Ein älteres Paar sitzt im Wohnzimmer und setzt gemeinsam ein Berliner Testament auf
Vorsorgen

Wie schreibe ich ein Berliner Testament richtig? Mit diesem Muster!

Detlev Neumann
von Detlev Neumann, 14.01.2021

Erst kommt’s zum Todesfall, dann zum Erbfall und darüber manchmal zum Streitfall mit der Verwandtschaft. Das muss nicht sein. Beispiel: Berliner Testament. Damit setzen sich Eheleute oder eingetragene Lebenspartner*innen jeweils als Alleinerb*innen ein. Aber wie schreibe ich ein Berliner Testament richtig? Die KlarMacher haben die Antwort und geben Ihnen für das Berliner Testament ein Muster.

Themen in diesem Artikel

Was ist der Sinn?

Mit einem Berliner Testament setzen sich üblicherweise Ehe- oder eingetragene Lebenspartner*innen mit Kindern gegenseitig als Alleinerb*innen (Vollerb*innen) ein. Damit unterbrechen sie die gesetzliche Erbfolge, und der Nachwuchs geht – zumindest vorübergehend – leer aus. Er erbt frühestens, nachdem auch der andere Elternteil gestorben ist. Kinder werden damit zu sogenannten Schlusserb*innen. Der Sinn der Sache:

  • Die*Der verbliebene Partner*in ist finanziell versorgt und kann seinen gewohnten Lebensstandard halten.
  • Auseinandersetzungen mit den Kindern (oder anderen Angehörigen), die laut Gesetz eigentlich auch erbberechtigt sind, werden in der Regel vermieden.

Kurze Wortkunde: Wer von den beiden Partner*innen zuerst stirbt, wird rechtlich als „Erstversterbender“ bezeichnet, die andere Person als „Zuletzversterbender“.

Was steht drin?

Das Berliner Testament können die Ehepartner*innen selbst verfassen. Das spart Notarkosten. Es genügt, das Schreiben beispielsweise in einer Schublade zu hinterlegen. Damit der letzte Wille gültig ist, muss er folgende Bedingungen erfüllen:

  • Das Berliner Testament ist (von einer*einem der Partner*innen) vollständig handschriftlich aufgesetzt. Ein Ausdruck genügt nicht.
  • Beide Partner*innen unterschreiben es jeweils unter Angabe von Ort und Datum.

Die Kernaussage sollte sein: „Wir setzen uns gegenseitig als Alleinerbin beziehungsweise Alleinerben ein.“ Besonders kompliziert ist das nicht, wie das Muster eines Berliner Testaments weiter unten zeigt.

Aber manchmal lässt sich die Angelegenheit doch nicht so einfach lösen. Unter Umständen stehen die Paare nämlich vor Fragen wie:

  • Was ist, wenn Kinder von anderen Partner*innen (Stiefkinder) miterben sollen?
  • Was ist, wenn der noch lebende Partner*in wieder heiratet?
  • Was ist, falls ein Schlusserbe das Erbe ausschlägt? Wer soll dann erben (Ersatzerb*innen)?
  • Was ist, wenn der Letztversterbende irgendwann andere Pläne mit seinem Nachlass hat als ursprünglich vereinbart (Wechselbezüglichkeit)?

Solche und ähnliche Umstände lassen sich zwar auch selbst in einem Berliner Testament regeln. Der Teufel steckt hier allerdings im Detail. Denn nicht alles, was juristische Laien aufsetzen, hält möglicherweise in einem späteren Streitfall ums Erbe vor Gericht stand. Was gut gemeint war, könnte dort eventuell erfolgreich angefochten werden. Und sei es nur, weil ein bestimmtes Wort an einer maßgeblichen Stelle im letzten gemeinschaftlichen Willen fehlt. In solchen Fällen kann ein*e Notar*in helfen. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Ein Ehepaar lässt sich von einer Notarin beraten
© istock/nicexray/2017  In speziellen Familienverhältnissen oder für eine Änderung des Testaments ist eine notarielle Beratung sinnvoll.

Was kostet es?

Das Risiko einer unklaren Formulierung lässt sich vermeiden, wenn ein*e Notar*in das Berliner Testament rechtssicher formuliert und darin alle Eventualitäten berücksichtigt. Anschließend wird das Dokument als öffentliche Urkunde im zentralen Testamentsregister der Bundesnotarkammer verwahrt. So kann es nicht verschwinden und liegt im Todesfall zuverlässig vor. Dieser Service hat natürlich seinen Preis.

Die Kosten eines notariell aufgesetzten Berliner Testaments richten sich nach dem Umfang (Geschäftswert) des voraussichtlichen Erbes. Das ist das, was nach Abzug von Schulden, Krediten oder sonstigen finanziellen Verpflichtungen an Vermögen übrig bleibt.

Konkret regelt das Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) die Höhe der Gebühren. Beispiele für die Kosten:

Notarkosten für ein Berliner Testament
GeschäftswertGebühren*
10.000 Euro150 Euro
20.000 Euro230 Euro
50.000 Euro330 Euro
200.000 Euro870 Euro
500.000 Euro1.870 Euro
1.000.000 Euro3.470 Euro
*jeweils zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer/Stand November 2019

Auch Rechtsanwält*innen können beim Berliner Testament helfen. Die Kosten vereinbaren Sie – abhängig vom (zeitlichen) Aufwand – frei mit den Mandanten. In der Regel verlangen Anwält*innen weniger Honorar als Notar*innen, die an ihre Gebührenordnung gebunden sind.

Muster für ein Berliner Testament

Es folgt das Beispiel eines einfachen Berliner Testaments. Darin setzen sich die Partner*innen gegenseitig als Alleinerb*innen ein. Außerdem bestimmen sie ihre gemeinsamen Kinder zu Schlusserb*innen. Ist die Ausgangslage komplexer, kann – wie gesagt – juristischer Rat weiterhelfen. Zur Erinnerung: Das Berliner Testament muss komplett handschriftlich angefertigt sein! Hier die Vorlage:

Berliner Testament

Wir, die Eheleute Vorname Nachname, geboren am Datum in Ortsname, und Vorname Nachname, geboren am Datum in Ortsname, derzeit wohnhaft in Adresse, setzen uns hiermit gegenseitig als Vollerb*innen unseres gesamten Vermögens ein.

Zu Schlusserb*innen des Zuletzversterbenden setzen wir zu gleichen Teilen unsere gemeinsamen Kinder (jeweils Vornamen Nachnamen, Geburtsort und Geburtsdatum, derzeitige Adresse nennen) ein. Das gilt auch für den Fall, dass wir gleichzeitig sterben.

Der Zuletzversterbende ist berechtigt, hiervon abweichende letztwillentliche Verfügungen zu treffen.

Ort, Datum Unterschriften beider Ehepartner*innen

Die Vorlage als Word-Dokument herunterladen

Was passiert mit dem Pflichtteil beim Berliner Testament?

Der Pflichtteil spielt immer dann eine Rolle, wenn ein*e Erbberechtigte*r im Testament übergangen wurde. Dann können zum Beispiel alle Kinder einen rechtlich festgelegten Anteil am Erbe einfordern – sogar dann, wenn sie ausdrücklich enterbt wurden. Wie das genau geregelt ist, lesen Sie im Ratgeber „Pflichtteil: Wer kriegt was vom Erbe?“.

Beim Berliner Testament tritt genau dieser Fall ein: Der Nachwuchs wird – zunächst – übergangen. Deshalb gilt hier rein rechtlich, dass die Kinder ihren Pflichtteil einfordern dürfen. Und zwar bei jedem Elternteil einzeln, also einmal nach dem Tod des ersten Elternteils, dann noch einmal nach dem Tod des zweiten.

Die meisten Kinder respektieren natürlich den Wunsch der Eltern und warten auf ihr vollständiges Erbe nach dem Tod des zweiten Elternteils. Aber was, wenn nicht? Was, wenn eines der Kinder schon nach dem Tod des ersten Elternteils etwas erben will und den Pflichtteil einfordert?

Rentnerpaar mit seinen Kindern auf der Terasse
© istock/Aja Koska/2019  Wenn der Familienfrieden nicht hält, kann ein Kind schon nach dem Tod des ersten Elternteils etwas erben.

Um das zumindest zu erschweren, können die Eheleute eine sogenannte Pflichtteilsstrafklausel in ihr Berliner Testament einfügen. Sie besagt in etwa: Wer nach dem Tod des ersten Elternteils den Pflichtteil einfordert, bekommt beim Tod des zweiten Elternteils ebenfalls nur noch den Pflichtteil. Das kann ein Kind teuer zu stehen kommen, wenn es ansonsten „normal“ geerbt hätte.

Beispiel: Ein Ehepaar hat zwei Kinder und 100.000 Euro zu vererben. Sprich: Wenn beide verstorben sind, würde jedes Kind 50.000 Euro erben. So lange will ein Kind aber nicht warten und verlangt nach dem Tod des Vaters trotz Pflichtteilsstrafklausel seinen Pflichtteil. Der beträgt in diesem Fall 12.500 Euro. Nach dem Tod der Mutter bekommt es ebenfalls 12.500 Euro. Unterm Strich erbt es also nur 25.000 Euro statt 50.000 Euro.

Die Pflichtteilsstrafklausel können Sie zum Beispiel mit dieser Formulierung in Ihr Berliner Testament aufnehmen:

„Verlangt einer der Pflichtteilsberechtigten des Erstversterbenden gegen den Willen des Längstlebenden seinen Pflichtteil, so steht diesem auch nach dem Tod des Letztversterbenden nur der Pflichtteil zu.“

Es ist ratsam, bei der Pflichtteilsstrafklausel anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es kann nämlich zu Schwierigkeiten kommen, zum Beispiel wenn das Erbe hauptsächlich aus einer Immobilie besteht, die verkauft werden müsste, um den Pflichtteil auszahlen zu können.

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