Ein älteres Paar sitzt im Wohnzimmer und setzt gemeinsam ein Berliner Testament auf
Vorsorgen

Wie schreibe ich ein Berliner Testament richtig? Mit diesem Muster!

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 09.12.2019

Erst kommt’s zum Todesfall, dann zum Erbfall und darüber manchmal zum Streitfall mit der Verwandtschaft. Das muss nicht sein. Beispiel: Berliner Testament. Damit setzen sich Eheleute oder eingetragene Lebenspartner jeweils als Alleinerben ein. Aber wie schreibe ich ein Berliner Testament richtig? Die KlarMacher haben die Antwort und geben Ihnen für das Berliner Testament ein Muster.

Themen in diesem Artikel

Berliner Testament – das ist der Sinn

Mit einem Berliner Testament setzen sich üblicherweise Ehe- oder eingetragene Lebenspartner mit Kindern gegenseitig als Alleinerben (Vollerben) ein. Damit unterbrechen sie die gesetzliche Erbfolge, und der Nachwuchs geht – zumindest vorübergehend – leer aus. Er erbt frühestens, nachdem auch der andere Elternteil gestorben ist. Kinder werden damit zu sogenannten Schlusserben. Der Sinn der Sache:

  • Der verbliebene Partner ist finanziell versorgt und kann seinen gewohnten Lebensstandard halten.
  • Auseinandersetzungen mit den Kindern (oder anderen Angehörigen), die laut Gesetz eigentlich auch erbberechtigt sind, werden in der Regel vermieden.

Kurze Wortkunde: Wer von den beiden Partnern zuerst stirbt, wird auch als Erstversterbender bezeichnet, der andere als Zuletzversterbender.

Berliner Testament – das steht drin

Das Berliner Testament können die Ehepartner selbst verfassen. Das spart Notarkosten. Es genügt, das Schreiben beispielsweise in einer Schublade zu hinterlegen. Damit der letzte Wille gültig ist, muss er folgende Bedingungen erfüllen:

  • Das Berliner Testament ist (von einem der Partner) vollständig handschriftlich aufgesetzt. Ein Ausdruck genügt nicht.
  • Beide Partner unterschreiben es jeweils unter Angabe von Ort und Datum.

Die Kernaussage sollte sein: „Wir setzen uns gegenseitig als Alleinerben ein.“ Besonders kompliziert ist das nicht, wie das Muster eines Berliner Testaments weiter unten zeigt.

Aber manchmal lässt sich die Angelegenheit doch nicht so einfach lösen. Unter Umständen stehen die Partner nämlich vor Fragen wie:

  • Was ist, wenn Kinder von anderen Partnern (Stiefkinder) miterben sollen?
  • Was ist, wenn der noch lebende Partner wieder heiratet?
  • Was ist, falls ein Schlusserbe das Erbe ausschlägt? Wer soll dann erben (Ersatzerben)?
  • Was ist, wenn der länger lebende Partner irgendwann andere Pläne mit seinem Nachlass hat als ursprünglich vereinbart (Wechselbezüglichkeit)?

Solche und ähnliche Umstände lassen sich zwar auch selbst in einem Berliner Testament regeln. Der Teufel steckt hier allerdings im Detail. Denn nicht alles, was juristische Laien aufsetzen, hält möglicherweise in einem späteren Streitfall ums Erbe vor Gericht stand. Was gut gemeint war, könnte dort eventuell erfolgreich angefochten werden. Und sei es nur, weil ein bestimmtes Wort an einer maßgeblichen Stelle im letzten gemeinschaftlichen Willen fehlt. In solchen Fällen kann ein Notar helfen. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Ein Ehepaar lässt sich von einer Notarin beraten
© istock/nicexray/2017  In speziellen Familienverhältnissen oder für eine Änderung des Testaments ist eine notarielle Beratung sinnvoll.

Berliner Testament – das kostet es

Das Risiko einer unklaren Formulierung lässt sich vermeiden, wenn ein Notar das Berliner Testament rechtssicher formuliert und darin alle Eventualitäten berücksichtigt. Anschließend lässt er das Dokument als öffentliche Urkunde im zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer verwahren. So kann es nicht verschwinden und liegt im Todesfall zuverlässig vor. Dieser Service hat natürlich seinen Preis.

Die Kosten eines notariell aufgesetzten Berliner Testaments richten sich nach dem Umfang (Geschäftswert) des voraussichtlichen Erbes. Das ist das, was nach Abzug von Schulden, Krediten oder sonstigen finanziellen Verpflichtungen an Vermögen übrig bleibt.

Konkret regelt das Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) die Höhe der Gebühren. Beispiele für die Kosten:

Notarkosten für ein Berliner Testament 
  
GeschäftswertGebühren*
10.000 Euro150 Euro
20.000 Euro230 Euro
50.000 Euro330 Euro
200.000 Euro870 Euro
500.000 Euro1.870 Euro
1.000.000 Euro3.470 Euro
  
 *jeweils zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer/Stand November 2019  

Auch Rechtsanwälte können beim Berliner Testament helfen. Die Kosten vereinbaren Sie – abhängig vom (zeitlichen) Aufwand – frei mit den Mandanten. In der Regel verlangen Anwälte weniger Honorar als Notare, die an ihre Gebührenordnung gebunden sind.

Berliner Testament – das ist ein Muster

Es folgt das Beispiel eines einfachen Berliner Testaments. Darin setzen sich die Partner gegenseitig als Alleinerben ein. Außerdem bestimmen sie ihre gemeinsamen Kinder zu Schlusserben. Ist die Ausgangslage komplexer, kann – wie gesagt – der Rat eines Notars oder Rechtsanwalts weiterhelfen. Zur Erinnerung: Das Berliner Testament muss komplett handschriftlich angefertigt sein! Hier das Muster:

Berliner Testament

Wir, die Eheleute Vorname Nachname, geboren am Datum in Ortsname, und Vorname Nachname, geboren am Datum in Ortsname, derzeit wohnhaft in Adresse, setzen uns hiermit gegenseitig als Vollerben unseres gesamten Vermögens ein.

Zu Schlusserben des Zuletzversterbenden setzen wir zu gleichen Teilen unsere gemeinsamen Kinder (jeweils Vornamen Nachnamen, Geburtsort und Geburtsdatum, derzeitige Adresse nennen) ein. Das gilt auch für den Fall, dass wir gleichzeitig sterben.

Der Zuletzversterbende ist berechtigt, hiervon abweichende letztwillentliche Verfügungen zu treffen.

Ort, Datum Unterschriften beider Ehepartner

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