

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© Galileo/Pro Sieben 

Welche Chancen bietet Crowdinvesting?

Mit Crowdinvesting kann im Grunde jeder mit einem überschaubaren Betrag in junge, innovative Unternehmen investieren und vielleicht von Beginn an bei einer Erfolgsgeschichte dabei sein. Und Sie entscheiden selbst, welches Unternehmen, welche Idee Sie persönlich fördern und unterstützen möchten. Das hat unbestreitbar seinen Reiz. Trotzdem ist diese Anlageform nicht für jede*n geeignet. 

Es nämlich wichtig, sich vor der Anlage sorgfältig damit zu beschäftigen. Dabei geht es um Antworten auf folgende Fragen.

  • Verstehen Sie den Businessplan?
  • Sind Sie überzeugt von der Gründungsmannschaft?
  • Verfügen diese Leute über die nötigen Erfahrungen und Qualifikationen?
  • Bringt die Geschäftsidee wirklich einen Kundennutzen?
  • Sind die zugrunde gelegten Umsätze realistisch?

Das erfordert nicht nur Zeit, sondern auch ein gewisses Verständnis für das Geschäftsmodell eines Startups. Es ist daher von Vorteil, wenn Sie bereits mit der entsprechenden Branche vertraut sind. 

Wer sich der Herausforderung stellt, für den kann Crowdinvesting gerade beim derzeitigen Niedrigzinsniveau eine durchaus lohnende Geldanlage sein. Bei einer stillen atypischen Beteiligung bekommen Investierende nach ein paar Jahren nicht nur ihr eingesetztes Kapital zurück, sondern werden zusätzlich am aktuellen Wert des Unternehmens beteiligt. Natürlich im Verhältnis ihres Anteils.

Beispiel: Sie investieren als stille Beteiligung 500 Euro in ein Startup. Das sind zu dem Zeitpunkt 0,1 Prozent des Unternehmens. Die Firma entwickelt sich gut und hat nach sechs Jahren einen Unternehmenswert von 1,5 Millionen Euro. Davon gehören Ihnen 0,1 Prozent, also 1.500 Euro, plus Ihre ursprünglichen 500 Euro. Insgesamt also 2.000 Euro. Was einer Rendite von 300 Prozent entspricht. 

Ein junges Paar freut sich überschwänglich beim Blick auf die gute Entwicklung seines Crowdinvestments
© istock/fizkes/2020   Mit ein bisschen Glück und dem richtigen Riecher können Crowdinvestments sehr rentabel sein.

Welche Laufzeiten gibt es bei Crowdinvestments?

Crowdinvestments sind eine langfristige Anlageform; die Vertragslaufzeiten bei Startups liegen im Durchschnitt bei fünf bis acht Jahren. Ein vorzeitiger Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Prüfen Sie die Vertragsunterlagen dahingehend vor der Investition.

Und was ist mit Steuern?

Das ist abhängig von der Beteiligungsform. Bei stillen Beteiligungen und nachrangigen Darlehen gelten die Erträge als Einkünfte aus Kapitalvermögen. Damit wird für sie die Abgeltungssteuer von 25 Prozent fällig zuzüglich Kirchensteuer und gegebenenfalls Solidaritätszuschlag.

Anders bei atypischen stillen Beteiligungen: Die Einkünfte gelten als gewerbliche Einnahmen und müssen zu Ihrem persönlichen Steuersatz versteuert werden.

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